Grenzstreit eskaliert: Thailand stoppt alle Gespräche mit Kambodscha

Alle Grenzübergänge bleiben dicht! Nach dem Abbruch aller direkten Verhandlungen droht im Streit um Öl und Gas Milliardenwert ein diplomatischer Scherbenhaufen – Wie reagiert Kambodscha auf diesen harten Alleingang?

Grenzstreit eskaliert: Thailand stoppt alle Gespräche mit Kambodscha
Apichart Jinakul / Bangkok Post

BANGKOK, Thailand – Thailand hat sich einem von Kambodscha gewählten UN-Schlichtungsverfahren angeschlossen, um einen jahrzehntelangen Streit um Seegrenzen im Golf von Thailand zu klären, zugleich werden alle bilateralen Gespräche ausgesetzt und die Landgrenzen geschlossen. Die Entscheidung betrifft rund 26.000 Quadratkilometer mit großen Erdgas- und Ölvorkommen und könnte weitreichende wirtschaftliche Folgen haben.

Thailand bestätigt Beitritt zur UN-Schlichtung

Außenminister Sihasak Phuangketkeow teilte mit, Thailand werde dem von Kambodscha gewählten Verfahren nach der UN-Seerechtskonvention folgen und zwei internationale Rechtsexperten entsenden.

Er betonte, das Land nehme „zu eigenen Bedingungen“ teil und sei nicht in den Prozess „hineingezogen“ worden, sondern habe die Entscheidung bewusst getroffen.

Bilaterale Gespräche gestoppt, Grenzübergänge bleiben zu

Premierminister Anutin Charnvirakul kündigte an, alle anderen bilateralen Gespräche mit Kambodscha – auch über Landgrenzen – vorerst auszusetzen.

Er sagte außerdem: „Wir werden UNCLOS nutzen, was bedeutet, dass es von nun an keine Gespräche mehr geben wird … oder andere Formen der Zusammenarbeit.“

Kambodscha wollte obligatorische Schlichtung

Kambodscha hatte das obligatorische Schlichtungsverfahren nach UNCLOS öffentlich angekündigt, bevor Thailand offiziell informiert wurde.

Der kambodschanische Außenminister Prak Sokhonn erklärte, die bilateralen Bemühungen seien erschöpft, und hofft, Thailand beteilige sich „in gutem Glauben“ an dem Verfahren.

Was auf dem Spiel steht

Beide Länder beanspruchen rund 26.000 Quadratkilometer im Golf von Thailand, in denen nach Schätzungen fast 12 Billionen Kubikfuß Erdgas und große Ölvorkommen liegen.

Der geschätzte Wert der Ressourcen wird mit rund 300 Milliarden Dollar beziffert, was die Bedeutung des Streits für beide Seiten erklärt.

Gewaltige Vorgeschichte und aktueller Friedensstand

Im vergangenen Jahr waren zwei Gewaltrunden an der Grenze mit fast 150 Toten und mindestens 300.000 Vertriebenen verbunden.

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Ein Waffenstillstand von Dezember hält zwar weiter, doch die Spannungen blieben hoch, was die Wahl des UN-Wegs durch Kambodscha mit beeinflusste.

Ablauf der Schlichtung und Aussichten

Das UN-Verfahren sieht ein fünfköpfiges Gremium vor, das nicht bindende Empfehlungen abgibt; Osttimor nutzte diesen Weg bereits gegen Australien und klärte einen Streit in knapp zwei Jahren.

Sihasak verwies darauf, dass Thailand zunächst bilaterale Gespräche vorgeschlagen habe – „Warum geben wir den Gesprächen nicht eine Chance? Sechs Monate oder so“ – und ergänzte, seit dem 2. Juni habe es keine informellen oder formellen Gespräche mehr mit der kambodschanischen Seite gegeben.

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Quelle: Bangkok Post Thailand

3 Kommentare zu „Grenzstreit eskaliert: Thailand stoppt alle Gespräche mit Kambodscha

  1. Die nächsten militärischen Auseinandersetzungen zwischen Thailand und Kambodscha sind meiner Meinung nach vorprogrammiert. Thailändische Politiker sollten bedenken, dass ein Raketeneinschlag in einer Touristenhochburg wie zum Beispiel Pattaya den gesamten Tourismus in Thailand nachhaltig schädigen kann, um es mal diplomatisch auszudrücken. Thailand sollte sich flexibler verhalten und nicht auf extreme nationalistische Positionen setzen.

  2. Ich sehe das ähnlich. Iran macht es gerade vor.
    Hier ist meiner Meinung nach hohe Diplomatie angesagt. Ohne großes Geschrei und rum Posaunen aller Sozialen Medien. Irgendwie habe ich das Gefühl, die hohe und stille Diplomatie haben die Politiker verlernt.
    Diese Diplomatie ist langwierig und man kann sich dabei nicht profilieren.
    Ich glaube ich habe ein sehr altmodische Auffassung, wie man Konflikte löst.
    Ich weiß, mir haut man gleich den Nahostkonflikt um die Ohren, mit meiner Auffassung.

  3. Man kann ja wirklich nicht behaupten, dass die regierenden Nationalisten diesen schwelenden Konflikt mit Kambodscha ausgelöst und/oder verursacht hätten. Nein, das hat die Familie Shinawatra ganz eigenständig hinbekommen. Angefangen mit dem berühmten MoU 44 aus den Nuller-Jahren, bis hin zum Versuch den Hun Clan bei der Ausbeutung des vermuteten Erdöl- und Gasfeldes vor dem umstrittenen Küstenstreifen auszubooten. War vielleicht auch eine ganz blöde Idee sich dabei ausgerechnet Benjamin Mauerberger bedienen zu wollen. Einer der ja bekanntlich auch außergewöhnlich gute Beziehungen nach Kambodscha hat. Die Krone war dann nur noch das geleakte Telefonat von der Frau Tochter und MP. So ist der Bhumjaithai die Macht im Lande geradezu in den Schoß gefallen. Und diesen Konflikt immer schön am Köcheln zu halten ist das Beste was ihnen passieren konnte. Geradezu das Sahnehäubchen oben drauf, um die nationalen Interessen eindrucksvoll bewahren zu können. So ein bisschen Feind in der Nachbarschaft lässt die Nation natürlich demonstrativ zusammenrücken.
    Und ja, dass es überhaupt zu so einem Wirrwarr vor der Küste hat kommen können, haben wir maßgeblich den Franzosen als frühere Kolonialmacht in Kambodscha zu verdanken. Die haben letztlich überhaupt erst dafür gesorgt, dass dieser, teils nur wenige hundert Meter breite, thailändische Strandabschnitt tief in kambodschanisches Gebiet ragen kann.

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