Sein Zimmer ist klein genug, dass man von der Tür aus alles sieht: das Bett, den Plastikhocker, die Kühlbox. Ein Ventilator dreht sich an der Decke. Kein Klimagerät, kein Kühlschrank, kein Fernseher. Draußen 34 Grad, drinnen kaum weniger. Hans — Name der Redaktion bekannt, auf Wunsch geändert — sitzt auf dem Bett und trinkt Wasser aus einer Flasche, die er für vier Baht gekauft hat. Er wirkt nicht unglücklich.
900 Euro überweist ihm die Rentenversicherung jeden Monat auf ein Konto in Deutschland. Davon lebt er — in Pattaya, seit drei Jahren, ohne Schulden, ohne Hunger und, wie er selbst sagt, ohne das Gefühl, irgendetwas zu vermissen. Wer das nicht glaubt, muss ihn nicht kennen. Wer es glaubt, fragt sich vielleicht, was er selbst die ganze Zeit falsch gemacht hat.
6.000 Baht Miete — und ein Ventilator
Das Zimmer kostet 6.000 Baht im Monat. Am Stadtrand, fünf Minuten mit dem Songthaew vom Markt, zwanzig vom Strand. Kein Pool, keine Rezeption, kein Concierge. Eine Tür, ein Fenster, ein Bad. Der Vermieter kommt am Ersten. Mehr Kontakt braucht es nicht. Hans hat vor zwei Jahren aufgehört, nach einer Unterkunft mit Klimaanlage zu suchen. Der Ventilator reiche, sagt er. Und wer in Thailand lange genug lebt, glaubt ihm das irgendwann.
Was bleibt nach der Miete? Rund 28.000 Baht — je nach Wechselkurs ein bisschen mehr oder weniger. Damit zahlt er Essen, Transport, die Sim-Karte und die gelegentliche Flasche Chang. Er rechnet nicht nach Monaten. Er rechnet nach Tagen. Heute sind es 600 Baht. Das reicht.
Was er jeden Tag isst
Frühstück kauft er am Stand um die Ecke: Reis mit Ei, manchmal mit Gemüse, manchmal mit einem Stück Hähnchen. 40 bis 60 Baht. Mittags das Gleiche oder Nudeln. Abends manchmal Gegrilltes vom Markt, manchmal nichts, weil er keinen Hunger hat. Er kocht nicht. Eine Küche hat er nicht, und er braucht keine. Was in Deutschland eine Selbstverständlichkeit wäre — der eigene Herd, der Kühlschrank, der Wocheneinkauf — spielt in seinem Leben keine Rolle mehr.
Für Wasser gibt er im Monat keine 100 Baht aus. Die großen Flaschen füllt er am Automaten auf der Straße. Alles andere — Kaffee, Cola, der gelegentliche Ausflug ins Zentrum — ist Luxus, den er sich bewusst erlaubt oder bewusst lässt. Er sagt, er esse jetzt besser als früher in Deutschland. Das mag Einbildung sein. Es klingt aber nicht so.
Kein Arzt, keine Versicherung, kein Plan
Eine Krankenversicherung hat Hans nicht. Das ist der Punkt, an dem die meisten Gespräche über sein Leben ins Stocken geraten. Er kennt das Risiko. Er nickt, wenn man davon spricht. Und er sagt dann, dass er in Deutschland jahrzehntelang in ein System eingezahlt habe, das ihm am Ende 900 Euro im Monat gibt. Ein Arzt habe ihn dort auch nicht reich gemacht.
Hier gehe er hin, wenn etwas sei, zahle bar und das war’s. Bisher sei nichts gewesen. Wer das anders halten will — und das ist die klügere Entscheidung — findet auch mit mittleren Budget internationale Krankenversicherungen für Expats in Thailand. Hans weiß das. Er hat sich dagegen entschieden.
Ob er Angst hat? Er überlegt kurz. Dann: nein, nicht wirklich. Vielleicht sollte er, sagt er, aber irgendwie nicht. Er wirkt dabei nicht unbekümmert, sondern müde — nicht von Pattaya, sondern von einer Art Sorge, die er irgendwann abgelegt hat wie einen zu schweren Rucksack.
