Tanken in Thailand 2026: E20, B20, LPG oder Elektroauto?

Der E20-Kraftstoff ist an Thailands Tankstellen allgegenwärtig. Doch wie verträglich ist der Mix für Ihren Motor und was passiert beim Wechsel?

Tanken in Thailand 2026: E20, B20, LPG oder Elektroauto?
Gemini AI

Wer in Thailand tankt, steht 2026 vor einer Preistabelle, die er so nicht kannte. Innerhalb weniger Wochen kletterte der Dieselpreis um bis zu 17,80 Baht pro Liter – ausgelöst durch die geopolitischen Spannungen rund um den Iran-Krieg und die Sorge um die Straße von Hormus. Benzin folgte, wenn auch mit etwas weniger Wucht. An den Tankstellen bildeten sich lange Schlangen, manche Stationen gingen zeitweise leer aus.

Thailand reagiert auf den Preisdruck mit einer beschleunigten Energiewende – und bietet Autofahrern heute mehr Alternativen als je zuvor. Von Biokraftstoffen wie E20, E85 und dem neuen B20-Diesel über Autogas (LPG) und Erdgas (NGV) bis hin zur rasant wachsenden Elektromobilität: Dieser Überblick erklärt, welche Option für wen taugt, was sie kostet – und warum die Krise die Umstiegszahlen beschleunigt.

Die Preisexplosion und ihr Auslöser

Noch im Februar 2026 kostete ein Liter Diesel (B7) gut 30 Baht. Zwischen dem 18. März und dem 8. April legten PTT und Bangchak in mehreren Schritten insgesamt fast 20 Baht pro Liter drauf. Am 5. April erreichte Diesel 50,54 Baht pro Liter – das war der eigentliche Preisschock. Gasohol 95 stieg in derselben Phase auf rund 43,95 Baht; reines Benzin ohne Ethanol-Beimischung kletterte auf knapp 52,54 Baht, wird aber nur von einem kleinen Teil der Fahrer getankt. Normale Benzinfahrer mit Gasohol 91 oder 95 spürten die Erhöhung spürbar, aber in anderer Größenordnung als Dieselfahrer.

Die Regierung reagierte mit einem Notdekret: Ab dem 9. April kappte sie den Raffinerie-Abgabepreis, und am 11. April senkten PTT und Bangchak die Preise deutlich. Seither kostet Diesel B7 wieder 44,40 Baht, Gasohol 95 liegt bei 42,95 Baht, B20-Diesel bei 37,40 Baht. Energieminister Akanat Promphan warnte dennoch offen, die Rohölversorgung für die kommenden Wochen sei noch nicht gesichert. Der Druck bleibt – und damit die Suche nach Alternativen.

E20 und E85: Ethanol-Benzin mit Vor- und Nachteilen

Gasohol E20 – ein Mix aus 80 Prozent Benzin und 20 Prozent Ethanol – kostet nach der Preissenkung vom 11. April 2026 rund 35,95 Baht pro Liter (PTT). Das sind fast 7 Baht weniger als normales Gasohol 95. Wer ein Fahrzeug ab Baujahr 2008 mit E20-Freigabe fährt, zahlt pro 100 Kilometer spürbar weniger – obwohl der Verbrauch durch den geringeren Energiegehalt des Ethanols rund zwei bis drei Prozent steigt.

Gasohol E85 enthält 85 Prozent Ethanol und ist die günstigste Benzinsorte: Aktuell liegt der Preis bei rund 31,89 Baht/Liter. Allerdings benötigen Fahrzeuge dafür eine spezielle Freigabe (sogenannte Flex-Fuel-Fahrzeuge), und der Mehrverbrauch gegenüber normalem Benzin ist deutlich spürbar. Thailand plant laut dem nationalen Energieplan, E20 bis 2027 als Standard-Benzin zu etablieren und die Sorten Gasohol 91 und 95 sowie E85 schrittweise auslaufen zu lassen. Wer ein E85-taugliches Fahrzeug besitzt, sollte die Entwicklung daher beobachten.

B20-Diesel: Palmöl als Krisenreserve

Der neue Star der Energiepolitik heißt B20: Diesel mit 20 Prozent Palmöl-Biodiesel. Am 7. April 2026 startete Bangchak mit zwei Pilotstationen in Si Racha – bis Ende April sollen es landesweit 40 Bangchak-Stationen sein, PTT und Shell folgen. Die Regierung hält B20 mindestens 5 Baht günstiger als normalen B7: Nach der Preissenkung vom 11. April liegt B20 bei 37,40 Baht/Liter gegenüber 44,40 Baht beim Standarddiesel. Mehr inländischer Palmölverbrauch stützt gleichzeitig die Einnahmen der Ölpalmenbauern.

