Thailand ist teurer geworden, das hört man an jedem Stammtisch und in jeder Facebook-Gruppe. Früher habe man hier für wenig Geld gut gelebt, heute sei das Geld schneller weg. Manche sagen sogar, Thailand sei für Europäer nicht mehr attraktiv. Die Meinung steht meist fest, bevor jemand nachgerechnet hat. Seit dem Sommer kosten einige Dinge in Thailand spürbar mehr, bei anderen hat sich kaum etwas bewegt.
Der Satz am Stammtisch: Früher war alles billiger
Der Satz ist überall der gleiche. Früher war Thailand billig, heute ist es das nicht mehr. Wer ihn sagt, meint den eigenen Geldbeutel: das Essen, das Tanken, das Hotel, den Flug. Dazu kommt der Euro, der gegen den Baht nicht mehr so viel hergibt, wie man es kennt. Das Gefühl ist echt, aber ein Gefühl ist noch keine Zahl.
Ein Pauschalurteil hilft niemandem. Es gibt Preise, die klar gestiegen sind, und es gibt Preise, die gefallen sind. Beides stimmt gleichzeitig. Wer nur eine Seite nennt, bekommt am Stammtisch Zustimmung, liegt aber nur halb richtig. Genau deshalb lohnt der Blick auf die Zahlen.
Der Teller am Straßenstand und was er heute kostet
Das Mittagessen der Thais ist teurer geworden. Das Handelsministerium hat 1.535 Essensstände befragt. Sieben Standardgerichte kosten 5 bis 10 Baht mehr pro Teller, darunter gebratener Reis, Hühnerreis, Som Tam, Nudelsuppe und Reis mit Basilikum. Die Teller liegen meist zwischen 35 und 60 Baht.[1]
Auch Reis, Eier, Gemüse und frisches Hühnerfleisch wurden im August teurer. Bei den Erzeugern stiegen die Eier im Juni von 3,30 auf 3,50 Baht pro Stück. Das Ministerium sagt, Preise für Essen gehen selten zurück, wenn sie einmal gestiegen sind. Hier hat der Stammtisch recht. Wer täglich am Stand isst, merkt es.[1]
Diesel und Benzin: Was die Zapfsäule inzwischen verlangt
Am deutlichsten spürt man es beim Tanken. Bei PTT kostete Diesel am 12. Oktober 42,94 Baht pro Liter, Gasohol 95 kostete 41,44 Baht. Anfang Oktober vor fünf Jahren lag Diesel bei 31,29 Baht. Heute zahlt man also gut ein Drittel mehr für denselben Liter.[2]
Die amtliche Statistik bestätigt es. Im September lagen die Kraftstoffpreise 20,69 Prozent über dem Vorjahr, und sie sind der Hauptgrund für die Teuerung im ganzen Land. Mitte April stand Diesel zeitweise sogar bei 44,40 Baht. Auch hier stimmt der Stammtisch: Wer viel fährt, zahlt spürbar mehr als früher.[2]
Euro gegen Baht: Wie viel Rückenwind gibt der Kurs?
Der Kurs wird gern als Trost genannt. Ein Euro brachte am 15. Oktober 37,58 Baht, im September waren es meist knapp 38. Das klingt gut, aber fünf Jahre zuvor gab es im Oktober 38,82 Baht. Der Euro ist also etwa 3 Prozent weniger wert als damals. Europäer bekommen für ihr Geld nicht mehr, sondern etwas weniger.[3]
In Baht sind die Preise seit damals um gut 9 Prozent gestiegen, das ist eine grobe Rechnung aus den Jahresraten. In Euro gerechnet kostet das Leben damit rund 13 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Das sind etwa 2,5 Prozent im Jahr, kein Preissprung. Wer in Schweizer Franken rechnet, muss den eigenen Kurs prüfen.[3]
Urlaub in Thailand: Flughafengebühr und neue Abgaben
Für Urlauber wird schon die Ausreise teurer. Seit dem 20. Juni kostet die Gebühr bei Auslandsflügen 1.120 statt 730 Baht pro Person, das sind 390 Baht mehr. Sie gilt in Bangkok (Suvarnabhumi und Don Mueang), Chiang Mai, Chiang Rai, Phuket und Hat Yai und steckt im Flugpreis. Inlandsflüge zahlen weiter 130 Baht.[4]
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Weitere Abgaben sind geplant, aber noch nicht beschlossen. Eine Touristengebühr von 450 Baht für Ausländer, die einfliegen, wird im nächsten Jahr erwartet. Dazu kommt eine Ausreisesteuer von 1.000 Baht. Die Steuerbehörde hat dazu bis Ende Oktober eine öffentliche Anhörung angesetzt. Zusammen mit der Flughafengebühr wären das 2.570 Baht pro Reisendem.[4]
