Schreckensbilder am Straßenrand: Die stumme Realität hinter dem Traum
Die Sonne geht über den Reisfeldern von Chanthaburi auf und taucht die Landschaft in goldenes Licht. Am Straßenrand zeugen Spuren im Staub von Ereignissen der Nacht: Ein beschädigtes Motorrad liegt im Graben, Polizisten sichern die Stelle ab. Solche Szenen gehören für Langzeitaufenthalter und Einheimische zum alltäglichen Bild, oft kaum noch bewusst wahrgenommen im Vorbeifahren.
Diese Bilder sind keine Einzelfälle, sondern Teile eines größeren Musters. Hinter jedem Vorfall stehen Menschen und Schicksale. Das Bewusstsein für diese Dynamik zu schärfen ist wichtig – nicht um Angst zu verbreiten, sondern um verstehen zu können, wie man sich selbst schützt. Denn wer die Regeln dieses speziellen Systems ignoriert, begibt sich unwillkürlich in Gefahr.
Die Zahlen einer typischen Woche: Was die Statistiken wirklich sagen
In einer einzigen Woche werden landesweit über 300 Menschen im Straßenverkehr getötet – mehr als 40 Personen pro Tag. Hinzu kommen über 17.000 Verletzte, die medizinische Versorgung benötigen. Diese Zahlen basieren auf erfassten Daten von Rettungsdiensten und Versicherungen und zeigen das Ausmaß einer strukturellen Herausforderung.
Hochgerechnet auf das Jahr ergeben sich Dimensionen, die jene vieler westlicher Industrienationen weit übersteigen. Bemerkenswert ist: Die Zahlen bleiben über Jahre hinweg relativ konstant, trotz diverser Kampagnen und Ankündigungen. Dies deutet darauf hin, dass kurzfristige Maßnahmen allein nicht ausreichen – die Ursachen sind tiefer strukturell verankert.
Motorräder dominieren die Statistik: Warum Zweiräder das höchste Risiko tragen
Etwa 80 Prozent der tödlichen Unfälle betreffen Motorradfahrer. In Thailand ist das Moped das Hauptfortbewegungsmittel für die breite Bevölkerung – günstig in der Anschaffung, wendig im Stau. Doch der fehlende Schutz einer Karosserie macht jeden Fehler, ob den eigenen oder den eines anderen, potenziell lebensgefährlich.
Internationale Gäste unterschätzen dieses Risiko oft. Wer zu Hause nur am Wochenende fährt, ist hier täglich dichtem Verkehr ausgesetzt. Das warme Wetter verführt zum Verzicht auf Schutzkleidung – ein T-Shirt bietet jedoch keinen Schutz vor Asphalt. Wie sicher ist jede einzelne Fahrt wirklich, wenn man diese Tatsachen kennt?
Ausländer in der Unfallstatistik: Wenn Ortserfahrung nicht hilft
Die Mehrheit der Betroffenen sind Einheimische, doch regelmäßig tauchen Besucher und Expatriates in den Berichten auf. In einer analysierten Woche waren unter den Opfern elf Personen nicht-thailändischer Herkunft. Dies zeigt: Erfahrung im Heimatland schützt nicht automatisch vor den Gefahren hier.
Die Verkehrsregeln mögen auf dem Papier ähnlich sein, doch die ungeschriebenen Gesetze funktionieren grundlegend anders. Ein Linksabbieger wartet nicht auf freie Gegenbahn, ein Blinker ist oft Dekoration statt Signal. Wer sich darauf verlässt, dass andere wie in Europa reagieren, begibt sich unwillkürlich in Gefahr.
Kinder im Risiko: Familien auf zwei Rädern ohne Schutz
Besonders tragisch ist die Beteiligung von Kindern. In einer betrachteten Woche verloren 34 Minderj ährige ihr Leben auf den Straßen. Oft sieht man ganze Familien auf einem Motorrad, die Kleinsten ungesichert in der Mitte oder vorne am Lenker. Für viele Familien ist dies mangels Alternativen die einzige Mobilitätsoption.
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Diese Praxis wird von Behörden in ländlichen Gebieten oft toleriert, da strenge Kontrollen die Mobilität ärmerer Bevölkerungsschichten einschränken würden. Aber physikalische Gesetze nehmen keine Rücksicht auf sozioökonomische Zwänge. Ein Sturz kann für ungeschützte Kinder fatale Folgen haben. Hier prallen wirtschaftliche Notwendigkeit und Sicherheit ungebremst aufeinander.
