Mindestens ein großer Kfz-Versicherer in Thailand nimmt ab 70 keine Neukunden mehr an. Wer davon betroffen ist, steht vor einem Markt, der auf diese Frage keine klare Antwort gibt. Manche Anbieter schweigen, einer hat einen Senior-Tarif veröffentlicht, und eine neue OIC-Regelung von 2026 verändert die Spielregeln für alle. Was tatsächlich gilt und welche Optionen bleiben, hängt vom Alter, vom Anbieter und vom Vertrag ab.
Kfz-Versicherung ab 70 in Thailand: Was Roojai wirklich sagt
Roojai ist der meistbesuchte Online-Kfz-Versicherer Thailands und für viele Expats der erste Anlaufpunkt. Auf der eigenen Website steht es klar: Neuverträge werden für Fahrer zwischen 20 und 70 Jahren abgeschlossen. Wer 71 ist und noch kein Roojai-Kunde war, bekommt dort keinen neuen Vertrag. So weit, so eindeutig.
Die Altersgrenze gilt ausdrücklich nur für Neuverträge. Wer bereits bei Roojai versichert ist, kann die Police nach schriftlicher Auskunft des Unternehmens weiterführen. Roojai hat Bestandskunden bestätigt, dass ein vor dem 70. Geburtstag abgeschlossener Vertrag weiterläuft. Wer also rechtzeitig Kunde geworden ist, verliert seinen Schutz nicht automatisch mit dem Geburtstag.
Bangkok Insurance: Der einzige Senior-Tarif mit klarer Altersgrenze
Bangkok Insurance ist der einzige große Anbieter, der auf seiner Website einen Tarif ausdrücklich für Fahrer ab 55 Jahren bewirbt. Das Produkt heißt „อุ่นใจวัยเก๋า“, zu Deutsch etwa „Sorglos im reifen Alter“, und ist eine Typ-1-Vollkasko für Versicherungsnehmer zwischen 55 und 75 Jahren. Kein Nachweis eines benannten Fahrers erforderlich, nur Personalausweis, Führerschein und Fahrzeugpapiere.
Die Bedingungen sind konkret: Das Fahrzeug muss zwischen zwei und 15 Jahre alt sein, und nicht alle Modelle sind versicherbar. Bangkok Insurance führt eine Liste akzeptierter Marken und Typen von Ford über Honda bis Toyota. Die Versicherungssumme beträgt 80 Prozent des aktuellen Fahrzeugwerts. Ab 76 Jahren greift dieser Tarif nicht mehr. Was dann gilt, sagt das Unternehmen nicht.
Kfz-Versicherung für Fahrer ab 70: Was AXA und Allianz veröffentlichen
AXA Thailand nennt auf keiner Produktseite eine Fahrer-Altersobergrenze. Was das Unternehmen veröffentlicht: Fahrzeuge bis 20 Jahre Alter sind versicherbar, die OIC-Namensfahrer-Regeln werden umgesetzt, Dashcam-Rabatt ist möglich. Ob ein 75-jähriger Neukunde einen Vertrag bekommt, ist aus der Website nicht ablesbar. Das ist eine Frage, die direkt an AXA gestellt werden muss.
Allianz Ayudhya hat etwas Konkretes veröffentlicht, aber es ist kein Limit: Ab 50 Jahren gibt es beim Namensfahrer-Tarif den höchsten Altersrabatt von 20 Prozent auf die Grundprämie. Das bedeutet, Allianz kalkuliert Fahrer ab 50 nicht als Hochrisikogruppe, sondern als erfahrenste und damit günstigste Kategorie. Eine Altersgrenze nach oben steht auf keiner Produktseite.
Viriyah, MSIG, Tokio Marine, Sompo: Was die Großen schweigen
Viriyah ist Marktführer in Thailand. MSIG, Tokio Marine und Sompo sind internationale Adressen mit starker lokaler Präsenz. Keiner dieser Anbieter nennt auf den geprüften Produktseiten eine Fahrer-Altersobergrenze. Viriyah beschreibt in seinem FAQ das Alter lediglich als einen von mehreren Prämienfaktoren: Jüngere Fahrer zahlen mehr, weil sie häufiger Schäden verursachen. Eine Ablehnung ab 70 oder 75 ist daraus nicht ableitbar.
