Eine Dashcam kostet in Thailand etwa 2.000 Baht. Wer sich das spart, spart an der falschen Stelle. In kaum einem anderen Land gehört das Video von der Windschutzscheibe so selbstverständlich zur Unfallaufnahme wie hier, und die Versicherungsaufsicht belohnt die Anschaffung sogar mit barem Geld: Seit dem 3. März 2017 gilt eine Anordnung, nach der Autos mit Frontkamera 5 bis 10 Prozent Rabatt auf die freiwillige Kfz-Versicherung bekommen.
Warum an fast jeder Windschutzscheibe eine Kamera klebt
Wer zum ersten Mal in Bangkok oder Pattaya hinter dem Steuer sitzt, merkt schnell, dass hier andere Regeln gelten als auf der Landstraße bei Regensburg. Motorräder überholen links, rechts und durch die Lücke dazwischen. Aus Seitenstraßen fährt man heraus, ohne stehenzubleiben. Das funktioniert erstaunlich gut, solange nichts passiert.
Passiert doch etwas, steht man innerhalb von Sekunden im Kreis von Schaulustigen, und jeder erzählt eine andere Version. Genau deshalb hat der Großteil der thailändischen Autofahrer eine Kamera an der Scheibe. Nicht aus Technikbegeisterung, sondern aus Erfahrung. Die Kamera ist der einzige Zeuge, der weder Freunde noch Verwandte im Auto der Gegenseite sitzen hat.
Dashcam in Thailand: erlaubt, üblich und unproblematisch
Die erste Frage deutscher Autofahrer lautet fast immer, ob das überhaupt zulässig sei. In Deutschland war die Dashcam jahrelang ein juristisches Streitthema. In Thailand ist sie es nie gewesen. Aufnahmen aus dem eigenen Fahrzeug im öffentlichen Straßenraum sind zulässig, solange sie der eigenen Sicherheit und der Klärung von Schäden dienen.
Gerichte nehmen solches Material an und bewerten es frei, wie jedes andere Beweismittel auch. Entscheidend ist, dass die Aufnahme unverändert vorliegt und Zeitpunkt sowie Ort erkennbar sind. Wer im Video herumschneidet, um sich besser aussehen zu lassen, zerstört genau den Wert, wegen dem er die Kamera überhaupt gekauft hat.
Was das Video nach einem Unfall tatsächlich beweist
Nach Paragraf 420 des thailändischen Zivil- und Handelsgesetzbuchs muss Schadensersatz zahlen, wer einem anderen vorsätzlich oder fahrlässig schadet. Der springende Punkt steht im Nebensatz: Beweisen muss das derjenige, der Geld haben will. Ohne Beweis keine Forderung. Das ist die gute Nachricht.
Die schlechte: Der Grundsatz gilt auch umgekehrt. Wenn die Gegenseite ein Video hat und Sie nicht, führt die Beweislast direkt an Ihnen vorbei. Die Kamera zeigt Spurverlauf, Blinker, Abstand und den Moment des Aufpralls. Aus dieser Kombination lässt sich der Hergang rekonstruieren, während zwei Zeugenaussagen sich meist nur gegenseitig widersprechen.
Warum Aussage gegen Aussage für Ausländer teuer wird
Der Mythos, die Polizei gebe dem Ausländer grundsätzlich die Schuld, hält sich hartnäckig. Er stimmt so nicht. Liegen klare Beweise vor, wird auch klar entschieden, wie der Fall eines Lesers zeigt, den seine Dashcam im Norden Thailands vor der Mithaftung bewahrt hat. Die Beamten werteten Video und Kreuzungskamera aus und entschieden korrekt.
Ohne Video sieht es anders aus. Dann steht Aussage gegen Aussage, dazu kommt die Sprachbarriere, und am Ende steht oft ein Kompromiss: Beide zahlen ein bisschen, alle gehen nach Hause. Für den Fahrer aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz ist dieses „ein bisschen“ regelmäßig der teurere Anteil. So weit, so bekannt.
Rabatt auf die Kfz-Versicherung: 5 bis 10 Prozent seit 2017
Die thailändische Versicherungsaufsicht OIC hat den Nutzen früh erkannt und über eine Anordnung des Registrars festgelegt, dass Fahrzeuge mit Frontkamera günstiger versichert werden. Die Regelung gilt seit dem 3. März 2017 und betrifft die freiwillige Kfz-Versicherung, nicht die gesetzliche Pflichtversicherung. Der Nachlass beträgt 5 bis 10 Prozent der Nettoprämie.
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Was das konkret bedeutet, hängt vom Fahrzeug ab. Eine Vollkaskopolice der Klasse 1 beginnt je nach Modell, Alter und Schadenshistorie bei etwa 7.000 Baht im Jahr und reicht bei größeren Wagen über 30.000 Baht hinaus. Bei einer Prämie von 20.000 Baht sind das bis zu 2.000 Baht jährlich, also ungefähr der Anschaffungspreis der Kamera im ersten Jahr.
Welche Bedingungen die Kfz-Versicherung an den Rabatt knüpft
Geschenkt wird der Nachlass nicht. Anerkannt ist ausschließlich eine fest installierte Fahrzeugkamera. Ein am Lüftungsgitter klemmendes Smartphone oder ein Tablet zählt nicht, egal wie gut es filmt. Bei Vertragsabschluss verlangt der Versicherer ein Foto, auf dem die eingebaute Kamera eindeutig zu erkennen ist.