Strom und Rechnungen: Was zuletzt billiger wurde
Es gibt auch Preise, die fallen. Der durchschnittliche Strompreis wurde für September bis Dezember von 3,95 auf 3,86 Baht pro Kilowattstunde gesenkt. Das sind gut 2 Prozent weniger. Wer die Klimaanlage im Isaan, in Pattaya oder auf Phuket laufen lässt, merkt das auf der Rechnung, auch wenn der Betrag klein bleibt.[5]
Auch beim Essen gibt es Gegenbewegungen. Klebreis wurde im Juni und im August billiger, Schweinefleisch im Juni, Essenslieferungen in beiden Monaten. Für die Pflegeprodukte erwartet das Handelsministerium sinkende Preise, weil die großen Anbieter stark im Wettbewerb stehen. Die Gesamtrechnung ist also nicht einseitig.[5]
Die amtlichen Zahlen: Wie hoch die Inflation ist
Im September lag die Inflation bei 2,82 Prozent. Das Handelsministerium erwartet für das ganze Jahr 1,8 bis 2,2 Prozent. Die Notenbank hält 1 bis 3 Prozent für den Zielbereich, die Teuerung liegt also noch darin. Von Januar bis September betrug der Durchschnitt 1,54 Prozent.[6]
Über Jahre war Thailand fast preisstabil. Der Zehnjahresschnitt bis zum vorletzten Jahr lag bei nur 1,1 Prozent im Jahr, im vergangenen Jahr sanken die Preise sogar leicht. Die Teuerung in diesem Jahr kommt vor allem von der Energie. Sie ist spürbar, aber sie ist nicht außer Kontrolle.[6]
Vietnam, Laos, Kambodscha: Wo es günstiger sein soll
Wer wegen der Preise nach Vietnam, Laos oder Kambodscha schaut, findet dort keine Ruhe. Vietnam hatte im September 5,08 Prozent Inflation, Laos im Schnitt der ersten neun Monate 7,9 Prozent. Für Kambodscha erwartet die Wirtschaftsbeobachtungsstelle AMRO für das ganze Jahr 4,5 Prozent. In Thailand waren es im September 2,82 Prozent.[7]
Bei den Preisen selbst ist das Bild gemischt. Kostenvergleiche im Netz sehen Vietnam bei 11 bis 22 Prozent günstiger als Thailand, die Zahlen schwanken je nach Quelle. Laos gilt bei Miete und einheimischem Essen als günstiger. Beim Diesel liegt Thailand vorn: Im Frühjahr kostete er hier 38,94 Baht, in Vietnam 47,16, in Kambodscha 57,76 und in Laos 64,14 Baht pro Liter.[7]
Die Thais zahlen mit: Mindestlohn und Schulden
Für die Thais selbst ist es oft härter. Der Mindestlohn liegt je nach Provinz zwischen 337 und 400 Baht pro Tag. Den Höchstsatz gibt es in Bangkok, Pattaya, Phuket und auf Koh Samui, im Isaan sind es meist 347 bis 359 Baht. In diesem Jahr gab es keine Erhöhung, der Lohnausschuss hat sie im März wegen der hohen Produktionskosten verschoben.[8]
Dazu kommen Schulden. Die Haushaltsschulden lagen im ersten Vierteljahr bei 85,9 Prozent der Wirtschaftsleistung, zusammen 16,41 Billionen Baht. Die Einkommen erholen sich nur begrenzt, die Preise für Sprit und Essen steigen. Wer als Expat über Preise klagt, sollte das wissen, denn die Thais haben dafür weniger Spielraum.[8]
Das Urteil: Wer am Stammtisch recht hat
Der Stammtisch hat teilweise recht. Sprit, Straßenessen und die Ausreise sind teurer, und der Euro bringt nicht mehr Baht als vor fünf Jahren. Zusammen sind das rund 13 Prozent mehr in fünf Jahren, spürbar, aber nicht dramatisch. Die Billig-Ära im Sinn von früher ist vorbei. Ein teures Land ist Thailand deshalb nicht geworden.[9]
Wer hier lebt oder Urlaub macht, hat die Wahl. Wer rechnet und vergleicht, entscheidet selbst. Wer nur schimpft, ändert nichts. Frei ist, wer die eigenen Zahlen kennt und nicht nachspricht, was am Tisch gerade Beifall bekommt. Genau das unterscheidet den mündigen Gast vom Dauerschimpfer.
Anmerkungen der Redaktion
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Preise für Sprit und Essen sind Momentaufnahmen vom Oktober und können sich täglich ändern. Die Rechnung zur Teuerung in Euro ist eine Näherung aus Jahresdurchschnitten und einem Stichtagskurs. Vergleiche mit den Nachbarländern beruhen auf Kostenvergleichen im Netz und schwanken je nach Quelle.
