Behörden-Willkür in Thailand: So wehrte sich ein Resident erfolgreich

Ein Leser berichtet über überraschende Gebührenforderungen bei der Einwanderungsbehörde in Buriram und fragt: Ist das offizielle Praxis oder Willkür?

Behörden-Willkür in Thailand: So wehrte sich ein Resident erfolgreich
KI-generiertes Symbolbild

Sehr geehrte Redaktion, liebe Leserinnen und Leser,

ich möchte Ihnen von einem Erlebnis berichten, das ich kürzlich bei der Einwanderungsbehörde hatte. Es hat mich ehrlich gesagt ziemlich beschäftigt – und ich glaube, es betrifft nicht nur mich.

Ich lebe seit mehr als zwanzig Jahren in Thailand und halte mich an die Regeln des Landes. Das war mir immer wichtig. Umso mehr hat mich dieser Vorfall getroffen – nicht wegen des Geldes, sondern weil er das Vertrauen in behördliche Abläufe erschüttert, das man sich über Jahre aufbaut.

Ich war zur Einwanderungsbehörde gefahren, um meine routinemäßige 90-Tage-Meldung abzugeben. Ein Bekannter von mir hatte dieselbe Fälligkeit, und da ich sowieso hingefahren bin, habe ich angeboten, seinen Pass gleich mitzunehmen und die Meldung für ihn zu erledigen. Das ist hier unter Ausländern absolut üblich und hat in all den Jahren nie irgendwelche Probleme gemacht.

Am Schalter übergab ich pflichtgemäß beide Pässe. Eine jüngere Angestellte nahm die Dokumente wortlos entgegen – und reichte sie dann an ihre Vorgesetzte weiter, ohne mir etwas zu erklären.

Die Vorgesetzte verlangte daraufhin hundert Baht – für die Bearbeitung des Passes meines Bekannten. Ich wies sie höflich, aber bestimmt darauf hin, dass die 90-Tage-Meldung eine kostenlose staatliche Dienstleistung ist. Ihre Begründung: Wer seinen Bericht nicht persönlich einreiche, sondern durch jemand anderen, müsse eben diese Gebühr bezahlen.

In all den Jahren, in denen ich diese Meldungen für mich und gelegentlich auch für Bekannte erledigt habe, bin ich noch nie mit einer solchen Forderung konfrontiert worden. Ich habe mich geweigert zu zahlen. Hundert Baht sind natürlich kein großes Geld – das weiß ich selbst. Aber darum ging es mir in diesem Moment überhaupt nicht.

Wenn eine staatliche Dienstleistung kostenlos ist, dann ist sie kostenlos – ob man nun selbst erscheint oder jemanden schickt. Eine Behörde kann nicht einfach nach Belieben Gebühren erfinden. Auf meine Weigerung hin wurde die Beamtin zunehmend unfreundlicher.

Sie drohte, die Meldung für meinen Bekannten nun doch nicht anzunehmen. Was die Sache besonders pikant machte: Den Bestätigungsstempel samt Datum hatte sie da bereits gut sichtbar in seinen Pass eingetragen. Der Eintrag war also schon gemacht – und trotzdem wollte sie plötzlich zurückrudern.

Ich blieb ruhig, setzte mich wieder auf den Stuhl vor dem Schalter und bat sie sachlich, den bereits eingetragenen Stempel offiziell zu stornieren. Mir war dabei klar, was das für meinen Bekannten bedeutet hätte: eine eigene Anreise von rund 160 Kilometern, ungeplant und auf eigene Kosten. Das war keine angenehme Vorstellung. Aber es lag in diesem Moment nicht in meiner Hand – ich war jedenfalls nicht bereit, einer offensichtlich unberechtigten Forderung nachzugeben.

Stört Sie die Werbung?
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
ZUM ANGEBOT

Zu meiner aufrichtigen Überraschung lenkte sie schließlich ein. Kein Kommentar, keine Erklärung – sie verzichtete auf die hundert Baht, händigte mir die fertigen Dokumente aus und forderte mich knapp auf, das Gebäude zu verlassen.

