BANGKOK – Thailands Tourismusstrategen müssen umplanen. Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten zwingt die Tourism Authority of Thailand (TAT), ihr Langstreckenziel für 2026 von 11 auf 10 Millionen Besucher zu senken. Gleichzeitig kämpft die Behörde mit steigenden Hotelpreisen und neuer Konkurrenz aus Vietnam und China.
Nahost-Konflikt hat Langstreckenziel kassiert
TAT-Gouverneurin Thapanee Kiatphaibool räumte ein, dass die anhaltenden Spannungen der Behörde einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. Das ursprüngliche Ziel von 11 Millionen Langstrecken-Besuchern für 2026 sei nicht mehr zu halten.
„Seit der Konflikt am 28. Februar ausbrach und mehr als drei Monate andauerte, ist der Markt im Nahen Osten praktisch verschwunden“, erklärte Chiravadee Khunsub, stellvertretende Gouverneurin für internationales Marketing. Normalerweise kämen rund 800.000 Besucher pro Jahr aus dieser Region.
30 Prozent weniger Sitzplätze über Nahost-Drehkreuze
Der Konflikt hat die Langstrecken-Sitzplatzkapazität über Drehkreuze im Nahen Osten um schätzungsweise 30 Prozent einbrechen lassen. Die TAT muss nun umdisponieren und ihre Abhängigkeit von diesen Luftverkehrsknotenpunkten verringern.
Thapanee betonte, die Fluganbindung sei die Kernmaßnahme für die touristische Erholung. Bis 2027 will die TAT die Passagiersitzplatzkapazität auf mehr als 100 Prozent des Niveaus von 2019 wiederherstellen – damals begrüßte Thailand fast 40 Millionen ausländische Touristen.
Direktflüge schützen, Drehkreuze umbauen
Die Behörde setzt nun auf eine „3R“-Strategie: Retain, Reshape, Recovery. Der erste Punkt zielt darauf ab, bestehende Direktflugverbindungen besonders in der Nebensaison zu erhalten – keine leichte Aufgabe bei höheren Ölpreisen und Treibstoffunsicherheit.
Beim Umbau der Drehkreuze konzentriert sich die TAT verstärkt auf ostasiatische Fluggesellschaften wie EVA Air, China Airlines und Korean Air. Auch Turkish Airlines mit ihrem Drehkreuz Istanbul bleibt ein wichtiger Partner für starke Verbindungen aus europäischen Städten.
Langstrecken-Touristen sind die Großverdiener
Besucher aus entfernten Märkten bleiben länger und geben mehr aus. 2025 generierten sie 685 Milliarden Baht Umsatz – ein Plus von 13,6 Prozent. Europa steuerte 8,25 Millionen Ankünfte bei, Amerika 1,57 Millionen.
Chiravadee zeigte sich zuversichtlich: „Touristen aus Europa und Amerika sind stabil geblieben. Diese Märkte sind widerstandsfähig und können sich schnell erholen.“ Die Top-10-Langstreckenmärkte 2025 waren Russland, Großbritannien, USA, Deutschland, Frankreich, Israel, Italien, Niederlande, Kanada und Polen.
Fünf-Sterne-Zimmer für 7.000 Baht – Vietnam lockt günstiger
Thailand will künftig stärker auf Value Tourism setzen – hochwertigeres Reisen mit höheren Gesamtausgaben. Doch der Wettbewerb wird härter: Ein Fünf-Sterne-Hotelzimmer in Thailand kostet oft rund 7.000 Baht pro Nacht.
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In Vietnam liegt der Preis bei etwa 3.000 Baht, ähnlich günstig sind chinesische Städte wie Kunming. „Thailand muss deutlicher über Erfahrung, Service und Markenstärke konkurrieren, nicht nur über den Preis“, sagte Chiravadee.
China und Indien sollen Kurzstrecke stabilisieren
Nahegelegene asiatische Märkte machen rund 65 Prozent aller ausländischen Ankünfte aus. Pattaraanong Na Chiangmai, zuständig für Marketing in Asien und Südpazifik, peilt für 2026 etwa 21 Millionen Kurzstrecken-Ankünfte an.
China steht mit einem Ziel von 7,5 Millionen Besuchern im Fokus. In den ersten fünf Monaten 2026 kamen bereits 2,31 Millionen Chinesen – ein Plus von 18,35 Prozent. Der in Thailand gedrehte Film „Love Letter to Grandma“ soll zusätzliches Interesse an Orten wie Bangkoks Yaowarat-Viertel wecken.
Südkorea bricht um 20 Prozent ein
Während China zulegt, bereitet Südkorea Sorgen. Die Ankünfte sanken in den ersten fünf Monaten um fast 20 Prozent auf 539.000 Besucher. Die TAT macht dafür mehrere Gründe verantwortlich.
Darunter die starke Konkurrenz aus Vietnam mit günstigeren Angeboten und mehr Flügen, die schwächere südkoreanische Wirtschaft sowie der starke Baht. Weniger Direktverbindungen nach Thailand tun ihr Übriges.
Sorge um Indien-Geschäft durch Ende der Visafreiheit
Für Indien hat die TAT ein Ziel von 2,59 Millionen Besuchern 2026 gesetzt. Doch die Entscheidung des Kabinetts, die 60-tägige Visafreiheit für 93 Länder zu beenden, könnte das Geschäft beeinträchtigen.
Die genauen Auswirkungen bleiben abzuwarten, sobald die Änderung offiziell in Kraft tritt. Die Behörde beobachtet die Entwicklung mit Sorge, da Indien einer der wichtigsten Wachstumsmärkte ist.
2027 wird zum Stresstest für Thailands Tourismus-Pläne
Thailands Herausforderung ist komplexer geworden: Es geht nicht mehr nur um steigende Besucherzahlen, sondern um den Wiederaufbau von Flugverbindungen, die Diversifizierung von Drehkreuzen und die Schärfung des Markenprofils für zahlungskräftigere Gäste. Für 2027 plant die TAT, ihre Auslandsbüros unter einem neuen Rahmen zu führen, der breitere Marktreichweite, längere Nachfrage über das Jahr und tiefere Zusammenarbeit mit Airlines und Tourismuspartnern bringen soll. Das Sitzplatzkapazitätsziel wird zur entscheidenden Bewährungsprobe.
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Thailand peilt neues Wunder an, diese Überschrift trifft voll zu.
Wenn man denn Wunder nur „planen“ könnte! Aber träumen darf man ja und schon 1970 wusste Katja Ebstein „Wunder gibt es immer wieder“… 😂