BANGKOK, THAILAND – Die thailändische Polizei treibt das Verfahren gegen den flüchtigen Krypto-Investor Worawat „Acme“ Narknawdee voran und will nun eine Interpol Red Notice erwirken. 61 Geschädigte meldeten bislang Verluste von zusammen 76 Millionen Baht, während weitere Gruppen von deutlich höheren Summen sprechen.
61 Anzeigen und die Angst vor einer neuen Dimension
Nach Angaben von Pol Maj Gen Thatphum Jaruprat, Chef der Economic Crime Suppression Division, hätten bislang 61 Personen offiziell Beschwerde eingereicht.
Jeder habe Investitionen zwischen 1 und 2 Millionen Baht angegeben, und Ermittler rechneten damit, dass die Zahl der Geschädigten weiter steige und die Gesamtschäden in den dreistelligen Millionenbereich wachsen könnten.
Verdacht auf Pyramidensystem und illegale Renditeversprechen
Die Ermittlungen seien zunächst wie Fälle von illegaler Geldaufnahme beziehungsweise Pyramidensystemen behandelt worden, weil der Verdächtige Renditen jenseits gesetzlicher Grenzen versprochen habe.
Laut Polizei seien dabei teils Erträge in Aussicht gestellt worden, die die erlaubten Grenzen um bis zu 100 Prozent überstiegen.
Digitaler Token ACT – jetzt wird die SEC entscheidend
Zu Berichten, Worawat habe einen eigenen Token namens ACT aufgelegt, sagte die Polizei, hierfür brauche es eine enge Abstimmung mit der Securities and Exchange Commission (SEC).
Erst dann lasse sich klären, ob Verstöße gegen Regeln für Digital-Asset-Geschäfte vorlägen und welche straf- oder aufsichtsrechtlichen Schritte daraus folgen.
Zwei SEC-Fälle und Haftbefehle aus 2025
Die SEC habe im Jahr 2025 zwei getrennte Beschwerden gegen Worawat eingereicht, wie die Polizei nach eigenen Prüfungen mitteilte.
Im ersten Verfahren sei die Akte an die Staatsanwaltschaft gegangen und ein Haftbefehl erlassen worden, im zweiten gehe es um ein Online-Investmentmodell mit rund 40 Opfern und geschätzten Schäden von 10 Millionen Baht, ebenfalls mit Haftbefehl.
Flucht seit 15. November 2024 – Interpol soll helfen
Die Behörden hätten festgestellt, dass Worawat am 15. November 2024 ausgereist sei und seitdem als flüchtig gelte.
Auf Grundlage der Haftbefehle aus 2025 koordiniere die Polizei nun mit Interpol eine Red Notice, um den Zugriff im Ausland zu erleichtern.
Keine Hinweise gegen die Ehefrau – aber ein prominenter Name
Im Fokus steht auch, dass Worawat der Ehemann der Thai-deutschen Schauspielerin Nutcha „Nonny“ Schumacher ist, doch Ermittler hätten bislang keine Verbindungen gefunden, die sie belasten.
Gleichzeitig kündigte die Polizei an, Belege zu sammeln, um auch gegen weitere mutmaßliche Mitglieder seines Netzwerks weitere Haftbefehle zu beantragen.
Fotos mit Prominenten und weiterlaufende Masche
Laut Pol Maj Gen Thatphum hätten manche Opfer dem Verdächtigen sogar dann noch vertraut, als sie von bestehenden Haftbefehlen gehört hätten.
Worawat soll behauptet haben, die Haftbefehle seien „erfunden“, und seine Glaubwürdigkeit mit Fotos neben bekannten Persönlichkeiten gestützt haben, wobei Ermittler sagen, das Täuschungsmuster sei seit 2024 im Kern gleich geblieben.
Digitale Wallets – wenig Restgeld, komplizierte Sicherung
Die Polizei prüfe inzwischen auch die digitalen Wallets des Verdächtigen und habe erste finanzielle Spuren gefunden, die Wallets in Thailand und im Ausland miteinander in Verbindung brächten.
Das Einfrieren möglicher Vermögenswerte erfordere jedoch die Koordination mehrerer Behörden, zudem seien die verbliebenen Bestände in den Wallets nach ersten Checks relativ klein und lägen bei unter einer Million Baht.
Neue Vorwürfe – Petition spricht von 1,3 Milliarden Baht
Am 10. März trat zusätzlich eine Gruppe von 30 Betroffenen an die Öffentlichkeit und warf Worawat vor, Anleger in ein betrügerisches Krypto-Modell gelockt zu haben, mit Schäden von mehr als 1,3 Milliarden Baht.
Tankhun Jit-itsara, Vorsitzender des Santi Prachatham Club, übergab dazu eine Petition an Ermittler der Economic Crime Suppression Division und forderte ein entschlossenes Vorgehen.
Deine Meinung
Der Fall zeigt, wie schnell Versprechen von „sicheren“ Krypto-Renditen in Thailand in Ermittlungen wegen mutmaßlicher Betrugsmodelle und internationaler Fahndung münden können.
Welche Regeln und Warnhinweise sollten Behörden und Plattformen aus deiner Sicht durchsetzen, damit solche Modelle weniger Opfer finden – und wo beginnt die Eigenverantwortung der Anleger in der Praxis?



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