Affen in Thailand sind Wahrzeichen und Plage in einem. Dieselben Tiere, die Reisende anlocken, brechen in Häuser ein, plündern Läden und greifen sich Taschen aus der Hand. An manchen Küsten dagegen beobachten Forscher Verhaltensweisen, die lange als Besonderheit des Menschen galten. Wie beides zusammengehört, zeigt ein Blick auf drei Orte: einen Hügel in Hua Hin, eine Insel im Golf von Thailand und einen Tempel in Lopburi.
Affen in Thailand sind längst ein Dauerproblem
Gemeint sind vor allem Langschwanzmakaken, auch Javaneraffen genannt. Sie leben an Tempeln, an der Küste und am Stadtrand und kommen mit Menschen erstaunlich gut zurecht. In Hua Hin beschäftigen sie Anwohner und Gewerbe seit mehr als einem Jahrzehnt, in Lopburi plündern sie Geschäfte und verursachen Kurzschlüsse. Die Schäden sind real, und die Behörden nehmen sie ernst.
Dazu kommt der Blick der Besucher. Viele reisen wegen der Tiere an, fotografieren sie und reichen ihnen Futter. Andere schreckt das freche Verhalten der Affen inzwischen ab. Segen und Fluch zugleich, so beschreibt man die Tiere in Lopburi: Sie locken Gäste in die Stadt und richten dort im selben Atemzug Schaden an.
Warum die Tiere Menschen und ihr Essen nicht mehr scheuen
Wo Touristen füttern, lernen Affen schnell, dass Menschen Nahrung bedeuten. Aus Scheu wird Anspruch, aus Annäherung ein Griff in die Tasche. Ein solches Muster lässt sich kaum von heute auf morgen umkehren, zumal Tiere und Besucher täglich am selben Ort aufeinandertreffen und jede Begegnung das Verhalten bestätigt.

