Die Autorin eines auf MSN erschienenen Artikels erklärt Rentnern, dass 1.000 Euro im Monat für ein angenehmes Leben genügen, Thailand ausdrücklich eingeschlossen. Beim Alltag hat sie sogar recht, und zwar mehr, als ihr bewusst ist. Beim einzigen Punkt, der über den Aufenthalt entscheidet, schweigt der Artikel: Die Immigration verlangt für die Jahresverlängerung 65.000 Baht Monatseinkommen oder 800.000 Baht Guthaben.
Was an der Rechnung der Autorin stimmt und warum ich widerspreche
Ich nehme diesen Artikel nicht auseinander, weil seine Zahlen zu niedrig wären. Sie sind zu hoch. Wer hier mit kleiner Rente lebt, kommt bei Miete, Strom und Essen deutlich günstiger weg als jede deutsche Redaktion vermutet. Das Leben in Thailand ist bezahlbar. Diesen Teil bestreitet niemand, der länger als drei Wochen hier ist.
Genau darin liegt die Fahrlässigkeit. Eine Aufstellung, die bei jedem einzelnen Alltagsposten plausibel wirkt, erzeugt Vertrauen in eine Gesamtaussage, die falsch ist. Die Autorin rechnet ein Leben durch und vergisst den Aufenthalt. Sie beschreibt einen Urlaub von unbegrenzter Dauer. Den gibt es in Thailand nicht, für niemanden.
Miete in den Randbezirken: 5.000 bis 12.000 Baht
Die Autorin veranschlagt 300 bis 450 Euro (rund 11.400 bis 17.100 Baht) für die Miete. Wer einen Jahresvertrag unterschreibt und nicht auf Strandnähe besteht, zahlt in den Randbezirken 5.000 bis 18.000 Baht für ein Zimmer. Das gilt für Bangkok weit weg der bekannten Sukhumvit-Adressen ebenso wie für Pattaya und Jomtien fernab der Beach Road.
Wer mit 1.000 Euro herkommt, wohnt ohnehin nicht dort, wo die Maklerportale ihre Preise abbilden. Er unterschreibt für ein Jahr, nimmt die Lage 10 Sois weiter innen und spart damit die Hälfte. Das im Artikel gesetzte Mietbudget reicht hier nicht knapp, es reicht mit Abstand. Bis hierhin gewinnt der Auswanderer die Rechnung.
Strom, Essen, Fahrten: kleine Renten leben billiger als jede Tabelle
Für Strom, Wasser und Heizung setzt der Artikel 70 bis 100 Euro an (rund 2.700 bis 3.800 Baht). Heizung. In einem Land, in dem der Ventilator das ganze Jahr läuft. Reale Stromrechnungen liegen bei 800 bis 1.500 Baht im Monat, weil bei kleiner Rente eben nicht rund um die Uhr die Klimaanlage läuft. Wer ein großes Haus kühlt, zahlt mehr. Diese Leser haben kein großes Haus.
Essen aus der Garküche kostet 40 bis 80 Baht der Teller, der Baht-Bus in Pattaya seit der Erhöhung im April 15 bis 20 Baht. Auch hier liegt die Autorin zu hoch. Wer sparsam lebt, lebt in Thailand tatsächlich gut mit wenig. Das ist keine Werbung, das ist Beobachtung aus zwanzig Jahren Leserpost.
Leben auf dem Land: keine Miete, dafür die Familie
Ein erheblicher Teil unserer Leser wohnt nicht in Pattaya oder Bangkok, sondern im Dorf, meist im Haus der Partnerin. Miete entfällt dann komplett. Was dafür kommt, steht in keiner Aufstellung: Unterstützung für die Frau, für ihre Eltern, für Kinder aus früheren Beziehungen, Beiträge zu Zeremonien, Reparaturen am Haus, der Krankenhausaufenthalt der Schwiegermutter.
Dieser Posten kennt als einziger keine Obergrenze. Kein Vertrag, keine Rechnung, kein Kündigungsrecht. Deshalb sitzen viele Rentner mit schmaler Rente bewusst in Pattaya statt im Isaan: Miete zahlen und sonst niemandem verpflichtet sein kann unterm Strich billiger sein als mietfrei wohnen und eine ganze Familie mittragen.
Das Rentnervisum: 65.000 Baht im Monat oder 800.000 Baht, die liegen bleiben
Hier bricht die Rechnung zusammen. Für die Jahresverlängerung des Rentnervisums verlangt die Immigration entweder ein nachgewiesenes Monatseinkommen von 65.000 Baht oder 800.000 Baht auf einem thailändischen Konto. Vor dem Erstantrag muss das Guthaben zwei Monate liegen, vor jeder weiteren Verlängerung drei. Danach darf der Stand nicht unter 400.000 Baht fallen.
