Wer in Thailand lebt, merkt schnell: Ein falsches Wort bleibt hängen. Das Gegenüber lächelt meist weiter und sagt nichts. Gerade deshalb fällt der Fehler oft gar nicht auf. Es gibt Sätze, die man zu einem Thai niemals sagen sollte, weil sie ihn beschämen oder sogar strafbar sein können. Manche klingen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz ganz harmlos. Andere treffen genau das, was einem Thai heilig ist. Einige davon sorgen besonders oft für Ärger.
Die Monarchie
Über das Königshaus spricht man mit Thais nicht, auch nicht im Scherz und nicht am Küchentisch. Die meisten Thais bringen ihm große Ehrfurcht entgegen. Ein schlechtes Wort darüber trifft sie persönlich, selbst wenn sie es Ihnen nie sagen würden. Das gilt auch für die Partnerin oder den Partner und für die Verwandten.
Dazu kommt das Gesetz. Wer König, Königin, Thronfolger oder Regent beleidigt, bedroht oder verleumdet, muss mit drei bis fünfzehn Jahren Haft rechnen, und zwar für jeden einzelnen Anklagepunkt. Schon ein Kommentar auf Facebook kann reichen: Im April wurde eine Tanzlehrerin wegen eines Online-Beitrags zu Haft verurteilt. Mein Rat: Schreiben Sie dazu nichts, auch nicht in privaten Chatgruppen.
Mönche und Tempel
Mönche genießen in Thailand hohe Achtung. Spott über ihre Kleidung, ihr Leben oder ihre Regeln kommt sehr schlecht an. Tempel sind Orte des Gebets und keine Sehenswürdigkeiten. Wer sich dort über Statuen, Rituale oder die Bauweise lustig macht, kränkt nicht nur die Mönche, sondern alle Gläubigen in der Nähe.
Für Frauen gilt eine feste Regel: Sie berühren keinen Mönch und reichen ihm nichts direkt. Gaben legen sie vor ihm ab, auf ein Tuch oder einen Tisch, oder sie geben sie einem Mann zur Weitergabe. Männer dürfen direkt übergeben, am besten mit beiden Händen. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie höflich nach, statt etwas zu kritisieren.
Ein hartes Nein
Thais sagen selten klar Nein. Sie wollen niemanden vor den Kopf stoßen, und sie nennen diese Rücksicht kreng jai. Statt eines Neins hören Sie dann Sätze wie „vielleicht“ oder „mal sehen“, oder das Thema wechselt plötzlich. Meist ist das trotzdem ein Nein. Wer darauf mit einem scharfen „So geht das nicht“ reagiert, setzt sein Gegenüber unter Druck.
Umgekehrt gilt dasselbe für Sie. Ein barsches Nein, ein genervtes „Das stimmt nicht“ oder das Beharren auf einer klaren Zusage wirkt schnell unhöflich. Handwerker, Nachbarn und die Familie der Partnerin antworten darauf oft mit Schweigen und einem Lächeln. Dahinter kann Ärger stehen. Besser kommen Wünsche als Vorschlag an, etwa mit „Könnte man das vielleicht so machen?“.
Die Hautfarbe
Bemerkungen über die Hautfarbe sind in Thailand heikel. Helle Haut gilt vielen als schön und als Zeichen für einen höheren Stand. Dunkle Haut verbinden manche mit Landarbeit und Armut. Aufhellende Cremes und Pillen sind ein riesiges Geschäft, und die Werbung dafür steht immer wieder in der Kritik.
Ein Satz wie „Du bist aber dunkel geworden“ fällt schnell beiläufig, etwa nach einem Tag am Strand. Ein Thai kann ihn als Urteil über Aussehen und Stand hören. Das trifft die Partnerin, die Nachbarin oder die Verkäuferin am Markt. Sprechen Sie lieber über den Charakter, den Humor oder darüber, was jemand geschafft hat.
Schlechte Nachrede im Internet
Wer sich über einen Vermieter, Bauunternehmer oder Handwerker ärgert, schreibt das gern in eine Facebook-Gruppe oder eine Online-Bewertung. In Thailand ist Verleumdung eine Straftat. Üble Nachrede kann bis zu einem Jahr Haft oder 20.000 Baht Geldstrafe bringen. Bei einer Veröffentlichung drohen bis zu zwei Jahre Haft oder 200.000 Baht.
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Dabei schützt die Wahrheit allein nicht immer, denn das Gesetz knüpft sie an ein öffentliches Interesse. Auch ein wütender Satz vor Zeugen kann als Beleidigung gelten, die Strafe ist dort aber gering, bis zu 1.000 Baht. Mein Rat: Tragen Sie Beschwerden direkt und höflich vor, und posten Sie sie nicht öffentlich.
Kritik vor anderen Leuten
Das Gesicht zu wahren ist in Thailand ein Grundwert. Wer jemanden vor anderen kritisiert, verbessert oder bloßstellt, nimmt ihm das Gesicht. Auch Laut werden, Schimpfen und Wutausbrüche gelten als Zeichen von Schwäche. Wer die Ruhe verliert, verliert in den Augen der Umstehenden meist mehr als der, den er anschreit.
Im Restaurant oder im Streit mit dem Handwerker sieht man den Unterschied sofort. Wer ruhig bleibt und sein Anliegen leise vorbringt, am besten unter vier Augen, kommt weiter. Wer vor Zuhörern losgeht, hat meist verloren, selbst wenn er recht hat. Thais gehen dann oft weg oder lachen verlegen. Das heißt nicht, dass sie zustimmen.
Das Wort Ladyboy
Das Wort „Ladyboy“ sagen viele Urlauber ohne böse Absicht. Es stammt aus der Tourismusbranche, und die Menschen, die damit gemeint sind, empfinden es oft als verletzend. Die Frage „Bist du ein Ladyboy?“ stellt jemanden wegen seines Körpers bloß. Das bleibt auch dann respektlos, wenn sie neugierig gemeint ist.
Trans Frauen sind in Thailand sichtbar und werden im Alltag weitgehend akzeptiert. Trotzdem erleben sie Benachteiligung. Sprechen Sie eine Frau als Frau an, wenn sie als Frau auftritt, und lassen Sie Fragen zum Körper weg. Wenn Sie wissen möchten, wie jemand angesprochen werden will, fragen Sie höflich nach dem Namen und dem Wunsch.
Alter, Beruf und Geld
Überraschend für viele: Fragen nach Alter, Beruf und Familienstand sind in Thailand kein Tabu. Thais stellen sie selbst gleich beim ersten Treffen, auch um zu wissen, wie sie Sie richtig anreden. Als Beleidigung sind sie nicht gemeint. Eine kurze, freundliche Antwort genügt, und Sie dürfen im Gegenzug ebenso fragen.
Anders ist es beim Geld. Die Frage „Wie viel verdienen Sie?“ ist nicht immer willkommen, und wer Thais danach fragt, kommt schnell zu nahe. Werden Sie selbst danach gefragt und möchten nicht antworten, lächeln Sie und sagen, das sei ein Geheimnis. Das nimmt Ihnen niemand übel. Ein Lächeln beendet das Thema meist freundlich.
Redaktionelle Hinweise
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Die genannten Strafrahmen gelten nach dem Strafgesetzbuch. Wie ein Gericht einen Einzelfall wertet, kann abweichen. Wer eine Äußerung rechtlich einordnen lassen möchte, wendet sich an einen Rechtsanwalt in Thailand oder an die Botschaft seines Landes in Bangkok.

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