Fünf Rentner aus der DACH-Region packen aus

Ein Österreicher, ein Luxemburger, ein Schweizer und zwei Deutsche – alle in Thailand in Rente. Dieselben Fragen, fünf völlig verschiedene Antworten. Lesen Sie hier, was sie wirklich gesagt haben.

Fünf Rentner aus der DACH-Region packen aus
KI generiertes Symbolbild

Fünf Menschen, fünf Länder, eine Entscheidung: Thailand statt Ruhestand daheim. Ein Österreicher auf Koh Samui, ein Luxemburger in Pattaya, ein Schweizer in den Bergen bei Phetchabun, eine Deutsche in Jomtien und ein Deutscher tief im Isaan – wir haben alle fünf angerufen, lange mit ihnen gesprochen und anschließend noch ein schriftliches Interview eingeholt. Was sie verbindet, ist die Wahl. Was sie trennt, ist das, womit sie diese Wahl finanzieren. Die Unterschiede sind größer als man denkt – und ehrlicher, als es die meisten Ruhestand-in-Asien-Berichte zugeben.

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Warum fünf DACH-Rentner Thailand gewählt haben – und wie sie wirklich leben

Werner aus Graz, Jean-Paul aus Luxemburg, Urs aus Bern, Karin aus dem Ruhrgebiet und Gerd ebenfalls aus Deutschland – alle zwischen 63 und 70 Jahre alt, alle in Thailand, alle aus anderen Verhältnissen. Wir haben ihnen dieselben zwanzig Fragen gestellt: über den ersten Gedanken, den Abschied, den Alltag, das Geld, die Einsamkeit und das, was sie hierbehalten hat. Die Antworten zeigen: Dieser Schritt lässt sich nicht verallgemeinern. Er ist so individuell wie die Menschen, die ihn gewagt haben.

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Wann kam der erste ernsthafte Gedanke?

Werner saß 2019 in einem Café auf Koh Samui, trank Kaffee, roch die Luft – und fragte sich, was er eigentlich noch in Graz machte. Urs war sogar noch früher dran: Er war schon in den Neunzigern als Rucksacktourist in Thailand und dachte damals bereits, hier könnte man alt werden. Das Leben kam dazwischen, der Gedanke blieb. Jean-Paul brauchte einen Anstoß von außen – ein Kollege war nach Pattaya ausgewandert, Jean-Paul besuchte ihn, dachte zuerst, der spinne, und erkannte dann, dass er selbst derjenige war, der falsch lag.

Karin kam spät. Mit 59, frisch verwitwet, ließ sie sich von einer Freundin zu einem Urlaub überreden, den sie gar nicht wollte. Gerd brauchte seinen Sohn als Türöffner – der lebte damals in Chiang Mai und schwärmte. Gerd dachte, der übertreibe. Dann besuchte er ihn. „Der hat nicht übertrieben“, sagt Gerd heute trocken.

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Was war der ausschlaggebende Moment?

Für Werner war es ein Gespräch mit einem deutschen Rentner auf einer Strandbar, der schon sieben Jahre auf Samui lebte. „Er hat nicht einmal erwähnt, dass er glücklich ist – er hat einfach so gewirkt.“ Das reichte. Jean-Paul beschreibt keinen Moment, sondern ein langsames Kippen: Thailand fühlte sich bei jedem Besuch entspannter an als Luxemburg – bis die Verhältnisse sich umkehrten. Urs saß 2021 in Bern, es war grau, die Heizkosten stiegen, und er hatte keinen Grund mehr, morgens aufzustehen. „Da habe ich aufgehört, es aufzuschieben.“

Karin beschreibt einen Abend in einem kleinen Restaurant in Jomtien. Sie aß allein, kannte niemanden, und spürte plötzlich eine Ruhe, die sie in Jahren nicht mehr gekannt hatte. „Das war kein Erleuchtungsmoment. Das war einfach Stille.“ Für Gerd war es ein Plastikhocker vor einer Garküche in Kalasin, 50 Baht Mittagessen, ein freundlicher Wirt. Er dachte: Das kann ich mir leisten. In Gelsenkirchen konnte er das nicht sagen.

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Wie hat die Familie reagiert?

