BANGKOK – Der gewaltsame Tod von zwei russischen Staatsbürgern und drei thailändischen Familienmitgliedern bringt Thailands Justizsystem in schwere Bedrängnis. Während die Täter ihre Haftstrafen bereits vollständig verbüßt hatten, steht die Frage im Raum, warum das Gesetz zur Überwachung von rückfallgefährdeten Straftätern im konkreten Fall nicht gegriffen hat. Justizminister Ruttaphol Naowarat ordnete am 3. August 2026 eine landesweite Überprüfung von rund 5.000 Personen an, die unter JSOC-Überwachung stehen.
Verborgene Gräber – Täter waren mehrfach vorbestraft
Thana Kerdthong und Thongchai Srinil sollen die beiden russischen Geschwister getötet und vergraben haben. Im Zuge der Ermittlungen entdeckten die Beamten ein weiteres Grab mit einer dreiköpfigen thailändischen Familie.
Thana war bereits dreimal vorbestraft, das schwerste Urteil lautete auf versuchten Mord. Genau dieser Tätertypus hätte nach dem Gesetz zur Verhinderung von Rückfälligkeit bei Sexual- oder Gewaltstraftaten von 2022, kurz JSOC, besonders engmaschig überwacht werden müssen.
5.000 Fälle werden neu geprüft
Justizminister Ruttaphol Naowarat erklärte nach einem Treffen mit den zuständigen Behörden, beide Täter hätten ihre Strafen regulär und ohne Sonderrechte verbüßt. Eine Vernachlässigung der Aufsicht wies er zurück.
Trotzdem ordnete er an, sämtliche Personen unter JSOC-Überwachung auf Risikofaktoren zu filtern. Ziel ist es, Hochrisikofälle zu identifizieren und einer verschärften Kontrolle zu unterziehen.
Keine Fußfessel – und das um vier Uhr morgens
Der ehemalige Assistent des Justizministers Thanakrit Jitt-areerat übte scharfe Kritik: Das Gesetz sei vorhanden, werde aber nicht konsequent angewandt. Hätte man Thana eine elektronische Fußfessel angelegt, hätte er das Haus nicht um 4 Uhr morgens verlassen können.
Er verwies auf Artikel 16 des JSOC-Gesetzes, der einen Ausschuss unter Leitung des stellvertretenden Justizministers vorsieht. Dieses Gremium aus Innenministerium, Polizei, Bewährungsbehörde und Strafvollzug soll genau solche Fälle bewerten und Fesseln beim Gericht beantragen.
Letzte Hinrichtung 2018
Aktuell sitzen 480 Menschen in thailändischen Gefängnissen, gegen die die Todesstrafe verhängt wurde: 419 Männer und 61 Frauen. 439 Fälle durchlaufen noch die Berufung, 13 die Revision, bei 28 ist das Urteil rechtskräftig.
Die letzte Exekution fand 2018 statt. Ein 26-Jähriger wurde per Giftspritze hingerichtet, nachdem er in Trang einen 17-Jährigen getötet und dessen Geldbörse sowie Handy geraubt hatte.
Frist läuft 2028 ab
Thailand hat die Todesstrafe nicht offiziell abgeschafft, vollstreckt sie aber seit 2018 nicht mehr. Sollte sich daran innerhalb von zehn Jahren nichts ändern, gilt das Land ab dem 18. Juni 2028 faktisch als Staat ohne Todesstrafe.
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
Seit 2003 wird in Thailand nicht mehr erschossen, sondern die Giftspritze eingesetzt. Sieben Gefangene starben auf diese Weise, bevor die Praxis eingestellt wurde.
Debatte um die Vollstreckung
Attayut Puangsuwan, bekannt als „Yuth Bang Kwang“, begleitete früher Todeskandidaten im Bang-Kwang-Gefängnis zur Hinrichtung. Auf Facebook forderte er nun eine Rückkehr zu mehreren Methoden, darunter auch das Erschießen.
Andere Länder setzten Elektrischen Stuhl, Erhängen oder Giftgas ein, schrieb er. Thailand solle eine der Tat angemessene Methode wählen.
Gefangene lernen, Tests zu bestehen
Eine Quelle aus dem Strafvollzug räumte ein, dass die Insassen während der Haft genau beobachten, wie sie die vorgeschriebenen Risikobewertungen bestehen können. Die gesetzlich vorgeschriebene Filterung vor der Entlassung laufe zwar regelkonform ab.
Aber dass Gefangene lernen, ihre Gefährlichkeit zu kaschieren, sei nicht von der Hand zu weisen. Die Einstufung erfolgt nach Artikel 22 des JSOC-Gesetzes, der Annäherungsverbote, Zonenverbote und Verhaltensauflagen vorsieht.
Lokale Arbeitsgruppen gegen Wiederholungstäter
In enger Abstimmung mit dem Innenministerium sollen nun lokale Arbeitsgruppen eingerichtet werden. Diese sollen die Überwachung entlassener Gewalt- und Sexualstraftäter vor Ort übernehmen.
Lesen Sie auch: Mordfall russische Geschwister – Was wir bist jetzt wissen
Die Maßnahmen zielen auf eine lückenlose Kontrolle ab. Ob das ausreicht, um neue Taten zu verhindern, wird sich zeigen müssen, wenn die ersten 5.000 Fälle neu bewertet sind.
Lesen Sie auch: Toter Brite in Hotel auf Patong entdeckt


Wichtiger Hinweis für unsere Leser
Wir freuen uns auf Ihren Beitrag! Bitte beachten Sie für ein freundliches Miteinander unsere Regeln: