Landbrücke in Süd-Thailand in Kritik: Experten fordern Stopp

Nur 5 Kilometer Radius geprüft, aber Mega-Häfen sollen ganze Küsten treffen: Warum hält die Regierung die Umwelt- und Gesundheitsberichte unter Verschluss? 🚨

Landbrücke in Süd-Thailand in Kritik: Experten fordern Stopp
Bangkok Post

BANGKOK, THAILAND – Ein Bündnis aus Wissenschaftlern, Umweltorganisationen und zivilgesellschaftlichen Gruppen fordert von Premierminister Anutin Charnvirakul die vollständige Offenlegung aller Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeitsprüfungen (EHIA) zum geplanten „Southern Land Bridge“-Megaprojekt. Zudem verlangen die Aktivisten eine Verzögerung des Genehmigungsprozesses, weil sie Transparenzmängel und Zweifel an zentralen Studien sehen.

Offener Brief an Anutin: Berichte offenlegen, Tempo drosseln

In einem am 10. April eingereichten offenen Brief drängte die Koalition den Premierminister, sämtliche EHIA-Unterlagen zum Land-Bridge-Vorhaben öffentlich zugänglich zu machen.

Gleichzeitig forderten die Unterzeichner, die Entscheidung über das Projekt zu verschieben, bis die Vorwürfe zu Transparenz und Studienqualität geklärt sind.

Kritik am „Fast-Track“ und an neuer Gesetzgebung

Die Gruppen kritisierten, dass die Regierung das Chumphon–Ranong-Land-Bridge-Projekt beschleunigt vorantreibe und parallel an einem Gesetz für den „Southern Special Economic Corridor“ arbeite.

Nach Darstellung der Koalition geschehe dies ohne ausreichende öffentliche Kontrolle und auf Basis von Untersuchungen, die wirtschaftliche Machbarkeit, Umweltfolgen und Risiken für lokale Gemeinden nicht realistisch abbildeten.

Warum die Land Bridge so umstritten ist

Die Idee einer Landverbindung zwischen Ranong und Chumphon existiert seit rund vier Jahrzehnten und wurde von verschiedenen Regierungen immer wieder aufgegriffen.

Geplant sind Tiefseehäfen in Ranong und Chumphon, verbunden durch Straße, Schiene, Pipelines und weitere Infrastruktur über eine Strecke von etwa 100 Kilometern.

Versprochener Nutzen: Malakka umgehen – aber zu welchem Preis?

Befürworter argumentieren, die Verbindung könne Transportzeiten zwischen Indischem und Pazifischem Ozean verkürzen, weil Schiffe die stark befahrene Straße von Malakka umgehen würden.

Kritiker stellen dagegen die Kosten und Effizienz infrage, da Container an einem Hafen entladen, über Land transportiert und am anderen Ende erneut auf Schiffe verladen werden müssten.

Neue EHIA-Studien: Zwei Tiefseehäfen im Fokus

Die Aktivisten mobilisierten erneut, nachdem EHIA-Studien für zwei geplante Tiefseehäfen eingereicht wurden: Laem Riw (Chumphon) und Laem Ao Ang (Ranong).

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Die Berichte wurden vom Office of Transport and Traffic Policy and Planning (OTP) unter dem Verkehrsministerium erstellt und werden derzeit vom Office of Natural Resources and Environmental Policy and Planning (ONEP) geprüft.

Fünf Kernvorwürfe: Wirtschaftlichkeit, Umwelt, Daten, Beteiligung, Welterbe

Erstens bezweifelt die Koalition die wirtschaftliche Tragfähigkeit und verweist auf widersprüchliche Bewertungen staatlicher Stellen: Der National Economic and Social Development Council (NESDC) habe die Investition als wirtschaftlich nicht tragfähig eingestuft, während das OTP zum gegenteiligen Ergebnis komme.

Zweitens seien die Umweltprüfungen zu eng gefasst, weil die EHIA-Auswertung nur einen Radius von fünf Kilometern um die Standorte betrachte und damit Auswirkungen auf Ökosysteme, Lebensgrundlagen und insbesondere Fischergemeinden nicht ausreichend erfasse.