Die Akzeptanz bleibt jedoch zögerlich. Lkw-Verbände melden Vorbehalte wegen möglicher Motorschäden bei älteren Fahrzeugen. Toyota hat für Hilux und Fortuner ab Baujahr 2015 eine klare Freigabe erteilt; ältere Modelle und europäische Dieselfahrzeuge sollten die Herstellervorgaben prüfen. Wer mit einem modernen Diesel-Pickup unterwegs ist, spart mit B20 real Geld – bei vergleichbarer Motorleistung und einem leicht erhöhten Verbrauch von ein bis zwei Prozent.

LPG und NGV: Günstig, aber mit Einschränkungen

LPG (Flüssiggas / Autogas) und NGV (Natural Gas for Vehicles, also CNG) sind in Thailand seit Jahrzehnten etabliert. Fast alle Taxis in Bangkok fahren mit NGV – erkennbar am großen Gastank im Kofferraum. CNG ist der günstigste Kraftstoff an Thais Tankstellen, da der Staat den Preis gezielt reguliert. Der Nachteil: Die Tankstellendichte ist deutlich geringer als bei Benzin und Diesel, speziell außerhalb der Ballungsräume. Wer auf langen Strecken durch die Provinzen fährt, muss die Route sorgfältig planen. Motorroller und Kleinstwagen sind in der Regel nicht umrüstbar.

Der Markt für LPG und NGV wächst durch die Krise kaum weiter – das Tankstellennetz ist seit Jahren auf Großstädte und Fernstraßen konzentriert, und der Nachrüstaufwand für ein privates Fahrzeug ist erheblich. Für Langzeitbewohner mit festem Standort und gutem Zugang zu Gastankstellen lohnt sich die Rechnung dennoch. Der staatliche Energieversorger PTT, der auch Thais größtes Gasnetz betreibt, setzt NGV weiterhin als Stadtverkehrsantrieb ein – und hält die Preise politisch stabil.

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Elektromobilität: Der Vormarsch der Zahlen

Die Zahlen sind eindeutig. Im Jahr 2025 wurden in Thailand 120.301 rein batterieelektrische Fahrzeuge verkauft – ein Anstieg von 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der EV-Anteil an Neuwagen stieg auf knapp 20 Prozent. Im Januar 2026 verdreifachten sich die Verkäufe auf über 44.000 Einheiten in einem Monat. Der Kostenvorteil ist greifbar: Das Aufladen zu Hause kostet rund 0,50 Baht pro Kilometer. Ein Benzinfahrzeug liegt je nach Sorte bei 1,70 bis 2,30 Baht pro Kilometer – viermal so viel.

Wer zu Hause laden kann, zahlt rund 4,20 bis 6 Baht pro Kilowattstunde. Ein Volllade-Zyklus mit einer 60-kWh-Batterie kostet damit etwa 250 bis 360 Baht – für 400 Kilometer Reichweite. An öffentlichen DC-Schnellladern liegt der Preis höher: bei PTT rund 6 Baht/kWh, bei anderen Anbietern bis zu 8 Baht/kWh. An Fernstraßen gibt es alle 30 bis 50 Kilometer Schnelllader. Den Markt dominieren chinesische Hersteller, allen voran BYD, die von den staatlichen Programmen EV 3.0 und EV 3.5 profitieren. Für einen BEV-Kauf mit Batterie über 50 kWh gibt es noch 50.000 Baht staatlichen Zuschuss.

Was jetzt für Autofahrer zählt

Wer ein modernes Benzinfahrzeug (Baujahr ab 2008, E20-Freigabe) fährt, spart sofort mit E20 – ohne Umbau. Wer einen neueren Diesel-Pickup fährt, sollte B20 prüfen: Bei 5 Baht Preisunterschied und 60.000 Kilometern Jahresfahrleistung ergibt sich eine rechnerische Ersparnis von über 8.000 Baht – sofern das Fahrzeug kompatibel ist. Wer in den nächsten zwei bis drei Jahren ein neues Fahrzeug kaufen möchte, hat mit einem Elektroauto die überzeugendste Langfristrechnung: Bei 15.000 Kilometern Jahresfahrleistung und Heimladen spart man gegenüber einem Benziner jährlich rund 18.000 bis 24.000 Baht.

Thailand steuert auf eine deutlich diversifizierte Energieversorgung im Verkehr zu. E20 soll der neue Standard-Benzintyp werden; B20 wird gezielt als Puffer gegen Rohölpreis-Schocks positioniert; die Elektromobilität gewinnt durch sinkende Fahrzeugpreise und ein wachsendes Ladenetz schneller an Boden als ursprünglich geplant. Wer heute tankt, sollte sich die Tankklappe ansehen, das Bordbuch konsultieren – und beim nächsten Fahrzeugkauf auch die Strompreise auf der Rechnung haben.

