KHAO LAK – Wilbert S., 64, und Gabriela G., 63, hatten ihren Urlaub bis zum 9. Oktober gebucht. Sie kamen am 30. September an. Am Freitagabend des 2. Oktober überquerten sie gegen 21.45 Uhr die Phetkasem Road auf einem Fußgängerüberweg – und wurden von einem Mazda BT-50 Pickup erfasst, dessen Fahrer bei Rot durchfuhr. Beide starben noch in derselben Nacht. Der Fahrer flüchtete. 18 Stunden später stellte er sich.
Der Abend des 2. Oktober – was in Khao Lak geschah
Gegen 21.45 Uhr überquerten beide die Phetkasem Road in Nang Thong, einem der belebtesten Touristenabschnitte von Khao Lak. Die Ampel stand auf Grün. Aus Richtung Takua Pa näherte sich ein weißer Mazda BT-50 Pickup mit Bangkoker Kennzeichen, fuhr nah an der Mittellinie und bremste nicht. Er fuhr bei Rot in den Überweg. Eine Überwachungskamera zeichnete alles auf. Wilbert S. starb um 22.32 Uhr im Khao Lak Medical Centre. Gabriela G. knapp eine halbe Stunde später.
Passanten eilten sofort zu den Schwerverletzten, Rettungskräfte kamen schnell. Zehn Meter vom Zebrastreifen entfernt fanden Ermittler Blutspuren. Der Aufprall war heftig. Polizeileutnant Chokdee Saengmanee sicherte den Unfallort, ließ eine Skizze anfertigen und begann noch in der Nacht mit der Auswertung der Kameraaufnahmen entlang der Fluchtstrecke Richtung Thai Mueang.
Willi, Schenk – ein Mann aus Mönchengladbach
Wer Wilbert S. kannte, kannte ihn als Willi oder Schenk. Seine Vereinskameraden des Bundesschützen-Tambourcorps Wickrath nahmen am Tag nach seinem Tod auf Facebook Abschied: „Fassungslos. Unendlich traurig. Danke für alles, Wilbert.“ Er war Standartenträger des Korps, trug das Vereinsbanner bei Stadtschützenfesten und Paraden. Immer vorne dabei, immer ein Witz auf den Lippen – trocken, manchmal so unerwartet, dass man sich fragte, wo er den überhaupt herhatte.

Über das Tambourcorps hinaus war Wilbert S. dem Brauchtum seiner Stadt auf mehreren Ebenen verbunden. Als früherer Präsident der Karnevalsgesellschaft Immer lustig Holt – einer der bekanntesten KGs im Mönchengladbacher Karneval – und als zweiter Präsident der St. Barbara Bruderschaft Neuwerk, einer der ältesten Schützenbruderschaften der Stadt mit Wurzeln bis ins Jahr 1342, war er kein Randfigur des Vereinslebens. Er war mittendrin. Wer Vereine kennt, weiß: Wer in so vielen gleichzeitig Verantwortung trägt, der hält sie zusammen.
Gabriela G. – Gabi, die an seiner Seite war
Gabriela G., 63, war Wilberts Lebensgefährtin. Seine Vereinskameraden nannten sie Gabi und schlossen sie in ihrem Abschiedspost ausdrücklich ein: „Auch Gabi schließen wir von Herzen in unsere Gedanken ein.“ Mehr ist über sie öffentlich nicht bekannt. Kein Beruf, kein Verein, keine Vereinsmitgliedschaft – ihre Geschichte gehört ihr, und was von ihr bleibt, liegt bei denen, die sie kannten. Sie fuhr mit Wilbert in den Urlaub. Sie buchten gemeinsam ein Hotel in Khao Lak, neun Nächte, Anreise 30. September.
Die beiden kamen am Donnerstagabend am Zebrastreifen der Phetkasem Road ums Leben. Wo sie hinwollten, ist nicht überliefert – die CCTV-Aufnahmen zeigen, dass sie vom Mittelstreifen Richtung Restaurant-Seite liefen. Die Ampel zeigte Grün. Wer beide kannte, weiß vielleicht, wie er sie zum Lachen gebracht hat. Oder sie ihn. Das bleibt bei den Angehörigen.
Der Fahrer: Flucht, Tempel, Geständnis
Der Fahrer ist 37 Jahre alt, stammt aus Phang Nga und wurde von der Polizei nur „Veera“ genannt – ein Pseudonym. Nach dem Aufprall fuhr er Richtung Thai Mueang, ohne anzuhalten, ohne Hilfe zu leisten, ohne die Behörden zu verständigen. Er parkte den Pickup in einer Seitenstraße bei einem Tempel in Lam Kaen. Er schwieg. Die Polizei schwieg nicht: Kameras entlang der Fluchtstrecke hatten Kennzeichen und Fahrzeug erfasst. Er war identifiziert, bevor er sich meldete.
