PATTAYA, THAILAND – Die Polizei hat am Mittwoch, 21. Oktober, 12 Standorte im Zusammenhang mit Immobilienbesitz im Wert von rund 800 Millionen Baht durchsucht. Der Verdacht: Ausländer haben Land und Häuser über thailändische Strohmänner und Firmenkonstruktionen kontrolliert. Beamte des Landamts warnten, dass illegal gehaltener Besitz innerhalb von 180 Tagen zwangsverkauft werden kann. Die Razzien folgten nur zwei Tage auf eine landesweite Anordnung von Premierminister Anutin Charnvirakul.
12 Firmen, 11 Häuser und 16 Grundstücke im Visier
Die Durchsuchungen betrafen 12 Firmen, 11 Wohnhäuser und 16 Grundstücke. Die Grundstücke umfassen zusammen rund 50 Rai, also etwa 80.000 Quadratmeter. Der geschätzte Gesamtwert liegt über 800 Millionen Baht.
Ausländische Käufer sollen über thailändische Namen und Firmenstrukturen Land und Häuser kontrolliert haben, was gegen Thailands Regeln für ausländischen Grundbesitz verstoßen könnte. Noch ist nicht entschieden, dass alle Objekte illegal gehalten werden. Auch das gesamte Paket ist bislang nicht eingezogen.
Einsatz ab 6 Uhr früh mit Durchsuchungsbefehlen
Die Durchsuchungen begannen am Mittwoch gegen 6 Uhr früh im Bezirk Bang Lamung in der Provinz Chonburi. Polizeigeneralmajor Chatree Suksiri, der Polizeichef der Provinz, leitete den Einsatz. Die Beamten hatten vorher Durchsuchungsbefehle vom Provinzgericht Pattaya erhalten.
Ermittler aus den Polizeistationen Bang Lamung und Nong Prue arbeiteten mit Kriminalbeamten der Provinz und Spezialeinheiten zusammen. Auch Beamte des Landamts und regionale Handelsbehörden waren dabei.
Ermittler verfolgen das Geld hinter den Firmen
Die Ermittler wollen herausfinden, ob die thailändischen Anteilseigner echte Geldgeber waren oder nur für ausländische Financiers auftraten. Dafür verfolgen sie, woher das Kaufgeld stammt. Außerdem klären sie, wer die Firmen und deren Vermögen tatsächlich kontrolliert.
Geprüft werden auch mögliche Verstöße gegen das Gesetz über ausländische Geschäfte und das Landrecht. Sollten die Vereinbarungen rechtswidrig sein, könnten Strafverfahren folgen.
85 Personen aus neun Nationalitäten erfasst
Die Ermittlungen erfassten 85 Personen, davon 54 Thailänder und 31 Ausländer. Die größte ausländische Gruppe bilden 14 Chinesen, dahinter stehen sieben Inder, drei Israelis, zwei Russen und zwei Filipinos. Außerdem wurden je ein Belgier, ein Franzose und ein Brite erfasst.
Eine englischsprachige Meldung sprach von Anklagen gegen 85 Thailänder. Die Polizei nennt jedoch 85 Personen insgesamt, darunter 54 Thailänder, und hat keine vollständige Liste veröffentlicht. Die bloße Erfassung belegt keine Straftat, die Rolle jeder Person muss erst geklärt werden.
Landamt droht mit Zwangsverkauf innerhalb von 180 Tagen
Beamte des Landamts warnten, dass illegal gehaltene Grundstücke innerhalb von 180 Tagen zwangsverkauft werden könnten. Die Rechtsgrundlage sind die Paragrafen 94 und 96 des thailändischen Landgesetzes. Der Generaldirektor des Landamts kann einen unrechtmäßigen Eigentümer zum Verkauf auffordern.
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Die Frist liegt zwischen 180 Tagen und einem Jahr, ein Bescheid kann auch sechs Monate festlegen. Verkauft der Eigentümer nicht, kann der Generaldirektor den Verkauf organisieren, etwa per Auktion. Der Erlös geht nach Abzügen in der Regel an den Eigentümer zurück, wer Land unrechtmäßig erworben hat, kann es aber trotzdem verlieren.
