Spiez, Schweiz – Eine Studie aus dem Labor Spiez zeigt, dass das Andes-Hantavirus noch bis zu 71 Monate nach einer Infektion im Sperma eines Patienten nachweisbar war, obwohl es aus Blut, Urin und Atemwegen verschwunden war. Die Ergebnisse wecken Sorgen, weil sie eine biologische Möglichkeit sexueller Übertragung nahelegen und damit neue Empfehlungen für Überlebende und Kontakte zur Debatte stellen.
Virus-Rückstand fast sechs Jahre sichtbar
Forscher untersuchten einen 55-jährigen Mann, der vor etwa sechs Jahren mit dem Andes-Hantavirus infiziert worden war und bei dem das Virus in Blut, Urin und Atemwegen nicht mehr nachweisbar war.
Im Sperma fanden die Wissenschaftler jedoch noch genetisches Material des Virus, das theoretisch bis zu 71 Monate beziehungsweise etwa 5 Jahre und 11 Monate nach der Infektion nachweisbar sein kann.
Studie aus dem Labor Spiez in Fachjournal veröffentlicht
Die Untersuchung stammt von einem Team des Schweizer Labors Spiez und wurde 2023 in der Fachzeitschrift Viruses veröffentlicht. Die Arbeit wurde von Experten geprüft.
Mehrere Medien griffen die Studie erneut auf, nachdem es auf dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius zu einem Ausbruch des Andes-Hantavirus gekommen war.
Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff forderte Todesfälle
Beim Ausbruch auf der MV Hondius starben nach Berichten insgesamt drei Menschen. Die WHO stuft den Vorfall nicht als Pandemie-Bedrohung ein.
Die Weltgesundheitsorganisation erklärte zugleich, dass weitere Infizierte aus dem Cluster gefunden werden könnten und die Lage weiterhin überprüft werde.
Hoden als möglicher „Schutzraum“ für Viren
Die Studie erklärt, dass die Hoden als sicherer Hafen für Viren gelten, weil das Immunsystem Spermien nicht angreift, was einigen Erregern erlaubt, dort zu überdauern.
Ähnliche Persistenz wurde bereits bei Ebola und Zika beobachtet, doch ein bestätigter Fall sexueller Übertragung des Hantavirus beim Menschen ist bislang nicht dokumentiert; die Studie spricht von einer biologischen Möglichkeit.
Behörden- und Expertenempfehlungen
Die WHO empfiehlt für Ebola-Überlebende, das Sperma alle drei Monate testen zu lassen und geschützten Geschlechtsverkehr zu praktizieren, bis zwei negative Tests vorliegen.
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Das Analyseunternehmen Airfinity rät, bei Infizierten mit Andes-Hantavirus auch nach Ablauf der üblichen 42-tägigen Quarantäne strenge sexuelle Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten.
Debatte um Schutzregeln und nächste Schritte
Die Ergebnisse haben eine wissenschaftliche Debatte ausgelöst, ob für Hantavirus-Überlebende Empfehlungen zum Sexualverhalten analog zu denen bei Ebola nötig sind.
Während die WHO die Ausbreitungsgefahr des MV Hondius-Ausbruchs nicht als globales Risiko einschätzt, empfehlen Experten wie Airfinity vorsorgliche Maßnahmen und Behörden prüfen weiter mögliche Fälle im Cluster.



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