Vorwurf ungenauer Daten und unzureichender Risikoprüfung

Drittens monieren die Unterzeichner Unstimmigkeiten bei Daten zur marinen Biodiversität: Die EHIA-Berichte würden Zahl und Vielfalt benthischer Arten im Vergleich zu früheren Studien geringer darstellen.

Zudem seien zentrale Risiken wie Erdbeben, Ölunfälle und Brände nicht angemessen bewertet worden, heißt es in dem Schreiben.

„Zu wenig echte Mitsprache“: Kritik an Anhörungen

Viertens bemängelt die Koalition eine unzureichende Öffentlichkeitsbeteiligung, weil betroffene Gemeinden nicht korrekt informiert worden seien.

Die Konsultationsprozesse seien zudem von Regierungsvertretern und projektbezogenen Behörden dominiert gewesen, wodurch eine unabhängige Debatte erschwert werde.

Chumphon und Ranong: Biodiversität und Unesco-Perspektive

Fünftens warnen die Gruppen, das Projekt könne den ökologischen Wert der Provinzen Chumphon und Ranong untergraben, die als besonders artenreich gelten.

Beide Provinzen wurden demnach für eine Aufnahme auf die Tentativliste (Vorschlagsliste) für Unesco-Welterbestätten ins Gespräch gebracht, was durch großflächige Eingriffe gefährdet werden könnte.

Streit um Geheimhaltung: EnLAW widerspricht Behörden

Apisak Tassanee vom Netzwerk „Beach for Life“ sagte, es gebe keine Rechtfertigung, die vollständigen EHIA-Berichte zurückzuhalten, da das Projekt Lebensgrundlagen, Gesundheit und Umwelt erheblich beeinflussen könne.

Die Umweltrechtsorganisation EnLAW wies zudem die Begründung von ONEP und OTP zurück, die sich auf das Informationsgesetz und Datenschutzbestimmungen berufen hatten, und sprach von einem Verstoß gegen verfassungsrechtliche Ansprüche auf Informationszugang und Beteiligung.

„Nicht gegen Entwicklung“ – aber gegen Entscheidungen ohne belastbare Grundlage

Die Koalition betonte, sie sei nicht grundsätzlich gegen wirtschaftliche Entwicklung, fordere jedoch eine Überprüfung der Studien und ein langsameres Vorgehen, bis die offenen Punkte geklärt sind.

Thailands Entwicklung müsse auf korrekten Informationen, ökologischer Nachhaltigkeit und Fairness beruhen, heißt es in dem Brief.

Deine Meinung

Sollte die Regierung alle EHIA-Berichte zur Land Bridge vollständig veröffentlichen, bevor weitere Schritte beschlossen werden – oder reichen zusammengefasste Informationen aus?

Wie bewertest du das Projekt insgesamt: Chance für Thailands Logistik und Wirtschaft oder Risiko für Umwelt, Küstengemeinden und langfristige Nachhaltigkeit? Diskutiere unten in den Kommentaren.

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Quelle: Bangkok Post Thailand

2 Kommentare zu „Landbrücke in Süd-Thailand in Kritik: Experten fordern Stopp

  1. Sobald etwas geheim gehalten wird, soll die Öffentlichkeit den Inhalt nicht erfahren, wahrscheinlich damit sie nicht „beunruhigt“ wird.
    Es ist absolut nicht denkbar, dass das Projekt wirtschaftlich Sinn macht. Zweimalige Umladen von Containern um die Straße von Malakka zu umgehen ist absurd. In der Zeit sind die Schiffe schon längst durch die Passage durch und in China.
    Was eventuell Sinn machen könnte für Thailand ist ein (1) Tiefseehafen am Indischen Ozean zum Import und Export….

  2. Mir fehlt völlig die Fantasie wie dieses Projekt ökonomisch gesehen jemals profitabel werden könnte. Ökologisch vermutlich sogar ein Super-GAU wäre. Aber diese Träumereien werden sich schon noch von ganz alleine beerdigen.

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