Werners Tochter war skeptisch, sein Sohn wollte mitkommen auf Besuch, seine Ex sagte, das klinge nach ihm. Jean-Pauls Frau wollte nicht mit – sie trennten sich, friedlich, die Kinder waren längst erwachsen. Seine Mutter weinte. Er auch, ein bisschen. Urs‘ Schwester kicherte und meinte, das sei typisch er. Der Bruder hatte ernsthafte Bedenken. Freunde fragten, ob er noch alle Tassen im Schrank habe.

Karins Tochter war besorgt, ihr Bruder nannte es mutig, Kolleginnen zweifelten. Sie hörte auf niemanden – zum ersten Mal seit langer Zeit. Gerds Sohn war begeistert, seine Schwester fragte, ob er den Verstand verloren habe. Alte Arbeitskollegen meldeten sich nicht mehr. „Das hat mich ehrlich gesagt nicht überrascht“, sagt er.

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Was haben sie zurückgelassen – und was bereuen sie?

Werner vermisst die Berge. Er ist Steirer, er braucht eigentlich Höhe – auf Koh Samui ist alles flach und heiß. Manchmal schaut er auf Fotos vom Dachstein. Bereuen tut er nichts. Jean-Paul vermisst die Sprache: auf Luxemburgisch, Französisch, Deutsch zu denken und zu wechseln, ohne nachzudenken. In Pattaya spricht er Englisch und gebrochenes Thai. „Funktional, aber nicht heimelig.“ Urs lässt die Schweizer Ordnung vermissen – die Struktur, die man erst schätzt, wenn sie fehlt.

Karin hat das Haus ihres Mannes verkauft und einen Teil davon nach Thailand mitgenommen. Was sie wirklich gelassen hat, war ihr altes Leben. „Das war kein Verlust, das war eine Entscheidung.“ Gerd hatte nicht viel zu lassen: eine Mietwohnung, ein altes Auto, ein paar Möbel. Was er vermisst, ist das Soziale – die Stammkneipe, die Leute, die man kennt. „Das gibt es hier nicht in der Form.“

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Wie viel Rente haben sie – und reicht es?

Hier trennen sich die Welten. Werner bekommt knapp 2.100 Euro, Jean-Paul rund 2.800 Euro, Urs etwas über 3.200 Schweizer Franken – alle drei sagen, es reiche gut bis komfortabel. Jean-Paul bringt es auf den Punkt: „Ich lebe nicht verschwenderisch, aber ich muss nicht rechnen.“ Urs ergänzt, dass Phetchabun als Provinzstadt keine Touristenpreise kennt – er zahlt Thaipreise, schlicht und einfach.

Karin und Gerd leben in einer anderen Realität als die anderen drei. Karin bekommt knapp 1.100 Euro, Gerd rund 1.400 Euro. In Deutschland wäre das für beide eng. In Thailand kommen sie damit durch – aber nur, weil sie es bewusst so einrichten. Karin: „Kein Luxus, keine Spontankäufe, kein teures Restaurant ohne Anlass.“ Gerd ist nüchtern: „Ich lebe nicht üppig. Aber ich lebe anständig. Das ist hier möglich.“

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Wie sieht ein normaler Tag aus?

Werner wacht ohne Wecker auf, trinkt Kaffee auf der Terrasse, fährt zum Markt oder Supermarkt, isst mittags draußen, liest nachmittags oder fährt Moped. Urs steht früh auf, bevor die Hitze kommt, geht in den Garten, erledigt Vormittagsdinge, hält mittags eine Ruhepause – „das hat mich Thailand gelehrt“ – und liest oder fährt nachmittags durch die Gegend. Jean-Paul beginnt mit Kaffee und der Luxemburger Wort online, dann schwimmen oder Fahrrad fahren.

Karin steht früh auf, geht zum kleinen Markt um die Ecke, frühstückt zuhause, spaziert oder schwimmt, kocht mittags selbst, liest nachmittags und schreibt Briefe an ihre Tochter. Gerd steht ebenfalls früh auf – „Markt um sechs Uhr morgens, da ist es noch erträglich warm“ – und hat die Mittagspause als feste Größe eingebaut. „Früher undenkbar, jetzt mein Lieblingsteil des Tages.“

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Wie oft essen sie auswärts – und wo?