Das bedeutet nicht, dass diese Anbieter jeden Antrag annehmen. Versicherungsentscheidungen in Thailand laufen oft über Agenten und Broker, die individuell prüfen. Was veröffentlicht ist, ist die Untergrenze der Information. Was intern gilt, steht auf einem anderen Blatt. Wer über 70 ist und einen neuen Vertrag sucht, kommt an einer direkten Anfrage bei diesen Unternehmen oder einem unabhängigen Broker nicht vorbei.
Die neue Namensfahrer-Pflicht 2026 und was sie für ältere Fahrer bedeutet
Seit dem 1. Januar 2026 gilt für alle freiwilligen Kfz-Versicherungen in Thailand: Mindestens ein Fahrer muss namentlich in der Police eingetragen sein, maximal fünf. Das ist die OIC-Verordnung Nr. 45 und 46/2567, umgesetzt von allen Anbietern. Name, Geburtsdatum, Ausweis- und Führerscheinnummer müssen hinterlegt werden. Für Fahrer, die bisher anonym fuhren, ändert sich damit strukturell etwas.
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Der entscheidende Punkt für Ältere: Wer bei einem Unfall am Steuer sitzt und nicht als benannter Fahrer im Vertrag steht, zahlt 6.000 Baht Selbstbehalt auf Drittschäden und zusätzlich 2.000 Baht auf den eigenen Fahrzeugschaden, vorausgesetzt er trägt die Schuld. Das ist kein Altersfilter, aber es schafft eine Situation, in der die Frage, wer rechtlich der Hauptfahrer ist, mehr Gewicht bekommt als früher.
Fahrzeug auf die Partnerin übertragen: Wie das rechtlich funktioniert
Eine Lösung, die in der Praxis funktioniert: Das Auto wird auf die Thai-Partnerin oder einen jüngeren Familienangehörigen umgemeldet, der dann als Hauptfahrer versichert wird. Wer dann selbst fährt, lässt sich als Zweitfahrer eintragen, sofern der Versicherer das akzeptiert. Für die Ummeldung selbst ist das Department of Land Transport (DLT) zuständig; Kosten und Dokumente sind im Wochenblitz-Leitfaden zum Fahrzeugwechsel aufgeführt.
Diese Konstruktion hat einen Haken, der mit der neuen Namensfahrer-Regelung schärfer geworden ist. Wer als Zweitfahrer eingetragen ist, muss beim Abschluss oder bei der Verlängerung des Vertrags mit Führerscheindaten hinterlegt sein. Gibt es einen Schaden und der Zweitfahrer war am Steuer, prüft der Versicherer die Einträge. Wer nicht in der Police steht, zahlt den Selbstbehalt, unabhängig vom Alter.
Als Zweitfahrer eingetragen: Rechte, Risiken und der Selbstbehalt im Schadensfall
Die neue OIC-Regelung erlaubt bis zu fünf benannte Fahrer pro Vertrag. Für die Praxis älterer Expats bedeutet das: Ein Vertrag läuft auf die jüngere Partnerin als Hauptfahrerin, der Expat wird als Zweitfahrer eingetragen. Beide sind namentlich erfasst. Dieser Weg ist nach aktuellem Stand legal und von den Anbietern nicht ausdrücklich ausgeschlossen, solange der Versicherer den Zweitfahrer ohne Altersvorbehalt akzeptiert.
Was nicht funktioniert: einfach nichts eintragen und hoffen. Wer bei einem selbstverschuldeten Unfall am Steuer sitzt und nicht in der Police steht, zahlt den Selbstbehalt. Was ebenfalls nicht funktioniert: den Vertrag auf jemand anderen ausstellen lassen und selbst als Hauptfahrer auftreten, ohne eingetragen zu sein. Das ist kein juristisches Graugebiet mehr, sondern eine belegte Kostenfalle.
