Bitte pusten: Was Ausländern in Thailand bei der Kontrolle droht

Reicht ein Bier schon? Wie hoch ist die Grenze, was passiert auf der Wache und zahlt die Versicherung nach einem Unfall? Antworten für Urlauber und Expats.

Bitte pusten: Was Ausländern in Thailand bei der Kontrolle droht
KI generiertes Symbolbild

Alkohol am Steuer ist in Thailand kein Kavaliersdelikt mehr. Wer abends in einer Bar sitzt und danach selbst fahren will, muss mit Kontrollen rechnen, bei denen die Polizei keine Ausnahmen macht. Viele Urlauber und Expats kennen die Grenzwerte nur ungefähr und wissen nicht, was nach einem positiven Test auf sie zukommt. Dabei entscheidet das Wissen vor dem ersten Getränk darüber, ob aus einem Abend ein Strafverfahren wird.

Google Werbung

So läuft eine Alkoholkontrolle in Thailand ab

An Kontrollstellen halten Polizisten Autos und Motorräder an und lassen die Fahrer pusten. Gemessen wird in Milligramm Alkohol pro 100 Milliliter Blut, kurz mg%. Die Polizei hat landesweit die Anweisung, Verstöße streng zu verfolgen. Das gilt für Einheimische und Ausländer gleichermaßen.[1]

Eine Verwarnung gibt es nicht mehr. Die Royal Thai Police hat im Februar ausdrücklich angeordnet, dass erkannte Fälle sofort angezeigt werden. Damit fällt die Hoffnung weg, mit einem Hinweis davonzukommen. Fragen zu einer Kontrolle beantwortet die Verkehrspolizei rund um die Uhr unter der Hotline 1197.[1]

Google Werbung

Die Promillegrenze am Steuer

Für die meisten Fahrer gilt eine Grenze von 0,5 Promille. In Thailand wird sie als 50 mg% angegeben, gemeint ist derselbe Wert. Wer darüber liegt, gilt als betrunken und wird angezeigt. Maßgeblich ist allein das Messergebnis, nicht der Eindruck, den der Fahrer macht.[2]

Schon wenig Alkohol kann einen Fahrer über die Grenze bringen. Wie schnell das geht, hängt von Körpergewicht, Essen und der Zeit seit dem letzten Getränk ab. Das Gefühl, noch fahrtüchtig zu sein, ist deshalb kein Maßstab. Sicher ist nur, vor der Fahrt gar nichts zu trinken.

Google Werbung

Strengere Grenzen für Fahranfänger

Für drei Gruppen gilt die niedrigere Grenze von 0,2 Promille (20 mg%): Fahrer unter 20 Jahren, Inhaber eines vorläufigen Führerscheins und Fahrer ohne gültige Fahrerlaubnis. Das regelt eine Verordnung, die im Royal Gazette veröffentlicht wurde. Schon ein einziges Getränk kann diesen Wert überschreiten.[2]

Ein vorläufiger Führerschein gilt zwei Jahre. Wer einen ausländischen Führerschein umschreiben lässt, erhält zunächst ebenfalls diese Variante. Viele Expats fallen deshalb in die strengere Gruppe, ohne es zu wissen. Für sie bleibt nur eine sichere Regel: kein Alkohol vor der Fahrt.

Google Werbung

Atemtest verweigern

Wer den Atemtest verweigert, verbessert seine Lage nicht. Das Gesetz geht in diesem Fall von Trunkenheit am Steuer aus. Die Strafe entspricht dann der für einen betrunkenen Fahrer. Außerdem darf die Polizei bei einer Weigerung Urin- oder Blutproben nehmen.[3]

Zusätzlich kann ein zweiter Vorwurf entstehen, nämlich die Missachtung einer rechtmäßigen Anordnung eines Beamten. In einem Fall im Februar floh ein Fahrer nach der Weigerung und griff Polizisten an. Das erweiterte die Anklage deutlich. Wer kooperiert, begrenzt die Folgen zumindest auf den eigentlichen Verstoß.[1]

Google Werbung

Nach dem positiven Test: Polizeiwache und Kaution

Wer über der Grenze liegt, wird zur Polizeiwache gebracht und angezeigt. Die Fahrt ist an dieser Stelle zu Ende. Auf der Wache werden die Personalien aufgenommen. Erfahrungsberichte aus Pattaya zeigen, dass dafür die Kopie des Reisepasses oder der Führerschein genügt.[4]

