BANGKOK, THAILAND – Der Korruptionsfall gegen Ex-Vize-Polizeichef General Surachate „Big Joke“ Hakparn ist in eine entscheidende Phase eingetreten: Die Ermittler haben die Akten der Nationalen Anti-Korruptionskommission übergeben, parallel wartet der frühere Spitzenpolizist auf ein Urteil des höchsten Verwaltungsgerichts zu seiner Suspendierung.
Brisante Akte bei der Anti-Korruptionskommission
Der leitende Ermittler Police Major General Jaroonkiat Pankaew bestätigte, dass die Anti-Corruption Division die Fallakte an die National Anti-Corruption Commission (NACC) übergeben hat. Grundlage ist Section 61 der nationalen Anti-Korruptionsgesetze.
Nach seinen Angaben ist die Untersuchung zu über 90 Prozent abgeschlossen. Die restlichen Unterlagen sollen nachgereicht werden, doch der Fall liegt nun offiziell bei der Kommission. Die NACC hat 30 Tage Zeit, zu entscheiden, ob sie das Verfahren selbst führt oder die Akte zurück an die Ermittler gibt.
Jaroonkiat sprach von einem umfangreichen Beweiskorpus. Dazu gehören auch Audio- und Videoaufnahmen, die zeitnah öffentlich gemacht werden sollen, sowie Aussagen ehemaliger Untergebener des Ex-Polizeichefs.
Vorwürfe um Goldbarren und Online-Glücksspiel
Im Zentrum der Korruptionsvorwürfe steht der Verdacht des versuchten Bestechens durch General Surachate in Form von Goldbarren mit einem Gesamtgewicht von 246 Baht. Zielperson soll ein Kommissar der NACC gewesen sein.
Mit dem angeblichen Goldgeschenk sollte laut Ermittlern Einfluss auf eine bereits bei der NACC anhängige Untersuchung zu einem Online-Glücksspielfall genommen werden. Surachate weist dies entschieden zurück.
Parallel laufen strafrechtliche Ermittlungen wegen mutmaßlicher Verbindungen zur Glücksspielplattform BNKMASTER sowie wegen Geldwäsche. Der frühere Vize-Polizeichef wird beschuldigt, an einer Verschwörung zur Geldwäsche beteiligt und als Amtsträger in Geldwäschefälle verstrickt gewesen zu sein.
Sechs Beschuldigte, Kritik an Kommissaren
Bislang wurden sechs Verdächtige in dem Korruptionsverfahren identifiziert. Einige haben die Vorwürfe bereits eingeräumt, andere noch nicht. Die Namen wurden nicht vollständig veröffentlicht.
Jaroonkiat erklärte, er halte die Beweislage für ausreichend, um Verantwortliche zu verurteilen. Ermittler haben zudem Einsprüche gegen NACC-Kommissare eingereicht, die sich weigerten, an der Untersuchung mitzuwirken.
Zusätzlich soll ein Schreiben an den Präsidenten des Senats gehen, in dem die Rolle dieser Kommissare näher dargelegt wird.
• Wesentliche Beweise: Audio- und Videoaufnahmen
• Zentrale Vorwürfe: Bestechung, Einflussnahme auf Korruptionsermittlungen
• Weitere Komplexe: Online-Glücksspiel BNKMASTER, Geldwäsche
Big Joke weist alle Vorwürfe zurück
General Surachate bestreitet sämtliche Anschuldigungen. Er lehnt jede Beteiligung an Bestechung, am Betrieb oder an der Unterstützung der Seite BNKMASTER und an Geldwäscheaktivitäten ab.
Er kritisiert die Ermittlungen der Anti-Korruptionspolizei scharf und spricht von einem unrechtmäßigen Vorgehen. Nach seinen Angaben seien Untergebene mit Anreizen bis hin zu einer möglichen Wiedereinstellung dazu bewegt worden, belastende Aussagen gegen ihn zu machen.
Er behauptet, es habe Unregelmäßigkeiten bei der Beweiserhebung gegeben und verweist auf angeblichen Druck auf beteiligte Beamte.
