Papa zieht nach Pattaya: Was die Kinder wirklich denken

Er ist 62, frisch getrennt, hat eine Wohnung in Pattaya und eine Freundin halb so alt wie seine Tochter. Was die Familie darüber denkt – und warum niemand es laut sagt.

Papa zieht nach Pattaya: Was die Kinder wirklich denken
KI generiertes Symbolbild

Irgendwann kommt der Anruf. Papa hat eine neue Wohnung. In Pattaya. Und eine neue Freundin. Die Kinder – selbst Mitte dreißig, selbst verheiratet, selbst mit Kleinkind auf dem Arm – stehen am Telefon und wissen nicht, was sie sagen sollen. Nicht weil sie keine Meinung hätten. Sondern weil jede Meinung das Falsche wäre.

Dieses Szenario ist kein Einzelfall. In den Expat-Communitys von Pattaya, Hua Hin und Chiang Mai ist die Geschichte zigmal erzählt worden: Mann, 60 oder knapp darunter, Scheidung oder stille Trennung nach drei Jahrzehnten Ehe, Rente läuft an oder steht kurz bevor, und plötzlich zieht er ab. Die Familie in Deutschland, Österreich oder der Schweiz bleibt zurück. Und versteht es nicht.

Papa in Pattaya – was die Kinder zuerst denken

Was erwachsene Kinder in solchen Momenten denken, ist selten das, was sie sagen. Was sie sagen: „Papa, wir verstehen das nicht.“ Was sie denken: Er hat die Familie aufgegeben. Er hat Mama gedemütigt. Er sucht sich eine Jüngere und nennt das Freiheit. Und wir sollen jetzt so tun, als wäre das normal.

Diese Reaktion ist menschlich. Sie ist auch nicht vollständig falsch. Aber sie ist unvollständig. Denn was der Vater getan hat, ist selten so einfach wie es von außen aussieht – und selten so edel, wie er selbst es manchmal beschreibt. Die Wahrheit liegt meist in der Mitte, und die Mitte interessiert im Moment des ersten Schocks niemanden.

Die Freundin, die jünger ist als die Tochter

Das ist der Punkt, über den niemand offen reden will – und der trotzdem alles überlagert. Die neue Partnerin ist zwanzig, fünfundzwanzig, dreißig. Die Tochter ist zweiunddreißig. Das rechnet sich jeder aus, auch wenn er es nicht ausspricht. Und der Vater weiß das. Und er sagt trotzdem nicht viel dazu, weil er keine gute Antwort hat, die nicht noch schlimmer klingt als das Schweigen.

Was die Kinder in diesem Moment erleben, ist kein einfacher Generationenkonflikt. Es ist die Erkenntnis, dass ihr Bild vom Vater – Verlässlichkeit, Stabilität, der Mann der immer da war – mit einer einzigen Nachricht zerbrochen ist. Nicht weil er glücklich sein will. Sondern weil er scheinbar egal ist, was das mit den anderen macht. Ob das stimmt, spielt für das Gefühl keine Rolle.

Telefonate, die ins Leere gehen

Am Anfang ruft er noch an. Erzählt vom Wetter, vom Essen, von der Wohnung mit Meerblick. Die Kinder hören zu und sagen wenig. Irgendwann rufen sie selbst seltener an. Nicht aus Böswilligkeit – sondern weil jedes Gespräch mit dem gleichen unbehaglichen Unterton endet: Was soll man fragen, wenn man die Antworten nicht hören will? Wie geht es dir, Papa. Gut, sehr gut. Und dann?

Was dabei stirbt, ist nicht die Liebe. Was stirbt, ist die Selbstverständlichkeit. Das gemeinsame Weihnachten, das nicht mehr stattfindet. Die Enkel, die den Großvater nur vom Bildschirm kennen. Die Mutter, die plötzlich allein ist und das nicht zugeben will. Expats in Pattaya erzählen diese Geschichten untereinander – manche mit Schulterzucken, manche mit schlechtem Gewissen, das sie nie ganz loswerden.

Was der Vater sucht – und ob er es findet

Hier wird es unbequem. Wer die Männer kennt, die diesen Schritt machen, weiß: Es geht selten nur um die junge Frau. Es geht um das Gefühl, noch einmal von vorne anfangen zu können. Noch einmal gebraucht zu werden. Noch einmal interessant zu sein. Das ist keine Entschuldigung. Aber es ist eine Erklärung, die ehrlicher ist als „er hat eine Midlife-Crisis“ – weil sie zeigt, was darunter steckt: ein Mann, der in seinem alten Leben unsichtbar geworden ist.

Ob er findet, was er sucht, ist eine andere Frage. Manche ja. Manche sitzen zwei Jahre später allein in ihrer Wohnung, die Freundin längst weg, der Kontakt zur Familie auf Weihnachts-WhatsApp geschrumpft, und fragen sich, ob der Preis gerechtfertigt war. Manche bereuen nichts. Die Kinder werden es in beiden Fällen schwer haben, das zu akzeptieren.