Hinzu kommt, dass die Bestände wachsen. Ein früherer Versuch, Tiere einzufangen und umzusiedeln, brachte in Hua Hin keinen Erfolg, die Makaken zogen später wieder in die Wohnviertel. Auch die Sterilisation hat den Zuwachs bisher nicht aufgehalten. Je mehr Tiere um dieselben Futterquellen konkurrieren, desto weiter dringen sie in bewohnte Gebiete vor.
Am Khao Takiab verschwinden Taschen und Sonnenbrillen
Der Khao Takiab bildet das südliche Ende des Strandes von Hua Hin und heißt wegen seiner Bewohner auch Affenberg. Eine Straße und eine Treppe führen zu einem Tempel auf der Kuppe, am Fuß des Hügels blickt ein großer stehender Buddha aufs Meer. Von oben reicht die Sicht über die ganze Bucht.
Die Makaken hier sind kühn. Sie schnappen sich Futter, Taschen und Sonnenbrillen, ohne lange zu fragen. Wer hinaufsteigt, trägt nichts Essbares offen und hält lose Gegenstände fest in der Hand. Weil der Tempel in Betrieb ist, gehören außerdem Schultern und Knie bedeckt.
Hua Hin sterilisiert seit Jahren, und es werden mehr
Die Stadt Hua Hin setzt auf Sterilisation. Das Programm läuft seit mehreren Jahren, Tausende Tiere sind bereits behandelt. In einer der Runden stellte die Gemeinde 580.000 Baht für 300 Tiere bereit, die Nationalparkbehörde führte die Eingriffe durch. Von den ersten rund 100 gefangenen Affen waren viele bereits sterilisiert.
Als Nächstes sollten Tiere rund um den Khao Takiab folgen. Der Umweltminister wies die Behörden zusätzlich an, Makaken aus dicht besiedelten Vierteln zu fangen, zu sterilisieren und in Schutzgebiete zu verlegen. Dass die Zahl der Tiere trotzdem weiter stieg, bleibt der wunde Punkt des Programms.
Koh Koram, die Affeninsel im Nationalpark Khao Sam Roi Yot
Etwa 80 Makaken leben auf Koh Koram, einer Insel vor der Küste der Provinz Prachuap Khiri Khan, die zum Nationalpark Khao Sam Roi Yot gehört. Auf der nahe gelegenen Insel NomSao sind es nur neun. Forscher nutzen die beiden Inseln deshalb als Vergleichspaar.
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Süßwasser ist auf Koh Koram nicht immer vorhanden. In einer Trockenzeit versiegten die Quellen, und Parkranger brachten Wasser per Boot zu den Tieren, nachdem Touristen auf die Lage aufmerksam gemacht hatten. Die natürliche Nahrung war damals noch vorhanden, in akute Not gerieten die Makaken also nicht.
Wie Makaken auf Koh Koram Austern mit Steinen knacken
Bei Ebbe laufen die Tiere an die Küste und schlagen mit Steinen Austern und Schnecken auf. Auf Koh Koram nutzten 26 Makaken diese Technik entlang einer Küstenlinie von 1.551 Metern, das sind gut 55 Meter pro Tier. Auf NomSao waren es vier Tiere auf 653 Metern.
Werkzeuggebrauch bei nichtmenschlichen Primaten ist nicht neu, archäologische Funde belegen ihn bis zu 4.300 Jahre zurück. Neu ist, dass sich an dieser Küste messen lässt, was er mit der Umwelt macht. Ein Forscherteam aus Oxford, Singapur, Leipzig und Bangkok hat die Folgen untersucht.
Wenn die Affen die Muscheln auf der Insel kleinfressen
Ein einzelnes Tier verzehrt auf Koh Koram schätzungsweise 47 Schalentiere am Tag, vor allem Austern. Für die 26 untersuchten Makaken ergibt das rund 441.000 pro Jahr. Bei einer kleinen Schneckenart könnten sie den gesamten Inselbestand binnen eines Jahres aufbrauchen, auf NomSao verspeist die kleine Gruppe dagegen nur ungefähr ein Achtel.
Die Folgen sind messbar. Die Felsauster von Koh Koram erreicht im Schnitt nur etwa 60 Prozent der Größe ihrer Artgenossen von NomSao. Die Makaken wählen deshalb kleinere Steine, obwohl solche auf Koh Koram seltener sind. Werden die Muscheln weiter kleiner, lohnt sich das Aufschlagen mit Werkzeug irgendwann nicht mehr.
Wer hämmert und wer nicht, entscheidet oft das Geschlecht
Nicht jedes Tier greift zum Stein. Vorläufige Ergebnisse von Forscherinnen und Forschern des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie zeigen, dass auf Koh Koram Männchen eher Werkzeuge nutzen als Weibchen. Die Arbeit läuft noch, die Daten stammen aus einer Workshop-Präsentation und nicht aus einer abgeschlossenen Studie.
Auch das soziale Gefüge wurde untersucht. Der Rang eines Tieres bestimmte seine Gesamtposition im Netzwerk der Fellpflege nicht. Bei Männchen und Weibchen hing der Rang aber gegensätzlich mit der Zahl der Pflegepartner zusammen. Werkzeugnutzer und Nicht-Nutzer nahmen ähnlich zentrale Positionen ein.
Hanumans Erben in Lopburi bekommen ihr jährliches Festmahl
Am letzten Novemberwochenende deckt die Stadt Lopburi den Tisch für ihre Makaken. Im Affentempel Phra Prang Sam Yot türmten sich bei der 36. Ausgabe mehr als 2.000 Kilogramm Obst, Gemüse, Süßigkeiten und Snacks. Das Fest ehrt den Affengott Hanuman und dankt den Tieren, die viele Besucher anlocken.

Nach der Überlieferung des Ramakien gelten die Tiere als Nachfahren Hanumans. Bei diesem Fest nahmen deutlich weniger Makaken teil als früher: Zahlreiche Tiere waren seit Mai eingefangen, registriert, sterilisiert und in besondere Gehege umgesiedelt worden. Wohlwollen und Ärger liegen in Lopburi dicht beieinander.
Was Besucher und Behörden tun können, damit es endet
Für Besucher ist die Regel einfach: nicht füttern, nichts Essbares offen tragen, Taschen und Sonnenbrillen festhalten. Jedes Stück Futter bestätigt die Tiere in ihrem Verhalten. Wer sich daran hält, nimmt den Affen den Anlass und erspart sich selbst den Ärger mit einem verlorenen Handy.
Die Behörden gehen den umgekehrten Weg: fangen, sterilisieren, vorübergehend halten, in Schutzgebiete umsiedeln. In Lopburi sind die frei lebenden Tiere dadurch deutlich weniger geworden, in Hua Hin stieg der Bestand zuletzt weiter. Ob sich der Zuwachs dauerhaft bremsen lässt, hängt davon ab, wie lange Besucher mitspielen.
Redaktionelle Hinweise
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Die Angaben zu Koh Koram und NomSao stammen aus Forschungsarbeiten und Berichten, die einige Jahre zurückliegen, die heutigen Bestände können abweichen. Auch die Zahlen zur Sterilisation in Hua Hin sind ein älterer Stand. Die Ergebnisse zum Geschlecht beim Werkzeuggebrauch sind vorläufig.

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