Der Fall der russischen Geschwister Diana und Roman Nazimova hat am 3. August eine Wendung genommen, die über die fünf gefundenen Leichen hinausgeht. In Chonburi melden sich Menschen, die den Hauptverdächtigen aus früheren Jahren kennen – darunter eine Frau, die nach eigener Darstellung bereits vor Jahren an derselben Stelle bei Khao Chi Chan verscharrt werden sollte und schwer verletzt entkam. Parallel wies das Gericht in Pattaya die Haftbeschwerden ab, die Justizvollzugsanstalt richtete Sonderbewachung ein, und ein früherer Justizminister meldete sich zu Wort.
Eine Frau, die Khao Chi Chan überlebt haben will
Am 1. August berichtete Khaosod über einen Facebook-Beitrag, in dem ein Mann schilderte, seine Mutter sei vor Jahren beinahe getötet worden. Reporter suchten die Familie auf und sprachen mit dem Sohn, den die Zeitung nur „Herr A“ nennt. Seine Mutter habe damals eine Beziehung zu dem heute 43-jährigen Hauptverdächtigen geführt. Der habe sich als früherer Polizist ausgegeben und angeboten, Betäubungsmittel zu beschaffen.
Nach einem Streit sei sie aus dem Haus in ein abgelegenes Gebiet bei Khao Chi Chan gebracht worden. Unterwegs habe der Mann erwähnt, dort seien schon mehrere Menschen verscharrt worden. Danach wurde sie mit einem Gegenstand angegriffen und lebensgefährlich verletzt.
Ein gestürztes Motorrad rettete ihr das Leben
Ein Begleiter habe darauf gedrängt, den Ort zu wechseln, weil Anwohner etwas bemerken könnten. Auf dem Weg zur zweiten Stelle stürzte das Motorrad. Die Frau riss es an sich, fuhr davon und erreichte schwer verletzt Pattaya, wo ein Passant sie ins Krankenhaus brachte. Sie überlebte.
Ihr Sohn suchte nach ihr – und wurde mit einer Waffe bedroht
Während des Verschwindens seiner Mutter sei er selbst zu dem Haus des Mannes gefahren, sagte „Herr A“ gegenüber Khaosod. Dort sei er mit einer Waffe bedroht worden. Die Familie habe seither in ständiger Angst gelebt, weil der Mann angekündigt habe, nach seiner Haftentlassung zurückzukommen. Von der Festnahme habe er mit Erleichterung erfahren.
Khaosod weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich um Angaben der Betroffenen und ihrer Angehörigen handelt. Die Polizei prüft sie derzeit. Ob daraus ein eigenes Verfahren wird, ist offen. Der Sohn fordert, alte Anzeigen noch einmal durchzugehen – er glaubt nicht, dass seine Mutter der einzige Fall dieser Art ist.
Eine 22-Jährige soll wochenlang festgehalten worden sein
Am 3. August berichtete das Mittagsmagazin des thailändischen Senders Channel 3 über einen weiteren Vorwurf. Eine 22-jährige Frau soll wegen eines angeblich verschwundenen Gegenstands gefesselt, verschleppt und über Wochen in einem Haus festgehalten worden sein. Sie sei dort festgesetzt und gezwungen worden, Tabletten zu schlucken, die ihr als Allergiemittel ausgegeben wurden. Freigekommen sei sie erst mit der Festnahme Ende Juli. Auch dieser Vorwurf ist bislang nicht gerichtlich geklärt.
Kaution abgelehnt, zwei getrennte Aktenzeichen
Am 1. August führte die Polizeistation Huai Yai die Beschuldigten dem Provinzgericht Pattaya vor. Für den Fall der beiden russischen Geschwister läuft die Untersuchungshaft unter dem Aktenzeichen ฝ.596/2569, für den Fall der dreiköpfigen Thai-Familie unter ฝ.597/2569. Beantragt wurden jeweils zwölf Tage. Die Anträge auf vorläufige Freilassung wies das Gericht zurück: hohes Strafmaß, schwerwiegende Umstände, Fluchtgefahr, Widerspruch der Ermittler.
Die Vorwürfe umfassen gemeinschaftlichen vorsätzlichen Mord zur Verdeckung einer anderen Straftat, gemeinschaftlichen Raub zur Nachtzeit, das Tragen einer Polizeiuniform unter Mitführung einer Schusswaffe sowie unerlaubten Waffen- und Munitionsbesitz. Vier Männer sind beschuldigt, fünf Menschen sind tot.
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„Fluke“: Der vierte Beschuldigte unter Sonderbewachung
Am Morgen des 3. August fuhr Pol. Col. Pasakorn Paijit, Leiter der Kriminalpolizei Chonburi, zur Polizeistation Na Jomtien in Sattahip. Dort wird der jüngste Beschuldigte, genannt „Fluke“, getrennt von den übrigen untergebracht. Das Gericht in Pattaya hatte die zusätzliche Vernehmung genehmigt.
Er blieb bei seiner Aussage: Beteiligt sei er allein an dem Fall der Thai-Familie, an nichts sonst. Er sei der Schwager eines Mitbeschuldigten und in die Sache hineingezogen worden. Während der Vernehmung weinte er nach Angaben anwesender Beamter durchgehend.
Ein Schaltgetriebe als Ermittlungsansatz
Die Ermittler interessieren sich für ihn aus einem praktischen Grund: Er ist der Einzige der vier, der ein Fahrzeug mit Schaltgetriebe bewegen kann. Der Pick-up der Thai-Familie war ein solches Fahrzeug. Am Nachmittag wurde er zurück zum Gericht und anschließend in die Justizvollzugsanstalt Pattaya gebracht.
