CHIANG MAI – Kurz vor dem entscheidenden Besuch der UNESCO-Prüfer haben Unbekannte eine historische Tempelmauer mit Graffiti beschmiert. Die Schmierereien treffen ausgerechnet das Wat Chiang Man, eines der acht zentralen Wahrzeichen für die Bewerbung als Weltkulturerbe. Dorfbewohner schlagen nun Alarm und fürchten um die jahrelangen Vorbereitungen.
Historische Tempelmauer mit Sprayfarbe beschmiert
Am Wat Chiang Man im Unterbezirk Sriphum, dem ältesten Tempel der Provinz, zeigt sich ein Bild der Verwüstung. Besucher entdeckten englische Schriftzüge und wilde Malereien, die direkt auf die altehrwürdige Mauer vor dem Tempel gesprüht wurden.
Reporter, die sich am 18. Juni vor Ort ein Bild machten, fanden die Spuren der Schmierereien noch immer deutlich sichtbar vor. Der Anblick steht in krassem Gegensatz zum sonst so gepflegten Erscheinungsbild der historischen Lanna-Stadt.
Dorfbewohner in großer Sorge um UNESCO-Chancen
Die Anwohner sind empört und gleichzeitig tief besorgt. Sie befürchten, dass die Schmierereien das Image der Stadt massiv beschädigen und die bevorstehende Bewertung negativ beeinflussen könnten.
Die mutmaßlichen Täter werden im Umfeld von Teenagern oder betrunkenen Touristen vermutet. Eindeutige Beweise oder Zeugenaussagen, die die Identität der Sprayer zweifelsfrei belegen, gibt es bisher jedoch nicht.
UNESCO-Prüfer kommen in wenigen Wochen
Die Zeit drängt, denn der Besuch des entscheidenden Bewertungsteams ist genau terminiert. Ein Expertenteam des International Council of Historic Places (ICOMOS) wird das Gebiet zwischen dem 3. und 8. August genau unter die Lupe nehmen.
Die Aufregung ist deshalb so groß, weil Bürger und Unternehmer seit Monaten gemeinsam daran arbeiten, die Landschaft anzupassen und das gesamte Areal auf Hochglanz zu bringen. Eine einzelne Schmiererei wirft nun einen Schatten auf diese kollektive Anstrengung.
Wat Chiang Man ist Teil eines großen Netzwerks
Die beschmierte Tempelmauer ist kein isolierter Ort, sondern ein zentrales Stück eines riesigen kulturellen Puzzles. Chiang Mai hat sich als „lebendige Kulturerbestadt“ beworben und ein Netzwerk aus acht historischen Gebieten geknüpft.
Neben Wat Chiang Man gehören Wat Umong, Wat Phra Singh Woramahawihan, Wat Chedi Luang Worawihan und Wat Suan Dok Phra Aram Luang dazu. Ebenfalls Teil des Ensembles sind Wat Phra That Doi Suthep, Wat Chedi Yod sowie der historische Stadtgraben und die alte Stadtmauer.
Einzigartiges Erbe mit Hunderttausenden Bewohnern
Diese Orte sind keine leblosen Museumsstücke, sondern Heimat für hunderttausende Menschen im echten Alltag. Der einzigartige Mix aus gelebtem Glauben, jahrhundertealter Geschichte und pulsierendem Leben macht das kulturelle Erbenetzwerk so besonders.
Dass die Provinz es aus mehr als 800 Nominierten weltweit in die Runde der 35 Standorte geschafft hat, die für den Welterbe-Titel in Frage kommen, unterstreicht diese Einzigartigkeit.
Dorfbewohner fordern sofortiges Handeln von Polizei und Behörden
Angesichts des drohenden Imageschadens reichen den Bewohnern bloße Klagen nicht mehr. Sie fordern von Polizei und den zuständigen Beamten ein entschlossenes Eingreifen, um die Schäden umgehend zu beheben.
Ihr Appell geht aber noch weiter: Sie verlangen eine verstärkte Überwachung der historischen Stätten, damit sich ein solcher Vorfall in der heißen Phase vor der Entscheidung nicht wiederholt.



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