Redaktionelle Hinweise

Die Kraftstoffpreise in Thailand werden täglich angepasst und können von den im Artikel genannten Werten abweichen. Alle Preisangaben basieren auf veröffentlichten Daten von PTT und Bangchak mit Stand 11. April 2026. Die Eignung eines Fahrzeugs für E20, E85 oder B20 ist zwingend im Bordbuch oder beim Hersteller zu prüfen – fehlerhafte Kraftstoffwahl kann zu Motorschäden führen.

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4 Kommentare zu „Tanken in Thailand 2026: E20, B20, LPG oder Elektroauto?

  1. Vom Prinzip her bin ich der Meinung, dass jeder der sich trotz aktuellen Erkenntnissen in einer regelbefreiten Welt noch einen neuen Verbrenner zulegt selber schuld ist. Das haben nun hierzulande auch viele andere schon erkannt, was aber leider den unschönen Nachteil hat, dass die Lade-Infrastruktur nicht entsprechend schnell mitwachsen kann. Erste, richtige Ansätze kann man schon heute an den PTT EV-Hub Tankstellen sehen. Nur das muss jetzt relativ schnell so weitergehen. Genügend Kapital sollte dafür derzeit mit den Spritpreisen ja gescheffelt werden können.
    Zudem ist der Anteil an erneuerbarer Energie zur Elektrizitätserzeugung noch viel zu gering. Was wohl auch nicht von heute auf morgen geändert werden kann, denn dazu muss auch das Leitungsnetz entsprechend ausgebaut werden. Was passieren kann, wenn man das nicht zeitgleich in Angriff nimmt, kann man derzeit in Deutschland ganz gut beobachten.
    Ganz generell und nicht nur auf die Mobilität beschränkt. Die einzig halbwegs sichere und bezahlbare Energie ist in dieser neuen Welt nur die, die man selber erzeugen kann. Und bevor jetzt der Nächste wieder meint ich hätte die Atomkraft nicht erwähnt. Mit gutem Grund. Ich habe auch von halbwegs sicher und bezahlbar geschrieben. Zwei Adjektive die der Atomkraft m.E. völlig abgehen.

  2. da kann ich nur voll zustimmen! Im August fahre ich von Phetchabun nach Chiang Mai und da hoffe ich, das die EV-Hubs an dieser Hauptstrecke in Phitsanulok, Den Chai und im Raum Chiang Mai schon fertig sind. Die Entwicklung der Batterietechnik geht schnell voran, so das das Gejammer der EV Gegner über mangelnde Reichweite in den nächsten Jahren mehr und mehr nachlässt. Die Kosten beim Laden, vor allem zu Hause , sind gerade jetzt weitaus niedriger als Diesel , Benzin und Gas. Einzig die Kosten für First class Versicherung sind meiner Ansicht nach zu hoch und ich hoffe, das die Versicherungen die Prämien auch im Laufe der nächsten Jahre senken. Die bessere Umweltfreundlichkeit von der Herstellung bis zum letzten km gegenüber den Verbrennern ist auch gegeben. Die Batterie Lebensdauer ist auch weitaus höher als die 8 Jahre/160000 km, was auch die lebenslange Garantie, die ich für 5000 Baht gekauft habe , auf Batterie , Elektromotor und dazugehörigen Komponenten, beweist. Wer jetzt noch dazu zuhause per Photovoltaik laden kann , ist eindeutig in den nächsten Jahren der Gewinner im momentanen Energiedesaster!

    1. Ich weiß nicht wie viele EV-Hubs von PTT bis dahin ausgebaut sind. Wenn man nicht gerade zu Peak-Zeiten unterwegs ist reichen in aller Regel die Tankstellen mit den üblichen EV-Ladesäulen der PTT noch aus. Zumal man bei denen die Ladezeiten auch vorweg buchen kann. Nebst PTT habe ich noch EA Anywhere, ReverSharger, Charge+ und EleXA mit ihren Apps auf dem Mobile. Mit EleXA gab es immer wieder Probleme mit den OTP’s. Seitdem ich die auf einem Zweit-Gerät habe funktioniert es aber auch mit denen.
      Und es stimmt schon, mit der Photovoltaikanlage auf dem Hausdach macht das Laden des EV richtig Spaß.

  3. Bei uns sind Spannungsabfälle von bis unter 70 Volt und das stundenlang gang und gebe geworden. Das resultiert meiner Meinung nach an dem so gelobten Heimladen, gene auch noch vor der Stromuhr.
    Den Invertern ist die Voltzahl egal, Hauptsache die Kiste wird voll und die Nachbarn kapieren wahrscheinlich nicht den Verursacher.
    Dabei betreiben wir selbst auf unserem Land vier Solarstationen mit Drehstrompumpen, eventuel auch demnächst mit einem Ivonic 6 wenn unsere gelber Zufahrtsweg mal betoniert werden sollte.

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