BANGKOK, THAILAND – Eine Politikerin der People’s Party warnt vor dem niedrigsten Geburtenniveau in Thailand seit 75 Jahren und einer rasch alternden Gesellschaft. Bis 2036 könnte ein Drittel der Bevölkerung über 60 sein, während Millionen Arbeitskräfte fehlen – mit gravierenden Folgen für Wirtschaft und Sozialsysteme.
Geburten auf 75-Jahres-Tief, Bevölkerung schrumpft
Die People’s-Party-Politikerin Natthaya Boonphakdee erklärte am Donnerstag, das Geburtenniveau in Thailand sei auf den niedrigsten Stand seit 75 Jahren gefallen. Zugleich verschärfe sich die demografische Lage durch eine alternde Bevölkerung.
Parallel dazu übersteigen die Sterbefälle die Geburten seit fünf Jahren in Folge. Damit befindet sich Thailand in einem anhaltenden Bevölkerungsrückgang, der sich laut Natthaya weiter beschleunigt.
Aktuelle Zahlen: weniger Geburten, mehr Sterbefälle
Natthaya präsentierte aktualisierte Bevölkerungsdaten und bezifferte die Geburten im Jahr 2025 auf 416.574. Das seien fast 50.000 weniger als im Vorjahr.
Die Zahl der Todesfälle habe 2025 bei 559.684 gelegen. Dadurch verzeichnete das Land laut ihren Angaben das fünfte Jahr in Folge eine negative Bevölkerungsbilanz.
Ausblick: Geburten könnten unter 400.000 fallen
Für das kommende Jahr stellte Natthaya eine weitere Verschlechterung in Aussicht, falls sich die Rahmenbedingungen nicht ändern. Dann könnten die Geburten erstmals unter 400.000 sinken.
Sie warnte, Thailand steuere damit auf ein tieferes demografisches Ungleichgewicht zu. Der Trend sei nicht nur anhaltend, sondern zunehmend dynamisch.
Super-Aged Society bis 2036: ein Drittel über 60
Bis 2036 könnte nach Natthayas Prognose rund ein Drittel der thailändischen Bevölkerung über 60 Jahre alt sein. Damit würde Thailand zur „super-aged society“ werden.
Gleichzeitig könne das Land in den nächsten zehn Jahren mehr als 2,5 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter verlieren. Das verschärfe die langfristigen Risiken für Arbeitsmarkt und Wachstum.
Wirtschaftliche Folgen: schrumpfender Arbeitsmarkt, alternder Binnenmarkt
Natthaya verknüpfte die Entwicklung mit einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung und sinkender wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit in den kommenden Jahren. Beobachter verweisen zudem auf eine strukturelle Spannung: Der Binnenmarkt altert und schrumpft zugleich.
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Als Konsequenz könnten Arbeitskräfteengpässe künftig deutlich stärker ausfallen. Das erhöht den Druck auf Unternehmen, Produktivität und staatliche Systeme, die von Beitragszahlern abhängen.
Umfrage: Kinderwunsch bleibt, aber Kosten bremsen
Trotz der Zahlen zeigt eine Umfrage der Mahidol-Universität, dass jüngere Generationen weiterhin Kinder haben möchten. Das gilt laut Bericht sowohl für Gen Y als auch für Gen Z.
Als zentrale Hürden nannten Befragte hohe Kosten, Sorgen um Lebensqualität und fehlende Betreuung während der Arbeitszeiten. Die Studie deutet damit eher auf strukturelle Barrieren als auf sinkende Nachfrage nach Kindern hin.
Kritik an Regierungspolitik: zu wenig konkrete Familienhilfe
Abgeordnete der People’s Party kritisierten die politische Ausrichtung der Regierung und verwiesen auf die Regierungserklärung mit insgesamt 70 Politikfeldern. Aus ihrer Sicht fehlten darin klare Maßnahmen zur Familienförderung, insbesondere ein direkter Rahmen für Kinderbetreuung.
Auch Entlastungen bei den Lebenshaltungskosten seien begrenzt, so die Kritik. Maßnahmen vom 11. April zur Abfederung von Treibstoffpreisen würden die breiteren Haushaltskosten nicht ausreichend senken.
Teurer Schulstart: Mai als Belastungsmonat für Familien
Die People’s Party verwies zudem auf steigende Ausgaben rund um die Wiedereröffnung der Schulen. Der Mai wurde als Monat mit besonders hohen Kosten für Familien hervorgehoben.
Dadurch steige der finanzielle Druck auf Eltern zusätzlich. In der Folge könnten Haushalte stärker in Bedrängnis geraten, wenn mehrere Kostenblöcke gleichzeitig anfallen.
Zwei-Phasen-Plan: schnelle Entlastung und Systemwechsel
Als Antwort schlägt die People’s Party einen zweistufigen Übergang zu mehr Wohlfahrt vor. Phase eins soll akute Kostenprobleme adressieren, insbesondere Schul- und Haushaltsausgaben.
In dieser Phase ist eine universelle Kinderbeihilfe vorgesehen, die nicht nur für einkommensschwache Haushalte gelten soll. Stattdessen sollen alle Familien Unterstützung für Neugeborene erhalten.
Schulbudget und kostenlose Mahlzeiten: weniger Abbrüche, bessere Ernährung
Zusätzlich sieht der Vorschlag ein „Back-to-School“-Budget vor, das einkommensschwache Haushalte sowie Bauern und Fischer unterstützen soll. Ziel ist es, das Risiko von Schulabbrüchen zu senken.
Geplant sind außerdem zwei kostenlose Mahlzeiten pro Schüler und Tag sowie höhere Pro-Kopf-Zuweisungen an Schulen. Damit sollen Frühstück und Mittagessen ermöglicht und zugleich Haushaltskosten reduziert werden.
Ab 2028: Unterstützung ab Schwangerschaft und Ausbau von Krippen
Die zweite Phase soll ab dem Haushaltsjahr 2028 starten und Kinderbetreuung über monatliche Zuschüsse finanzieren. Die Zahlungen sollen ab dem fünften Schwangerschaftsmonat beginnen und bis in die frühe Kindheitsentwicklung reichen.
Außerdem sollen landesweit kommunale Einrichtungen für Kinder von null bis zwei Jahren aufgebaut werden. Lokale Systeme sollen Betreuungszeiten bis 18 Uhr anbieten, um sich an Arbeitszeiten von Eltern anzupassen.



Wer heutzutage noch Kinder in die Welt setzen will,der sollte vorher einen Psychiater aufsuchen!