Stört Sie die Werbung?
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
ZUM ANGEBOT

Gegen eine Kaution bleibt der Beschuldigte bis zum Termin frei. In einem Fall vor einem Bangkoker Gericht waren es 20.000 Baht in bar (rund 530 Euro). Ein Rentner berichtete von 100.000 Baht (rund 2.630 Euro), nachdem er nicht schuldig plädieren wollte. Ein amtlicher Einheitssatz ist nicht bekannt.[4]

Google Werbung

Der Weg vor Gericht

Nach der Anzeige entscheidet ein Gericht über die Strafe. Ein Rentner aus Pattaya bekannte sich schuldig, weil sonst erst nach Monaten verhandelt worden wäre. In einem Fall vor einem Bangkoker Gericht lautete das Urteil zwei Monate Haft, zur Bewährung auf zwei Jahre ausgesetzt, dazu sechs Monate Führerscheinsperre.[4]

Das Gericht kann eine Bewährung unter Aufsicht anordnen. Verurteilte melden sich dann bei einem Bewährungshelfer und leisten Sozialdienst, zum Beispiel an Kontrollstellen oder in der Hilfe für ältere Menschen. Wer ein Dokument in Thai unterschreiben soll, klärt vorher, was darin steht.[5]

Google Werbung

Geldstrafe und Haft beim ersten Verstoß

Beim ersten Verstoß sieht das Gesetz eine Geldstrafe von 5.000 bis 20.000 Baht vor (rund 130 bis 530 Euro). Dazu kommt Haft bis zu einem Jahr, das Gericht kann Geldstrafe, Haft oder beides verhängen. Die genaue Höhe legt es im Einzelfall fest.[6]

Der Führerschein wird für mindestens sechs Monate gesperrt oder ganz entzogen. Wer innerhalb von zwei Jahren erneut auffällt, riskiert 50.000 bis 100.000 Baht (rund 1.320 bis 2.630 Euro) und bis zu zwei Jahre Haft. Dann gilt eine Sperre von mindestens einem Jahr oder der Entzug.[6]

Google Werbung

Führerschein weg: Entzug und Punktesystem

Jeder Führerscheininhaber startet mit zwölf Punkten. Alkohol am Steuer kostet vier Punkte und damit den höchsten Abzug im System. Sind alle Punkte weg, wird der Führerschein für 90 Tage gesperrt. Abgezogene Punkte kommen nach einem Jahr zurück.[7]

Wer während der Sperre fährt, riskiert bis zu drei Monate Haft oder bis zu 10.000 Baht Geldstrafe (rund 260 Euro). Wer innerhalb von drei Jahren dreimal dasselbe Vergehen begeht, kann länger als 90 Tage gesperrt werden. Beim vierten Mal wird der Führerschein entzogen.[7]

Google Werbung

Unfall unter Alkohol: Verletzte und Todesfälle

Bei Verletzten steigt die Strafe deutlich. Der Rahmen liegt bei einem bis fünf Jahren Haft und 20.000 bis 100.000 Baht (rund 530 bis 2.630 Euro). Der Führerschein wird für mindestens ein Jahr gesperrt oder entzogen. Entscheidend ist, dass jemand an Körper oder Psyche Schaden nimmt.[6]

Bei Todesfällen sind es drei bis zehn Jahre Haft und 60.000 bis 200.000 Baht (rund 1.580 bis 5.260 Euro). In einem aktuellen Fall mit zwei Toten setzte ein Gericht vier Jahre an und halbierte sie nach einem Geständnis auf zwei Jahre ohne Bewährung. Das Gericht verwies dabei auf die fehlende Einigung mit den Hinterbliebenen.[8]

Google Werbung

Die Kfz-Versicherung zahlt nicht

Eine freiwillige Kfz-Versicherung zahlt nicht, wenn der Fahrer mehr als 50 mg% Alkohol im Blut hat. Das gilt für Schäden am eigenen Auto und für den Fahrer selbst, auch bei einer Police der höchsten Stufe. Die Aufsichtsbehörde hat diese Regel schon vor einigen Jahren eingeführt.[9]

Unfallopfer bleiben geschützt: Die Versicherung ersetzt dem Geschädigten den Schaden und fordert das Geld danach vom betrunkenen Fahrer zurück. Die Pflichtversicherung zahlt bei Verletzten und Toten weiter. Der Fahrer bleibt am Ende auf den Kosten sitzen, bei einem schweren Unfall können das hohe Summen sein.[9]

