Rote Kleider gegen Geister in Thailand

Dorfbewohner in Thailand hängen rote Kleidung zum Schutz vor „Witwengeistern“ auf. Nach zwei Todesfällen wird der Aberglaube neu belebt.

Rote Kleider gegen Geister in Thailand
ThaiRath

Amphoe Huai Mek, Provinz Kalasin – Rote Hemden, Stoffe und Regenschirme prägen das Bild in mehreren Dörfern. Fast jedes Haus ist mit roten Gegenständen behängt. Die Bewohner wollen sich so vor einem „Witwen-Geist“ schützen – getrieben von unheimlichen Todesfällen und alten Überlieferungen.

Rot leuchtet an fast jedem Haus

Wer durch die Unterbezirke Hua Hin und Bueng Na Riang fährt, sieht rote Farbe an Hauseingängen, Säulen, vor Treppen und in Bäumen. Hemden, Hosen, Stoffbahnen und Regenschirme hängen dort seit Wochen. Manche sind schon zu blassem Rosa verblasst, andere strahlen noch leuchtend rot.

Vor allem in den Dörfern Nong No 3 und 7 ist das Phänomen massiv. Die Antwort der Einwohner ist jedes Mal dieselbe: Das sei Schutz vor der „Witwen-Geisterfrau“. Was wie ein Volksbrauch wirkt, hat einen sehr konkreten und düsteren Auslöser.

Zwei plötzliche Todesfälle als Auslöser

Vor ungefähr zwei Monaten kursierten Gerüchte. Im benachbarten Tambon waren zwei Männer kurz hintereinander an plötzlichem nächtlichem Tod – lokal „Lai Tai“ genannt – gestorben. Die Nachricht verbreitete sich schnell und setzte eine kollektive Erinnerung an den „Witwen-Geist“ in Gang.

Der Glaube aus der Isan-Region besagt: Der Geist holt sich Männer als Lebensgefährten. Der plötzliche, unerklärte Tod passte für viele exakt in dieses Muster. Die Überzeugung reichte, um das Dorfleben zu verändern.

Albträume und unheimliches Hundegebell

Der 73-jährige Lert Phutom aus Dorf 7 erzählte, er habe zur selben Zeit nachts hochgeschreckt. Hunde im ganzen Dorf bellten und heulten, wie man es sonst nie hörte. In seinem Traum erschienen ihm zwei junge Frauen – für ihn sofort spürbar: Witwen-Geisterfrauen.

Sie versuchten ihn mit List und Verführung zum Mitgehen zu bewegen. Er lehnte ab, doch die Träume wiederholten sich. Erst als er rote Kleidungsstücke vor seinem Haus aufhängte, endeten Albträume und das Hundegebell abrupt.

Farbe Rot soll den Geist vertreiben

Rot gilt in der Überlieferung als Farbe, vor der der Witwen-Geist Angst hat. Diese einfache Logik setzte sich nach Lerts Erfahrung in den Dörfern umso stärker fest. Andere Bewohner zogen nach und hängten ebenfalls rote Sachen auf.

Weder im Dorf noch in der Umgebung starb danach ein weiterer Mann auf diese Weise. Für die Mehrheit der Einwohner ist der Zusammenhang klar: Die roten Stoffe wirken als Talisman. Der Glaube daran wurde dadurch weiter verfestigt.

Von Jung bis Alt verunsichert

Nicht nur ältere Menschen greifen zu roten Stoffen. Kinder und Jugendliche fürchten sich ebenfalls vor den kursierenden Gerüchten und hängen rote Hemden oder Regenschirme auf, um sich sicherer zu fühlen. Die Praxis ist damit in der gesamten Altersspanne präsent.

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Selbst Bewohner, die nicht an Übernatürliches glauben, machen mit. Sie sehen darin keinen Schaden und wollen lieber auf Nummer sicher gehen. Die roten Symbole wirken in dieser Logik eher wie ein kollektives Beruhigungsmittel.

Ruhiges Dorfleben mit roten Symbolen

Die Stimmung ist ungewöhnlich still, nur kleinere Gruppen sprechen miteinander. Alltag und Feldarbeit gehen weiter, aber das rote Signal vor fast jedem Haus ist unübersehbar. Ein Teil der Tücher bleicht aus. Die Bewohner leben inmitten der roten Symbole normal weiter. Aus ihrer Sicht hat sich das Risiko nicht in Luft aufgelöst, sondern wird durch die sichtbare Vorsorge kontrolliert. So bleibt der Witwen-Geist draußen.

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Quelle: Thairath
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