Ich dachte, ich schaffe es nicht bis zum Morgen

Ein Schritt im Dunkeln, ein Schmerz wie Strom im Fuß, dann nichts mehr. Walter erwachte erst im Krankenhaus. Was wirklich im Haus lauern kann.

Ich dachte, ich schaffe es nicht bis zum Morgen
ตะขาบเดฮานี่ („takhaap Dehaani“); allgemein heißt Hundertfüßer ตะขาบ („takhaap“)

Ein Schritt im Dunkeln auf dem Weg zur Toilette, ein Schmerz wie Strom im Fuß, dann Filmriss. So beginnt der Skolopenderbiss von Walter, 71, der seit über acht Jahren im Norden der Provinz Phetchabun lebt. Er kam in einem Mehrbettzimmer des Krankenhauses Lom Sak wieder zu sich und blieb fast anderthalb Wochen. Dabei gilt das Tier eigentlich als schmerzhaft, aber selten gefährlich. Walter wollte nachts nur zur Toilette.

Barfuß im Dunkeln: Was Walter an jenem Morgen erlebte

Walter wollte früh am Morgen zur Toilette, es war noch dunkel. Auf dem Weg trat er auf etwas, im selben Augenblick schoss ihm ein Schmerz durch den Fuß. Er beschreibt ihn als brennend und stechend, als stünde der Fuß von innen unter Strom.

Gesehen hatte er das Tier zunächst nicht, erst später war klar, dass es ein Skolopender gewesen sein musste. Er weckte seine Frau, wurde immer schwächer, sein Herz raste. Er rief noch nach ihr, dann riss die Erinnerung ab. Wie lange er ohnmächtig war, weiß er bis heute nicht.

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Skolopender in Thailand: Wie das Tier aussieht und wo es sich versteckt

Skolopender, auch Riesenläufer genannt, sind Hundertfüßer mit flachem, gegliedertem Körper und je einem Beinpaar pro Segment. Das erste Beinpaar ist zu Giftklauen umgebaut, damit packt das Tier zu und spritzt sein Gift. In den Tropen werden manche Arten 20 Zentimeter lang und mehr. Aus Thailand ist vor allem die große Art Scolopendra subspinipes bekannt.

Sie jagen nachts und mögen es warm und feucht. Tagsüber hocken sie unter Blumentöpfen, Holz und Steinen, im Garten und im Bad. Gut sehen können sie nicht, sie tasten sich mit Fühlern und Beinen voran. Wer nachts barfuß durchs Dunkle läuft, ist für das Tier schlicht ein Hindernis, das man beißen kann.

Skolopenderbiss: Warum der Schmerz so heftig ist

Die Giftklauen hinterlassen zwei Einstiche, oft mit kleinen Blutpunkten. Das Gift löst Entzündung, Schwellung, Schmerz und Taubheit aus. Der Schmerz ist mittel bis stark und kann auch prickeln oder stechen. Meist lässt er nach drei bis vier Tagen nach, am schlimmsten sind die ersten Stunden.

Gefährlich ist selten das Gift selbst. In einer Auswertung von 245 Fällen aus einer Bangkoker Notaufnahme hatten die meisten Patienten nur lokale Beschwerden, 87 Prozent eine Schwellung an der Bissstelle. Probleme machen eher Wundinfektionen, Allergien und Vorerkrankungen. Das ist beruhigend. Ein Freibrief ist es nicht.

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Herzrasen und Ohnmacht: Wann ein Biss zum Notfall wird

Was bei Walter Herzrasen und Ohnmacht auslöste, kann er selbst nicht sagen. Er hatte große Schmerzen und bekam Angst, ob mehr dahintersteckte, weiß er nicht. Klar ist nur: Die Ärzte beobachteten neben dem Fuß auch seinen Kreislauf. Für eine Ursache wären Befunde nötig, die hier nicht vorliegen.

Dokumentiert ist der Fall eines 23-Jährigen, der nach dem Biss eines 20 Zentimeter langen Tieres binnen Minuten Gesichtsschwellung, Nesselausschlag und stark abfallenden Blutdruck entwickelte. Auch Infektionen können gefährlich werden: Ein Muay-Thai-Kämpfer starb 2020 nach Angaben seiner Familie an einer Blutvergiftung nach einem Biss, er war Diabetiker. Vorerkrankte gehören früher zum Arzt.