Und damit komme ich zu meiner eigentlichen Frage an die Redaktion und an die Leserschaft: Ist das vielleicht tatsächlich eine neue offizielle Regelung, von der ich nichts weiß? Wurde irgendwo still und leise eingeführt, dass Vertretungen bei der 90-Tage-Meldung etwas kosten? Oder war das schlicht ein Versuch, sich auf Kosten eines ahnungslosen Ausländers ein paar Baht dazuzuverdienen?

Ich freue mich auf eine sachliche Einschätzung der Redaktion und auf Erfahrungsberichte anderer Leser, die vielleicht Ähnliches erlebt haben. Mit freundlichen Grüßen, ein aufmerksamer Resident.

Anmerkung der Redaktion:

Newsletter abonnieren

Newsletter auswählen:
Abonnieren Sie den täglichen Newsletter des Wochenblitz und erhalten Sie jeden Tag aktuelle Nachrichten und exklusive Inhalte direkt in Ihr Postfach.

Wir schützen Ihre Daten gemäß DSGVO. Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung.

26 Kommentare zu „Behörden-Willkür in Thailand: So wehrte sich ein Resident erfolgreich

  1. Komme seit 34 Jahren hierher. Der Abzocke sind hier keine Grenzen gesetzt. Wenn sie auch nicht die Ausgeburt der Intelligenz sind, sind sie nahezu Weltmeister wenn es ums abzocken geht. Die Wohnsitzbescheinigung ist mir da ein besonderer Dorn im Auge. Seit gefühlt immer, nimmt die immigration Gebühren dafür, obwohl dies auch endgeld los sein sollte. Aber bei der immigration Pattaya beißt man da auf Granit. Es wurde sogar immer teurer. Und seit einigen Jahren gibt es sie auch nicht mehr am gleichen Tag. Man muss am nächsten Tag wieder kommen . Widerliche Abzocke und Quälerei für die Ausländer. Es ist für mich nur erklärlich, das seit jeher die [entfernt] das sagen haben. Der normale thai wäre dazu kaum imstande . Noch eine Frage. Wenn man den Pass eines ausländischen Freundes zur immigration mitnimmt für die 90 Tage. Brauchen Sie da eine Vollmacht des Freundes oder brauchen Sie da gar nichts

    Redaktioneller Hinweis: Teile dieses Kommentars, die gegen die Regeln verstoßen haben, wurden entfernt.

  2. Was mir an der Geschichte etwas seltsam vorkommt, ist das mit dem gut sichtbaren Stempel im Pass! Für die 90 Tage Meldung bekommt man eigentlich immer einen Zettel an getackert, bzw. ich lasse ihn mit einer Büroklammer festklemmen. Ansonsten hat der Mann sich absolut richtig verhalten…manchmal haben die Mädels bei der Immi schlechte Tage…und das meine ich psychisch.

  3. War überrascht zu lesen , das man das überhaupt machen kann ~
    also könnte einer im Ort mehrere Pässe Eisammeln und verlängern lassen ??
    Wieso macht man bei so einer Entfernung keine Online Meldung ~
    spart Zeit , Geld und Ärger ~
    LG Uwe

    1. Genau so denke ich auch, besonders wenn der Expat schon 20 Jahre in Thailand lebt ist die „Vor Ort“ durchgeführte 90 Tage Meldung absolut unverständlich und müsste wenn keine besonderen Gründe vorliegen schon allein deshalb eine Gebühr kosten, damit der Expat es mal lernt!

      1. Kennst Du die Gründe von dem Expat, der nicht lernen will, warum er seine 90 Tage Meldung nicht online macht? Ich mache das seit 30 Jahren immer persönlich, auch wenn Du das nicht verstehen kannst.

        1. Ich vermute mal Budenkoller(Dir ist langweilig, oder Deine Partnerin geht Dir auf den Sack). Ich bleibe da lieber in meinem klimatisierten Condo und mache das seit Jahren online.