- Handelsministerium (TPSO), Umfrage an 1.535 Essensständen und Inflationsbericht August, wiedergegeben in Nation Thailand, Thaiger und Thairath. Eierpreis laut Nation Thailand. Quelle ↩
- Spritpreise PTT am 12. Oktober laut Thairath. Diesel B7 Anfang Oktober vor fünf Jahren laut Bangkok Post. Kraftstoffpreise im September laut TPSO in Nation Thailand. Diesel Mitte April laut Thairath. Quelle ↩
- Kurs am 15. Oktober laut exchange-rates.org, Kurs am 21. Oktober fünf Jahre zuvor laut ValutaFX. Die Preissteigerung in Baht ist eine eigene Rechnung aus den Jahresraten von FocusEconomics und den Monatsdaten 2026 des TPSO. Quelle ↩
- Airports of Thailand, Gebühr für Auslandsflüge, laut Bangkok Biz News und Thairath. Geplante Touristengebühr und Ausreisesteuer laut Bangkok Biz News. Quelle ↩
- Strompreis September bis Dezember und Preisbewegungen bei Lebensmitteln laut TPSO in Nation Thailand und Thairath. Quelle ↩
- Inflation September laut TPSO in Nation Thailand. Zielbereich der Notenbank laut Reuters. Jahresraten laut FocusEconomics. Quelle ↩
- Vietnam laut Statistikamt (VNA), Laos laut Zentralbank (Vientiane Times), Kambodscha laut AMRO. Kostenvergleiche von WhereNext, GlobalCostData und CostLiving. Dieselpreise im ASEAN-Vergleich laut Thairath. Quelle ↩
- Mindestlohn laut Bekanntmachung Nr. 14 des Arbeitsministeriums. Verschiebung im März laut Line Today. Haushaltsschulden laut SCB EIC in Amarin TV. Quelle ↩
- Der Wert von 13 Prozent ist die Rechnung aus Anmerkung 3 und gilt nur für einen Warenkorb, der den amtlichen Preisindex abbildet. ↩
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Jammern auf hohen Niveau, dass der Kurs des THB in den letzten Jahren um teilweise 15-20% zu Gunsten der Farangs besser wurde wird verschwiegen.
Danke für den Hinweis. Jammern wollten wir nicht: Der Artikel prüft, was am Stammtisch stimmt und was nicht, und kommt am Ende zu dem Ergebnis, dass Thailand zwar teurer geworden ist, ein teures Land aber nicht. Verschwiegen haben wir den Kurs auch nicht, er steht im Artikel: Ein Euro bringt heute rund 37,6 Baht, vor fünf Jahren waren es etwa 38,8. Über die letzten Jahre schwankte der Kurs meist zwischen 35 und 40 Baht, ein Plus von 15 bis 20 Prozent für Europäer lässt sich daraus nicht ableiten. Meinen Sie einen anderen Zeitraum oder eine andere Währung, nennen Sie uns gern die Zahlen.
Ich rechne mit dem Schweitzer Franken, 2014 ca. 30 TBT heute über 40 THB. Also nur Gewinn
Vielen Dank für die Zahlen. Mit dem Schweizer Franken stimmt das über zwölf Jahre tatsächlich: 2014 lagen Sie im Schnitt bei etwa 35 Baht, heute sind es rund 40,6. Unser Artikel schaut aber bewusst nur auf die letzten fünf Jahre und rechnet in Euro, weil die meisten unserer Leser ihre Rente oder ihr Einkommen in Euro beziehen und in Baht umtauschen. In diesem Zeitraum bringt der Euro mit 37,6 Baht heute etwas weniger als vor fünf Jahren (38,8), und Sprit und Essen sind spürbar teurer geworden. Für Schweizer ist der Kurs also besser als für Euro-Rentner.
Damit nicht alle im kollektiven Selbstmord enden….
Die gesetzliche Rente ist in den letzten 10 Jahren um rund 37 Prozent gestiegen.
1 Liter E 10 kostete 2016 30,81 und müsste danach heute 42,21 kosten, liegt aber bei 41,07, obwohl die Treibstoffpreise mit die höchste Verteuerung haben.
Danke für die Zahlen. Die gesetzliche Rente ist seit Juli 2016 tatsächlich deutlich gestiegen. Nur beziehen nicht alle, die in Thailand leben, eine Rente. Manche arbeiten hier oder leben von anderen Einkünften.
Beim Sprit lag der Ausgangspunkt außerdem niedrig: Im Frühjahr 2016 kostete Gasohol 91 laut der thailändischen Energiebehörde nur 23 bis 25 Baht, weil der Ölpreis damals im Keller war. Heute sind es 41 Baht.
Und unser Artikel schaut auf die letzten fünf Jahre, und da ist Diesel um gut ein Drittel teurer geworden. Wo haben Sie den Preis von 30,81 Baht her? Dann schauen wir ihn uns an.