Danach gilt die Bedingung weiter: Die Kamera muss während der gesamten Vertragslaufzeit eingebaut bleiben, und im Schadensfall muss das Material vorgelegt werden können. Wer im entscheidenden Moment achselzuckend erklärt, die Kamera sei seit Monaten ausgebaut, muss mit der Rückforderung des Rabatts rechnen. Mehrere Kameras bringen übrigens keinen höheren Nachlass.
Datenschutz: Aufnehmen ist erlaubt, Hochladen wird gefährlich
Seit das thailändische Datenschutzgesetz PDPA im Juni 2022 vollständig in Kraft ist, kursieren die wildesten Gerüchte. Für die Kamera im eigenen Auto gilt Entwarnung. Die Polizei hat damals klargestellt, dass beiläufige Aufnahmen für private Zwecke unbedenklich sind, solange niemandem Schaden entsteht. Aufzeichnen ist also der harmlose Teil.
Heikel wird es beim Hochladen. Wer den Mopedfahrer, der ihm die Vorfahrt genommen hat, samt Gesicht und Kennzeichen bei Facebook an den Pranger stellt, verlässt den geschützten Bereich. Verstöße gegen das Gesetz können Verwaltungsstrafen bis zu fünf Millionen Baht nach sich ziehen, dazu kommen Schadensersatzklagen. Die Weitergabe an Polizei und Versicherung bleibt davon unberührt.
Was die Kamera können muss, damit das Material etwas taugt
Eine Kamera, deren Aufnahmen niemand entziffern kann, ist rausgeworfenes Geld. Full HD ist die Untergrenze, 4K die bessere Wahl, denn erst dann lassen sich Kennzeichen bei Dämmerung und Regen noch lesen. Ein integrierter GPS-Empfänger protokolliert Geschwindigkeit und Position mit, was den Wert der Aufnahme deutlich erhöht.
Wichtig ist außerdem der G-Sensor. Er erkennt den Aufprall und schützt die betroffene Datei automatisch vor dem Überschreiben. Ohne diese Funktion läuft die Endlosaufnahme munter weiter und löscht nach ein paar Stunden genau die zwanzig Sekunden, um die es geht. Eine Rückfahrkamera als zweite Einheit lohnt sich bei dichtem Mopedverkehr.
Die ersten Minuten nach dem Zusammenstoß
Zuerst Ruhe bewahren, Warnblinker an, Fahrzeug sichern. Dann die Aufnahme sperren: Die meisten Kameras haben dafür eine Taste, die den aktuellen Clip schreibgeschützt ablegt. Erst danach die Aufnahme sauber beenden und die Speicherkarte entnehmen. Einfach den Stecker zu ziehen, während die Kamera schreibt, kann die entscheidende Datei beschädigen.
Anschließend Polizei verständigen, bei Sprachproblemen die Touristenpolizei unter 1155, und den eigenen Versicherungsagenten anrufen. In Thailand kommt der Regulierer der Versicherung an die Unfallstelle. Bis er oder die Polizei da ist, bleibt das Fahrzeug möglichst stehen. Wer vorher wegfährt, verliert die Position, die auf dem Video so schön dokumentiert ist.
Wenn die Polizei das Video mitnehmen will
Meist reicht es, den Clip direkt auf dem Display der Kamera oder auf dem Handy vorzuspielen. Das klärt die Lage an Ort und Stelle und erspart lange Diskussionen am Straßenrand. Wie schnell eine Aufnahme eine Falschdarstellung kippen kann, zeigte der Fall einer Fahrerin in Nonthaburi, die von einem fremden Dashcam-Video überführt wurde.
Verlangen die Beamten eine Kopie, sollte man sie bekommen: als Datei auf dem Smartphone, per Messenger oder auf einer zweiten Karte. Die einzige Originalkarte gibt man besser nicht aus der Hand, ohne eine Sicherung und eine Empfangsbestätigung zu haben. Ein Beweismittel, das nur noch bei anderen liegt, ist kein Beweismittel mehr.
Redaktionelle Hinweise
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Der Prämiennachlass von 5 bis 10 Prozent beruht auf der Anordnung des Registrars der Versicherungsaufsicht OIC vom 3. März 2017 und gilt für die freiwillige Kfz-Versicherung. Ob ein Versicherer ihn im Einzelfall gewährt, hängt von Tarif und Nachweis ab und sollte vor Vertragsabschluss schriftlich geklärt werden. Die Prämienspannen sind Marktwerte vom August 2026. Bei Unfällen mit Personenschaden empfiehlt sich ein auf thailändisches Recht spezialisierter Anwalt sowie die Verständigung der Botschaft.


Gutes und wichtiges Thema. Habe es schnell verstanden,dass es Lebensnotwendig ist hier in Thailand.Hatte in den 17 Jahren die ich hier lebe ,viele Kontake mit Kontrollen und falschen Aussagen. Gerade Kamera an meinem Moped. Zeige ihnen dann meine installierte Kamera und wie ein Wunder hat sich das Problem aufgelöst. Gesucht wird natürlich weiter.Führerschein etc.. Nach einem aufgesetzten Smili kann ich wieder weiterfahren. Gerade in der Nebensaison ätzend. Nebensaison kommt weniger Kohle rein.555