Gerücht über einen weiteren Fall in Rayong bleibt unbestätigt
Ein Grund für die erneute Vernehmung war ein Gerücht: In Ban Chang in der Provinz Rayong soll es Anfang Juli einen ähnlich gelagerten Vorfall gegeben haben. Aus der Befragung ergab sich dazu kein Anhaltspunkt. Die Ermittler halten die Spur offen, belegt ist sie nicht.
Isolation und Kameraüberwachung in der Haftanstalt Pattaya
Anstaltsleiter Patsapong Jaiklongklaeo erklärte am 3. August, drei der vier Beschuldigten seien inzwischen aufgenommen. Alle drei durchlaufen fünf Tage Quarantäne in Einzelunterbringung, rund um die Uhr beobachtet – gegen Selbstverletzung ebenso wie gegen Übergriffe anderer Gefangener. Mitbeschuldigte werden nicht gemeinsam untergebracht, und die Anstalt prüft, ob frühere Kontakte der Männer dort einsitzen.
Körperlich sei der Zustand aller drei unauffällig, sie äßen normal, wirkten weder verängstigt noch angespannt, eher teilnahmslos. Zu Berichten über eine psychiatrische Vorgeschichte des Hauptverdächtigen sagte der Anstaltsleiter, das Eingangsscreening habe nichts ergeben; Pflegepersonal und eine klinische Psychologin begleiteten den Fall weiter.
Drei Haftaufenthalte und ein Vorfall hinter Gittern
Aus den Akten der Anstalt geht hervor, dass der 43-Jährige dort bereits dreimal einsaß. 2021 war er an einer Auseinandersetzung unter Gefangenen beteiligt und wurde deshalb in das Zentralgefängnis Rayong verlegt. Der letzte Fall vor seiner Entlassung war versuchter Mord.
Zum Entlassungsdatum kursieren zwei Angaben: Die Anstalt Pattaya nennt den 2. Juni, andere Berichte den 5. Juni. Verbüßt hat er nach Angaben der Strafvollzugsbehörde sieben Jahre, sieben Monate und 25 Tage wegen versuchten Mordes, Waffen- und Drogendelikten. Zwischen Entlassung und dem 26. Juli lagen keine acht Wochen.
Auflagen, die niemanden aufhielten
Vor der Entlassung hatte ein Gremium aus Vollzug, Bewährungshilfe, Verwaltung und Gesundheitsdienst das Rückfallrisiko bewertet. Das Provinzgericht Rayong ordnete daraufhin Nachsorgeauflagen für zwei Jahre an: keine Beteiligung an verdächtigen Aktivitäten, vierteljährliche Meldung bei der Bewährungshilfe, Teilnahme an einem Resozialisierungsprogramm.
Zur Frage der elektronischen Fußfessel stellte der Anstaltsleiter klar: Die Haftanstalt schlägt sie bei schweren Fällen regelmäßig vor, entschieden wird auf Antrag der Staatsanwaltschaft durch das Gericht. Nach einer rechtskräftigen Verurteilung wegen Mordes fielen Gefangene in die unterste Klassifizierungsstufe – Vergünstigungen und vorzeitige Entlassung rücken damit auf Jahre außer Reichweite.
Früherer Justizminister fordert die Höchststrafe
Peerapan Salirathavibhaga, Vorsitzender der Partei Ruam Thai Sang Chart und von 2008 bis 2011 Justizminister, äußerte sich am 3. August zu dem Verfahren. Als Richter – er war vor seiner politischen Laufbahn im Justizdienst – würde er bei klarer Beweislage auf das härteste Strafmaß erkennen, das das thailändische Strafgesetzbuch vorsieht.
Seine Begründung: Ein Rückfall dieser Schwere kurz nach der Entlassung zeige, dass Freiheitsstrafe hier nichts bewirkt habe. Er forderte die Ermittler auf, neben den Tatbeständen auch die Vorgeschichte lückenlos zu dokumentieren, damit die Staatsanwaltschaft ihren Antrag entsprechend begründen könne. Bei rechtskräftigen Urteilen dieser Kategorie solle der Vollzug ohne Verzögerung folgen.
Die eigene Tante spricht sich gegen eine Freilassung aus
Bemerkenswert deutlich äußerte sich die Tante des Hauptverdächtigen. Sie werde keine Kaution stellen und akzeptiere jedes Urteil des Gerichts. Sie habe gehofft, ihr Neffe beginne nach der Haft ein neues Leben. Keine zwei Monate später sitzt er erneut in Untersuchungshaft, diesmal in einem Verfahren mit fünf Toten.
Was mit den Leichen der fünf Opfer geschieht
Pol. Col. Warawut Nittayawan, Leiter der Polizeistation Huai Yai, dankte am 3. August der Rettungsorganisation Sawang Boriboon Thammasathan Pattaya für vier Tage Suche und die Bergung aller fünf Toten. Die Stiftung übernimmt die Überführung vom Institut für Rechtsmedizin des Polizeikrankenhauses in Bangkok zurück nach Chonburi, wo die religiösen Zeremonien stattfinden sollen. Erwartet wurde die Rückführung für den 4. August.
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Bei einer derartigen Tat,ob bewiesen oder auch nicht, frage ich mich wer sind die Antragsteller für Kautionen oder sonstige Vergünstigungen. Diese Personen gehören ins Licht gestellt weil Diese viel gefährlicher als die vermeintlichen Täter sind.