Werner isst vier- bis fünfmal die Woche draußen. „Die Thais kochen schneller und besser als ich – und günstiger. Für 80 bis 120 Baht esse ich anständig. Warum soll ich mich abrackern?“ Jean-Paul isst täglich auswärts, manchmal auch europäisch. Die Auswahl in Pattaya sei enorm, die Preise verglichen mit Luxemburg geradezu lächerlich niedrig. Urs geht etwa dreimal pro Woche in eine Garküche in Phetchabun-Stadt – 60 Baht für ein Mittagessen sei keine Seltenheit. Wenn er Lust auf etwas Besonderes hat, fährt er in die Berge nach Khao Kho, wo es inzwischen auch gehobene Restaurants gibt.

Ein echter Geheimtipp von Urs: Zwischen Phetchabun und Lom Sak betreibt ein Thailänder eine Pizzeria mit echtem Steinofen. „Wie in Italien“, sagt Urs, und das ist bei ihm kein leichtfertiger Vergleich. Karin isst höchstens zweimal pro Woche draußen – immer die günstigen Garküchen, 60 bis 90 Baht. Westliche Restaurants sind Ausnahmen für Geburtstage oder Besuch aus Deutschland. Gerd hält es ähnlich: dreimal die Woche, einfache Lokale, 50 bis 80 Baht. Restaurants mit Speisekarte und Besteck: selten.

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Kochen sie selbst?

Jean-Paul kocht gelegentlich, wenn die Lust kommt – dann eher europäisch, eine Suppe, Pasta. Aber die Motivation fehlt meistens. „Zuhause kochen war Pflicht. Hier ist es optional.“ Werner kocht ab und zu, hauptsächlich österreichische Sachen, die er vermisst. Tafelspitz geht notfalls mit lokaler Rinderrasse. „Die Zutaten sind anders, aber man findet Wege.“ Urs kocht regelmäßig und gerne – Thai-Gerichte, die er sich angeeignet hat, aber auch Schweizer Klassiker, soweit die Zutaten hergeben.

Karin kocht fast täglich. Der Markt ist günstig, das Gemüse frisch, Pad Thai gelingt ihr gut, Suppen noch besser. Gerd kocht ebenfalls täglich: morgens Ei und Toast, abends Reis mit Gemüse, manchmal Fleisch. Er kauft auf dem Wochenmarkt, weil es dort deutlich günstiger ist als im Supermarkt. „Kalasin ist keine Touristenregion – ich zahle Thaipreise.“

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Was kostete mehr als erwartet?

Strom und Klimaanlage nennen fast alle. Werner war überrascht, wie hoch die Stromrechnung im Sommer werden kann. Karin kauft mittlerweile Thai-Generika statt importierter Medikamente – nach Rücksprache mit dem Arzt. Gerd hatte nicht auf dem Schirm, dass man ohne eigenes Fahrzeug in Thailand kaum lebensfähig ist. Das Motorrad war seine erste größere Ausgabe. „Und die klügste.“ Jean-Paul nennt den Visa-Aufwand: Kosten, Zeit, Ungewissheit alle paar Monate – das hatte er unterschätzt.

Urs hatte eine einfachere Kostenliste als die anderen – Phetchabun überraschte ihn positiv. Die einzige echte Belastung: das Internet. Auf dem Land ist die Verbindung manchmal wackelig. „Das ist mein einziger echter Stressfaktor. Alles andere war günstiger als gedacht.“ Werner ergänzt noch den Motorradtaxi-Faktor: Die nehmen von Ausländern manchmal doppelt.

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Was ist deutlich günstiger als gedacht?

Alle fünf nennen das Essen – frisches Obst, Gemüse, Garküchen. Karin schwärmt davon, jeden Tag frisches Obst für ein paar Baht kaufen zu können. „In Deutschland wäre das ein kleines Vermögen.“ Urs lobt die Handwerker, den lokalen Arzt für Routinesachen und die generell niedrigen Lebenshaltungskosten einer Provinzstadt. Phetchabun hat inzwischen Makro, Big C und Lotus – die Grundversorgung stimmt, ohne dass die Preise touristisch aufgeschlagen wurden.

Jean-Paul war von der Gesundheitsversorgung positiv überrascht: gut, kompetent, Englisch sprechend, und für Routinesachen günstig. Werner nennt Wohnen generell, Karin das frische Gemüse auf dem Markt. Gerd fasst es schlicht zusammen: „Alles Lokale. Essen, Wohnen, Friseur, Arzt für normale Sachen.“

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Wie haben sie ihre Wohngegend gefunden?