Was er hinter sich gelassen hat
Hans kommt aus dem Ruhrgebiet. Er war Lagerarbeiter, später im Versand, dann zwischendurch arbeitslos, dann wieder im Lager. Eine Wohnung in einer mittleren Stadt, Miete 650 Euro, Nebenkosten obendrauf, Heizung, Strom, der Supermarkt mit seinen Preisen. Er rechnete. Es funktionierte, irgendwie, aber ohne Reserve, ohne Spielraum, ohne das Gefühl, dass irgendetwas besser werden würde. Mit 63 hörte er auf zu rechnen und fing stattdessen an zu suchen. Pattaya tauchte in einem Forum auf. Drei Monate später saß er im Flieger.
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Seine Wohnung hat er gekündigt, den Hausrat verkauft oder verschenkt. Was in drei Koffern nicht Platz hatte, blieb zurück. Familie gibt es wenig — eine Schwester, die er selten anruft, und die ihn selten anruft. Er vermisse Deutschland nicht, sagt er. Dann korrigiert er sich: das Brot. Das vermisse er. Einmal im Monat kauft er sich bei einem deutschen Bäcker in der Innenstadt ein Brot für 180 Baht. Das ist sein einziger Luxus, auf den er nicht verzichtet.
Die Frage, die alle stellen
Ob er glücklich sei, fragt man ihn irgendwann. Er mag das Wort nicht. Zu groß, zu ungenau, zu deutsch, sagt er. Was er sagen kann: Er schläft durch. Er wacht auf und weiß, was der Tag kostet. Er hat keine Schulden, keinen Chef, keinen Briefkasten voller Rechnungen. Mittags ist es heiß, er ruht. Abends ist es warm, er geht raus. Er kennt ein paar Leute hier, Thais vom Markt, einen alten Dänen, der gegenüber wohnt. Man grüßt sich. Das reicht ihm.
Was er nicht hat: Absicherung, Zukunftsplanung, einen Rückweg, der schon organisiert wäre. Was er dafür hat: Zeit. Und die Überzeugung, dass er mit dem, was er bekommt, genug hat — wenn man weiß, was genug bedeutet.
Was niemand versteht, der ihn nicht kennt
Die Leute daheim, die davon hören, reagieren meistens mit Mitleid oder mit Neid. Beides trifft nicht ganz. Hans lebt nicht trotz seiner 900 Euro gut — er lebt gut, weil er verstanden hat, was das in Pattaya bedeutet und was nicht. Wer eine Eigentumswohnung, eine Auslandskrankenversicherung der Spitzenklasse und einen Jahresurlaub in Europa will, ist mit 900 Euro am Ende. Wer ein Zimmer, eine Straße und einen Ventilator braucht, kommt damit weiter als gedacht.
Er möchte anonym bleiben. Das haben wir ihm zugesagt. Seinen richtigen Namen kennt in Pattaya sowieso kaum jemand — der Vermieter ruft ihn einfach „the german“. Das findet er in Ordnung.
Ein Leben, das nicht für alle taugt
Hans ist kein Vorbild und will keines sein. Sein Weg funktioniert, weil er genau dieser Mensch ist — mit diesen Ansprüchen, dieser Geschichte, dieser Art, Dinge abzuhaken. Wer Kinder hat, wer krank ist, wer einen Rückhalt braucht, für den rechnet das alles anders. Hans weiß das. Er sagt es selbst.
Aber er sagt auch: Viele Leute in Deutschland geben mehr aus als er, schlafen schlechter und fühlen sich trotzdem ärmer. Das stimmt oder stimmt nicht, je nachdem, wen man fragt. Hans fragt niemanden mehr. Er kauft sich sein Brot am Ersten des Monats, trinkt sein Wasser und schaut abends, wenn die Hitze nachlässt, auf eine Straße in einer Stadt, die ihn nicht kennt und nicht braucht — und ihn genau deshalb in Ruhe lässt.
