KOH SAMUI – Seit Anfang Juni verfügt die Schweiz auf Koh Samui über ein Honorarkonsulat – eine Reaktion auf einen Trend, der die Behörden in Bern seit Jahren beschäftigt. Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer verbringen ihren Lebensabend auf der Insel. Und wo viele Landsleute sind, häufen sich auch die Notfälle.
Schweizerkreuz am Hotelkomplex
Seit kurzem prangt das Landeswappen an einem Hotelkomplex auf der Insel – „Consulate of Switzerland“ steht prominent darunter. Das Konsulat hat seinen Sitz im B2 Chaweng Terrace Hotel auf der Strecke zwischen Chaweng und Bophut. Aus dem Nichts kommt der Schritt nicht: Gemäß der aktuellen Strategie des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) eröffnet die Schweiz neue Konsulate nur dort, wo tatsächlich Bedarf für eine Präsenz vor Ort besteht.
Die Provinz Surat Thani, in der Koh Samui liegt, zählt zu den größeren Schweizer Gemeinschaften in Thailand. Rund 540 Landsleute sind dort offiziell registriert. Das EDA begründet die Eröffnung damit, Touristen und Auswanderer „dank lokaler Präsenz und Vernetzung besser betreuen zu können“. Weitere Neueröffnungen in Thailand seien derzeit nicht geplant.
Der Mann für alle Fälle auf Koh Samui
Als ersten Honorarkonsul auf Koh Samui hat die Schweiz Ratchaporn Poolsawadee ernannt, intern als „Khun Jo“ bekannt. Der thailändische Touristiker war Präsident der Tourism Association of Koh Samui und ist heute Vizepräsident des Tourism Council of Thailand – ein Insel-Insider mit Netzwerk in alle Richtungen. Honorarkonsuln sind ehrenamtlich tätig und kommen dort zum Einsatz, wo keine Berufsdiplomat stationiert sind.
Gefragt sind dabei Ortskenntnisse, ein Bezug zur Schweiz und belastbare Kontakte zu Behörden und Wirtschaft. Ratchaporn ist die erste Anlaufstelle für Schweizer Staatsbürger nach einem Unfall, einer Festnahme oder in einer anderen Notlage. Schweizer Interessen gegenüber lokalen Amtsträgern vertritt er ebenfalls.
Thailand fordert den Bund – mehr als jedes andere Land
Warum gerade Koh Samui? Weil Thailand den Bund seit Jahren überdurchschnittlich beschäftigt. 2024 hat das EDA bei 321 Todesfällen im Ausland geholfen – ein neuer Rekordwert, der vier Jahre zuvor noch bei 133 lag. Unter den im Ausland verstorbenen Rentnern hatte fast die Hälfte den Wohnsitz in Thailand. Das EDA musste Verwandte ausfindig machen, Bestattungen koordinieren, Nachlässe klären.
Auch bei Sozialhilfeanträgen von Auslandschweizern gilt Thailand als Brennpunkt – zeitweise benötigte die Schweizer Botschaft in Bangkok dafür fast eine Vollzeitstelle. Der Grund ist demografisch: Rund 43 Prozent der in Thailand lebenden Auslandschweizer sind über 65 Jahre alt. Nirgendwo sonst unter den gängigen Auswandererzielen ist der Seniorenanteil höher. Allein 2024 wurden für Thailand 135 konsularische Schutzdossiers eröffnet – mehr als für Spanien, Italien und Frankreich zusammen.
Schaltzentrale bleibt Bangkok
Schaltzentrale der Schweizer Interessen in Thailand bleibt die Botschaft in Bangkok. Konsulate unterhält die Schweiz zudem in Chiang Mai, Phuket und Pattaya – Koh Samui ist das jüngste Mitglied in diesem Netz. Botschafter Pedro Zwahlen hat die Gemeinde auf der Insel damit erstmals mit einem festen Ansprechpartner vor Ort ausgestattet.
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Vier von zehn Auslandschweizern in Thailand sind älter als 65 Jahre – so hoch ist der Seniorenanteil unter Schweizer Auswanderern nirgendwo sonst. Das Königreich hat sich zum geografischen Hotspot entwickelt, was konsularische Schutzfälle angeht. Der neue Honorarkonsul auf Koh Samui ist die Antwort des Bundes darauf. Ob sie reicht, wird die nächste Krisensaison zeigen.
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