BANGKOK – „Bin ich noch hübsch?“ – Diese Worte der 31-jährigen Tatsanai, verbrannt, zitternd, mit Flammen im Haar, werden ihren Freund Phitsanu Nim-mian ein Leben lang verfolgen. Die Frau überlebte das verheerende Feuer im Bangkoker Bierlokal „Rong Beer Na Lat Phrao“ in der Nacht zum 13. Juli 2026 – einem Inferno, das mindestens 28 Menschen das Leben kostete und Dutzende weitere schwer verletzte.
Durch die Flammen gerannt – Haare in Brand
Tatsanai hatte sich an jenem Sonntagabend mit Kolleginnen aus der Kosmetikklinik, in der sie arbeitete, zu einem Betriebsausflug verabredet. Ihr Freund Phitsanu (31) fuhr sie gegen 21 Uhr zum Lokal – er selbst blieb zu Hause, um ihre zwei Kinder zu hüten. Er wollte sie später abholen. Doch auf dem Heimweg platzte ein Reifen seines Autos nahe der Lat Phrao-Kreuzung, er musste einen Mechaniker rufen. Als er schließlich nach Hause kam, fragte eines der Kinder: „Wo ist Mama?“
Kurz darauf klingelte sein Handy. Jemand fragte, ob er der Freund von Tatsanai sei. Zunächst hieß es, ihr Handy sei verloren gegangen – er solle zum Lokal kommen. Er dachte, sie sei betrunken und könne nicht nach Hause finden. Dann kam die eigentliche Nachricht: Sie sei schwer verbrannt. Als Phitsanu am Brandort ankam, schlugen Flammen und schwarzer Qualm aus dem Gebäude. Tatsanai hatte es nach draußen geschafft – die Haare und der Hinterkopf in Brand. Passanten löschten die Flammen mit einem Tuch. Dann lag sie auf dem Boden und wartete auf die Rettungskräfte.
„Ich nehme alles so, wie du bist – komm einfach nach Hause“
„Ich halte es nicht mehr aus. Es tut so weh. Bin ich noch hübsch?“, fragte Tatsanai ihren Freund, während sie auf die Sanitäter wartete. Phitsanu antwortete ihr unter Tränen: „Es ist alles gut. Konzentrier dich auf die Behandlung. Was auch immer mit dir passiert – ich nehme alles so, wie du bist. Komm einfach nach Hause zu den Kindern. Es spielt keine Rolle, was verloren gegangen ist. Ich will nur, dass du in Sicherheit bist.“ Er schilderte die Szene am Montag vor Reportern, nachdem er die Familie zur Phahon Yothin Polizeistation begleitet hatte, um Anzeige zu erstatten.
Tatsanai kannte das Lokal – sie wusste, wo der Ausgang war. Doch der Durchgang war schmal. Sie musste buchstäblich durch die Flammen rennen, um ihr Leben zu retten. Laut Ärzten erlitt sie schwere Verbrennungen an Armen, Beinen, Rücken und Gesicht. Auch die Haare sind verbrannt. Die Mediziner baten die Familie um Erlaubnis, ihren Kopf zu rasieren und die Wunden zu säubern. Besuche sind wegen Infektionsgefahr verboten. Ihre Kinder fragen täglich nach ihr. Phitsanu sagt ihnen: „Mama ist noch bei der Arbeit. Papa holt sie bald.“
Notausgang gesperrt? – Der Verdacht, der alles verändert
Berichte, wonach ein Notausgang des Lokals absichtlich verschlossen worden sei, um zahlende Gäste am Verlassen zu hindern, sorgen für Entsetzen. Phitsanu dazu: „Falls das stimmt, ist das vollkommen inakzeptabel. Geld darf niemals wichtiger sein als Menschenleben. Wenn so etwas wieder passiert – wie viele werden dann noch sterben, und wer übernimmt die Verantwortung?“ Er forderte, dass Lokale mehr Notausgänge und klar sichtbare Fluchtwegbeschilderungen haben müssen. Tatsanai habe ihm erzählt, dass sowohl Eingang als auch Ausgang des Lokals sehr eng gewesen seien.
Phitsanu traf in der Brandnacht noch Premierminister und Innenminister Anutin Charnvirakul sowie Bangkoks Gouverneur Chadchart Sittipunt und bat um Hilfe. Man habe ihm geraten, sich bei der Polizeistation zu registrieren, und versichert, dass staatliche Stellen die Betroffenen nicht im Stich lassen würden. Eine offizielle Anlaufstelle, die die Familie von sich aus kontaktiert hätte, gab es bis Montag jedoch nicht.
Vater am Limit – Familie ohne Geld, ohne Versicherung
Tatsanais Vater Thuan Manpraphan (61) wacht an der Intensivstation des Paolo Hospital Chokchai 4. Seine Tochter ist nicht über die Sozialversicherung abgesichert – sie hat lediglich die staatliche Basisversorgung über den sogenannten Gold-Card-Tarif. Das bedeutet: Nach den ersten 72 Stunden der Notfallversorgung muss sie in ein anderes Krankenhaus verlegt werden, das unter ihr Versicherungsschema fällt. Welches das sein wird, weiß die Familie noch nicht. „Wir leben von Tag zu Tag“, sagte Thuan. Die Behandlungskosten machen ihm schwere Sorgen.
Thuan erfuhr vom Brand durch Phitsanu. Er habe gehört, dass seine Tochter zunächst vor dem Lokal auf dem Boden gelegen habe, bevor die Rettungskräfte eintrafen. Er glaubt, dass Fahrlässigkeit des Lokalbetreibers zur Katastrophe beigetragen hat, und fordert, dass die Behörden alle Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. „Die Familie hat nicht die Mittel, die medizinischen Kosten zu tragen“, sagte er. Den Kindern hat die Familie noch nichts gesagt. Auch sie fragen: Wo ist Mama?
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Mindestens 28 Tote, Dutzende Schwerverletzte – und möglicherweise ein absichtlich verriegelter Notausgang: Wer trägt die Verantwortung für dieses Inferno? Und warum passiert so etwas in Bangkoks Lokalen immer wieder? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare – wir sind gespannt, was DU dazu sagst!
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