Google Werbung

Was eine Verurteilung für Visum und Aufenthalt bedeutet

Eine Verurteilung kann den Aufenthalt gefährden. Die neue Abschiebeverordnung erlaubt dem Innenminister, Ausländer nach verbüßter Strafe abzuschieben, wenn die Tat mit mindestens fünf Jahren Haft bedroht ist. Bei Unfällen mit Verletzten oder Toten reicht der Strafrahmen so weit.[10]

Eine Abschiebung ist nach der Verordnung auch ohne Urteil möglich, wenn das Verhalten die öffentliche Ordnung stört. Der Befehl kann ein befristetes Einreiseverbot enthalten. Ob eine einfache Verurteilung wegen Trunkenheit die Jahresverlängerung beeinflusst, ist nicht bekannt. Auskunft gibt das zuständige Immigration-Büro.[10]

Google Werbung

Sicher nach Hause kommen

Die Alternativen kosten wenig. In Zentral-Pattaya liegt eine Fahrt mit GrabCar meist bei 60 bis 200 Baht (rund 2 bis 5 Euro), mit GrabBike bei 30 bis 80 Baht (rund 1 bis 2 Euro). Die App zeigt den Preis vor der Buchung. Beide Dienste fahren auch spätabends.[11]

Wer fährt, entscheidet vor dem ersten Getränk, wie er nach Hause kommt. Fahrer und Beifahrer können sich vorher auf eine Regel einigen: Wer trinkt, lässt das Fahrzeug stehen. So bleibt der Abend ohne Anzeige, Sperre und Streit mit der Versicherung.

Google Werbung

Redaktionelle Hinweise

Lesen Sie auch: Hier lauert die neue Bar-Falle von Pattaya

Die Angaben haben den Stand Oktober. Strafrahmen und Grenzwerte können sich ändern, die Höhe der Strafe legt das Gericht im Einzelfall fest. Aktuelle Auskünfte gibt die Verkehrspolizei unter der Hotline 1197. Die Euro-Beträge sind mit 1 Euro gleich 38 Baht gerundet umgerechnet.

  1. Strenge Kontrollen ohne Verwarnung, Verweigerung gleich Trunkenheit: Thairath English ↩
  2. Grenzwerte 50 mg% und 20 mg%: Public Relations Department der Regierung; Messwert als Maßstab: Legardy ↩
  3. Urin- und Blutproben bei Weigerung: Bangkok Post ↩
  4. Kaution und Verfahren: Pattaya Mail (Urteil), Pattaya Mail (Erfahrungsbericht) ↩
  5. Bewährung und Sozialdienst: The Standard ↩
  6. Strafrahmen nach Landverkehrsgesetz: Thairath, Nation Thailand ↩
  7. Punktesystem und Sperre: Bangkok Post, Thairath English ↩
  8. Urteil bei zwei Todesopfern: Thairath English ↩
  9. Versicherungsschutz bei Alkohol: Bangkok Biz News, Chiang Rai Times ↩
  10. Abschiebeverordnung: Khaosod English, Rajah & Tann ↩
  11. Grab-Preise in Pattaya: GoAsia ↩

Newsletter abonnieren

Newsletter auswählen:
Abonnieren Sie den täglichen Newsletter des Wochenblitz und erhalten Sie jeden Tag aktuelle Nachrichten und exklusive Inhalte direkt in Ihr Postfach.

Wir schützen Ihre Daten gemäß DSGVO. Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Wichtiger Hinweis für unsere Leser

Wir freuen uns auf Ihren Beitrag! Bitte beachten Sie für ein freundliches Miteinander unsere Regeln:

  • Höflichkeit: Keine Beleidigungen, Kraftausdrücke oder Gewaltandrohungen.
  • Sorgfalt: Bitte achten Sie auf die korrekte Schreibweise von Namen.
  • Quellen: Zitate nur mit Namensnennung (Internet-Links/URLs sind nicht erlaubt).
  • Themen: Bitte keine Kritik an der Regierung, der Monarchie oder Diskussionen zur Moderation.
Vorbehalt der Redaktion: Wir behalten uns das Recht vor, Kommentare nachträglich zu bearbeiten oder zu löschen, sollten diese gegen unsere Regeln oder geltendes Recht verstoßen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung besteht nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert


Daten bleiben 30 Tage lokal im Browser-Cookie.