đ„ Ein Student wagt, was sich kaum jemand traut: Er konfrontiert Thailands Ex-Premier Abhisit Vejjajiva mitten in einer Vorlesung mit den Toten der Proteste von 2010 â und entfacht damit eine alte politische Wunde neu.
Abhisit unter Druck â alte Wunden reiĂen wieder auf
Mitten in einem Hörsaal der Chulalongkorn-UniversitĂ€t in Bangkok wird es plötzlich still. Ein Student hĂ€lt ein Schild hoch: âDer, der das Töten befahl, ist hier!â â gemeint ist Abhisit Vejjajiva, Thailands Premier wĂ€hrend der blutigen Proteste 2010. Fast 100 Menschen starben damals, als das MilitĂ€r gegen Demonstranten vorging.
Abhisit, heute Chef der Demokratischen Partei, bleibt ruhig â und verteidigt sich. âDrei Gerichte haben mich freigesprochenâ, sagt er. Die Mordanklage sei in allen Instanzen abgewiesen worden. AuĂerdem habe er den damaligen DSI-Chef Tharit Pengdit erfolgreich verklagt â der spĂ€ter wegen Falschanklage ins GefĂ€ngnis musste.
âUnd was ist mit den anderen Toten?â
Dann dreht Abhisit den SpieĂ um. Er fragt den Studenten, ob dieser auch Regierungen anderer Lager fĂŒr Todesopfer verantwortlich mache â etwa bei den Protesten der PDRC oder der PAD. âHaben die Menschen, die starben, weil sie anders dachten, keine Bedeutung?â, fragt er.
Der Student bleibt standhaft: Jeder solle selbst Gerechtigkeit suchen. Doch als Abhisit betont, nichts mit der PDRC zu tun zu haben, bricht im Netz Spott los. Alte Fotos zeigen ihn bei PDRC-Kundgebungen â mit der berĂŒhmten Trillerpfeife in der Hand.
Red-Shirt-AnfĂŒhrer meldet sich zu Wort
Nattawut Saikuar, frĂŒherer AnfĂŒhrer der Rothemden, bedankt sich öffentlich bei den Studenten. Auf Facebook schreibt er: âAlle zivilen Opfer waren unbewaffnet.â Die angeblichen âMĂ€nner in Schwarzâ seien vom Obersten Gericht freigesprochen worden â nach teils zehn Jahren Haft.
Er erinnert daran, dass Abhisits Regierung zwar eine Untersuchungskommission einsetzte, diese aber keine Ergebnisse lieferte. Erst unter Premierministerin Yingluck Shinawatra wurden EntschÀdigungen gezahlt und gerichtliche Untersuchungen eingeleitet. In 17 von 31 FÀllen sei bestÀtigt worden, dass Staatswaffen die Todesursache waren.
Juristische Tricks oder echter Freispruch?
Aktivist Sombat Boonngam-anong nennt Abhisits Verteidigung âirrefĂŒhrendâ. Das Strafgericht habe nie Beweise gehört, sondern den Fall nur aus formalen GrĂŒnden abgewiesen. Abhisit und sein damaliger Stellvertreter Suthep Thaugsuban hĂ€tten argumentiert, dass nur das Sondergericht fĂŒr AmtstrĂ€ger zustĂ€ndig sei â was das Verfahren stoppte.
Sombat erinnert daran, dass Abhisit selbst einmal sagte, politische Verantwortung sei wichtiger als juristische. âSoll er beweisen, dass er das ernst meint â oder spielt er nur mit Worten?â, fordert der Aktivist.

Die Narben von 2010 bleiben offen
Die Auseinandersetzung im Hörsaal zeigt: Thailands politische Vergangenheit ist nicht vergessen. Die Proteste von 2010, bei denen 90 Menschen starben, gelten als traumatisches Kapitel der jĂŒngeren Geschichte. Bis heute wurde kein Regierungsmitglied fĂŒr die Toten zur Verantwortung gezogen.
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Und nun, 14 Jahre spĂ€ter, reicht ein mutiger Student, um die alten Fragen wieder laut werden zu lassen: Wer trĂ€gt die Schuld â und wird sie jemals benannt?



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