Werner wollte nicht nach Chaweng – zu laut, zu viele Touristen, zu viel Lärm. Nathon im Westen der Insel ist ruhiger, echter, weniger auf Massentourismus ausgelegt. Er sah eine passende Wohnung und unterschrieb. Jean-Paul kannte Pattaya schon und wollte Infrastruktur: Ärzte, Restaurants, Leute. Er lebt jetzt in Jomtien – nah genug an allem, weit genug von dem, was er nicht braucht.

Urs wollte bewusst keine Expat-Blase. „Ich wollte echtes Thailand.“ Phetchabun kennt kaum Ausländer. Er ist der Schweizer – den kennt dort jeder. Karin wollte in der Nähe anderer deutscher Frauen sein, auch wegen des Verlusts ihres Mannes. In Pattaya gibt es Gruppen, sie fand Anschluss. Gerd kam durch seinen Sohn auf Kalasin: eine Woche hingefahren, eine günstige Wohnung gefunden, gesagt: passt. „Hier bin ich unter Thais, keine Touristenwirtschaft.“

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Wie gut sprechen sie Thailändisch?

Urs lernt seit vier Jahren aktiv – er kann sich unterhalten, einkaufen, mit dem Arzt sprechen, sich beschweren und Witze machen. Nicht perfekt, aber er kommt durch. Gerd hatte in Kalasin schlicht keine andere Wahl: „Hier spricht kaum jemand Englisch. Ich musste.“ Er spricht es schlecht, aber er spricht es. Werner hat Grundlagen, Zahlen, Höflichkeiten. „Die Thais freuen sich immer, wenn man es wenigstens versucht – das öffnet Türen, auch wenn man halb danebenliegt.“

Jean-Paul versteht mehr, als er spricht – er kommt mit einer Mischung aus Thai, Englisch und Zeichensprache durch. Karin lernt langsam: Grundlagen, Markt, Zahlen. Die Thais in ihrem Viertel kennen sie und helfen, wenn sie nicht weiterkommt.

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Wie ist ihr Verhältnis zu den Thais?

Werner kommt gut aus mit seinem Vermieter, sie trinken manchmal Bier zusammen. Mit den Marktleuten funktioniert es. „Man muss Geduld haben und nicht erwarten, dass alles wie daheim läuft.“ Urs beschreibt sein Verhältnis als eng: Nachbarn laden ihn zum Essen ein, er fährt die ältere Frau von nebenan manchmal zum Arzt. „Man kennt sich. Das kannte ich aus der Schweizer Stadtgesellschaft so nicht.“ Gerd ist der einzige Deutsche im Umkreis vieler Kilometer. „Das macht mich zu etwas Besonderem, ohne dass ich etwas dafür tue.“

Jean-Paul ist ehrlicher: Tiefe Freundschaften mit Thais hat er nicht. „Die Kulturunterschiede sind größer als man denkt. Aber Respekt und Freundlichkeit funktionieren sehr gut.“ Karin kennt ihre Nachbarinnen, man winkt sich zu, manchmal isst man zusammen. „Die Wärme ist echt. Die Sprachbarriere ist noch groß.“

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Was vermissen sie aus der Heimat?

Werner vermisst echtes Wiener Schnitzel mit Erdäpfelsalat – und die Gemütlichkeit eines Heurigen. Jean-Paul vermisst Frischkäse, Camembert, guten Käse generell. Und den Herbst. „Ich vermisse tatsächlich den Herbst.“ Urs würde für ein Käsefondue viel geben – und er vermisst die vier Jahreszeiten. „Hier gibt es heiß, weniger heiß und feucht-heiß.“

Karin gibt die ehrlichste Antwort: „Meine Tochter. Ich vermisse sie körperlich – Umarmungen, gemeinsamer Kaffee, sie einfach sehen.“ Gerd vermisst das Stadionerlebnis – Schalke, natürlich. Er schaut die Spiele jetzt alleine auf dem Laptop. „Das ist nicht dasselbe.“ Und Schwarzbrot. Echtes, deutsches Schwarzbrot.

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Wie halten sie Kontakt nach Hause?