Kulturelle Unterschiede beim Fahren: Wie lokale Gepflogenheiten Regeln überschreiben
Das Verhalten auf Thailands Straßen spiegelt tiefere kulturelle Aspekte wider. Das Konzept des „Gesichtswahrens“ und eine gewisse fatalistische Grundhaltung beeinflussen Fahrentscheidungen. Aggressives Beharren auf Rechten ist selten; stattdessen fließt der Verkehr wie Wasser – jeder sucht sich seine Lücke, unabhängig von Markierungen.
Für westliche Beobachter wirkt dies chaotisch oder rücksichtslos. Doch aus lokaler Perspektive ist es pragmatisch. Man achtet primär auf das unmittelbar Vorausfahrende und vertraut darauf, dass der Hintermann aufpasst. Der Schulterblick ist unüblich. Dieses System funktioniert solange, wie alle nach denselben ungeschriebenen Regeln spielen – für Neulinge ist es eine konstante Quelle von Missverständnissen.
Das ungeschriebene Gesetz der Größe: Wer größer ist, hat Vorfahrt
Auf den Straßen herrscht ein informelles, aber bindend wirkendes Gesetz: Wer größer ist, hat Vorfahrt. Lastwagen und Busse nehmen sich den Raum, den sie brauchen, und erwarten, dass kleinere Fahrzeuge ausweichen. Dieses Hierarchie-Denken hebelt offizielle Vorfahrtsregeln im Zweifelsfall aus.
Ein Mopedfahrer, der auf sein Recht pocht, zieht gegen einen Zehn-Tonner immer den Kürzeren. Verständnis für dieses Machtgefüge ist überlebenswichtig. Es hilft nicht, im Recht zu sein, wenn der andere physisch überlegen ist. LKWs starten riskante Überholmanöver, im Vertrauen, dass Gegenverkehr bremst oder ausweicht. Wer diese ungeschriebenen Regeln ignoriert, riskiert mehr als nur sein Ansehen.
Unvorhersehbarkeit als ständige Bedrohung: Der Preis der fehlenden Regelkonformität
Das größte Risiko für routinierte Fahrer aus dem Westen ist die Unvorhersehbarkeit. In Europa verhalten sich 99 Prozent der Verkehrsteilnehmer regelkonform. Hier muss man jederzeit mit dem Unmöglichen rechnen: Geisterfahrer auf dem Standstreifen, Hunde auf der Fahrbahn, Fahrzeuge, die ohne Vorwarnung aus Einfahrten schießen.
Diese ständige Alarmbereitschaft ist ermüdend, aber notwendig. Wer entspannt cruist und die Landschaft genießt, übersieht vielleicht den Pickup, der zum U-Turn ansetzt, ohne auf Nachfolgendes zu achten. Erfahrene Expatriates schauen nicht auf das direkte Fahrzeug vor ihnen, sondern zwei bis drei Fahrzeuge weiter voraus – um Kettenreaktionen frühzeitig zu erkennen.
Infrastruktur als zweischneidiges Schwert: Von Schlaglöchern und Dunkelheit
Während Hauptverkehrsachsen oft gut ausgebaut sind, können Nebenstraßen unerwartete Schlaglöcher, fehlende Gullideckel oder sandige Kurven aufweisen. Für Zweiradfahrer sind solche Hindernisse tückisch – sie verändern die Bodenhaftung schlagartig. Eine perfekt asphaltierte Straße kann nach der nächsten Kurve unvermittelt in eine Schotterpiste übergehen.
Mangelnde Beleuchtung verschärft das Problem zusätzlich. Viele Unfälle ereignen sich in Dämmerung oder nachts, wenn unbeleuchtete Fahrzeuge oder Fußgänger kaum zu erkennen sind. Die Beschilderung kann verwirrend oder verdeckt sein. Wer sich allein auf das Navigationsgerät verlässt und den Blick nicht fest auf der Fahrbahn hält, erlebt böse Überraschungen.
Führerscheinerwerb ohne echte Vorbereitung: Lernen auf der Straße
Die Hürden zum Erwerb einer Fahrerlaubnis sind niedrig. Die praktische Ausbildung beschränkt sich oft auf einen Parkour, ohne dass reale Verkehrssituationen geübt werden. Viele Verkehrsteilnehmer haben nie gelernt, Geschwindigkeiten korrekt einzuschätzen oder komplexe Kreuzungen zu meistern. Das Lernen findet auf der Straße statt, durch Versuch und Irrtum.