Luxusvilla in Nong Prue: Drei Chinesen und 100 Computer
Eine der bedeutendsten Durchsuchungen fand in einer Luxusvilla in Nong Prue statt. Das Anwesen liegt an der Soi Ruam Suk 12, Moo 3, im Bereich Pattaya und umfasst rund 1,2 Rai, also 1.920 Quadratmeter. Laut Passkontrolle waren die drei dort angetroffenen Chinesen am Samstag, 17. Oktober, nach Thailand eingereist, also nur vier Tage vor der Durchsuchung.
Im Haus fanden die Ermittler rund 100 Computersätze und elektronische Teile, teils nur halb montiert. Einige Teile tragen chinesische Markierungen und Seriennummern, die Polizei nahm Komponenten zur weiteren Prüfung mit. Wofür die Geräte bestimmt waren und ob sie mit Straftaten zu tun haben, ist noch nicht geklärt.
Bankkonto mit rund 200.000 Baht im Monat
Bei einem der drei Chinesen fanden die Beamten ein thailändisches Sparbuch. Die Transaktionen lagen im Schnitt bei rund 200.000 Baht pro Monat. Der Kontoinhaber erklärte den Beamten, das Geld stamme aus Mieteinnahmen.
Die Herkunft des Geldes hat die Polizei bislang nicht öffentlich bestätigt. Die Angabe wird zusammen mit den Finanzbeziehungen rund um die Villa geprüft.
Pattaya Vision: Firma mit chinesischen Eigentümern unter Prüfung
Im Grundbuch ist die Villa auf die Firma Pattaya Vision Co., Ltd. eingetragen. Ermittler stellten fest, dass alle Anteilseigner chinesische Staatsbürger sein sollen. Das wirft die Frage auf, ob die Firma das Grundstück überhaupt halten darf. Ausländisch kontrollierte Firmen dürfen in Thailand in der Regel kein Land besitzen, außer sie erfüllen bestimmte gesetzliche Voraussetzungen.
Die Beamten prüfen die Firmenregistrierung, die Gesellschafterlisten und den Erwerb des Grundstücks. Ob das Land über einen Strohmann gekauft wurde oder ob die Anteilseigner später wechselten, ist nicht belegt. Wegen der chinesischen Eigentümer steht die Villa nun unter direkter Beobachtung des Landamts.
Landesweite Kampagne LAND ACTION erfasst 14 Milliarden Baht
Die Razzien folgten der Anordnung von Premierminister Anutin Charnvirakul. Am 19. Oktober startete er im Regierungssitz Government House die Initiative LAND ACTION. Er ordnete an, die Ermittlungen gegen mutmaßlichen illegalen ausländischen Landbesitz zu beschleunigen.
Die Behörden erfassten landesweit 1.397 Unternehmen mit mutmaßlich unregelmäßigen Eigentumsverhältnissen, 2.360 Grundstücke im Wert von rund 14,01 Milliarden Baht und 13.088 Personen und Firmen, die untersucht werden sollen. Die Flächen umfassen insgesamt rund 5.467 Rai. Die vorrangigen Prüfungen sollen bis Dezember 2026 abgeschlossen sein.
Vorläufer im August und Anutins Warnung vor Pauschalurteilen
Die Razzien in Pattaya knüpfen an frühere Ermittlungen an. Im August hatte die Polizei bereits ein Hotel und ein Hochhaus-Kondominium untersucht, dabei ging es um mutmaßliche Unregelmäßigkeiten bei ausländischen Investitionen und Eigentum. Die Oktober-Razzia weitet den Blick nun auf Luxuswohnungen und separate Grundstücke aus.
Anutin erklärte, legitime ausländische Investitionen sollen nach geltendem thailändischem Recht weiterlaufen. Seine Anweisungen richten sich gegen unrechtmäßigen Landbesitz und entsprechende Geschäftsmodelle.
Vorladungen in Bang Lamung und offene Frage nach Anklagen
Die Beteiligten wurden zur Polizeistation in Bang Lamung vorgeladen. Die Ermittler verlangen Firmenunterlagen, Gesellschafterlisten und Erklärungen zu den Immobilienkäufen sowie Bankunterlagen. Ein Zeitplan für Zwangsverkäufe ist noch nicht veröffentlicht, und das Landamt muss die Unrechtmäßigkeit erst nachweisen.
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