Skandal in Thailand: 727 Mio. Liter Diesel verschwunden

Wo ist der Treibstoff geblieben? In Thailand schrillen die Alarmglocken – jetzt drohen leere Tanks und neue Preis-Schocks!

Skandal in Thailand: 727 Mio. Liter Diesel verschwunden
ThaiRath

BANGKOK, THAILAND – Der Abgeordnete und Parteichef Warong Dechgitvigrom warnt vor einer Dieselkrise mit Knappheit und hohen Preisen und erhebt den Vorwurf, dass große Mengen Treibstoff aus dem System „verschwinden“. Er fordert die Regierung zu schnellen Ermittlungen und Transparenz auf und spricht von möglicher Korruption in der Lieferkette.

Warnung vor „gefährlicher“ Dieselknappheit

Der Listenabgeordnete und Vorsitzende der Thai-Pakdee-Partei, Dr. Warong Dechgitvigrom, nahm am 9. April in einer Debatte zur Regierungspolitik die Energie- und Ölversorgung ins Visier.

Obwohl die Regierung angekündigt habe, die Belastungen für die Bevölkerung abzufedern, seien in den vergangenen rund vier Wochen Dieselknappheit und hohe Preise aufgetreten, was er als Risiko bis hin zum „Raub am nationalen Öl“ bezeichnete.

Mehrfache Preiserhöhungen und wachsende Zweifel

Warong erklärte, die Regierung habe die Kraftstoffpreise insgesamt achtmal angehoben, in Summe um 20,80 Baht pro Liter – von 29,94 auf 50,54 Baht.

Auch wenn der Preis später etwas gesunken sei, bleibe dies aus seiner Sicht unfair gegenüber der Bevölkerung, während landesweit der Verdacht aufgekommen sei, dass im System Treibstoff „abgezweigt“ werde.

Beispiel Surat Thani und die Frage nach dem „unsichtbaren Akteur“

Als Beispiel nannte er einen Fall, bei dem auf dem Weg von einer Raffinerie zu einem großen Öl-Händler in der Provinz Surat Thani angeblich 57 Millionen Liter „verschwunden“ seien.

Wenn die Regierung es ernst meine, müsse sie nachvollziehbar prüfen, an wen Raffinerien geliefert hätten, da es nur wenige große Händler gebe – dann lasse sich auch klären, wer hinter mutmaßlicher Hortung stecke.

Kritik an Regierungsmaßnahmen und falscher Ausgangsthese

Warong kritisierte, die Regierung habe zunächst fälschlich angenommen, die Bevölkerung horte Treibstoff, und daraufhin drei Maßnahmen erlassen: Transport rund um die Uhr, Aufhebung von Reserveregeln und kontinuierliche Abnahme aus Raffinerien durch Firmen oder Tanklager.

Diese Schritte hätten die Lage jedoch nicht gelöst, da bis Monatsende weiterhin Knappheit gemeldet worden sei und Kontrollen an Ausgabelagern keine Auffälligkeiten gezeigt hätten.

Berichte von Tankstellen: nur noch halbe Liefermengen

Nach eigenen Angaben besuchte Warong mehrere Orte und hörte übereinstimmend, dass Treibstoff nicht wie üblich von Ausgabelagern oder großen Händlern (nach „Section 7“) an Tankstellen weitergeleitet werde.

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Fast alle Tankstellen hätten berichtet, dass die gelieferten Mengen auf etwa die Hälfte des Normalniveaus gesunken seien.

Ungewöhnliche Verbrauchszahlen: 67 statt 85 Millionen Liter pro Tag

Warong verwies auf eine Erklärung des Premierministers vom 3. April: Normalerweise liege der landesweite Verbrauch bei 67 Millionen Litern pro Tag, zeitweise sei jedoch ein Wert von 85 Millionen Litern pro Tag genannt worden.

Er fragte, woher die zusätzlichen rund 20 Millionen Liter täglich kommen sollten, da sich Wirtschaftslage und Industrieaktivität nicht in relevantem Ausmaß verändert hätten.

Berechnungen zu „aufgeblähten“ Mengen Ende März

Sein Team habe Daten ausgewertet und für den Zeitraum 23. bis 31. März beim Vergleich der verteilten Mengen mit Januar 2026 (ohne Knappheitsprobleme) eine ungewöhnliche „Aufblähung“ festgestellt.

Diese habe im Schnitt 14,086 Millionen Liter pro Tag betragen, insgesamt 225,378 Millionen Liter – mit der Frage, wohin diese Mengen verschwunden seien.

Vorwurf: Hunderte Millionen Liter Diesel „verschwunden“

Im Januar seien laut Warong im Schnitt 51,3 Millionen Liter pro Tag an Tankstellen geliefert worden, viele Stationen hätten aber nicht einmal die Hälfte erhalten – eine Lücke von etwa 25,650 Millionen Litern pro Tag.

Für den Zeitraum 16. bis 31. März 2026 bezifferte er das „Verschwinden“ von Diesel auf 635,778 Millionen Liter und verwies auf landesweite Warteschlangen an Tankstellen.

Gesamtsumme bis zu 727,654 Millionen Liter und Korruptionsvorwurf

Unter Einbeziehung weiterer Zahlen – darunter eine von Behörden festgestellte „Aufblähung“ von 317,254 Millionen Litern sowie nicht vollständig an Tankstellen gelieferte 410,400 Millionen Liter – könne die verschwundene Menge laut Warong bis zu 727,654 Millionen Liter betragen.

Er wertete dies als Betrug und Korruption in der Treibstoffkette und sagte, es sei unmöglich, dass Verantwortliche im nationalen Ölsystem davon nichts wüssten; die Regierung müsse die Fakten öffentlich erklären.

„Diesel-Fälschung“ als politischer Vergleich

Warong zog einen Vergleich zu früheren Skandaldebatten und sagte, wenn es einst den Begriff „gefälschter G2G-Reis“ gegeben habe, dann sei das aktuelle Problem eine Art „gefälschter Diesel“.

Damit meinte er, dass Treibstoff aus Lagern nicht in dem Umfang an Tankstellen angekommen sei, wie es nach den Lieferwegen zu erwarten wäre.

Forderungen zur Korruptionsbekämpfung: Privilegien kürzen

In Bezug auf den dritten Politikpunkt der Regierung zur Korruptionsbekämpfung erinnerte Warong an das Versprechen des Premierministers „gesagt, getan“ und forderte, politische Privilegien zu reduzieren.

Er schlug vor, die Zahl der Abgeordneten-Assistenten von acht auf drei zu senken, was seiner Einschätzung nach mindestens 800 Millionen Baht pro Jahr sparen könne, und zudem die Pensionen für Abgeordnete und Senatoren abzuschaffen, um Mittel für Hilfen an die Bevölkerung zu nutzen.

Politische Warnung: Regierung müsse schnell handeln

Warong sagte, die Bevölkerung sei angesichts hoher Preise insgesamt frustriert und wütend, und die Vorstellung der Regierungspolitik verschärfe das gesellschaftliche Gefühl zusätzlich.

Wenn die Regierung die mutmaßlichen Betrugsfälle zügig angehe und Warnungen ernst nehme, könne sie vier Jahre durchhalten; bei Ignoranz drohe ihr hingegen ein deutlich kürzeres politisches Leben.

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Quelle: Thairath

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