BANGKOK, THAILAND – Thai Airways hat eingeräumt, dass die Gepäckkrise nach den Überschwemmungen im September weit schlimmer war als zunächst gemeldet. Bis zu 25.000 Gepäckstücke saßen fest, mehr als 200 Flüge fielen aus. Am Mittwoch, dem 14. Oktober, ordnete der Verwaltungsrat weltweite Gepäckzustellung und automatische Entschädigungen an. Betroffene Fluggäste sollen ihr Gepäck auch über andere Airlines bekommen, und die Kosten trägt Thai Airways.
Verwaltungsrat ordnet weltweite Gepäckzustellung an
Verspätetes Gepäck soll künftig über andere Fluggesellschaften an sein Ziel gebracht werden. Passagiere müssen damit nicht mehr auf einen eigenen Thai-Airways-Flug warten, und die Airline trägt die Mehrkosten, egal welche Fluggesellschaft die Zustellung übernimmt. Verwaltungsratschef Lavaron Sangsnit, der zugleich ständiger Sekretär des Finanzministeriums ist, sagte, die Maßnahmen sollten das Vertrauen zurückgewinnen.
Entschädigungen sollen Passagiere auch ohne formelle Beschwerde erhalten. Das Management muss dafür ein Sonderpaket zur Genehmigung vorbereiten, das zusätzliche Royal-Orchid-Plus-Meilen vorsieht. Meilenzahl, Voraussetzungen und Zahlungstermin wurden bisher nicht genannt. Eine allgemeine Barauszahlung hat die Airline nicht bestätigt.
Von 5.000 auf 25.000 betroffene Gepäckstücke
Am 29. September hatte der damalige Vorstandschef Chai Eamsiri zugesagt, rund 5.000 festsitzende Gepäckstücke binnen 72 Stunden zu klären. Am 14. Oktober sprach der Verwaltungsrat dann von insgesamt 25.000 betroffenen Gepäckstücken. Diese Zahl beschreibt den Gesamtumfang der Krise, nicht die Menge der noch fehlenden Koffer.
Bis zum 5. Oktober sank der Rückstand in Bangkok nach Angaben der Airline auf 862 Stücke. Danach meldete das Unternehmen die Rückkehr zum Normalbetrieb. Trotzdem hatten Passagiere, die bereits weitergereist waren, weiter Mühe, ihr Gepäck zurückzubekommen.
Passagiere in Australien und Europa berichten von verschwundenem Gepäck
Ein Fluggast des Flugs TG481 von Bangkok nach Perth am 27. September kam sechs Stunden zu spät an, sein Koffer fehlte. Mehr als zehn Tage später war der Verbleib des Gepäckstücks noch unklar. Schließlich wurde die Tasche gefunden und nach Perth weitergeleitet, danach äußerte sich der Passagier lobend über die Rückholung.
Ein weiterer Passagier kam am 28. September ohne aufgegebenes Gepäck in Paris an und stellte am Flughafen Charles de Gaulle eine Verlustmeldung auf. Laut Bericht blieben wiederholte E-Mails an Thai Airways unbeantwortet. Beide Schilderungen stammen von den Passagieren selbst und sind nicht unabhängig anhand von Airline-Daten überprüft.
Über 1.000 Transitreisende sitzen in Bangkok fest
Bis zum 30. September meldeten Berichte, dass mehr als 1.000 Transitreisende am Suvarnabhumi-Flughafen festsaßen. Einige hatten gestrichene Anschlussflüge, andere warteten lange auf die Gepäckausgabe.
Gemeldet wurden Wartezeiten von fünf bis sechs Stunden, einzelne Fluggäste mussten noch länger warten. Der Ausfall traf auch Anschlussverbindungen und internationale Reisende, die über Bangkok weiterfliegen wollten.