Am Nachmittag des 3. Oktober – 18 Stunden nach dem Unfall – erschien er auf der Polizeiwache und brachte den Pickup mit. Die Fahrzeugfront zeigte Schäden, die mit dem Aufprall übereinstimmen. Polizeipräsident Pol. Col. Jetsada Chanphum bestätigte die Übergabe. Der Mann legte ein Geständnis ab. Drei Anklagen: fahrlässige Tötung, gefährliches Fahren, Unterlassung von Hilfeleistung und Meldepflicht. Ob Alkohol oder Drogen im Spiel waren, klärt die Toxikologie – Ergebnisse standen bei Redaktionsschluss noch aus.
Warum er flüchtete – und warum er sich stellte
Warum jemand nach einem tödlichen Unfall weiterfährt, lässt sich selten sauber beantworten. Eine offizielle Erklärung des Fahrers gibt es nicht. Naheliegend sind Panik, der Versuch einem Drogen- oder Alkoholtest zu entkommen, oder der Reflex zu fliehen. In Thailand gibt es nach schweren Unfällen eine informelle Logik: Wer bleibt, trägt die Last sofort. Wer fährt, kauft sich Zeit – auch wenn diese hier keine 18 Stunden dauerte.
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Zeit, die ihm nichts half. Die Polizei hatte ihn über die Kameraaufzeichnungen bereits identifiziert, als er am nächsten Nachmittag auf der Wache erschien. Dass er sich stellte, lag wahrscheinlich nicht an Reue allein – er wusste, dass er gefunden werden würde. Polizeipräsident Chanphum bestätigte: Die CCTV-Aufnahmen zeigen den Pickup, das Kennzeichen, die Fahrtrichtung. Es gab keinen Ausweg mehr.
Eine Straße mit Geschichte – und vier toten Ausländern seit 2022
Wilbert und Gabriela sind nicht die ersten Ausländer, die auf der Phetkasem Road getötet wurden. 2022 starb der Franzose Jean-Yves B. an einem Zebrastreifen in Khuekkhak. Im April 2025 wurden das deutsche Paar Phillip David L. und Linda R. mit Kleinkind auf dem Überweg in Bang Niang angefahren – ein Fahrzeug hielt, das in der Nebenspur nicht. Die Eltern wurden schwer verletzt, das Kind blieb unverletzt. Lertsak Ponklin vom Tourismusverband Phang Nga sagte danach: An diesem Überweg passierten nahezu wöchentlich Beinahekollisionen.

Die Phetkasem Road ist keine Nebenstraße. Sie ist eine Fernstraße, die als Hauptachse direkt durch das Touristenviertel Nang Thong führt – Durchgangsverkehr und Urlauber zu Fuß teilen sich denselben Korridor. Wilbert und Gabriela wurden zur dritten und vierten ausländischen Person, die auf dieser Strecke beim Überqueren eines Zebrastreifens getötet wurde. Vier Menschen in vier Jahren auf derselben Straße.
Drei Tage vor dem Unfall – Behörden tagten, nichts änderte sich
Am 29. September 2026 trafen sich Beamte der Provinz Phang Nga, um Fußgängersicherheit und Verkehrssignale auf der Phetkasem Road zu besprechen. Anlass waren die wiederholten Unfälle mit ausländischen Touristen. Maßnahmen wurden diskutiert. Beschlüsse wurden nicht kommuniziert. Drei Tage später fuhr ein Pickup bei Rot in Wilbert S. und Gabriela G..
Ob das Treffen irgendetwas hätte ändern können, lässt sich nicht sagen. Was sich sagen lässt: Es ist nicht das erste Mal, dass Mönchengladbach einen seiner Menschen an diese Straße verliert. Und es wäre nicht das erste Mal, dass danach wieder Gespräche stattfinden.
„Ihr werdet nicht vergessen“
Das Bundesschützen-Tambourcorps „Mit Vereinten Kräften“ Wickrath schrieb in seinem Abschiedspost: „Es wird sicherlich noch oft Momente geben, in denen wir zusammensitzen und einer sagt: ‚Weißt du noch, als Wilbert …?‘ Und wahrscheinlich werden wir dann trotz aller Trauer wieder lachen müssen.“ Die Leichen von Wilbert S. und Gabriela G. wurden zur rechtsmedizinischen Untersuchung in das Vachira Phuket Hospital überstellt. Die Polizei koordiniert die weiteren Schritte mit der deutschen Botschaft in Bangkok und den Angehörigen.
Das Strafverfahren gegen den 37-jährigen Fahrer läuft. Drei Anklagepunkte stehen, ein Geständnis liegt vor, die Toxikologie steht aus. Willi, Schenk – wie seine Freunde ihn nannten – hatte seinen Urlaub bis zum 9. Oktober gebucht. Er kam am 30. September an. Sieben Tage blieben ungenutzt.
Anmerkung der Redaktion
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Die biografischen Details zu Wilbert S. – Vereinsengagement, Spitznamen, Charakter – basieren auf dem Facebook-Post des Bundesschützen-Tambourcorps „Mit Vereinten Kräften“ Wickrath sowie einem Bericht der Rheinischen Post vom 4. Oktober 2026. Die Unfalldetails stützen sich auf Khaosod English, Thai Examiner und Polizeiangaben. Ermittlungsergebnisse (Toxikologie, weitere Anklagen) lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor.
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