PISA-Ergebnisse: Thailand holt auf – Deutschland fällt durch

Die PISA-Ergebnisse sind da: Deutschland auf historischem Tiefstand, Thailand mit Verbesserungen in allen Bereichen. Was steckt hinter dem Trendwechsel?

PISA-Ergebnisse: Thailand holt auf – Deutschland fällt durch
PISA 2025

Gestern wurden die PISA-Ergebnisse 2025 veröffentlicht. Deutschland: historischer Tiefstand. Thailand: messbare Verbesserung in allen drei Kernbereichen. Das klingt nach einer guten Geschichte. Es ist eine gute Geschichte. Aber sie ist komplizierter als die Schlagzeilen.

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Wie schlecht ist „historisch schlecht“?

Studienleiter Samuel Greiff von der Technischen Universität München wollte nicht von einem „neuen PISA-Schock“ sprechen. Er sagte trotzdem, was er sagen musste: „Wir sehen bei PISA 2025 historisch niedrige Kompetenzstände.“ Ein Drittel der deutschen 15-Jährigen fehlen Basiskompetenzen in Lesen und Mathematik. In den Naturwissenschaften ist es ein Viertel. Das sind keine Randerscheinungen, das ist der Kern des Systems.

Deutschland liegt in allen drei Bereichen nur knapp über dem OECD-Schnitt, und auch das ist statistisch nicht bedeutsam. Die Schweiz und Österreich dagegen schneiden in Lesen, Mathe und Naturwissenschaften klar besser ab. 14 OECD-Staaten lagen insgesamt vor Deutschland, darunter Estland, Kanada, Großbritannien und Finnland. Die Bildungsnation hat sich aus dem oberen Mittelfeld verabschiedet.

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Thailand: Aufwärts aus dem Keller

Das thailändische Bildungsministerium meldete heute, dass sich die Scores in allen drei PISA-Bereichen gegenüber 2022 verbessert haben: Naturwissenschaften 432 Punkte, Mathematik 407, Lesen 392. Das Bildungsministerium spricht von einem Ausgangspunkt, nicht von einer Ziellinie. Diese Formulierung ist ehrlicher als der übliche Triumphton. Denn der OECD-Schnitt liegt bei rund 500 Punkten.

Der Abstand ist real und groß. Noch 2022 erreichten nur 32 Prozent der Thais das Basisniveau in Mathematik. Im OECD-Durchschnitt sind es 69 Prozent. Nur ein Prozent der thailändischen Schüler gilt als Spitzenperformer in Mathe, gegen neun Prozent OECD-weit. Die Verbesserung ist echt, die Ausgangslage war trotzdem dramatisch.

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Der direkte Vergleich

Beide Länder bewegen sich in entgegengesetzte Richtungen. Deutschland fällt seit Jahren und erreicht jetzt seinen Tiefstwert seit Beginn der PISA-Erhebungen. Thailand steigt nach Jahren des Rückgangs erstmals wieder messbar. In absoluten Zahlen liegt Deutschland noch weit vor Thailand. Aber der Trend zeigt, was ein Bildungssystem leisten kann, wenn es sich bewegt, und was passiert, wenn es das nicht tut.

Besonders auffällig ist das Ergebnis beim neu eingeführten Test „computergestütztes Problemlösen“: Thailand kommt auf 476 Punkte, nahe am OECD-Schnitt von 500. Das ist eine andere Kategorie als die klassischen Kernbereiche. Digitale Problemlösekompetenz war offenbar ein Bereich, in dem Thai-Schüler besser aufgestellt sind als erwartet, zumindest relativ zu ihrer sonstigen Leistung.

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Die soziale Falle

Das eigentliche Alarmsignal aus Deutschland ist nicht der Durchschnitt, sondern die Schere. Nur zwei Prozent der Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien erreichen hohe Kompetenzen. Bei Jugendlichen aus privilegierten Haushalten sind es 25 Prozent. Greiff nannte als Vergleich Kanada: Dort ist der Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildungserfolg dreimal schwächer als in Deutschland.

Diese Kluft wächst seit 2015 wieder. Bildung sollte ein Aufzug sein. In Deutschland ist sie für viele Jugendliche eher eine Treppe, die steiler wird, je weiter unten man startet. Das Gesamtergebnis ist damit weniger ein Problem der Bildungsqualität als ein Problem der Bildungsgerechtigkeit.