Grundlegende Konzepte wie der tote Winkel oder physikalische Bremswege sind vielen fremd. Man fährt nach Gefühl und Gewohnheit, nicht nach Verständnis. Für Besucher bedeutet das: Rechnen Sie nie damit, dass der andere Fahrer weiß, was er tut. Nehmen Sie stets Inkompetenz an – nicht aus Bosheit, sondern aus Mangel an echter Ausbildung.
Helme: Gesetz und Wirklichkeit driften auseinander
Trotz gesetzlicher Vorschriften ist die Helmpflicht vielerorts eine Empfehlung. Schätzungen gehen davon aus, dass in manchen Regionen nur knapp die Hälfte der Fahrer und Beifahrer einen Kopfschutz trägt. Bei Kontrollen wird oft nur der Fahrer belangt, während der Sozius straffrei bleibt. Dies sendet das falsche Signal.
Oft dienen Helme eher als Alibi – dünne Plastikschalen, die bei einem Aufprall keinen Schutz bieten. Wer Wert auf sein Leben legt, investiert in einen zertifizierten Integralhelm, auch wenn dieser bei tropischen Temperaturen unbequem ist. Der Unterschied im Ernstfall ist der zwischen Kopfschmerzen und Intensivstation – ein Unterschied, der nicht hoch genug bewertet werden kann.
Alkohol am Steuer: Eine Tradition ohne Grenzen
Alkohol bleibt eine der Hauptursachen für schwere Unfälle, besonders an Feiertagen. Die Tradition, nach der Arbeit zu trinken und dann „kurz“ nach Hause zu fahren, ist weit verbreitet. Zwar gibt es Kontrollen, doch diese sind oft vorhersehbar und lokal begrenzt. Das Bewusstsein für Beeinträchtigungen ist oft nicht vorhanden.
Für nüchterne Fahrer bedeutet dies: Zu bestimmten Zeiten – abends, Wochenenden, Feiertage – ist besondere Vorsicht geboten. Ein schlangenlinienfahrendes Motorrad oder ein extrem langsam fahrendes Auto sind Warnsignale, die sofortigen Abstand verlangen. Die Gefahr geht nicht nur vom eigenen Verhalten aus, sondern massiv von der Unzurechnungsfähigkeit anderer.
Strafen ohne Abschreckung: Warum Bußgelder nicht funktionieren
Das System der Verkehrsstrafen wird von vielen als ineffektiv wahrgenommen. Ein Bußgeld von 500 Baht (ca. 13,60 Euro) für das Fahren ohne Helm oder Führerschein hat für viele keine abschreckende Wirkung. Es wird eher als „Gebühr“ für Straßennutzung angesehen denn als Sanktion.
Dies führt zu einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüber Regeln. Wenn der Verstoß billiger ist als die Einhaltung (z.B. Kauf eines guten Helms vs. gelegentliches Bußgeld), entscheiden sich wirtschaftlich denkende Menschen für das Risiko. Eine Änderung dieses Verhaltens erfordert drastisch höhere Strafen und deren konsequente Durchsetzung – politisch oft unpopulär.
Die Polizei im Dilemma: Kontrolle an den falschen Orten
Die Polizei steht oft in der Kritik, ihren Fokus falsch zu setzen. Kontrollen finden oft dort statt, wo sie leicht durchzuführen sind, nicht dort, wo sie der Sicherheit am meisten dienen würden. Der Vorwurf, dass es mehr um Einnahmegenerierung als um Prävention geht, ist allgegenwärtig.
Doch es wäre zu einfach, die Schuld allein bei Beamten zu suchen. Sie agieren innerhalb eines Systems, das ihnen wenig Rückhalt bietet. Ein Polizist, der einen einflussreichen Bürger anhält, riskiert unter Umständen seine Karriere. Daher konzentriert sich die Durchsetzung auf jene, die wenig Widerstand leisten können – während rücksichtsloses Rasen oft ungeahndet bleibt.
Der westliche Maßstab taugt nichts: Warum Vergleiche in die Irre führen
Wer aus Europa kommt, ist an ein System gewöhnt, in dem Regelverstoße fast zwangsläufig Konsequenzen haben. Ein paar gravierende Fehler – und der Führerschein ist weg. In Thailand kann man jahrelang fahren, ohne jemals ernsthaft belangt zu werden. Der Führerscheinentzug ist eine Rarität.
