Zwei Jahre Traumschiff, sieben Stunden bis zum Rauswurf

Sieben Stunden zum Packen: Rund 200 Bewohner der „Odyssey“ stranden in Kambodscha. Der Betreiber nennt explodierende Spritkosten als Grund.

Zwei Jahre Traumschiff, sieben Stunden bis zum Rauswurf
Photo by Artem Kulinych on Pexels

SIHANOUKVILLE – Zwei Jahre lang war die Odyssey ihr Zuhause, am Dienstag war Schluss: Rund 200 Bewohner des Luxus-Kreuzfahrtschiffs mussten im kambodschanischen Hafen Sihanoukville von Bord, mit einer Frist von etwa sieben Stunden. Der US-Betreiber Villa Vie Residences hat den Betrieb ausgesetzt und begründet das mit explodierenden Spritkosten infolge des Iran-Kriegs.

Google Werbung

„Obdachlos“ am anderen Ende der Welt

Die Bewohner seien „tausende Meilen von ihren Heimatländern entfernt obdachlos zurückgelassen worden“, erklärte der stellvertretende Provinzgouverneur Long Dimanche laut n-tv.de. Die Betreiber hätten den Gästen nur sieben Stunden Zeit zum Packen gegeben.

Passagier Randy Cassingham hielt den Morgen auf seinem Blog fest. Um 7.08 Uhr Bordzeit habe Konzernchefin Kathy Villaba eine Nachricht im internen Bordforum veröffentlicht: Das Schiff habe den nötigen Treibstoff nicht beschaffen können, alle Bewohner müssten bis 14 Uhr von Bord. Ein „Tut mir leid“ suchte Cassingham in dem Text vergeblich.

Google Werbung

Sprit-Schock: Aus 1.800 werden bis zu 8.000 Dollar

Pro Kabine kostete der Treibstoff früher im Monat durchschnittlich rund 1.800 US-Dollar. Zuletzt seien es in Teilen Asiens geschätzt 6.000 bis 8.000 US-Dollar gewesen, teilte Villa Vie Residences mit. Das Unternehmen nennt als Ursache den Krieg um den Iran, der nach seinen Angaben Ende Februar begann.

Das Schiff fuhr langsamer und blieb länger in den Häfen. Es reichte nicht. „Die vollen Mehrkosten auf die Bewohner umzulegen, ist keine realistische Lösung“, erklärte das Unternehmen. Die Verluste könne es nicht länger tragen.

Google Werbung

Der Traum kostete bis zu 440.000 Dollar

Wer dauerhaft an Bord wohnen wollte, zahlte laut BBC zwischen 120.000 und 440.000 US-Dollar für eine Kabine. Manche Bewohner hatten dafür nach Angaben von n-tv.de ihr gesamtes Hab und Gut verkauft.

„Wir waren am Boden zerstört. Es fühlte sich an, als wäre unser Traum zerschlagen worden“, sagten Lanette Canen und Johan Bodin der BBC. Das Paar war nach eigenen Angaben um 6 Uhr morgens informiert worden. Trotzdem sei die Zeit an Bord „es wert“ gewesen.

Google Werbung

Die Pleite kam nicht aus heiterem Himmel

Schon der Start im Oktober 2024 in Belfast verlief holprig. Das Schiff legte nach Angaben von n-tv.de vier Monate später als geplant ab, weil es repariert werden musste. Laut BBC saßen Passagiere in Nordirland monatelang fest.

Auch die Bewohner wussten laut BBC seit Längerem von den Geldproblemen. Ein möglicher Investor sei an Bord gewesen, um die Bücher zu prüfen, eingestiegen sei er aber nicht. Passagierin Holly Hennessey sagte der BBC, man habe die Bewohner zuvor gebeten, einen Treibstoffzuschlag zu zahlen, und die Route sei stark gekürzt worden. Cassingham sprach von einer Kaskade von Problemen, die sich aufgetürmt hätten. Details will er später nachliefern.

Google Werbung

Gestrandet mit Katze „Captain“

Holly Hennessey sitzt nun in Kambodscha, ihre Siamkatze Captain bei sich. „Wir sind alle in verschiedenen Hotels, hier sind mehrere Mitbewohner vom Schiff. Wir warten einfach“, sagte Hennessey der BBC. Kambodscha sei nicht gerade ein Ort gewesen, an dem sie viel Zeit hätte verbringen wollen.

Stört Sie die Werbung?
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
ZUM ANGEBOT

Canen und Bodin nannten Sihanoukville einen schwierigen Ort zum Aussteigen, weil der nächste große internationale Flughafen weit entfernt sei. Die Odyssey war erst am vergangenen Freitag aus Thailand kommend in den Hafen zurückgekehrt. Das Unternehmen gibt sich nun 60 Tage für Umstrukturierung und Neufinanzierung, ein Ergebnis sei nicht garantiert. Eine Finanzierung steht bislang nicht, und die Bewohner sitzen derweil in Hotels.

Google Werbung

Was denkst DU? Schreib uns deine Meinung!

Lesen Sie auch: 83 Jahre, 16 Monate Overstay: Was einem Rentner in Thailand droht

Wie kann ein Unternehmen Menschen, die ihr Zuhause auf See gekauft haben, binnen eines Vormittags an Land setzen? Würden Sie je Ihr ganzes Erspartes in ein Leben auf dem Meer stecken? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare – wir sind gespannt, was DU dazu sagst!

Newsletter abonnieren

Newsletter auswählen:
Abonnieren Sie den täglichen Newsletter des Wochenblitz und erhalten Sie jeden Tag aktuelle Nachrichten und exklusive Inhalte direkt in Ihr Postfach.

Wir schützen Ihre Daten gemäß DSGVO. Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Wichtiger Hinweis für unsere Leser

Wir freuen uns auf Ihren Beitrag! Bitte beachten Sie für ein freundliches Miteinander unsere Regeln:

  • Höflichkeit: Keine Beleidigungen, Kraftausdrücke oder Gewaltandrohungen.
  • Sorgfalt: Bitte achten Sie auf die korrekte Schreibweise von Namen.
  • Quellen: Zitate nur mit Namensnennung (Internet-Links/URLs sind nicht erlaubt).
  • Themen: Bitte keine Kritik an der Regierung, der Monarchie oder Diskussionen zur Moderation.
Vorbehalt der Redaktion: Wir behalten uns das Recht vor, Kommentare nachträglich zu bearbeiten oder zu löschen, sollten diese gegen unsere Regeln oder geltendes Recht verstoßen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung besteht nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert


Daten bleiben 30 Tage lokal im Browser-Cookie.