Warum heißt es immer, Pattaya sei am Ende?

Leere Hotels, teure Flüge, Vietnam im Aufwind und nur noch 30 Tage visumfrei: Ein Clubabend erklärt Pattaya für erledigt. Wir haben nachgeprüft, was davon wirklich stimmt.

Warum heißt es immer, Pattaya sei am Ende?
Photo by Sunriseforever on Pixabay

Ich habe in der Pattaya Mail den Bericht über einen Abend im Pattaya City Expats Club gelesen, an dem ein Redner seine Zuhörer fragte, ob Pattaya am Ende sei. Besprochen wurden leere Hotels, teure Flüge, die Konkurrenz aus Vietnam und der Wunsch nach längeren Visa (Nanu, alles auf einmal?). Dass Pattaya angeblich am Ende sei, höre ich nicht zum ersten Mal, sondern bereits seit 20 Jahren. Das Fazit der Runde war dennoch, dass die Stadt nicht fertig sei, sondern sich lediglich verändere.

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Stammtisch statt Statistik

Vorweg für alle, die in Pattaya wohnen oder dorthin reisen wollen: Der Bericht gibt Stimmungen wieder, keine Messwerte. An einem Mittwoch im Oktober waren über siebzig Mitglieder gekommen, ein Redner namens Patrick Heywood leitete die Runde.

Das ist nicht schlimm, so läuft ein Clubabend eben, mit Meinung, Zwischenruf und Applaus. Warum es trotzdem immer wieder heißt, Pattaya sei am Ende, erkläre ich mir so: Jede leere Nebensaison, jede Visaänderung und jeder Preissprung bei den Flügen liefert Stoff, und schlechte Nachrichten machen am Stammtisch schneller die Runde als gute. Ich habe die Behauptungen einzeln nachgesehen. Manches hält, manches wackelt, manches ist nicht belegt.

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Hochsaison mit Fragezeichen

Ob die letzte Hochsaison schwach war, lässt sich nicht sauber sagen, denn eine Hochsaison-Zahl nur für Pattaya habe ich nicht gefunden. Belegt ist: Die Hotels der Mittelklasse und darüber waren im zweiten Halbjahr des vergangenen Jahres nur zu 65,5 Prozent belegt, gut fünf Prozentpunkte weniger als ein Jahr davor.

Zum Jahreswechsel kamen laut dem örtlichen Tourismusverband weniger Besucher, die Einnahmen stiegen trotzdem, weil die Gäste länger blieben und mehr ausgaben. Landesweit lag die Zahl ausländischer Gäste bis Ende August knapp drei Prozent unter dem Vorjahr. Ob die kommende Hochsaison den Betrieben auch Geld bringt, bleibt offen.

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Leere Hotels, teure Flüge

Im Sommer war es leer, das ist belegt. Viele Hotels meldeten laut Hotel- und Tourismusverband nur 15 bis 20 Prozent Auslastung, nötig wären 40 bis 50 Prozent, und die Ankünfte seien um schätzungsweise 20 bis 30 Prozent gefallen. Das sind Angaben von Branchenvertretern zur Nebensaison, keine Jahresbilanz.

Teurer geworden sind auch die Flüge, und das merkt jeder, der aus Europa anreist. Im März meldete die thailändische Luftfahrtbehörde bis zu 100 Prozent höhere Preise, ein einfacher Flug von Bangkok nach London kostete über 70.000 Baht. AirAsia und Vietjet verlangen für neue Buchungen inzwischen etwa 20 bis 25 Prozent mehr, Ursache ist der Nahost-Krieg.

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Vietnam holt auf

Hier haben die Clubmitglieder recht, Vietnam wächst schnell. Von Januar bis September kamen dort 17,7 Millionen ausländische Gäste, 14,5 Prozent mehr als im Vorjahr, aus Europa sogar 55 Prozent mehr. Thailand zählte bis zum 26. September 22,67 Millionen Gäste und liegt weiter vorn, stand aber bis Ende August im Minus.

Da Nang, das die Runde nannte, begrüßte im ersten Halbjahr knapp 5,2 Millionen ausländische Gäste, 28,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Eine französische Zeitschrift preist die Stadt als Ziel für digitale Nomaden mit niedrigen Lebenshaltungskosten. Ob auch deutschsprachige Rentner dorthin ziehen, habe ich nirgends belegt gefunden. Oha, da fehlen mir Zahlen.

