7-Eleven: Ein Hamburger findet seine Liebe in Buriram

Er zog für eine Frau aus der Bar nach Buriram – und endete im Hotelzimmer. Was dann passierte, hätte er sich nicht ausgedacht.

7-Eleven: Ein Hamburger findet seine Liebe in Buriram
WB

Wer in Thailand nach der großen Liebe sucht, denkt selten an Buriram. Und wer Buriram kennt, denkt selten an einen 7-Eleven als Ort, der ein Leben verändert. Klaus H. aus Hamburg dachte das genauso – bis er eines Abends mit einem Bier in der Hand an der Kasse stand und eine Frau namens Noi das Wechselgeld hinlegte, ohne ihn dabei anzuschauen. Das war vor über zehn Jahren. Heute führen die beiden gemeinsam einen Minimarkt, haben zwei Kinder und fliegen einmal im Jahr irgendwo hin, wo es kalt genug ist, um eine Jacke zu brauchen.

Diese Geschichte beginnt nicht beim 7-Eleven. Sie beginnt in einer Bar, mit einem Irrtum, mit Geldforderungen und einem Hotelzimmer, in das Klaus zog, weil er nirgendwo sonst mehr hinwollte. Wer verstehen will, warum das Ende dieser Geschichte so unwahrscheinlich ist, muss am Anfang anfangen.

Die erste Liebe, die keine war

Klaus kam nicht als Rentner nach Thailand. Er kam als jemand, der Urlaub machen wollte und dann irgendwie nicht mehr zurückfuhr. Ein paar Wochen Bangkok, dann Pattaya, dann wieder Bangkok. In einer Bar in der Nähe des Sukhumvit lernte er Wan kennen. Sie war 26, er Mitte fünfzig, und er war sicher, dass er zum ersten Mal in seinem Leben wirklich verliebt war.

Was folgte, kennt jeder, der ein bisschen zu lange in Thailand gelebt hat: Wan hatte eine Familie in Buriram, deren Probleme immer größer wurden, sobald Klaus in der Nähe war. Ein Bruder brauchte Geld für ein Motorrad. Dann für ein Haus. Dann für etwas, das Klaus bis heute nicht genau benennen kann. Er zog mit Wan in die Provinz, in ein Haus hinter Reisfeldern, und merkte nach etwa einem Jahr, dass er keine Beziehung hatte. Er hatte ein Budget.

Hotelzimmer, kein Plan, kein Rückflug

Der Auszug verlief ohne große Szene. Klaus packte zwei Koffer und fuhr mit dem Songkhaew in die Stadt. Er mietete ein Zimmer in einem einfachen Hotel nahe dem Busbahnhof – 300 Baht die Nacht, Ventilator, aber Warmwasser. Drei Wochen lang saß er dort, aß an Straßenständen und überlegte, ob er nach Hamburg zurückfliegen sollte.

Er flog nicht. Nicht weil Buriram ihn gehalten hätte – die Stadt ist kein Touristenziel, keine Expat-Hochburg. Es gibt einen großen Fußballclub, ein Motorsportzentrum und viel flaches Land. Aber Klaus mochte die Stille. Und er mochte, dass ihn niemand kannte.

Wechselgeld und kein Blickkontakt

Der 7-Eleven lag zwei Minuten vom Hotel. Klaus ging fast jeden Morgen dorthin – Kaffee im Plastikbecher, manchmal ein aufgewärmtes Salapao-Brötchen. Die Frau hinter der Kasse hieß Noi, war Anfang dreißig und behandelte ihn wie jeden anderen Kunden: korrekt, freundlich, ohne Aufheben. Kein Lächeln, das etwas bedeuten sollte. Kein gebrochenes Englisch als Einstieg. Einfach Wechselgeld.

Klaus fragte sie nach einigen Wochen, ob sie Lust hätte, Mittag essen zu gehen. Sie sagte auf Thai, dass sie keine Erfahrung mit Ausländern habe. Er verstand nicht alles, aber genug. Er fragte trotzdem noch einmal. Beim dritten Mal sagte sie ja.

Fußball als gemeinsame Sprache

Noi war Buriram United-Fan. Nicht aus Pflicht, sondern ernsthaft – sie kannte Spielerstände, Saisontabellen, die Geschichte des Clubs. Buriram United ist der erfolgreichste Fußballclub Thailands, zwölfmal Meister, mit einem Stadion, das 32.600 Zuschauer fasst und bei großen Spielen tatsächlich voll wird. Klaus, der zuhause dem Hamburger SV hinterhergelitten hatte, fand das alles erst merkwürdig – und dann irgendwie vertraut.

Sie gingen zusammen auf die Rennbahn, dann ins Stadion. Noi erklärte Spielzüge. Klaus kaufte zwei Trikots. Er sagt heute, dass er in jenem Abend mehr Thailändisch gelernt hat als in den Monaten davor – weil Fußball eine Grammatik hat, die man nicht übersetzen muss.