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Was Thailand besser macht und was nicht

Die Verbesserung hat Ursachen. Thailand hat in den letzten Jahren mehrere Reformen angeschoben: mehr datengestützte Unterrichtsentwicklung, Förderung analytischer Fähigkeiten statt reinem Auswendiglernen, stärkere Einbindung des Equitable Education Fund in benachteiligte Schulen. Das zahlt sich aus, zumindest in den PISA-Scores. Ob sich auch der Unterrichtsalltag geändert hat, ist eine andere Frage.

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ZUM ANGEBOT

Ein Forschungsbeitrag im Journal of Contemporary Asia vom August 2025 kommt zum nüchternen Schluss: Für Thai-Bildungspolitiker ist PISA vor allem ein Reputationsinstrument. Echte Reformen im Schulalltag seien bisher weitgehend ausgeblieben. Die Lücke zwischen städtischen Eliteschulen und ländlichen Grundschulen bleibt enorm. Wer im Isaan aufwächst und kein Thai spricht, ist auch 2025 benachteiligt.

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Österreich und die Schweiz

Für Leser aus Deutschland lohnt ein Blick in die DACH-Nachbarschaft: Österreich und die Schweiz schneiden in allen drei Kernbereichen klar besser ab als Deutschland. Österreich liegt in Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen über dem OECD-Schnitt. Die Schweiz ebenfalls. Beide Länder haben mit ähnlichen demografischen Herausforderungen zu tun wie Deutschland, ohne deswegen auf den Tiefstand zu fallen.

Ein Patentrezept lässt sich daraus nicht ableiten. Die Bildungssysteme in Wien und Bern unterscheiden sich erheblich, und beide haben ihre eigenen Baustellen. Aber der Vergleich macht zumindest deutlich: Das deutsche Abschneiden ist kein unvermeidliches Ergebnis europäischer Verhältnisse. Andere machen es besser.

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Der neue Maßstab: KI und Medienbildung

Ab 2029 testet PISA erstmals einen neuen Bereich: Media and AI Literacy, kurz MAIL. Schüler sollen zeigen, ob sie digitale Inhalte kritisch bewerten, Fehlinformationen erkennen und KI-Tools reflektiert einsetzen können. Ergebnisse gibt es 2031. Das klingt nach viel Zeit. Thailand wartet nicht.

Das Bildungsministerium in Bangkok kündigte heute an, Media- und KI-Kompetenz ab sofort ab der Grundschule in den Unterricht zu integrieren. Analytisches Denken, Quellenprüfung und ethischer KI-Einsatz sollen fächerübergreifend eingebaut werden, ohne die Lehrkräfte zusätzlich zu belasten. Ob das in der Praxis gelingt, bleibt abzuwarten. Die Absicht ist zumindest vorhanden. Von einer vergleichbaren deutschen Initiative ist bisher nichts bekannt.

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Was das für Expat-Familien bedeutet

Wer mit Kindern in Thailand lebt oder es plant, beobachtet die PISA-Kurve mit einem anderen Blick. Staatliche Thai-Schulen bleiben trotz der Verbesserung weit unter dem Niveau westeuropäischer Systeme. Internationale Schulen in Bangkok, Pattaya oder Chiang Mai arbeiten nach britischen, amerikanischen oder deutschen Lehrplänen und sind von PISA-Thailand weitgehend abgekoppelt. Wer dort einschult, bekommt ein anderes Produkt.

Für Familien, die ihre Kinder in lokalen Schulen beschulen, ist die Verbesserung der PISA-Trends ein Signal, kein Versprechen. Die Stadt-Land-Schere ist nach wie vor ausgeprägt, und die Qualität schwankt stark zwischen Provinzen und Schultypen. Was die Zahlen zeigen: Thailand bewegt sich. Und Deutschland bewegt sich auch, nur in die andere Richtung.

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Redaktionelle Hinweise

Lesen Sie auch: Abgebrannt und gestrandet: Wenn Ausländer in Thailand alles verlieren

Die PISA-2025-Ergebnisse für Thailand basieren auf der offiziellen Pressemitteilung des Bildungsministeriums vom 8. September 2026 (Manager Online, Thai). Die deutschen Zahlen stammen aus dem OECD-Bericht PISA 2025 Results (Volume I) und den Aussagen von Studienleiter Prof. Samuel Greiff (TU München). Angaben zur Schulqualität beziehen sich auf staatliche Einrichtungen, nicht auf internationale Schulen.