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1.000 Euro sind bei einem Kurs um 38 rund 38.000 Baht. Das ist nicht knapp unter der Schwelle, das ist gut die Hälfte. Und wer von 38.000 Baht lebt, hat keine 800.000 Baht, die ein Jahr lang unangetastet herumliegen. Die Autorin nennt die 65.000 Baht sogar, rechnet sie in 1.900 Euro um und zieht daraus keinerlei Schluss. Der Widerspruch steht in ihrem eigenen Artikel.
Verheiratet mit einer Thailänderin: 40.000 Baht und warum auch das nicht aufgeht
Wer mit einer Thailänderin verheiratet ist, kommt über das Ehevisum günstiger davon. Für die Jahresverlängerung genügen dann 40.000 Baht Monatseinkommen oder 400.000 Baht Guthaben. Für einen großen Teil unserer Leser ist das der reale Weg, und er senkt die Hürde deutlich.
Nur rettet er die 1.000 Euro nicht. Rund 38.000 Baht verfehlen auch die 40.000er Marke, und zwar jedes Jahr aufs Neue, abhängig von einem Wechselkurs, den niemand steuert. Bleibt das Guthaben, und 400.000 Baht sind für jemanden mit dieser Rente keine Rücklage, sondern das gesamte Vermögen.
Krankenversicherung: der Posten, den mit 70 kaum noch jemand bekommt
Wir raten immer zu einer Police. Die Wahrheit ist, dass ein Großteil unserer Leser keine hat, weil das Geld nicht reicht. Solange man gesund ist, geht das gut. Der Haken kommt später: Vorerkrankungen führen zum Ausschluss, die Prämien steigen mit jedem Jahrgang, und die medizinische Inflation läuft mit rund 14 Prozent jährlich mit.
Lokale Anbieter nehmen Neukunden meist nur bis 60 oder 65 Jahre auf, jenseits der 75 zeichnet fast niemand mehr. Wer mit 62 ohne Police kommt, bekommt mit 72 keine mehr. Dann bleibt das staatliche Krankenhaus oder die Rücklage, die man selbst stellen muss. Nur liegt genau dieses Geld schon beim Visum fest.
Warum 1.000 Euro für einen Anfang reichen und für einen Ruhestand nicht
Man kann in Thailand mit 1.000 Euro leben. Wer das bestreitet, kennt das Land nicht. Man kann es nur nicht dauerhaft absichern. Das Leben ist billig, der Aufenthalt ist teuer, und beides wird aus derselben Rente bezahlt. Wer nach Bulgarien zieht und scheitert, nimmt den Bus zurück. Wer hier scheitert, sitzt 9.000 Kilometer entfernt fest.
Deshalb widersprechen wir dem Rat aus Deutschland. Nicht aus Miesmacherei, sondern weil wir die Menschen kennen, die ihn befolgt haben. Wer mit 1.000 Euro herkommt, braucht eine Rücklage, die den Rückweg trägt, und den Mut, ihn zu gehen, solange er noch möglich ist. Wer die tatsächlichen Kosten eines Ruhestands hier ehrlich durchrechnet, entscheidet frei. Wer einer Aufstellung aus der Ferne vertraut, entscheidet einmal und nie wieder.
Anmerkung der Redaktion
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Die genannten Miet- und Stromwerte gelten für Langzeitmieter mit Jahresvertrag abseits der Toplagen und liegen je nach Lage und Objekt erheblich auseinander. Die Finanznachweise für Rentner- und Ehevisum werden von den Immigrationsbüros unterschiedlich streng ausgelegt. Für Kosten der Familienunterstützung gibt es keine belastbaren Durchschnittswerte.


Derartige Artikel liebe ich , mit 1000 Euro im Monat ein angenehmes Leben in Thailand. Wenn das Jemanden motiviert mit einer Rente von 2000-2500 Euro + 150.000 Euro Ersparnisse nach Thailand kommt und versucht mit 1000 Euro zu leben, ist das ok. . Hat aber Jemand NUR 1000 Euro im Monat , dann sind derartige Artikel höchst unseriös.
Ich bin Single, keine Thai Frau/Freundin , nebst Kinder, Verwandschaft, zahle keine Miete und meine KV ,500 Euro/MTL./ nur Hospital in Europa, in Thailand komme ich mit rund 30.000-35.000/MTL. aus.