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Visumfrei nur noch 30 Tage

Am härtesten trifft es Langzeiturlauber und Überwinterer: Seit dem 15. September dürfen wir ohne Visum nur noch 30 Tage bleiben, vorher waren es 60. Die Regel steht seit dem 31. August im thailändischen Amtsblatt (Royal Gazette) und gilt nur für Tourismus.

Wer vor dem 15. September eingereist ist, darf bis zum Ende der bei der Einreise erteilten Frist bleiben. Eine einmalige Verlängerung um weitere 30 Tage ist laut Kabinettsbeschluss vorgesehen, die Handhabung sollte man beim Immigration-Büro erfragen. Über Landgrenzen ist die Befreiung nur zweimal pro Kalenderjahr nutzbar.

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Jahresverlängerung für Rentner

Die Clubmitglieder wünschten sich, dass Expats, die dem Land lange treu bleiben, schrittweise längere Aufenthaltszeiten bekommen. Wer als Rentner hier lebt, kennt das Thema: Die Jahresverlängerung ist keine Verlängerung des Visums, sondern des Aufenthalts, und sie muss jedes Jahr neu bei der Immigration beantragt werden.

Eine Zusage gibt es nicht. Heywood sagte laut Bericht nur, er wolle den Vorschlag über seine Kontakte weitertragen, ausdrücklich nicht im Namen des Clubs. Wer auf längere Fristen hofft, sollte bis dahin die geltenden Vorgaben der Immigration einhalten, das ist meine Empfehlung und keine Vorschrift.

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Schnellzug und Flughafen im Wartestand

Beim Flughafen U-Tapao geht es voran, bei der Schnellbahn nicht. Der Betreiber erhielt im April den offiziellen Auftrag zum Baubeginn, nachdem die Bedingung gelockert wurde, dass die Bahn zuerst im Bau sein muss. Die erste Ausbaustufe fällt kleiner aus als ursprünglich geplant.

Die Schnellbahn zwischen den drei Flughäfen steckt dagegen fest, weil die Verhandlungen mit den privaten Partnern festhängen. Der Flughafen soll vorerst über die Autobahn M7 angebunden werden. Wer in Pattaya auf einen Zug von Bangkok wartet, braucht also weiter Geduld.

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Resort-Dorf mit Krankenhaus

Heywood stellte ein Lifestyle Resort Village vor, eine Anlage mit Krankenhaus, Pflegeeinrichtungen und Seniorenwohnungen. Nach seinen Angaben könnte sie binnen drei Jahren tausend Expats nach Pattaya holen, landesweit bis zu zehntausend, und der Vorschlag sei beim Eastern Economic Corridor (EEC) vorgelegt worden.

Das sind Zahlen und Pläne des Redners selbst. Eine Bestätigung durch die EEC-Behörde oder andere Stellen habe ich nicht gefunden, ich behandle das Ganze deshalb als Idee und nicht als Projekt. Für Rentner, die einmal Pflege brauchen, bleibt die Frage nach der Krankenversicherung und dem passenden privaten oder staatlichen Krankenhaus ohnehin bestehen.

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Deutschsprachige Gäste bleiben

Kommen die deutschsprachigen Gäste noch? Landesweit ja: Im vergangenen Jahr reisten 965.898 Deutsche nach Thailand, ein Rekord. Wie viele davon nach Pattaya fuhren, weiß ich nicht, eine amtliche Zahl dazu habe ich nicht gefunden, und für Österreich und die Schweiz ebenfalls nicht. Europäische Gäste machten laut Tourismusverband einen großen Teil des Neujahrsgeschäfts aus.

Gegen das Wort vom Ende spricht auch der Dezember: Für das Festival Tomorrowland sind 50.000 Karten ausverkauft, rund 80 Prozent der Käufer kommen aus dem Ausland, und die Hotelsuchen für diese Tage lagen in Pattaya 13,78 Prozent über dem Vorjahr. Mein Urteil lautet deshalb, nicht am Ende, aber mit klaren Schwächen. Ob die Hochsaison den Betrieben Geld bringt, zeigt sich bald.

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Redaktionelle Hinweise

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Die Visaangaben gelten für Einreisen ab dem 15. September und beruhen auf dem Stand von Oktober. Die einmalige Verlängerung um 30 Tage stützt sich auf den Kabinettsbeschluss, die Handhabung kann je nach Immigration-Büro abweichen. Die Aussagen zu Pattaya sind teils Einschätzungen von Betreibern und Verbänden und beziehen sich auf unterschiedliche Zeiträume.

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