Werner ruft mindestens einmal pro Woche seine Tochter an. Sein Sohn kam letztes Jahr tatsächlich zu Besuch – und hat es genossen. Jean-Paul telefoniert mit seinen Kindern mehrmals pro Woche, mit alten Freunden seltener, dafür länger. „Die Gespräche sind ernster geworden.“ Urs hat jeden Sonntag einen festen Video-Anruf mit seiner Schwester. Mit anderen unregelmäßig. „Ich vermisse niemanden in einem schmerzhaften Sinn – aber ich bin froh, wenn Besuch kommt.“

Karin schreibt fast täglich kurze Nachrichten an ihre Tochter, einmal im Monat Video-Anruf, zweimal im Jahr Besuch. „Das ist unser Rhythmus.“ Gerd ist kein großer Telefonierer, schreibt lieber kurze Nachrichten. Sein Sohn hat versprochen, dieses Jahr zu kommen.

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Wie gehen sie mit Gesundheit und medizinischer Versorgung um?

Werner und Jean-Paul haben beide eine private Krankenversicherung und nutzen das Bangkok Hospital – auf Koh Samui beziehungsweise in Pattaya – für alles Ernstere. Für Kleinigkeiten gehen sie zur lokalen Klinik. Jean-Paul: „Die sind kompetent und sprechen Englisch.“ Urs ist zusätzlich lokal versichert und fährt für größere Sachen nach Phetchabun-Stadt oder bei Bedarf nach Bangkok.

Karin hat die kleinste Versicherung, die sie sich leisten kann. „Für Routine gehe ich zur Klinik, das ist günstig. Bei Ernstem fahre ich zum Bangkok Hospital. Ich passe auf mich auf, esse gut, gehe spazieren – das ist meine beste Vorsorge.“ Gerd hat ebenfalls nur eine Basisversicherung. Für Ernstes muss er nach Khon Kaen fahren, das nächste größere Krankenhaus. „Ich passe sehr auf meine Gesundheit auf, weil ich weiß, dass mir kein Puffer bleibt.“

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Was raten sie anderen, die mit dem Gedanken spielen?

Werner: Erst zweimal auf Urlaub kommen, in verschiedenen Regionen. Nie im ersten Enthusiasmus entscheiden. Und klären, was nach Abzügen und Wechselkurs wirklich ankommt. Jean-Paul: Rechnen – nicht grob, sondern konkret. Was kostet die Krankenversicherung? Was, wenn der Baht steigt? Urs: Raus aus den Touristenzentren, in die Provinz reisen, ein bisschen Thai lernen – und ehrlich prüfen, ob man wirklich mit weniger Komfort klarkommt. Nicht auf Urlaubsniveau, sondern im Alltag.

Karin ist direkt: „Wer unter 1.500 Euro Rente hat, sollte sehr genau planen und nicht auf Ersparnisse als Dauerlösung setzen.“ Gerd sagt dasselbe ohne Umschweife: „Ehrlich sein mit sich selbst über das Geld. Nicht rechnen, was man bräuchte – sondern was man hat. Mit 1.400 Euro komme ich in Kalasin gut durch. Mit weniger geht es auch – aber dann muss man wirklich wissen, was man tut.“

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Was hätten sie gerne vorher gewusst?

Werner: Dass die Hitze einen ändert. „Man wird langsamer, träger, manchmal lethargischer. Man muss sich aktiv dagegen stemmen, sonst schläft man irgendwann nur noch und wartet auf den Abend.“ Jean-Paul: Dass Freundschaften nicht von selbst entstehen. Das Expat-Netzwerk in Pattaya ist groß – aber man muss selbst Anschluss suchen. Urs: Wie viel Selbstständigkeit man braucht. In der Schweiz läuft vieles automatisch. In Thailand muss man viel selbst regeln, in einer Sprache, die man erst lernt.

Karin: „Dass man als alleinstehende ältere Frau manchmal unsichtbar wird. Man muss aktiv auf Menschen zugehen. Wer wartet, wartet lange.“ Gerd nennt etwas Tieferes: die Einsamkeit in einer neuen Form. „Nicht die Einsamkeit, die man kennt – zu Hause allein sein. Sondern die Einsamkeit unter Menschen, die man nicht versteht und die einen nicht verstehen. Die ist stiller und tiefer.“

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Gibt es Momente des Zweifels?

