BANGKOK, Thailand – Thai Airways soll für den Ausfall der Hälfte seiner Belegschaft planen. Rungradit fordert klare Schwellen dafür, welche Arbeiten bei Personalmangel weiterlaufen, reduziert oder gestoppt werden. Anlass ist eine Störung, bei der Beschäftigte wegen Überflutungen nicht zur Arbeit gelangen konnten.
Klare Schwellen für den Notfall
Rungradit schlägt vor, vorab festzulegen, was bei sinkender Personalstärke geschieht: Welche Maßnahmen greifen, wenn weniger als 80 Prozent der Beschäftigten verfügbar sind? Welche Arbeiten werden unter 60 Prozent reduziert und welche unter 50 Prozent sofort gestoppt oder übertragen?
Die Prozentwerte sind Beispiele für mögliche Auslöser und keine Beschreibung einer geltenden Regel bei Thai Airways. Rungradit zufolge sollte die Fluggesellschaft bei Engpässen zuerst den Kernbetrieb sichern und dann entscheiden, welche weiteren Aufgaben noch möglich sind.
Kernbetrieb zuerst, schnelle Entscheidungen vor Ort
Wer trotz stark sinkender Personalzahl alle Verpflichtungen aufrechterhalten wolle, riskiere Engpässe, schrieb Rungradit. Die Fluggesellschaft müsse daher festlegen, welche Nebenarbeiten oder Dienstleistungen für andere Airlines mit den verbleibenden Kräften weiterlaufen können.
Führungskräfte an der Front und auf mittlerer Ebene sollten im Notfall genug Befugnisse haben, um den Betrieb rasch anzupassen. Entscheidungen dürften nicht erst mehrere Führungsebenen durchlaufen, während sich die Probleme verschärfen.
Personalabbau kann Erfahrung und Reserven kosten
Nach der Krise von 2020 senkte Thai Airways die Kosten und baute Personal ab. Die Umstrukturierung umfasste auch Änderungen der Arbeitsbedingungen. Rungradit räumte ein, dass die Umstrukturierung zur Erholung der Fluggesellschaft beigetragen habe. Er fragte aber, ob damit auch Erfahrung, Fähigkeiten und verfügbare Personalreserven verloren gingen.
„Haben wir mit dem Personalabbau auch die Reserven der Organisation verringert?“, fragte Rungradit. Eine Fluggesellschaft, die nur knapp genug Personal für den normalen Alltag einplane, könne bei Überschwemmungen, Pandemien oder unterbrochenen Verkehrsverbindungen Schwierigkeiten bekommen.
Bindung lässt sich nicht verordnen
Rungradit verwies auf das Verhalten, bei dem Beschäftigte freiwillig mehr tun, als ihr Arbeitsvertrag verlangt. Bei den Überschwemmungen von 2011 hätten Mitarbeiter weitergearbeitet, ohne dazu aufgefordert worden zu sein oder ihre zusätzlichen Stunden zählen zu lassen. Viele hätten das Unternehmen als ihr Zuhause empfunden.
Eine solche Verbundenheit wachse über lange Zeit und lasse sich weder befehlen noch mit Tageslöhnen kaufen, schrieb Rungradit. Beschäftigte externer Dienstleister dürften aber nicht dafür kritisiert werden, dass ihr Arbeitsverhältnis anders geregelt ist.
Outsourcing braucht klare Grenzen
Die Aufgaben externer Beschäftigter richten sich nach ihren Verträgen. Thai Airways könne nicht erwarten, dass jede Gruppe dieselbe Bindung an die Fluggesellschaft entwickelt wie Mitarbeiter, die einen großen Teil ihres Berufslebens dort verbracht haben.
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Die Lehre sei nicht, dass Outsourcing grundsätzlich falsch sei, schrieb Rungradit. Die Fluggesellschaft müsse vielmehr bestimmen, bei welchen Aufgaben sie Wissen, Erfahrung, Personalreserven und Verbundenheit im eigenen Haus halten sollte.
Finanzielle Sanierung muss den Betrieb absichern
Für die Sanierung 2020 und 2021 plante Thai Airways, Kosten zu senken, die Flotte zu verkleinern, den Betrieb umzustrukturieren und die Belegschaft von rund 29.000 auf höchstens etwa 15.000 Mitarbeiter zu reduzieren. Rungradit erkannte die wirtschaftlichen Gründe für diese Schritte und ihren Beitrag zum finanziellen Überleben der Airline an.
Er stellte jedoch die Frage, ob die Fluggesellschaft zugleich dafür gesorgt habe, den Betrieb bei unerwarteten Störungen aufrechtzuerhalten. Aus Sicht eines Sicherheitsmanagementsystems müssten Personalabbau, Umstrukturierung und mehr Outsourcing deshalb in einem formellen Verfahren zur Prüfung von Veränderungen bewertet werden, nicht nur nach ihren Kosten. Personalveränderungen veränderten laut Rungradit auch Teile des Sicherheitssystems. Ihre betrieblichen Folgen müssten geprüft werden.
Notfallpläne müssen auch Beschäftigte einbeziehen
Rungradit fordert Notfallpläne, die neben IT-Systemen und Ausweichstandorten auch die Beschäftigten berücksichtigen. Dazu gehören Unterkünfte in Flughafennähe, Transportmöglichkeiten durch überschwemmte Gebiete, Reserveteams und Mitarbeiter, die in mehreren Abteilungen arbeiten können.
Für Aufgaben, die Sicherheit, Betrieb und Passagiererlebnis direkt betreffen, sollte Thai Airways eine angemessene Mindestzahl eigener Mitarbeiter vorhalten. Bei Personalentscheidungen dürften die Kosten nicht das einzige Kriterium sein.
Vertrauen und Ursachenprüfung statt persönlicher Schuldzuweisung
Rungradit fordert transparente Kommunikation, faire Behandlung, Anerkennung und praktische Hilfe für Beschäftigte in einer Krise. Bei einer Untersuchung nach dem Sicherheitsmanagementsystem solle die Fluggesellschaft Schwachstellen finden und beheben, statt einzelne Mitarbeiter oder Führungskräfte für die Störung verantwortlich zu machen.
Die Sanierung habe Thai Airways geholfen, wieder Tritt zu fassen, schrieb Rungradit. Nun müsse die Fluggesellschaft klären, ob sie auf eine vorhersehbare Lage vorbereitet war, in der die Hälfte der Belegschaft ausfällt. Was denkst du darüber? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare.

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