PATTAYA, Thailand – Eine 42-jährige Frau sitzt in Polizeigewahrsam, weil sie Goldläden mit angeblich vergoldeten Stahlarmbändern getäuscht haben soll. Geschäftsinhaber sprechen von einem Gesamtschaden von rund 5,5 Millionen Baht. Laut Polizei prüfen die Ermittler, ob hinter den Taten ein organisierter Betrugsring steckt.
Festnahme in einem Hotelzimmer in Phaya Thai
Beamte der Polizeiwache Din Daeng nahmen die 42-jährige Sunisa, im Umfeld als Ae bekannt, am 8. Oktober gegen 17 Uhr im Zimmer 280 eines Hotels in Sam Sen Nai im Stadtteil Phaya Thai fest. Grundlage war ein Haftbefehl des Provinzgerichts Pattaya wegen Betrugs mit dem Aktenzeichen 160/2569. Die Händler hatten zuvor einen privaten Ermittler beauftragt, der die Frau aufspürte.
Am 9. Oktober wurde die Verdächtige auf der Wache Huai Yai vernommen, geleitet vom Wachleiter Pol. Col. Warawut Nittayawan. Die Ermittler befragten sie mehr als zwei Stunden lang. Sunisa stammt aus Chanthaburi. Nach Angaben der Beamten veränderte sich ihre Schilderung dabei immer wieder.
Ein Goldarmband für 275.000 Baht
Der Fall geht auf einen Verpfändungstermin am 4. September in einem Laden im Raum Huai Yai zurück. Die Frau soll ein Armband gebracht haben, das 5 Baht Gold wiegen sollte, nach thailändischem Gewicht rund 76 Gramm. Dafür zahlte der Laden 275.000 Baht.
Die Verdächtige soll der Polizei erzählt haben, sie sei nicht die Besitzerin der Schmuckstücke. Ein dunkelhäutiger Ausländer namens Joe, den sie im Juli kennengelernt habe, habe ihr jedes Mal 10.000 Baht gezahlt, wenn sie Goldarmbänder verpfändete. Sie will nicht gewusst haben, dass die Stücke gefälscht waren. Sie sagte außerdem, sie habe dafür Geschäfte in Bangkok, den umliegenden Provinzen sowie in Samut Prakan, Chachoengsao und Chonburi genutzt.
Feilen-Test enttarnt die Fälschung
Chalada Maihlueang, 39, betreibt den Laden Suwanna Thongdee Yaowarat an der Gemeindestraße Huai Yai in Moo 1. Sie zeigte Reportern das Armband und die Aufnahmen der Überwachungskamera. Von außen sieht das Stück nach Gold aus. Mit einer Feile oder einem Schleifgerät kommt man aber bis zu einer gewöhnlichen Stahlkette durch. Chalada sagte, die Herstellung habe ihrer Ansicht nach einen professionellen Goldschmied erfordert.
Die Kamera zeigt laut Chalada, wie die Frau mit einem Lieferwagen vorfährt und bittet, ein Armband zu verpfänden. Dabei hielt sie ihr linkes Handgelenk hin, damit es ihr abgenommen wird. Ihr Sohn war an dem Tag allein im Laden. Weil die Vergoldung echt war, brauchte man eine Lupe oder ein Schleifgerät, um den Betrug zu erkennen. Als Chalada zurückkam und das Stück aufschnitt, erstattete sie Anzeige.
Mehr als 20 Läden in fünf Provinzen betroffen
Danach tauschten sich Goldhändler in einer Line-Gruppe aus. Inhaber aus Bangkok, Pathum Thani, Samut Prakan, Chachoengsao und Chonburi berichten, dass mehr als 20 Geschäfte nach derselben Masche Armbänder angenommen haben. Die Frau habe dabei immer ihren echten Namen angegeben. Der Gesamtschaden liege bei etwa 5,5 Millionen Baht. Chalada sagt, sie könne nachts nicht schlafen, weil sie befürchte, die Frau mache weiter.
Auch Wannaporn Phuchong, 37, Inhaberin von Bangkok 5 Gold in Na Mueang im Bezirk Mueang Chachoengsao, meldete sich bei der Polizei in Huai Yai. Am 26. August soll die Frau bei ihr ein Armband für 250.000 Baht verpfändet haben, wieder mit dem Trick, dass Mitarbeiter es vom Handgelenk abnahmen. Ein späterer Test ergab, dass das Stück nur vergoldet war.
Händler warnen andere Läden vor der Masche
Die Inhaber bitten andere Geschäfte, auf eine Frau zu achten, die sich ein Armband vom Handgelenk nehmen lässt, es verpfänden statt verkaufen will und von weiteren Käufen spricht. Beim Verkauf werde meist ein Schmelztest gemacht, bei einer Verpfändung oft nicht. Die Händler glauben nicht, dass die Frau allein gehandelt hat. Sie fordern, dass jede Wache, bei der eine Anzeige eingegangen ist, einen eigenen Haftbefehl erlässt.
Die Ermittler suchen laut Polizei nach weiteren Beteiligten in der Kette. Eine Überprüfung der Akten ergab außerdem rund zehn frühere Verfahren der Verdächtigen nach Drogengesetzen und dem Computerkriminalitätsgesetz.
Paragraf 341 sieht bis zu drei Jahre Haft vor
Einfacher Betrug nach Paragraf 341 des Strafgesetzbuches kann mit bis zu drei Jahren Haft, einer Geldstrafe bis zu 60.000 Baht oder beidem bestraft werden. Jeder betroffene Laden kann als eigene Tat gezählt werden. Der Fall lässt sich außerdem durch einen Vergleich beilegen. Angesichts eines behaupteten Schadens von 5,5 Millionen Baht dürfte eine einzelne Geldstrafe kaum dem Ausmaß entsprechen, das die Händler beschreiben.
Die Polizei will am 10. Oktober beim Provinzgericht Pattaya beantragen, die Frau in Untersuchungshaft zu behalten. Bis dahin bleibt sie in Gewahrsam.
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