Überschwemmungen hielten rund 200 Mitarbeiter fern
Die Krise begann, als schwere Überschwemmungen Flughafenangestellte daran hinderten, zur Arbeit zu kommen. Erste Befunde, die dem Verwaltungsrat vorlagen, nannten rund 200 fehlende Mitarbeiter an vorderster Front.
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Die weitere Untersuchung zeigt, dass Notfallpläne nicht schnell genug aktiviert wurden. Reservekräfte kamen zu spät zum Einsatz, um die fehlenden Beschäftigten zu ersetzen. Hinzu kamen technische Probleme bei den Fahrzeugen für den Gepäcktransport, die die Bodenabfertigung zusätzlich belasteten.
Verwaltungsrat prüft Auslagerungsverträge
Der Verwaltungsrat hat eine Überprüfung der Auslagerungsverträge für Gepäckabfertigung und Bodendienste angeordnet. Dazu gehören Vereinbarungen mit Wingspan Services, das Personal und Dienstleistungen für den Flugbetrieb stellt. Geprüft werden Personal, Einsatzplanung und die Verantwortung des Managements.
Die Prüfung soll auch klären, wie die Zuständigkeiten während der Störung verteilt waren. Ebenfalls untersucht wird, ob die Planung des Managements und die Abläufe zum Ausmaß der Krise beitrugen.
Polizeigeneral leitet Untersuchung mit 30-Tage-Frist
Der Verwaltungsrat hat den stellvertretenden Polizeichef Pol Gen Thatchai Pitaneelaboot mit der Untersuchung beauftragt. Sein Ausschuss muss seine Ergebnisse innerhalb von 30 Tagen nach seiner Ernennung vorlegen. Er soll klären, warum Notfallverfahren die Eskalation nicht verhindern konnten.
Chai Eamsiri wurde als Vorstandschef abgesetzt, nach eigenen Angaben sieht er darin das Ende seiner Amtszeit. Als Interimschef wurde Samrit Samniang berufen, ein Direktor und früherer PTTEP-Manager. Die Ankündigung vom Mittwoch kam allerdings von Lavaron und nicht von Samrit.
Überstundenzahlungen in Krisenzeiten wieder eingeführt
Thai Airways hat Kürzungen bei Überstundenzahlungen in Krisen und bei großen internationalen Veranstaltungen zurückgenommen. Die Maßnahme soll sicherstellen, dass genug Personal bereitsteht, wenn außergewöhnlich viel Arbeit anfällt.
Das Management muss Risiken durch extremes Wetter und Überschwemmungen prüfen. Führungskräfte sollen den Suvarnabhumi-Flughafen inspizieren, um verbleibende Engpässe im Betrieb zu finden.
Entschädigung: 1.500 bis 4.500 Baht je nach Verspätung
Am 4. Oktober stellte das thailändische Verkehrsministerium die Passagierrechte klar. Für qualifizierende internationale Abflüge sehen die genannten Regeln 1.500 Baht bei Verspätungen über fünf Stunden vor. Bei mehr als elf Stunden können streckenabhängige Zahlungen von 2.000 bis 4.500 Baht fällig werden.
Ob ein Anspruch besteht, hängt von den rechtlichen Voraussetzungen und Ausnahmen ab. Thai Airways hat eingeräumt, dass manche Kunden Kleidung und Toilettenartikel selbst kaufen mussten. Ob diese Kosten erstattet werden, richtet sich nach den Entschädigungsregeln und Belegen, deshalb sollten Quittungen aufbewahrt werden.
Noch offen: Kosten, Zahl der Anspruchsberechtigten und Zahlungstermine
Die Airline hat weder die Gesamtkosten der Entschädigungen noch die Zahl der berechtigten Passagiere genannt. Auch Zahlen zu den Gepäckstücken im Ausland, aufgeschlüsselt nach Ländern und Zielorten, fehlen ebenso wie Angaben dazu, wie viele Kunden bereits entschädigt wurden. Das Management bereitet die Vorschläge für den Verwaltungsrat vor, der das Sonderpaket genehmigen muss.
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