Por Ror Bor: Was die Pflichtversicherung abdeckt und was fehlt
Die Por Ror Bor ist Pflicht für jedes zugelassene Fahrzeug in Thailand. Sie kostet für einen normalen Pkw 646 Baht pro Jahr, wird altersunabhängig ausgestellt und deckt Personenschäden bis 500.000 Baht. Das klingt nach Grundschutz. Es ist keiner, sobald es ernst wird. Sachschäden am Fahrzeug des Unfallgegners sind vollständig ausgeschlossen. Jeder Baht kommt aus der eigenen Tasche.
Wer in Thailand nur mit Por Ror Bor unterwegs ist und jemanden rammt, haftet für Reparaturkosten, Totalschaden oder Personenschäden jenseits von 500.000 Baht komplett selbst. Bei einem neueren Fahrzeug des Gegenübers kann das schnell in den Millionenbereich gehen. Wie das im Schadensfall konkret aussieht, hat der Wochenblitz bereits am Beispiel eines deutschen Expats beschrieben.
Farang und Schuld: Was bei einem Unfall in Thailand wirklich passiert
Dass Ausländer in Thailand automatisch als schuldig gelten, ist eine Vereinfachung, die juristisch nicht stimmt. Das Thai-Recht kennt kein Prinzip, das Farang per Gesetz haftbar macht. Was es kennt: Unfallregulierungen, die oft vor Ort zwischen den Beteiligten ausgehandelt werden. Der Druck auf den Ausländer ist dabei real, weil er als wohlhabend gilt und weil Thai-sprachige Zeugenaussagen schwer zu kontern sind.
Das ist kein Alarmismus, sondern die beschriebene Praxis. Wer ohne vollständige freiwillige Versicherung unterwegs ist und in diese Situation gerät, verhandelt allein. Wer eine Vollkasko mit Haftpflichtabdeckung hat, ruft den Versicherer an, der dann übernimmt. Por Ror Bor allein ist kein akzeptabler Schutz. Nicht für Expats, und schon gar nicht für ältere Fahrer, die bei einem Unfall auf die schnelle Unterstützung ihres Versicherers angewiesen sind.
Kfz-Versicherung in Thailand ab 70: So gehen Expats jetzt konkret vor
Wer unter 70 ist: Roojai, AXA oder Allianz direkt anfragen und vergleichen. Alle drei stehen ohne publizierte Altersgrenze da. Bangkok Insurance ist eine Option, wenn das Fahrzeug in die Modellliste passt und man zwischen 55 und 70 Jahren alt ist. Wer über 70 ist und noch Bestandskunde bei einem Anbieter: Police nicht kündigen, Verlängerung anfragen, schriftliche Bestätigung einholen. Kein freiwilliger Wechsel ohne gesicherten Anschlussvertrag.
Wer über 70 ist und noch keinen Vertrag hat: Einen unabhängigen Broker einschalten, der mehrere Anbieter gleichzeitig anfragen kann. Vergleichsportale geben erste Orientierung, aber Altersgrenzen sind dort oft nicht sichtbar. Das Angebot klärt sich erst im konkreten Antrag. Fahrzeugummeldung auf einen jüngeren Fahrer als Hauptfahrer mit eigener Eintragung als Zweitfahrer ist eine rechtlich saubere Lösung, sofern der Versicherer alle Beteiligten akzeptiert.
Redaktionelle Hinweise
Die Angaben zu Altersgrenzen und Vertragsbedingungen basieren auf den öffentlich zugänglichen Produktseiten der genannten Versicherer, Stand August 2026. Anbieter, die keine Altersgrenze veröffentlichen, können intern andere Regeln anwenden. Diese lassen sich nur durch direkte Anfrage klären. Vor jedem Vertragsabschluss oder -wechsel empfiehlt sich die schriftliche Bestätigung durch den Versicherer selbst oder einen unabhängigen Broker.

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