Prinzessin Bajrakitiyabha: Ihr Erbe trägt den Namen Bangkok Rules

Sie war Juristin, Diplomatin und UN-Botschafterin – Prinzessin Bajrakitiyabha hinterließ ein Erbe, das Frauen in Gefängnissen weltweit zugutekommt. Die Bangkok Rules tragen bis heute ihren Stempel.

Prinzessin Bajrakitiyabha: Ihr Erbe trägt den Namen Bangkok Rules
Prinzessin Bajrakitiyabha Narendiradebyavati

Prinzessin Bajrakitiyabha Narendiradebyavati, die älteste Tochter von König Maha Vajiralongkorn, ist am 11. Juni 2026 um 19:48 Uhr im King Chulalongkorn Memorial Hospital in Bangkok gestorben. Sie wurde 47 Jahre alt. Das Büro des Königshauses gab den Tod offiziell bekannt.

Die Prinzessin hatte seit dem 15. Dezember 2022 bewusstlos im Krankenhaus gelegen — nach einem Herzleiden, das sie plötzlich und schwer getroffen hatte. Drei Jahre lang kämpften Ärzte um ihr Leben. Seit dem 21. Mai 2026 hatte sich ihr Zustand durch eine Bauchfellinfektion infolge einer Dickdarmentzündung weiter verschlechtert, verbunden mit niedrigem Blutdruck, Herzrhythmusstörungen und Blutgerinnungsstörungen. Trotz intensiver medizinischer Betreuung war eine Stabilisierung nicht mehr möglich.

Aufgewachsen zwischen Bangkok und England

Bajrakitiyabha wurde am 7. Dezember 1978 als erstes Kind von König Maha Vajiralongkorn und Prinzessin Soamsawali geboren. Ihre frühe Schulzeit verbrachte sie an der Rajini School in Bangkok, bevor sie ans Heathfield School im englischen Ascot wechselte. Ihre weiterführende Schulausbildung schloss sie an der Chitralada School in Bangkok ab.

Prinzessin Bajrakitiyabha: Ihr Erbe trägt den Namen Bangkok Rules
Prinzessin Bajrakitiyabha Narendiradebyavati

Im Jahr 2000 erwarb sie gleich zwei Abschlüsse: einen Bachelor of Laws an der Thammasat University und einen Bachelor of Arts in Internationalen Beziehungen an der Sukhothai Thammathirat University. Die Doppelqualifikation war kein Zufall — sie zeigte früh, wohin ihr Weg führen würde: in Recht, Diplomatie und internationales Engagement.

Juristin mit Doktortitel aus Cornell

Für ihr weiteres Studium ging Bajrakitiyabha in die Vereinigten Staaten. An der Cornell Law School erwarb sie 2002 den Master of Laws und 2005 den Doctor of Juridical Science — einen der anspruchsvollsten Rechtsabschlüsse, den amerikanische Universitäten vergeben. 2012 verlieh ihr das Chicago-Kent College of Law des Illinois Institute of Technology die Ehrendoktorwürde.

Mit dieser Ausbildung im Gepäck trat sie in den Staatsdienst ein. Von 2005 bis 2006 arbeitete sie als Erste Sekretärin bei der Ständigen Mission Thailands bei den Vereinten Nationen in New York. Anschließend wechselte sie zur Staatsanwaltschaft und war in Udon Thani, Pattaya und Nong Bua Lam Phu tätig, außerdem beim Büro für Drogendelikte.

Botschafterin in Wien, Staatsanwältin in Thailand

Von 2012 bis 2014 vertrat Bajrakitiyabha Thailand als Botschafterin in Österreich. Gleichzeitig war sie Ständige Vertreterin bei den Vereinten Nationen in Wien und bei weiteren internationalen Organisationen mit Sitz in der österreichischen Hauptstadt. Nach Abschluss ihrer diplomatischen Mission kehrte sie zur Staatsanwaltschaft zurück.

Prinzessin Bajrakitiyabha: Ihr Erbe trägt den Namen Bangkok Rules
Prinzessin Bajrakitiyabha Narendiradebyavati

Im Februar 2021 wurde sie zum Royal Security Command versetzt, wo sie als Stabschefin des persönlichen Leibwächterkommandos des Königs im Rang eines Generals diente. Im August 2025 ernannte sie das Königliche Amtsblatt zur stellvertretenden Kommandeurin des Royal Security Command.

Das Kamlangjai-Projekt: Würde hinter Gittern

Neben Staatsanwaltschaft und Diplomatie war es vor allem ihre humanitäre Arbeit, die Bajrakitiyabha international bekannt machte. 2006 initiierte sie das Kamlangjai-Projekt — auf Deutsch etwa: Inspire. Das Programm zielte darauf ab, die Lebensbedingungen von Frauen in thailändischen Gefängnissen zu verbessern, besonders für schwangere Inhaftierte und Mütter mit Kleinkindern, und deren Wiedereingliederung in die Gesellschaft nach der Entlassung zu fördern.

2008 erweiterte sie diese Arbeit mit dem ELFI-Projekt — Enhancing Lives of Female Inmates. Das Programm trieb die Entwicklung internationaler Standards für den Umgang mit weiblichen Strafgefangenen voran und setzte sich für nicht-freiheitsentziehende Maßnahmen für straffällig gewordene Frauen ein.

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Die Bangkok Rules: ein Erbe bei den Vereinten Nationen

Das Engagement der Prinzessin trug 2010 unmittelbar dazu bei, dass die UN-Generalversammlung die „United Nations Rules for the Treatment of Women Prisoners and Non-custodial Measures for Women Offenders“ verabschiedete. Weil Bajrakitiyabha maßgeblich an ihrer Entstehung beteiligt war, werden diese Regelwerke seither international als Bangkok Rules bezeichnet.

Sie war außerdem UN-Botschafterin für guten Willen im Bereich Rechtsstaatlichkeit für Südostasien beim Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung sowie Vorsitzende des beratenden Fachausschusses des Thailand Institute of Justice.

Staatsbegräbnis mit höchsten Ehren

König Maha Vajiralongkorn ordnete an, dass die Trauerfeierlichkeiten nach den höchsten königlichen Traditionen abgehalten werden. Der Leichnam der Prinzessin wird in der Phiman Rattaya Hall im Grand Palace aufgebahrt. Details zu den weiteren Trauerzeremonien und dem genauen Ablauf stehen zum Zeitpunkt dieser Meldung noch aus und werden nach offizieller Bekanntmachung nachgereicht.

Bajrakitiyabha hinterlässt ein Werk, das über die Grenzen Thailands hinausreicht. Die Bangkok Rules, die heute in Gefängnissen weltweit als Maßstab gelten, tragen ihren Namen — auch wenn sie selbst nie im Vordergrund stand.

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