Dieser Kontrast führt bei Neuankömmlingen zu einem Kulturschock. Manche passen sich an, andere werden übervorsichtig. Die Gefahr liegt in der Annahme, dass das System „schon irgendwie funktioniert“. Das tut es zwar – aber nach völlig anderen Parametern, bei denen individuelle Sicherheit einen geringeren Stellenwert hat als Verkehrsfluss.
Psychologie des Überlebens: Demut und Geduld statt Recht haben
Um in diesem Umfeld sicher zu agieren, muss man seine Denkweise ändern. „Recht haben“ ist irrelevant; „unversehrt ankommen“ ist das einzige Ziel. Das bedeutet, Vorfahrt zu gewähren, wo man sie hätte, und aggressiven Drängeln Platz zu machen. Es ist eine Übung in Demut, die europäischen Fahrern oft schwerfällt.
Erfahrene Expatriates entwickeln mit der Zeit einen sechsten Sinn. Sie ahnen, wann der Motorradfahrer aus der Seitenstraße schießt, noch bevor er zu sehen ist. Diese Intuition ist überlebenswichtig. Wer stur auf Regeln pocht, lebt gefährlich. Gelassenheit ist nicht nur eine Tugend, sondern eine konkrete Überlebensstrategie.
Elektronische Überwachung: Technik macht Fortschritte, Mentalität bleibt
In den letzten Jahren hat die Zahl der Kameras an Kreuzungen zugenommen. Strafzettel werden nun öfter per Post zugestellt. Dies hat an einigen Stellen zu verbesserter Disziplin geführt, insbesondere bei Rotlichtverstoßen. Die Technologie hält Einzug, auch wenn die Mühlsteine der Umsetzung langsam mahlen.
Doch Technik allein kann die Mentalität nicht verändern. Viele Fahrzeuge fahren ohne oder mit unleserlichen Kennzeichen, was elektronische Erfassung umgeht. Zudem kennen Einheimische oft genau, wo Kameras stehen und wo nicht. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem technologische Aufmüstung nur langsam wirkt.
Eigenverantwortung: Wer sein Leben schützen will, muss investieren
Da man sich nicht auf Schutz durch andere oder den Staat verlassen kann, liegt die Verantwortung beim Einzelnen. Das beginnt bei der Wahl des Fahrzeugs. Ein Auto bietet durch seine Knautschzone einen ungleich höheren Schutz als jedes Zweirad. Wer dennoch Motorrad fährt, sollte nicht an Ausrüstung sparen.
Gute Bremsen, funktionierende Lichter und hochwertige Reifen sind essenziell. Viele Mietmaschinen sind in schlechtem Zustand – ein Check vor Fahrtantritt kann entscheidend sein. Zudem sollte man immer so fahren, dass man noch Reserven hat: an Bremsweg, an Aufmerksamkeit, an Geduld. Die Straße verzeiht keine Schwächen. Wer sich hier länger aufhalten möchte, sollte auch sein Krankenversicherungsprogramm überprüfen – Unfallfolgen können teuer werden.
Zukunftsperspektiven: Hoffnung durch Wandel oder Stagnation?
Wird sich die Situation bessern? Die Regierung setzt weiterhin auf Kampagnen, besonders zu Feiertagen. Doch Experten sind skeptisch, ob sich ohne tiefgreifende Reformen bei Ausbildung und Durchsetzung etwas ändert. Der demografische Wandel und steigender Wohlstand könnten langfristig zu sichereren Fahrzeugen führen.
Gleichzeitig wächst das Verkehrsaufkommen stetig. Mehr Fahrzeuge auf gleichbleibender Infrastruktur bedeuten mehr Konfliktpotenzial. Die Hoffnung liegt auf der nächsten Generation, die durch bessere Aufklärung ein anderes Bewusstsein entwickelt. Bis dahin bleibt: Vorsicht ist das oberste Gebot für alle, die nicht hier aufwuchsen.
Lebensversicherung durch Aufmerksamkeit: Wer wachsam bleibt, lebt länger
Thailand bleibt ein Land der Kontraste – wunderschön, aber im Straßenverkehr herausfordernd. Die Statistiken der typischen Wochen sind eine Mahnung, die Gefahr nicht auszublenden, sondern sie als Teil der Realität zu akzeptieren und das eigene Verhalten anzupassen. Wer wachsam bleibt und die lokalen Verkehrsregeln respektiert, kann das Land sicher genießen.