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Was Kinder tun können – und was nicht

Es gibt kein Rezept. Aber es gibt einen Irrtum, dem viele erwachsene Kinder in dieser Situation verfallen: Sie glauben, sie müssen den Vater zurückbringen oder zumindest zum Nachdenken bewegen. Das gelingt nie. Ein Mann, der diese Entscheidung getroffen hat, lässt sich von erwachsenen Kindern nicht umstimmen. Versuche, es trotzdem zu tun, kosten nur Beziehung.

Was realistisch bleibt: Kontakt halten, ohne zu verurteilen. Grenzen setzen, ohne zu strafen. Und akzeptieren, dass der Vater eine Person ist, die Entscheidungen trifft – auch schlechte, auch solche, die wehtun. Das ist keine Versöhnung. Das ist Erwachsenwerden in einer Situation, die niemand gewählt hat.

Unterhalt und Erbrecht: Was viele Expat-Väter verdrängen

Jenseits der Gefühle gibt es Fragen, die sich stellen – und die viele Männer in der Aufbruchseuphorie verdrängen. Die Unterhaltspflicht gegenüber der Ex-Frau endet nicht mit dem Umzug nach Thailand. Deutsches, österreichisches und Schweizer Recht gilt weiter, solange die Ex-Partnerin im Heimatland lebt und Ansprüche geltend macht. Wer glaubt, mit dem Flug nach Bangkok sei das erledigt, liegt falsch.

Wer in Thailand erbt oder vererbt, bewegt sich außerdem in einem Rechtssystem, das sich grundlegend vom DACH-Recht unterscheidet. Testamente, Nachlassregelungen, gesetzliche Erbanteile – das alles folgt anderen Regeln. Eine auf Thailand spezialisierte Rechtsberatung ist kein Luxus, sondern Pflichtprogramm – am besten noch vor dem Abflug.

Krankenversicherung in Thailand: Was die DACH-Kasse nicht abdeckt

Die gesetzliche Krankenversicherung aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz deckt im Regelfall keine Behandlungen in Thailand ab – oder nur in sehr begrenztem Umfang. Wer dauerhaft hier lebt, braucht eine internationale Krankenversicherung für Expats in Thailand. Das ist keine Frage des Alters, sondern des Verstandes.

Je früher man sie abschließt, desto günstiger fallen in der Regel die Konditionen aus – Vorerkrankungen werden mit zunehmendem Alter häufiger ausgeschlossen oder höher bepreist. Wer mit sechzig nach Pattaya zieht und das Thema auf die lange Bank schiebt, zahlt das früher oder später. Meistens buchstäblich.

Redaktionelle Hinweise

Unterhalts- und Erbrechtsansprüche richten sich nach dem Recht des jeweiligen Heimatlandes und gelten unabhängig vom Wohnsitz. Für individuelle Fragen zu Unterhalt, Erbrecht oder Aufenthaltsstatus in Thailand empfiehlt die Redaktion das Gespräch mit einer auf internationales Recht spezialisierten Kanzlei.

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Ein Kommentar zu „Papa zieht nach Pattaya: Was die Kinder wirklich denken

  1. Das DENKEN der meist erwachsenen Kinder, wenn Papa nach Scheidung / Tod bzw. Trennung von Frau + Kinder/n, ausgerechnet – nach Pattaya – verschwindet, ist geprägt von Vorurteilen die sich um den “ Mythos Pattaya “ seit Jahrzehnten immer weiter verbreiten + wohl niemals enden. Gerade “ die Alte “ egal ob in D/A/oder der CH, die einen schon seit langer Zeit nur noch geärgert hat + von der man nur froh ist – endlich – geschieden zu sein, bringt einen doch dazu einen “ besseren Ort “ als das bisherige zuhause zu suchen. Viele erinnern sich – in dieser oder ähnlicher – Situation an Erzählungen von Anderen vorher – die auch DIESEN WEG gegangen sind – auf dem Weg ins (vermeintliche) Glück am Ende eines Lebensweg – der absehbar ist. Wenn die Rente naht oder kurz davor – meint der Mann oft – etwas verpaßt zu haben, was er nunmehr noch unbedingt verwirklichen möchte. Ihn deshalb zu verurteilen ist sicher – nicht – gerechtfertigt.

    Spätestens dann wenn ihn, im Männerparadies Pattaya – schwere gesundheitliche Probleme ereilen – wünscht sich Mann – eine gesicherte gesundheitliche Versorgung zurück auf Krankenkasse, die somit auch “ bezahlbar “ ist. Also ohne Millionen Bath teure Krankenhausrechnungen in Privatkrankenhäusen wie in Thailand. Wie oft – schon berichtet – reichen kleine Rentenzahlungen zwar zu Leben in Thailand – aber oft nicht – für eine gesundheitliche Absicherung mit privater Auslandskrankenversicherung.

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