        2. Auch „bei einer eigenen Anreise von rund 160 Kilometern?“
          Ich selbst mache das schon solange es möglich ist online, obwohl die Immigration nur 5 Autominuten von mir entfernt ist.
          Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es mir nur selten langweilig ist und ich genügend sonstige Ablenkung habe, wie zum Beispiel hier im WB Kommentare zu kommentieren…

          1. Warum nicht, 1x alle 3 Monate in die „Großstadt“ Buriram zum Einkaufen und nebenbei die 90 Tage erledigen. Hätte ich keine Sorgen mit, würde ich sogar jeden Monat machen.

  4. Ich hätte die 100.- baht „Bakschisch“ bezahlt. Vielleicht kommt die Beamtin einem irgendwann entgegen und drückt ein Auge zu. Diese Erfahrung habe ich auch schon mit Polizisten gemacht. Etwas Bakschisch für seine Kinder und dafür muss man später für eine Parkbusse oder ähnliches nichts berappen. Thailand halt. :)

  5. Typische Fake News würde ich sagen. Oder sagt man Clickbait? Seit wann gibt es einen Stempel im Pass bei der 90 Tage Meldung? Nicht einmal wenn man es nicht online sondern direkt bei der Immi macht gibt es einen Stempel dafür. Bitte lest zuerst alles Korrektur bevor ihr so etwas verbreitet.

    1. Wir veröffentlichen diesen Leserbrief unverändert als Diskussionsgrundlage – weisen jedoch ausdrücklich auf einen sachlichen Fehler hin: Bei der 90-Tage-Meldung (TM.47) wird kein Stempel in den Pass eingetragen. Der Einsender schreibt, die Beamtin habe „den Bestätigungsstempel samt Datum bereits gut sichtbar in seinen Pass eingetragen“ – das entspricht nicht der tatsächlichen Praxis. Die Einwanderungsbehörde stellt bei der 90-Tage-Meldung einen Papierslip (Quittung) aus, der üblicherweise in den Pass getackert wird. Einen Stempeleintrag im Pass gibt es bei diesem Verfahren nicht. Dieser und weitere Aspekte des Berichts lassen sich von der Redaktion nicht unabhängig überprüfen. Die 90-Tage-Meldung selbst ist und bleibt eine gebührenfreie staatliche Dienstleistung – auch bei Einreichung durch eine Vertretung.

  6. Erstmal sollte geklaert werden wo das geschrieben steht, das bei bei 90 Tage-
    Meldung man selbst erscheinen muss, sonst 100 Bath kostet.
    Wenn das nicht der Fall ist, wollte dort die Staatsbedienstete Kaffeegeld kassieren,
    was nicht erlaubt ist.

  7. leider fast an der tagesordnung, die „prozesse“ werden ganz unterschiedlich bearbeitet, ich denke mir es gibt keine klaren regelungen, keine einheitliche strukturen und deren abläufe.
    tagesform des beamten entscheiden einiges.
    auch ich wurde schon zu schmieröl genötigt, es hinterlässt ein wirklich ungutes gefühl gegenüber diesen prozessen und den menschen die dahinterstehen, sehr schade, das vertrauen ist dahin

  8. „Den Bestätigungsstempel samt Datum hatte sie da bereits gut sichtbar in seinen Pass eingetragen.“
    Seit wann kommt bei der 90 Tagemeldung ein Stempel in den Pass?

    Und: 160km? Da muss jemand aber schon an der nördlichsten Grenze der Provinz leben, um diese Distanz zur Immigration zu haben, denn insgesamt sind es 180km von der Nord- bis zur Südgrenze.

    Die Frage die sich mir stellt wenn es denn so sein sollte: warum fährt jemand diese Strecke, wo es doch die Möglichkeit der Onlinemeldung gibt? Außerdem stellt sich mir die Frage, ist dieser „Leserbrief“ echt, oder etwa nur als Content fabriziert?

    1. Selbiges hatte ich um 10:45 bereits geschrieben. Wartet immer noch auf Freischaltung. Warum nur?

  9. Amazing Thailand 2026!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Behördenwillkür made in Thailand! Traurig aber wahr!

