BANGKOK – Thailand ist im Rechtsstaatsindex 2026 des World Justice Project von Platz 77 auf Platz 80 von 143 Ländern und Gebieten abgerutscht. Das Land erreicht 0,50 von 1 möglichen Punkten. Die Studie, die am 21. Oktober veröffentlicht wurde, zeigt vor allem Schwächen bei der Kontrolle staatlicher Macht und beim Zugang zur Justiz.
Platz 80 von 143: Thailand verliert drei Ränge
Das World Justice Project (WJP) hat seinen Rule of Law Index 2026 veröffentlicht. Thailand kommt auf 0,50 Punkte und lag im Vorjahr noch auf Rang 77.
In der Region Ostasien und Pazifik belegt Thailand Rang 10 von 15 Ländern. In der Gruppe der oberen Mitteleinkommensländer steht das Land auf Rang 24 von 44.
Weltweit mehr Rückschritte als Fortschritte
62 Prozent der 143 erfassten Länder haben beim Rechtsstaat an Punkten verloren, 38 Prozent haben zugelegt. Damit überwiegen die Rückschritte zum neunten Jahr in Folge die Verbesserungen. Die Zahl der Länder mit Verlusten ist allerdings kleiner als im Vorjahr.
An der Spitze stehen Dänemark, Norwegen und Finnland. Das WJP führt die weltweite Entwicklung unter anderem auf unzulässigen Druck und Eingriffe der Regierung zurück, die Zivil- und Strafjustiz schwächen. Auch Einschränkungen der Meinungsfreiheit und der Beteiligung der Bevölkerung erschweren die Kontrolle der Staatsgewalt.
Elf von 15 Ländern der Region verlieren
In Ostasien und Pazifik sind 11 der 15 Länder schlechter geworden. Neuseeland führt die Region an und liegt weltweit auf Platz 7. Dahinter folgen Australien und Singapur.
Thailand liegt auf Rang 10 der Region. Die letzten drei Plätze belegen die Philippinen, Myanmar und Kambodscha.
Acht Prüfkriterien: Nur bei Sicherheit liegt Thailand vorn
Thailand liegt nur bei Ordnung und Sicherheit über dem weltweiten Durchschnitt, nämlich bei 0,75 Punkten gegenüber 0,72. In den übrigen sieben Bereichen bleibt das Land unter dem Mittelwert.
Den größten Rückstand gibt es bei der Durchsetzung von Gesetzen: 0,44 Punkte stehen 0,54 im weltweiten Schnitt gegenüber. Bei der Korruptionsfreiheit erreicht Thailand 0,44 Punkte, der Durchschnitt liegt bei 0,51.
Begrenzung der Staatsmacht und Grundrechte liegen zurück
Bei der Begrenzung staatlicher Macht erreicht Thailand 0,47 Punkte, weltweit sind es 0,53. Bei den Grundrechten liegt das Land bei 0,49 Punkten gegenüber 0,55 im Schnitt.
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Auch bei der Transparenz der Regierung bleibt Thailand mit 0,48 Punkten hinter dem Mittelwert von 0,52 zurück. Die Strafjustiz kommt auf 0,42 Punkte, der weltweite Durchschnitt liegt bei 0,47.
Korruptionsfreiheit und Gesetzesvollzug verlieren gegenüber 2025
Gegenüber dem Vorjahr sinkt Thailands Wert bei der Korruptionsfreiheit von 0,45 auf 0,44 Punkte. Auch bei der Durchsetzung von Gesetzen geht es zurück. Der Wert sinkt von 0,45 auf 0,44 Punkte.
Über den Zeitraum von 2021 bis 2026 gerechnet schrumpft die Korruptionsfreiheit um 5,6 Prozent. Die Wirksamkeit bei der Durchsetzung von Regeln sinkt um 4,0 Prozent. Die übrigen Werte sind nach Angaben des WJP unverändert.
Meinungsfreiheit und Kontrolle der Regierung schwächeln
Laut dem Länderbericht hat Thailand bei der Meinungs- und Ausdrucksfreiheit an Punkten verloren. Das gilt auch für die Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, die Beteiligung der Bevölkerung und die Kontrolle der Regierung durch die Gerichte.
Thailand steht damit nicht allein da. Über 86 Prozent der Länder weltweit haben in den vergangenen fünf Jahren bei mindestens einem Mechanismus gegen autoritäre Machtausübung Rückschritte gemacht. Dazu zählen die Begrenzung der Regierung, Transparenz und Grundrechte.
Zivilrechtlicher Zugang zur Justiz bleibt schwierig
Mehr als die Hälfte der bewerteten Länder hat beim Zugang zur Ziviljustiz und bei der Bezahlbarkeit von Verfahren Fortschritte gemacht, 54 Prozent. Bei diskriminierungsfreien Verfahren verbesserten sich 52 Prozent der Länder.
Thailand gehört bei beiden Punkten nicht zu den Ländern, die sich verbessert haben.
Wirtschaft: Starker Rechtsstaat und mehr Wohlstand gehen zusammen
Das WJP setzt Rechtsstaatlichkeit mit Wohlstand, stabilen Preisen und niedrigem Kreditrisiko in Beziehung. Länder mit einem Pro-Kopf-BIP über dem weltweiten Durchschnitt von 14.406 US-Dollar pro Jahr erreichen mindestens 0,68 Punkte.
Bei einer Inflation unter dem Median von 3,23 Prozent sind mindestens 0,60 Punkte üblich. Länder mit einer Bonitätsnote von AAA bis BBB kommen auf mindestens 0,66 Punkte. Das WJP betont, dass diese Zahlen keinen direkten Ursache-Wirkung-Zusammenhang belegen und Rechtsstaatlichkeit nicht der einzige Erfolgsfaktor ist.
TIJ: Bürgererfahrungen sollen in die Reformen einfließen
Dr. Phiset Sa-adyen, Direktor des Thailand Institute of Justice (TIJ), hält den Bericht für eine wichtige Grundlage, um Reformen auszurichten. Er rät dazu, die Zahlen mit den Erfahrungen der Bevölkerung abzugleichen, um zu sehen, wo die Probleme liegen und was zuerst angepackt werden sollte.
Klare Regeln, eine gleichmäßige Durchsetzung von Gesetzen und ein leichter Zugang zur Streitschlichtung schaffen nach seinen Worten Vertrauen. Für Bürger und Unternehmen sei der Rechtsstaat daher eine Investition in die Grundlagen des Landes.
Nationalplan und OECD-Beitritt bis 2028 im Blick
Thailand treibt derzeit die Wirtschafts- und Sozialentwicklung gemäß dem 13. Nationalen Wirtschafts- und Sozialentwicklungsplan für die Jahre 2023 bis 2027 voran. Parallel dazu strebt das Land bis 2028 die Mitgliedschaft in der OECD an. Der TIJ-Direktor rät, den WJP-Bericht in diese Vorhaben einzubeziehen.
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