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Was diese Beziehung von der ersten unterschied

Noi hatte keine Schulden. Keine kranke Mutter, die Geld brauchte. Keinen Bruder mit einem dringenden Problem. Ihre Familie lebte in einem Dorf außerhalb Burirams und reagierte auf Klaus zunächst mit höflicher Skepsis – sie hatten noch nie einen Farang aus der Nähe gesehen. Das änderte sich langsam, ohne dass jemand daran arbeitete. Klaus lernte ein paar Sätze Isaan-Dialekt. Nois Vater bemerkte das. Dann war es besser.

Was Klaus an dieser Beziehung von Anfang an anders fand: Noi fragte nie, was er verdiente. Sie fragte, was er mochte. Das klingt banal. Für jemanden, der ein Jahr lang als wandelndes Bankkonto behandelt worden war, war es das nicht.

Der Minimarkt und das echte Leben

Heute leben Klaus und Noi seit über zehn Jahren zusammen, haben zwei Kinder im Grundschulalter und betreiben einen Minimarkt in einem Wohnviertel außerhalb des Stadtzentrums. Das Geschäft läuft auf Nois Namen – Ausländer dürfen in Thailand keinen Einzelhandel führen. Klaus investierte das Startkapital, Noi kümmert sich um den Betrieb. Sie kennt die Lieferanten, die Stammkunden, die Zeiten, zu denen Nachschub kommen muss.

Die Deutsche Rente von Klaus reicht zusammen mit den Einnahmen aus dem Laden für ein Leben, das wenig Kompromisse kennt. Nicht luxuriös – aber gut. Einmal im Jahr verreisen sie: Singapur, Hongkong, zuletzt Hokkaido im Winter, weil Noi Schnee sehen wollte und Klaus ihr zeigen wollte, dass er ihr das ermöglichen kann. Sie fuhr Ski. Er stand am Rand und machte Fotos.

Was Buriram mit alldem zu tun hat

Buriram ist keine Stadt, in die man zieht, um etwas zu suchen. Man zieht dort hin, weil jemand dort lebt, den man liebt – oder weil man irgendwo gestrandet ist und nicht weiter wollte. Klaus war beides. Die Stadt hat keine Strandpromenade, nicht viele Expat-Bars mit Dartscheiben, keine ihm bekannte Sprachschule für Farangs. Sie hat eine Isaan-Alltagskultur, die sich nicht anpasst, nur weil ein Ausländer zuschaut.

Genau das, sagt Klaus, war das Richtige für ihn. Er musste sich anpassen. Nicht Noi. Nicht die Stadt. Das hat gedauert, und es war nicht immer angenehm. Aber es hat funktioniert – und funktioniert bis heute.

Was diese Geschichte nicht ist

Sie ist kein Argument dafür, dass Beziehungen in Thailand immer gut ausgehen, wenn man nur lange genug bleibt. Wer sich das erhofft, hat die falsche Lektion gezogen. Was die Geschichte zeigt: Der Unterschied zwischen Klaus‘ erster und zweiter Beziehung lag nicht daran, dass Wan böse und Noi gut war. Er lag daran, wo und unter welchen Umständen Klaus die beiden kennengelernt hatte – und mit welchen Erwartungen.

Noi arbeitete in einem 7-Eleven, nicht in einer Bar. Sie hatte keine Erfahrung mit Ausländern und kein Interesse daran, eine aufzubauen. Klaus war kein Urlauber mit dickem Portemonnaie, sondern ein Mann im Hotelzimmer, der täglich für denselben Kaffee bezahlte. Das war der Ausgangspunkt. Kein romantisches Versprechen, keine Szene aus einem Film. Wechselgeld und Alltag.

Manchmal reicht das. Kein großes Versprechen, kein perfekter Moment – nur Wechselgeld, ein täglicher Kaffee und zwei Menschen, die nicht zu viel voneinander wollten. Zumindest am Anfang.

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2 Kommentare zu „7-Eleven: Ein Hamburger findet seine Liebe in Buriram

  1. Schön die Geschichte, nur mit Mitte bis Ende 50 noch zwei Kinder zeugen, wäre nicht mein Fall gewesen. Allerdings…Kinder verbinden natürlich. Ob im Seven, Lotus oder BigC, da kann man im Isan schon Mädels finden, man muss aber „dranbleiben“. Und das ist nicht einfach, Sprache ist ein großes Thema und wer wohnt schon gerne alleine über Monate hinweg in einem Hotel, sei es in Buriram, Surin, Mukdahan oder anderswo. Nicht ganz so einfach, es geht aber.

    1. Und das Ganze offensichtlich sogar auch noch als „Frührentner“ („…Die Deutsche Rente von Klaus reicht zusammen…“) Aber noch Kinder in die Welt setzen.

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