Alle fünf sagen ja – und alle fünf relativieren es sofort. Werner: Meistens wenn er krank ist und auf Deutsch jammern möchte, und niemand da ist. Jean-Paul: Nicht wirklich zurückgehen, eher Neugier auf das nicht gelebte Leben. „Die Frage beantwortet sich schnell, wenn ich die Luxemburger Winterfotos meiner Kinder sehe.“ Urs: Manchmal, wenn er krank ist und allein. „Dann kommt der Morgen, ich schaue auf die Berge, und der Gedanke verflüchtigt sich.“

Karin gibt die schmerzhafteste Antwort: „Wenn meine Tochter anruft und weint, weil etwas schiefgeht, und ich bin 9.000 Kilometer entfernt. Das sind die Momente, die wehtun.“ Und dann, gleich danach: „Aber zurück – wozu? In eine kleine Wohnung, kalter Winter, allein?“ Gerd: „Manchmal, wenn das Visum wieder Stress macht und ich nachts nicht schlafen kann. Dann kommt der Morgen, ich sitze draußen, es ist warm, ein Hahn kräht – na gut. Noch ein Tag.“

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Was macht Thailand für sie unverzichtbar?

Werner: „Das Gefühl, dass der Tag mir gehört. Nicht dem Chef, nicht dem Amt, nicht dem Kalender.“ Jean-Paul: Die Leichtigkeit. „Es gibt hier eine Grundspannung, die fehlt. Man geht zum Markt, es ist warm, die Leute lächeln, der Tag hat keinen Druck.“ Urs: die Stille. „Ich wohne außerhalb, ich höre abends Vögel und Grillen. In Bern hatte ich Straßenbahn und Nachbarn durch dünne Wände. Hier gehört der Abend mir.“

Karin: „Das Licht. Warm, weich, auch abends noch. Und das Gefühl, angekommen zu sein – nicht überall, nicht bei jedem, aber bei mir selbst. Das habe ich lange nicht gehabt.“ Gerd nennt ein Wort: Würde. „Ich lebe nicht reich. Aber ich lebe. Ich esse gut, ich habe ein sauberes Zimmer, ich bin nicht auf andere angewiesen. Das ist mehr, als ich mir in Deutschland vorstellen konnte.“

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Was verbindet die fünf – und was trennt sie?

Die Entscheidung für Thailand verbindet alle fünf. Das Warum ist bei jedem ähnlich: Wärme, Lebenshaltungskosten, ein Neuanfang, der in der alten Heimat nicht mehr möglich schien. Was sie trennt, ist das Wie. Werner, Jean-Paul und Urs bewegen sich mit einer Rente, die in Thailand Spielraum lässt. Karin und Gerd haben diesen Spielraum nicht – sie haben dafür andere Qualitäten entwickelt: Sie kochen täglich, kaufen auf dem Markt, meiden westliche Restaurants und wissen genau, wo in Thailand man auch mit kleinem Budget gut lebt. Kalasin und die einfacheren Viertel Pattayas sind kein Notbehelf. Sie sind eine Wahl.

Was auffällt: Karin und Gerd haben die klarsten Antworten. Kein Zögern, keine Schönfärberei, keine Lücken. Beide wissen auf den Baht genau, was ein Monat kostet. Das hat auch etwas Befreiendes. Und es zeigt, was Jean-Paul auf seine Art eleganter formuliert: Thailand verzeiht vieles – aber nicht das Rechnen lassen.

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Redaktionelle Hinweise

Lesen Sie auch: Thailand: Warum Expats aufgeben und heimkehren

Die Rentenhöhen und Lebenshaltungskosten in diesem Artikel beruhen auf persönlichen Angaben der befragten Personen und sind keine verifizierten Durchschnittswerte. Rentenansprüche aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg unterscheiden sich erheblich – Abzüge, Steuerpflichten und Doppelbesteuerungsabkommen sind je nach Herkunftsland und persönlicher Situation verschieden. Wer plant, seinen Ruhestand nach Thailand zu verlegen, sollte vor der Entscheidung die eigene Rentenstelle, das zuständige Finanzamt und einen unabhängigen Steuerberater konsultieren.

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Ein Kommentar zu „Fünf Rentner aus der DACH-Region packen aus

  1. Werner vermisst die Berge. Warum zieht dann nicht nach Chiang Mai?Kenne keinen Expat hier,der sich vom Wecker wecken lässt.Omg
    Karin bekommt knapp 1.100 Euro.Das ist kein Leben,sondern Überleben. Kleiner Unterschied.
    Werner isst vier- bis fünfmal die Woche draußen. „Die Thais kochen schneller und besser als ich. Aber nicht Gesünder.Palm oder Sonnenblummenöl,viel Zucker+Glutamat.

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