BANGKOK, THAILAND – Thailand hat schätzungsweise rund 10 Millionen Schusswaffen in privatem Besitz – mehr als jedes andere ASEAN-Land. Fast 4,1 Millionen davon sollen nicht registriert sein. Nach einer Schießerei an einer Schule in Nonthaburi stehen Waffenkontrollen und der Zugang zu illegalen Waffen erneut im Mittelpunkt.
Fast 40 Prozent der Waffen sind nicht registriert
Nach Angaben des Small Arms Survey entfallen auf Thailand etwa 15 zivile Schusswaffen je 100 Einwohner. Das entspricht ungefähr einer Waffe auf sieben Menschen.
Rund 6,2 Millionen Schusswaffen sollen registriert sein. Etwa 4,1 Millionen weitere liegen demnach außerhalb des Registrierungssystems.
Thailand liegt bei privaten Waffen klar vorn
Die Philippinen folgen mit schätzungsweise 3,8 Millionen zivilen Schusswaffen und einer Dichte von 3,6 je 100 Einwohner. Für Kambodscha werden 720.000 Waffen oder 4,5 je 100 Einwohner angegeben.
Laos und Malaysia kommen jeweils auf rund 220.000 Schusswaffen. Die Dichte liegt bei drei je 100 Einwohner in Laos und 0,7 in Malaysia. Indonesien wird trotz einer Bevölkerung von mehr als 263 Millionen auf 82.000 zivile Waffen geschätzt, Singapur auf 20.000 oder 0,3 je 100 Einwohner.
Private Bestände übersteigen Militär und Polizei
Die thailändischen Streitkräfte besitzen laut den Schätzungen 1.052.815 Schusswaffen, die Strafverfolgungsbehörden rund 230.000. Damit ist der zivile Bestand etwa zehnmal größer als der Militärbestand und rund 45-mal größer als der Bestand der Strafverfolgungsbehörden.
Nur für Thailand, die Philippinen und Myanmar wird angegeben, dass die Zahl der privaten Schusswaffen über den zusammengefassten Beständen von Streitkräften und Sicherheitsbehörden liegt.
Waffenkauf ist geregelt und kann Monate dauern
Waffenhändler dürfen Schusswaffen in Thailand nur mit Lizenz und in begrenzten Mengen verkaufen. Auch bei Waffen und Munition gelten jährliche Beschränkungen. Antragsteller müssen mindestens 20 Jahre alt sein und einen Grund wie Selbstverteidigung, Sport oder Jagd nennen.
Für Dokumente und den Import fallen Gebühren an. Nach Angaben des Artikels kann der Kauf einer Schusswaffe bis zu sechs Monate dauern. Aaron Karp vom Small Arms Survey beschreibt die thailändischen Gesetze als weder besonders streng noch besonders freizügig. Ihre Wirkung hänge davon ab, wie Bevölkerung und Behörden die Regeln wahrnehmen und befolgen.
Schwarzmarkt und Grenzschmuggel bleiben Sorgen
Nach dem Massaker in einer Kindertagesstätte in Nong Bua Lamphu im Jahr 2022 beschrieb TIME Thailand als ein Land mit ausgeprägter Waffenkultur. Das Magazin verwies auf Verkäufe über den Schwarzmarkt und auf Waffen, die über die Grenzen zu Myanmar und Kambodscha geschmuggelt worden sein sollen.
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Paul Chambers, ein Wissenschaftler für südostasiatische Politik, erklärte, Schusswaffen seien weiterhin relativ leicht zu beschaffen, vor allem in Grenzregionen. Experten verwiesen außerdem auf Fälle, in denen für Polizei oder Militär bestimmte Waffen durch Angehörige von Militär, Polizei oder paramilitärischen Einheiten in private Hände gelangt seien. Die Waffenkontrollen und die Verfügbarkeit illegaler Waffen stehen damit erneut unter Beobachtung.
Thailand bei Sicherheitsgefühl und Todesfällen auffällig
Laut einer vom East Asia Forum zitierten Gallup-Umfrage aus dem Jahr 2022 schnitt Thailand in ASEAN beim wahrgenommenen Sicherheitsgefühl beim nächtlichen Alleingehen am schlechtesten ab. Die Umfrage erfasste außerdem Erfahrungen mit Diebstahl oder Übergriffen.
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Nach Angaben des East Asia Forum weist Thailand zudem die zweithöchste Rate an Todesfällen durch Schusswaffen pro 100.000 Einwohner in ASEAN auf – hinter den Philippinen.
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