    So ist es eben halt mittlerweile. Thais bilden sich ein Narrenfreiheit zu haben, was Ich und viele andere Ausländer täglich zu spüren bekommen.Manchmal mehr und manchmal weniger. Und da jetzt momentan die Partei „der stolzen Thais“ an der Macht ist, ist es eben noch ein bisschen mehr Nationalismus von den Thais den wir Ausländer zu spüren bekommen mittlerweile. Sehr traurige Entwicklung. Falls das noch schlimmer werden sollte, sage ich Tschüss zu Thailand. Aber noch ist es erträglich!

    In diesem Fall hätte ich die 100 Baht der Thai Tante gegeben, damit hätte die sich Kondome kaufen können, aber probieren kann man es ja seine Rechte mal durchzusetzen. Das Glück gehört den Mutigen.

    Natürlich immer sachlich und höflich bleiben. Nicht laut werden oder aggressiv das bringt nichts bei den Thais.
    Notfalls Name und Dienstnummer der Beamten verlangen und eine offizielle Beschwerde beim Aufseher oder sogar bei der Immigration Zentrale in Bangkok schriftlich einreichen.

    Habe ich schon mal gemacht und bekam Recht die haben sich sogar entschuldigt bei mir für das ganze unnötige Theater damals.Das Problem mit Beamten ist überall das gleiche mittlerweile. Zuviel Langeweile, Nationalismus, Unhöfliches Verhalten seitens der Beamten. Korruption usw…..!
    Thailand verändert sich immer mehr leider zum Negativen.
    Es gibt notfalls Alternativen wie Vietnam; Kambodscha oder die Philippinen zum Auswandern. Da ist es nicht so schlimm wie in Thailand! Mit Behördengängen.

    Thailand wo geht dein Weg hin?

  10. Ich mache die 90 Tage Meldung seitdem es möglich ist, online. Nach einer Einreise über den Flughafen beginnt die 90 Tage Frist neu und es ist keine online Meldung möglich. Zumindest wird mein Antrag stets abgewiesen. Weitere Meldungen sind dann problemlos online möglich. Ich bin dankbar, wenn jemand weiß, wie auch die erste 90 Tage Meldung online zu machen ist.

    1. Nach einer Einreise oder einem neuen Pass muss persoelich erschienen werden.
      Glaub mir,das ist so.

      1. Danke, ich weiß das aus eigener Erfahrung.
        Einige Kommentatoren erweckten bei mir den Eindruck, dass sie noch nie persönlich erscheinen mussten und immer alles online erledigen. Von denen wollte ich eben einen Tipp haben, wie sie das bewerkstelligen konnten.

        1. Muss ich extra ausreisen, damit du Recht hast und ich nicht behaupten kann, ich würde die 90 Tage immer online machen?
          Ich fürchte, da versteht einer nicht, wie das mit „immer online“ zu verstehen ist. „Immer“ bedeutet nicht „ausschließlich“. Sofern es online Probleme gibt, gehe ich natürlich persönlich und anlässlich meinen neuen Passes ebenso persönlich zur Immigration.
          Vielleicht kapiert er es jetzt, der [entfernt]?

          Redaktioneller Hinweis: Teile dieses Kommentars, die gegen die Regeln verstoßen haben, wurden entfernt.

Kommentare sind geschlossen.

Wichtiger Hinweis für unsere Leser

Wir freuen uns auf Ihren Beitrag! Bitte beachten Sie für ein freundliches Miteinander unsere Regeln:

  • Höflichkeit: Keine Beleidigungen, Kraftausdrücke oder Gewaltandrohungen.
  • Sorgfalt: Bitte achten Sie auf die korrekte Schreibweise von Namen.
  • Quellen: Zitate nur mit Namensnennung (Internet-Links/URLs sind nicht erlaubt).
  • Themen: Bitte keine Kritik an der Regierung, der Monarchie oder Diskussionen zur Moderation.
Vorbehalt der Redaktion: Wir behalten uns das Recht vor, Kommentare nachträglich zu bearbeiten oder zu löschen, sollten diese gegen unsere Regeln oder geltendes Recht verstoßen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung besteht nicht.