Erste Hilfe nach dem Biss: Was Walters Frau richtig machte

Walter sagt selbst, es sei richtig gewesen, dass seine Frau schnell reagiert hat. Sein Rat: nicht versuchen, es auszuhalten, und sich nicht selbst eine Diagnose stellen. Bei starken Schmerzen oder wenn man sich schwach, schwindelig oder sonst ungewöhnlich fühlt, braucht es medizinische Hilfe. In Thailand erreicht man den Rettungsdienst unter 1669.

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Bis dahin die Wunde mit sauberem Wasser und milder Seife waschen und mit einem feuchten, kühlen Tuch kühlen, kein Eis direkt auf die Haut. Schmerzmittel, örtliche Betäubung und Antibiotika gehören in ärztliche Hand, ebenso die Frage nach dem Tetanusschutz. Alarmzeichen sind zunehmende Rötung, Fieber und Schüttelfrost.

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Krankenhaus Lom Sak: Fast anderthalb Wochen im Mehrbettzimmer

Fast anderthalb Wochen blieb Walter im staatlichen Krankenhaus Lom Sak. Nach seinem Verständnis wollten ihn die Ärzte nicht entlassen, solange sein Kreislauf Probleme machte. Mit so einem langen Aufenthalt nach einem Biss hatte er nie gerechnet. Die Schmerzen blieben zunächst stark, er war erschöpft und konnte sich kaum auf etwas anderes konzentrieren.

Das grosse Mehrbettzimmer teilte er sich mit mehreren anderen Männern. Es war ungewohnt und anstrengend, sagt er, andere Patienten hatten ihre eigenen Sorgen. Froh war er trotzdem, nicht allein zu sein und dass seine Frau bei ihm war. Besser wurde es schrittweise: Der Schmerz ließ nach, er fühlte sich stabiler, blieb aber noch eine Weile vorsichtig.

Skolopender aus dem Haus halten: Licht, Ordnung, dichte Ritzen

Dunkle Winkel regelmäßig kontrollieren und genug Licht im Haus installieren. Die Matratze vom Boden anheben und, wenn möglich, ein Moskitonetz spannen. Kleidung und Schuhe vor dem Anziehen ausschütteln, und nachts nicht durch enge, zugewachsene Ecken laufen. Das gilt für Garten und Haus.

Das Haus ordentlich halten: Gerümpel, Holzstapel und volle Blumentöpfe gehören nicht an die Tür. Ritzen, Rohrdurchführungen und Spalten abdichten, damit die Tiere gar nicht erst hereinkommen. Feuchte Ecken trocken legen. Bei wiederholtem Befall hilft professionelle Schädlingsbekämpfung mehr als der Pantoffel.

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Brille auf vor dem Toilettengang: Nachts sehen, wohin man tritt

Der Tipp für Brillenträger klingt banal und wirkt: Brille aufsetzen, bevor man nachts zur Toilette geht. Wer unscharf sieht, übersieht auf dem Fliesenboden den dunklen Schatten, der sich bewegt. Dazu Licht anmachen oder eine Taschenlampe neben das Bett legen. Zwei Sekunden, die einen Klinikaufenthalt ersparen können.

Bisse passieren überwiegend nachts, drinnen und an Zehen, Fingern und Beinen, zeigen Auswertungen aus Korea und Hongkong. Pantoffeln neben das Bett stellen und vor dem Anziehen ausschütteln, Barfußlaufen im Dunkeln lassen. Walter schaut seit jenem Morgen nachts genauer hin, bevor er barfuß irgendwohin tritt.

Skorpione, Schlangen, Toilette: Was sonst noch im Haus lauern kann

Skorpione verstecken sich in Schuhen, Handtüchern und auf Fliesen nahe dem Abfluss. Der Stich schmerzt, Todesfälle sind aus Thailand nicht dokumentiert, gefährlich wird er nur bei einer allergischen Reaktion. Schuhe und Handtücher gehören nicht auf den Boden und werden vor Gebrauch ausgeschüttelt.

Schlangen kommen mit dem Regen ins Haus, manchmal über das Abwasserrohr. 2016 biss in Thailand ein Python einen Mann auf der Toilette, zwei Wochen später holten Retter eine Kobra aus einer Toilette, deren Kanal kein Gitter hatte. Bei Schlangen im Haus ruft man 199, bei einem Biss 1669. Das stille Örtchen ist in Thailand nicht immer still.

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Redaktionelle Hinweise

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Ob Walters Herzrasen und seine Ohnmacht vom Biss ausgelöst wurden, ist ohne Befunde ungeklärt, die Redaktion gibt seine Schilderung wieder. Bei Bewusstlosigkeit, Atemnot, Kreislaufbeschwerden oder rasch zunehmender Schwellung gilt in Thailand sofort der Notruf 1669.

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