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Hans,ich hoffe,dich holt dein gravierender Fehler bald ein…
KEINE KRANKENVERSICHERUNG!!
Aber ein Trost…
Solche Klientels tummeln sich in TH,wie Sand am Meer!
Wer solch einen Kommentar rauslässt, kann man ruhig als [entfernt] bezeichnen
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Merkst du eigentlich, was du da schreibst? Du hoffst hier öffentlich, dass ein anderer Mensch ein existentielles medizinisches oder finanzielles Problem bekommt, nur damit dein moralischer Zeigefinger Recht behält. Sachliche Warnung: Ja, absolut notwendig. Schadenfreude und böse Wünsche im Voraus: Einfach nur empathielos.
Ein schrecklicher, bösartiger Kommentar, von einem Michael der, typisch deutsch, moralisch überlegen bei anderen die eigenen Maßstäbe als Norm anlegt und ihnen nur schlechtes wünscht.
Hans lebt so, weil er es will. Das verdient Anerkennung. Er weiß um die Nachteile, akzeptiert sie jedoch weil seine Lebensqualität in Thailand im Vergleich zu Deutschland ungleich höher ist. Wäre er in Deutschland geblieben, wären von der 900 Euro Rente nach Abzug von Krankenversicherung, Zusatzbeitrag, Pflegeversicherung und Steuern weniger als er zum Überleben brauchen würde. Sicherlich könnte er Grundsicherung beantragen und Flaschen sammeln. Mein Respekt das er sich nicht in das Heer der Bürgergeldempfänger integriert hat.
Es muss jeder selbst entscheiden wie er leben möchte ist, ein paar schöne Jahre im wunderschönen Thailand oder ein paar Jahre mehr im allseits bekannten Deutschland, in dem Menschen die ein Leben lang gearbeitet haben so gut wie keine Lobby haben. Ich wünsche ihn alles erdenklich Gute und viele Jahre in Gesundheit.
Ja, in Thailand geht es ihm sicher besser, mit seinen 900 Euro. Wenn man derart geringe Rente bekommt, dann hat man wohl viele Zeiten gehabt, wo man nicht in die Versicherung eingezahlt hat. Was er da gemacht hat, das wäre interessant zu wissen. Alles ok, jeder wie er will. Und daß die deutsche Rentenversicherung alles andere als gut ist, das muß ich ausdrücklich feststellen. Ich kenne durchaus Leute, die noch viel weniger haben und trotzdem mit niemandem tauschen wollen. Alles eine Frage der Einstellung. Möge „Hans“ sein friedliches Leben weiterhin genießen.
Wenn er 900€ Rente hat und 6.000 Baht Miete zahlt, wieso bleiben ihm dann nur 18.000 Baht übrig? 900€ sind bei einem Kurs von 38 gut 34.000 Baht.
Das ist ein Tippfehler, es sind 28.000
Und es sind ja keineswegs – nur deutsche Kleinrentner – die sich in vergleichbarer Situation in Pattaya / Thailand befinden !!! – Unterhaltet euch doch einmal mit – Briten / Engländern – auch diese sind mindestens – in vergleichbarer Situation. Seit vielen Jahren / Jahrzehnt oder mehr ? hat jede britische Regierung es – immer wieder – abgelehnt, im Ausland lebende Rentner einen – jährlichen Inflationsausgleich – zu zahlen, einzige Begründung, wie so oft = die “ Kassenlage “ läßt es nicht zu. Gleiches trifft auf – nahezu jedes europäische Land zu – da darf man sich doch glücklich schätzen wenn nicht auch “ deutsche Politiker “ auf die -gleiche Idee- kommen. Wenn du als Rentner – OHNE – ständigen weiblichen Anhang in Pattaya lebst, kommst du sicher auch mit 900 EURO über den Monat aus, nur deine Ansprüche sind – finanziell – begrenzt. Dein größtes Risiko – neben den gesundheitlichen – die ständig steigende Inflation + somit steigende Preise.
Ich kann es kaum glauben,endlich einmal vernünftige Kommentare zu so einem Thema und nicht ein Grosskotz Kommentar,bis auf einen !!!!!!