Groß-Razzia in Pattaya: Polizei sprengt illegale Russen-Netze

Ausländer schmuggeln sich über Strohmänner in Luxusvillen: Ein verheerendes Geflecht aus 33 Firmen zieht jetzt die Aufmerksamkeit des Staates auf sich. Welches bittere Ende droht den Tätern nach dem Schlag in Pattaya?

Groß-Razzia in Pattaya: Polizei sprengt illegale Russen-Netze
KhaoSod

PATTAYA – Großrazzia im Villenviertel. Mit über 200 Einsatzkräften durchsuchten Polizei und Verwaltungsbehörden am 17. Juli 2026 ein als „russisches Dorf“ beworbenes Luxusprojekt in Chonburi. Der Vorwurf: Ausländer sollen sich mit Hilfe nicht existenter thailändischer Strohmänner illegal Grund und Boden erschlichen haben. Der Schaden geht in die Hunderte Millionen.

Operation „Phase 4“ rollt 41 Ziele auf

Die großangelegte Operation „Zerschlagung des ausländischen Nominee-Netzwerks Phase 4“ nahm zeitgleich 41 Orte in der Provinz Chonburi ins Visier. Angeführt wurde sie von Polizei-Generalleutnant Samran Nuanma und Polizei-Generalleutnant Nophasin Phulsawat.

33 Unternehmen wurden durchsucht, Aktenberge, Werbeprospekte und Steuerunterlagen sichergestellt. Der von den Behörden bezifferte Gesamtschaden durch die mutmaßlich illegalen Geschäfte beläuft sich auf 235 Millionen Baht.

Der Russe und die unbekannten Teilhaber

Ein zentraler Ort des Geschehens war das Haus von Igor, einem russischen Staatsbürger. Die Beamten trafen ihn persönlich an. Igor zeigte sich bei den ersten Befragungen kooperativ.

Er gab an, genau zu wissen, dass ihm als Ausländer kein Land gehören darf. An seiner Firma hält er die erlaubten 49 Prozent. Die Thailänder, die die restlichen 51 Prozent halten und so das Konstrukt ermöglichten, kenne er jedoch nicht persönlich – sein Anwalt habe sie vermittelt.

Sechs Häuser im Familienbesitz

Nur wenige Meter weiter stießen die Ermittler auf ein noch größeres Netzwerk. Der Russe Brussia Yusup und seine Familie sollen hier ganze sechs Häuser in dem Dorf besitzen, ebenfalls getarnt durch thailändische Strohmänner.

Die Werbung lief über eine russische Website, die das Dorf als „russisches Dorf“ bewarb. Die Behörden beschlagnahmten Werbematerialien.

„Wir tolerieren das nicht“

Polizei-Generalleutnant Samran fand nach der Durchsuchung deutliche Worte. Die Behörden könnten es nicht hinnehmen, dass im großen Stil mit einem „russischen Dorf“ geworben werde und die Regeln zum Landerwerb systematisch umgangen würden.

Buchhalter und Anwälte wurden festgenommen. Die Ermittlungen basieren auf einer Ausweitung der Operation vom April, bei der eine ausländische Immobilienmaklerin festgenommen wurde.

Vorladung für 33 Ausländer

Die Razzia war erst der Anfang. Gegen 33 ausländische Staatsbürger, die Anteile an den untersuchten Firmen halten, wurden umgehend Vorladungen ausgestellt.

Stört Sie die Werbung?
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
ZUM ANGEBOT

Sie müssen sich nun zu den Besitzverhältnissen äußern. Bei vielen der in den Papieren aufgeführten thailändischen Teilhaber stellte sich heraus: Sie existieren schlicht nicht – ein klarer Hinweis auf falsche Registrierungen.

Millionenschaden durch Scheinfirmen

Die Ermittlungen zeigen, wie tief das System reicht. Zwei thailändische Lizenzinhaber, offiziell als Buchhalter tätig, hielten Anteile an einer Unmenge von Firmen: eine Person an 146 Unternehmen im Wert von 142 Millionen Baht, die andere an 40 Firmen mit einem Wert von 74 Millionen Baht.

Diese Konstrukte waren direkt mit Grundbesitz in Chonburi verknüpft. Insgesamt sollen so 775 Häuser in sechs Projekten mit einem Gesamtwert von über fünf Milliarden Baht unter ausländische Kontrolle gebracht worden sein.

Die putzende Nachbarin sieht nichts

Ein Bild der Diskretion zeichnete eine Hausangestellte, die neben Igors Anwesen arbeitet. Sie komme nur einmal pro Woche zum Putzen und bekomme kaum etwas mit, so ihre Aussage.

Sie wisse weder, was die russischen Nachbarn beruflich machen, noch kenne sie deren Lebensumstände. Sie gab an, die russischen Nachbarn nicht persönlich zu kennen und nicht mit ihnen kommunizieren zu können.

Strafanzeige und harte Konsequenzen

Die Einwanderungs- und Provinzpolizei von Chonburi hat Strafanzeige gegen die russischen Gruppen und alle Beteiligten erstattet. Die Vorwürfe lauten auf Verstoß gegen das Gesetz über ausländische Geschäftstätigkeiten von 1999 und das Landgesetz.

Polizei-Generalleutnant Samran betonte, Thailand heiße Touristen und Investoren stets willkommen. Doch von Anwaltskanzleien bis zu den Käufern müssten sich alle an die geltenden Gesetze halten. Die Auswertung der beschlagnahmten Beweise dauert an.

Hintergrund der Ermittlungen

In der Provinz Chonburi sind 76.343 juristische Personen registriert, davon 28.463 mit ausländischen Anteilseignern. 14.264 dieser Firmen stehen unter dem Verdacht der Nutzung von Strohmännern.

Lesen Sie auch: Polizei jagt gesuchte Ausländer in Bangkok

Die Behörden unterscheiden zwischen der Gruppe „MR. I“ (Igor), die Häuser verkauft, und der „Familie B“ (Brussia Yusup), die Häuser vermietet. Gegen beide Gruppen wurden Strafanzeigen erstattet.

Lesen Sie auch: Thai-ausländisches Hochzeitspaar verweigert Catering-Rechnung

Newsletter abonnieren

Newsletter auswählen:
Abonnieren Sie den täglichen Newsletter des Wochenblitz und erhalten Sie jeden Tag aktuelle Nachrichten und exklusive Inhalte direkt in Ihr Postfach.

Wir schützen Ihre Daten gemäß DSGVO. Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung.
Quelle: Khaosod Thai

Wichtiger Hinweis für unsere Leser

Wir freuen uns auf Ihren Beitrag! Bitte beachten Sie für ein freundliches Miteinander unsere Regeln:

  • Höflichkeit: Keine Beleidigungen, Kraftausdrücke oder Gewaltandrohungen.
  • Sorgfalt: Bitte achten Sie auf die korrekte Schreibweise von Namen.
  • Quellen: Zitate nur mit Namensnennung (Internet-Links/URLs sind nicht erlaubt).
  • Themen: Bitte keine Kritik an der Regierung, der Monarchie oder Diskussionen zur Moderation.
Vorbehalt der Redaktion: Wir behalten uns das Recht vor, Kommentare nachträglich zu bearbeiten oder zu löschen, sollten diese gegen unsere Regeln oder geltendes Recht verstoßen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung besteht nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert


Daten bleiben 30 Tage lokal im Browser-Cookie.