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10 Kommentare zu „PISA-Ergebnisse: Thailand holt auf – Deutschland fällt durch“

  1. Glückwunsch nach Bangkok, Beileid nach Berlin
    ​Man muss es einfach neidlos anerkennen: Land des Lächelns? Ab heute eher Land der Lesekompetenz!
    ​Bravo, Thailand! Während man dort offensichtlich verstanden hat, dass Bildung irgend etwas mit Lernen zu tun hat, holt das Land in allen Bereichen auf und zieht geschmeidig an den Bedenkenträgern dieser Welt vorbei. Respekt, gut gemacht – da wird der Schultag offensichtlich nicht nur abgesessen, sondern tatsächlich genutzt. Weiter so, der Kurs stimmt!
    ​Und Deutschland? Ach, herrje. Ein historischer Tiefstand. Aber hey, kein Grund zur Panik! Frei nach dem alten Motto: Es gibt viel zu tun – packen wir’s an!
    ​Ihr schafft das!

    1. Antwort auf: ThaiTom

      Da sieht man mal wieder, dass Durchschnittswerte eben auch nur Durchschnitt sind. Da gibt es eben auch Ausschläger nach unten wie oben. Wenn nun einer behauptet „zieht geschmeidig an den Bedenkenträgern dieser Welt vorbei“, dann kann das nur bedeuten, der Typ selbst wenn er Schweizer ist, hat eine gravierende Lese/Verständnisschwäche. Steht da doch eindeutig “ In absoluten Zahlen liegt Deutschland noch weit vor Thailand“.
      Aber egal, es ist schlimm genug was da mal wieder gemeldet wird. Aber wen wundert’s? Wenn man die Kinder von überwiegend solchen Typen mit eigenen Lese/Verständnisproblemen unterrichten lässt, dann braucht man sich auch nicht besonders zu wundern. Solche Typen gibt es eben überall, egal welcher Nationalität.

    1. Antwort auf: Michael

      Da kann, respektive muss man leider zustimmen. Sonst hätten in Sachsen-Anhalt keine 43,8 % für die AfD stimmen können.
      🫩

      1. Antwort auf: Oskar Kusch

        Oskar hat mal wieder die Gelegenheit genutzt, seine Verachtung für fast die Hälfte der Wähler in Sachsen-Anhalt auszudrücken. Wir wissen es mittlerweile alle… 😀

      2. Antwort auf: Oskar Kusch

        Bravo Herr Kusch, es ist seit langem Bekannt aus welcher politischer Ecke Sie kommen. aber zum Glück dürfen die Meisten selber entscheiden welcher Partei sie ihr Vertrauen aussprechen.

      3. Antwort auf: Oskar Kusch

        Ja, Herr Kusch, ich wäre daran interessiert, welche konkreten Gründe Sie gegen die Blauen ins Feld führen. Vielleicht erhellen Sie uns?
        Der deutsche Souverän hat entschieden, daß CDUSPDGRÜNESED nur Lügen und Betrügen. Beziehungsweise alles versprechen und dann das Gegenteil tun. Wer wird denn dann nicht wütend? Ich kann das voll und ganz verstehen. Nur ein einziges von vielen mögichen Beispielen: Schuldenbremse und anschließend das Geld mißbräuchlich nutzen.

      4. Antwort auf: Oskar Kusch

        Ja Oskar, da müsste sich Deutschland wirklich ein Beispiel an Thailand nehmen. Pisa Studie in Thailand aufsteigend , in Deutschland absteigend. Kriminelle Ausländer ausweisen, das macht Thailand auch besser als Deutschland. Da muss man sich über solche Abstimmungsergebnisse wirklich nicht wundern.

      5. Antwort auf: Oskar Kusch

        Wenn man die Ergebnisse von Einheimischen und frisch zugewanderten in Deutschland vergleicht, sieht man einen riesigen Unterschied. Im Artikel wird das auch (der Vergleich mit Kanada) erwähnt. Auch wenn ich kein Anhänger der AfD bin, aber eine Einwanderungspolitik wie von der AfD gewünscht, hätte sehr wahrscheinlich zu besseren Ergebnissen im Pisa-Vergleich geführt. Natürlich gibt es unter den Zuwanderern nach Deutschland auch viele mit sehr guten Ergebnissen, aber eben auch viele die am Ende den Durchschnitt nach unten ziehen.

Kommentare sind geschlossen.

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