Thailand verfolgt im Tourismus einen neuen Kurs. Gefragt sind Gäste, die mehr Geld im Land lassen, nicht mehr Gäste insgesamt. Seit dem Sommer greifen dafür Regeln, die den Urlaub in Thailand spürbar verändern: kürzere Fristen, höhere Gebühren und Pläne für weitere Abgaben. Wer wenig ausgibt, spürt das zuerst. Was davon schon gilt und was wieder verschoben wurde, ist nicht immer leicht zu überblicken.
Was Thailand mit „Value over Volume“ erreichen will
Die Tourismusbehörde TAT hat für das laufende Jahr die Leitlinie „Value over Volume“ ausgegeben, auf Deutsch: Wert statt Masse. Den Erfolg soll nicht allein die Zahl der Ankünfte messen, sondern das Geld, das jeder Gast im Land lässt. Dazu zählen hochwertige Erlebnisse.[1]
Eine geringere Gästezahl ist damit nicht gemeint. Das Tourismusministerium hält an einem Ziel von rund 33 Millionen ausländischen Gästen fest. Gleichzeitig soll jeder Besucher mehr einbringen. Das passt zu den Maßnahmen, die seit dem Sommer gelten oder geplant sind.[2]
Wie viele Gäste bisher kamen
Bis zum 17. Oktober zählte das Tourismusministerium 24,42 Millionen ausländische Gäste. Zusammen brachten sie rund 1,19 Billionen Baht ins Land. Rechnerisch sind das rund 49.000 Baht pro Gast. Das ist der Stand kurz vor dem Beginn der Hauptsaison.[3]
Für das Ziel fehlen damit noch gut 8,5 Millionen Gäste bis zum Jahresende. Die TAT setzt dafür auf Festivals im November und Dezember und auf neue Flugverbindungen, darunter Flüge von Warschau nach Bangkok und von London nach Phuket.[2]
Warum die Prognose wackelt
Im Frühjahr senkte die TAT ihre Erwartung und nannte eine Spanne von 30 bis 34 Millionen Gästen. Als Gründe galten die Spannungen im Nahen Osten, hohe Energiepreise und eine allgemeine Zurückhaltung beim Reisen.[1]
Inzwischen rechnet die Behörde im wahrscheinlichsten Fall mit 32,6 bis 32,7 Millionen Gästen. Das liegt knapp unter dem Ziel von 33 Millionen. Die Einnahmen sollen bei rund 2,7 Billionen Baht liegen. Als zusätzliche Hürde gilt der starke Baht, der Reisen aus nahen Märkten verteuert.[2]
Wer vom Kurswechsel profitiert
Die Branche sieht in der Strategie vor allem Vorteile. Im Mai sagte der Präsident einer Stiftung für nachhaltigen Tourismus, es kämen zwar weniger Menschen, diese leisteten aber einen größeren Beitrag zur Wirtschaft. Die Infrastruktur werde dabei weniger beansprucht, während das Wachstum anhalte.
Die Rechnung dahinter ist einfach. Wer eine Woche im Spa-Resort bleibt und täglich im Restaurant isst, gibt mehr aus als ein Gast, der drei Nächte im Hostel verbringt. Für die Strategie der TAT zählt am Ende der Umsatz pro Gast und nicht die Zahl der Ankünfte.
Seit 15. September gelten 30 Tage ohne Visum
Seit dem 15. September dürfen Touristen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nur noch 30 Tage ohne Visum bleiben, bisher waren es 60 Tage. Die Regeln wurden Ende August im Amtsblatt veröffentlicht.[4][5][6]
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Wer vor dem 15. September eingereist ist, behält den Stempel mit 60 Tagen. Entscheidend ist das Datum der Einreise. Bei der Einreise über Landgrenzen ist die visumfreie Zeit grundsätzlich auf zwei Mal pro Kalenderjahr begrenzt. Für einen Urlaub bis zu vier Wochen ändert sich nichts.[5][7]
Wer länger bleiben will, braucht ein Touristenvisum
Eine einmalige Verlängerung um 30 Tage bleibt möglich. Sie kostet 1.900 Baht und wird bei einem Immigration-Büro in Thailand beantragt. Einen Anspruch darauf gibt es nicht, der Beamte entscheidet. Mit der Verlängerung sind insgesamt bis zu 60 Tage möglich.[8]
Wer von Anfang an länger plant, fährt mit einem Touristenvisum sicherer. Es wird vor der Reise beantragt, gilt 60 Tage pro Einreise und lässt sich einmal um 30 Tage verlängern. Für noch längere Aufenthalte kommen andere Visumarten in Frage, die ebenfalls vor der Reise geklärt werden sollten.[9]
Ausreisesteuer vorerst gestoppt, Flughafengebühr bleibt
Die Regierung hat die geplante Abgabe von 1.000 Baht für jeden Flug ins Ausland vorerst gestoppt. Das sagte der Finanzminister am 22. Oktober. Er verwies auf hohe Energiepreise und wollte die Nachfrage im letzten Vierteljahr nicht bremsen. Ein neuer Starttermin ist nicht bekannt.[6][3]
Nicht betroffen ist die Passagiergebühr der Flughäfen. Sie beträgt seit dem 20. Juni 1.120 Baht statt bisher 730 Baht und ist im Ticketpreis enthalten. Offen ist auch eine geplante Einreisegebühr von 450 Baht für Gäste, die per Flugzeug ankommen. Darüber ist noch nicht entschieden.[4][3]
Was kleine Anbieter wie Poo spüren
Saiyuud Diwong, genannt Poo, führt seit mehr als 15 Jahren eine Kochschule für ausländische Gäste in Bangkok. Im Mai berichtete sie, dass viele gebuchte Gäste wieder absagten und ihr Geld zurückverlangten, weil sie gar nicht nach Thailand reisten. Als Hauptgrund vermutete sie den Krieg im Nahen Osten.