Rechtsstreit um Suspendierung und drohende Weichenstellung
Neben dem Korruptionsfall läuft ein zweites, politisch heikles Verfahren: Surachate wehrt sich gegen seine Suspendierung aus dem Polizeidienst. Am 18. April 2024 war gegen ihn der Befehl Nr. 178/2567 des Commissioner General der Royal Thai Police ergangen.
Die Maßnahme folgte auf Vorwürfe eines schweren disziplinarischen Fehlverhaltens im Zusammenhang mit der Glücksspielseite BNKMASTER. Bereits am 1. April 2024 hatte das Criminal Court einen Haftbefehl gegen den Ex-Top-Polizisten erlassen.
Einspruch zurückgewiesen
Die Suspendierungsanordnung wurde von National Police Commissioner General Kittirat Phanphet unterzeichnet und von Premierminister Srettha Thavisin gegengezeichnet. Der interne Einspruch Surachates bei der Civil Service Commission der Royal Thai Police wurde zurückgewiesen.
Surachate hält die Suspendierung für rechtswidrig und macht persönliche Nachteile und Schäden geltend. Deshalb hat er das Supreme Administrative Court angerufen und fordert seine Wiedereinsetzung.
Höchstrichterliches Urteil am 9. Januar
Der Supreme Administrative Court hat den 9. Januar für seine Entscheidung angesetzt. Beklagte sind der Commissioner General der Royal Thai Police, das Police Civil Service Ethics Committee sowie der Premierminister.
Das Gericht wird klären, ob der Suspendierungsbefehl rechtmäßig war. Das Urteil gilt als entscheidend für die weitere Laufbahn Surachates: Es könnte seine Rückkehr in die Royal Thai Police ermöglichen oder seine Suspendierung bestätigen.
Parallel dazu sorgt der Fall für zusätzliche Brisanz: Es stehen Vorwürfe einer Beeinflussung innerhalb der Verwaltungsgerichtsbarkeit im Raum. Surachate hat deshalb beim Criminal Court for Corruption Cases Strafanzeigen gegen hochrangige Verwaltungsrichter eingereicht.
Dreifronten-Konflikt: Polizei, Anti-Korruption, Justiz
Der Konflikt um „Big Joke“ hat sich zu einem der prominentesten Polizeiskandale des Landes entwickelt. Er umfasst die Spitze der Strafverfolgungsbehörden, die Anti-Korruptionsinstitutionen und nun auch die höchste Verwaltungsgerichtsbarkeit.
Die nächsten Tage gelten als richtungsweisend: Während die NACC innerhalb von 30 Tagen über den Umgang mit der Korruptionsakte entscheiden muss, bereitet sich das Supreme Administrative Court auf sein Urteil vor.
Wie geht es für Big Joke weiter?
Surachate hält an seiner vollständigen Unschuld fest, bezeichnet die Verfahren gegen ihn als unrechtmäßig und stellt die Integrität der Ermittlungen in Frage. Die Ermittler wiederum verweisen auf umfangreiche Beweise und zeigen sich überzeugt, eine Verurteilung erreichen zu können.
Die Entscheidung von Anti-Korruptionskommission und Verwaltungsgericht dürfte maßgeblich bestimmen, wie es für den früheren Vize-Polizeichef weitergeht – die straf- und disziplinarrechtlichen Ermittlungen laufen währenddessen unvermindert weiter.
🗣 Rechtsstaat am Prüfstand – Zufall oder System?
Ton- und Videoaufnahmen, Goldbarren-Vorwürfe, interne Zeugen – und parallel ein Urteil, das über die Rückkehr eines der bekanntesten Polizisten des Landes entscheidet.
Ist das ein konsequenter Schritt gegen Korruption oder ein weiterer Beleg für tiefe Risse im Machtgefüge?
Und was bedeutet es für das Vertrauen in Polizei und Justiz, wenn sich Verfahren, Gegenvorwürfe und politische Ebenen überlagern?
Steht hier eine Einzelperson vor Gericht – oder ein ganzes System?



