BANGKOK – Das russische Außenministerium schlägt Alarm und warnt seine eigenen Bürger eindringlich vor Reisen nach Thailand. Der Grund: Washington könnte russische Staatsangehörige durch Bangkoks Auslieferungskooperation mit den USA ins Visier nehmen. Die drastische Warnung kam am 12. Juni und rät selbst von Transitaufenthalten auf thailändischen Flughäfen ab.
Klare Ansage aus Moskau
Das Ministerium ließ in seiner Erklärung keinen Raum für Interpretationen. „Wir raten russischen Bürgern, die auch nur den geringsten Grund zu der Annahme haben, dass sie Gegenstand einer strafrechtlichen Verfolgung durch US-Behörden sein könnten, dringend davon ab, nach Thailand zu reisen“, hieß es wörtlich.
Die Beamten in Moskau begründeten diesen Schritt mit einer deutlichen Zunahme amerikanischer Rechtsmaßnahmen gegen russische Staatsbürger seit Beginn der Militäroperation in der Ukraine vor vier Jahren. Thailand sei zwar freundschaftlich eingestellt, doch US-Geheimdienste hätten angeblich bereits Operationen gegen Russen im Land durchgeführt.
Der Fall Denis Obrez als Auslöser
Die Warnung folgt auf die Festnahme des mutmaßlichen russischen Hackers Denis Obrez. Er wurde im November in Thailand verhaftet und erschien kürzlich vor einem US-Gericht.
Für das russische Außenministerium ist das offenbar der Beweis, dass Thailand zu einem Jagdrevier für US-Ermittler geworden ist. Das beliebte Urlaubsziel sei demnach ein Ort, an dem Washington seine Fälle mit russischen Bürgern konsequent verfolgt.
Reisebranche in Russland verunsichert
Der Verband der Reiseveranstalter Russlands (ATOR) gab an, bislang keine Kenntnis von verhafteten russischen Reiseveranstaltern in Thailand zu haben. Dennoch riet die Organisation allen Bürgern, die in den USA rechtliche Komplikationen befürchten, strikt den Anweisungen des Außenministeriums zu folgen.
Die Warnung löste unter Akteuren der Tourismusbranche spürbare Besorgnis aus. Immerhin verzeichnete Thailand im vergangenen Jahr fast 1,9 Millionen russische Besucher – die höchste Zahl unter den europäischen Ländern.
Thailand kontert mit Fakten und Freundschaft
Das thailändische Außenministerium reagierte prompt auf die russische Reisewarnung. Es betonte, dass die Beziehungen zwischen beiden Ländern in allen Bereichen der Zusammenarbeit weiterhin stark seien.
Zudem verwies Bangkok auf das bevorstehende Jubiläum: 2027 feiern Thailand und Russland das 170-jährige Bestehen ihrer diplomatischen Beziehungen. Ein klares Signal, dass man die Partnerschaft nicht durch den aktuellen Konflikt gefährden will.
Rechtssicherheit für alle Besucher
Thailändische Beamte machten unmissverständlich klar, dass russische Staatsangehörige im Land unter dem vollen Schutz des thailändischen Rechts stünden. Gerichtsverfahren würden unabhängig von der Nationalität nach denselben Standards durchgeführt.
Das Land heiße weiterhin Besucher aus allen Nationen willkommen, einschließlich Russland. Mit fast 1,9 Millionen russischen Gästen allein im vergangenen Jahr bleibt Thailand ein Sehnsuchtsziel – trotz der düsteren Warnung aus Moskau.



Es wäre schön, würden die Warnungen auch fruchten!