Ihr Kochkurs mit Marktbesuch entspricht genau dem, was die TAT unter hochwertigen Erlebnissen versteht, und leidet trotzdem unter ausbleibenden Gästen. Kleine Anbieter spüren daher als Erste, wenn Strategie und Buchungslage auseinanderlaufen. Wie es der Kochschule heute geht, ist nicht bekannt.
Was das für Urlauber und Expats aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeutet
Wer bis zu 30 Tage bleibt, merkt von der neuen Frist nichts. Wer länger bleiben will, plant jetzt eine Verlängerung für 1.900 Baht oder ein Touristenvisum ein. Die Kürzung betrifft nur die visumfreie Einreise. Wer bereits ein Visum für den Aufenthalt hat, ist davon nicht berührt.
Beim Abflug aus Thailand zahlen Reisende die Gebühr von 1.120 Baht, die im Ticket steckt. Die zusätzliche Ausreisesteuer fällt vorerst weg, die Einreisegebühr von 450 Baht ist noch offen. Vor jeder Buchung lohnt ein Blick auf die aktuellen Regeln, weil sich Pläne und Fristen in kurzer Zeit mehrfach geändert haben.
Redaktionelle Hinweise
Fristen und Gebühren können sich kurzfristig ändern. Verbindlich sind die Auskünfte der thailändischen Botschaft und der Immigration. Stand: 23. Oktober.
- TAT-Meldung zur Neuausrichtung der Prognose und der Leitlinie „Value over Volume“ (April), dazu die Prognose von 30 bis 34 Millionen Gästen: TAT News und Thailand Business News. ↩
- Ziel von rund 33 Millionen Gästen, Basisprognose von 32,6 bis 32,7 Millionen, Einnahmeziel von 2,7 Billionen Baht, Flugverbindungen und starker Baht: The Nation, The Nation, The Nation. ↩
- 24,42 Millionen Gäste bis 17. Oktober, 1,19 Billionen Baht Einnahmen, Stopp der Ausreisesteuer, offene Einreisegebühr von 450 Baht: Thaiger. ↩
- 30 Tage für Reisende aus Deutschland ab 15. September sowie Anhebung der Passagiergebühr auf 1.120 Baht: MS aktuell, MS aktuell. ↩
- Geltung ab 15. September für Deutschland, Österreich und die Schweiz, Veröffentlichung im Amtsblatt am 31. August, Begrenzung bei Landgrenzen auf zwei Mal pro Kalenderjahr: TAT Newsroom. ↩
- Neue Höchstdauer von 30 Tagen laut Amtsblatt vom 31. August sowie Stopp der Ausreisesteuer am 22. Oktober: Khaosod English, Khaosod English. ↩
- Übergangsregel für bereits Eingereiste: Außenministerium, dazu ÖAMTC. ↩
- Verlängerung um 30 Tage nach Ermessen des Beamten, bis zu 60 Tage insgesamt: buch-dein-visum.de. Gebühr von 1.900 Baht: Thai Visa Services. ↩
- Touristenvisum mit 60 Tagen pro Einreise und Verlängerung um 30 Tage: TDAC.info. ↩

Zitat: „Wer eine Woche im Spa-Resort bleibt und täglich im Restaurant isst, gibt mehr aus als ein Gast, der drei Nächte im Hostel verbringt. Für die Strategie der TAT zählt am Ende der Umsatz pro Gast und nicht die Zahl der Ankünfte.“
Gratuliere zu den Rechenkünsten! Wer hätte darauf einfach so kommen können? Eine Woche Spa-Hotel kostet mehr als drei Tage Hostel. Endlich sagt uns das jemand der sich damit auskennt. Wenn ich das nur früher gewusst hätte!!!
Und wen interessiert sich schon für das pleite gegangene Hostel, den kleinen lokalen Restaurants, Garküchen und all den Zulieferer in der Gegend? Keine alte Sau! Hauptsache mehr von weniger abkassiert. Das nennt man hierzulande dann Qualitätstourismus.
Sollen die insbesondere jüngeren Touristen, mit wenig Budget lieber die Nachbarländer ihren paar Notscherln quälen. Und wenn sie dann irgendwann später auf dicke Hose machen können, könnten sie ja dann immer noch mal ins Land des Lächelns jetten. Oder aber doch lieber doch dorthin, wo man sich selbst mit wenig Kohle noch willkommen gefühlt hat. Könnte ja sein, oder?
das Spa Hotel gehört jemanden, der nicht zu den Ärmsten zählt. Da konzentrieren sich die Einnahmen und Gewinne auf weniger Leute. Sollen doch die kleinen Lichter schauen, wo sie woanders unterkommen. Im Tourismus sicher nicht mehr. Auch so ein Beispiel , wie man die Reichen reicher und die Armen ärmer macht!