Es liegt an jedem Einzelnen, Teil der Lösung zu sein – durch defensives Fahren, Verzicht auf Alkohol am Steuer und das Tragen von Schutzkleidung. Die Schönheit Thailands ist es wert, erlebt zu werden. Aber bitte mit der nötigen Umsicht: Die Rückfahrkarte ist wichtiger als die Vorfahrt.
Hinweis zur Datengrundlage
Dieser Artikel basiert auf systematisch erfassten Verkehrsdaten aus den Jahren 2024 bis 2026 sowie auf Berichten des thailändischen Verkehrssicherheitszentrums und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die genannten statistischen Werte dienen der Illustration allgemeiner Trends im thailändischen Straßenverkehr und orientieren sich an verfügbaren öffentlichen Daten sowie Unfallanalysen von Fachbehörden.



ein guter Bericht, der eigentlich alles beinhaltet, was für dieses schwerwiegende Thema interessant ist. Es ist die gesamte Gesellschaft, die gefragt ist, ob sie so weitermachen will! Jeder einzelne ist da aufgefordert sein Verhalten im Straßenverkehr zu hinterfragen. Eine bessere Verkehrsausbildung schon im Kindergarten ist zu einer wesentlichen Verbesserung notwendig.
Hier hört mein Verständnis von „Mai Mpen Rai“ einfach auf. In Deutschland sind ca. 50 Millionen Fahrzeuge zugelassen. Dort gibt es etwa 3.500 Verkehrstote / Jahr. In Thailand sind es 44 Millionen bei 27.000 Verkehrstoten. Und da muß man dann auch mal sagen., das „Mai Mpen Rai“ und Gesichtswahren offensichtlich nicht hilft. Angesicht dieser Zahlen kann man einfach nicht zur Tagesordnung übergehen. Hier muß man als Staat Flagge zeigen und das Recht durchsetzen.
Jawohl hier muss der Staat zeigen wer die Hosen an hat…ne Lach Nummer!
Natürlich müsste sich vieles ändern. Mit diesem Anspruch hat jeder recht. Aber solange eine Gesellschaft insgesamt bereit ist den Blutzoll, das Leid und Schmerzen der Verletzten, Verstümmelten und Hinterbliebenen zu zahlen, wird sich rein gar nichts ändern. Und die Staatsmacht, sprich der Regierung und ausführenden Behörden wie beispielsweise der Polizei geht es auch nur irgendwie, irgendwo vorbei. Wäre dem nicht so, dann wäre es heute schon ganz anders. Übrigens auch ein Prototyp an Beispiel wieso Korruption nicht nur Geld kostet, sondern Menschenleben. Und das massenhaft!
Zur Erinnerung:
In Deutschland gab es 1970 mehr als 21300 Verkehrstote.
Wie du korrekt geschrieben hast. Das war 1970, vor 56 Jahren.
Die meisten Thais fahren oft jahrelang mit ihren Mopeds ohne Führerschein. Dem schließ ich mich an, auch ich fuhr Jahre lang ohne Führerschein, bei einer Kontrolle wurde ich nur nach dem Helm gefragt den ich nicht auf hatte, und damit eine läppische Geld Buße fällig wurde. Bei meinen Moped Führerschein im DLT ( Auto umgeschrieben) waren alle mit ihren eigenen Mopeds da, so wie ich auch. Der Vorteil ist das man zumindestens viel Fahrpraxis hat, bevor man den Lappen erhält oder auch nicht. Von den Touris kann man dies nicht erwarten was teilweise im Verkehr sichtbar wird.
PS: Ich schreibt „Ein Linksabbieger wartet nicht auf freie Gegenbahn, ein Blinker ist oft Dekoration“ warum sollte ein Linksabbieger auf freie “ Gegenfahrbahn“ warten…der ist doch links….ihr meint wohl Rechtsabbieger, der hat den Gegenverkehr vor sich.
@Thoti62
Zu deinem letzten Satz, es war vermutlich etwas mißverständlich ausgedrückt. Tatsächlich erlebe ich so etwas täglich. Mopeds/Autos aus der linken Seitenstraße biegen mit Tunnelblick in die Hauptstraße ein oder biegen an der Ampel links ab. Ich beobachte oft, daß sie nicht nach Rechts schauen und möglichen kommenden Verkehr beachten, sondern direkt in die Straße einbiegen.
Als erfahrener Fahrzeugführer von 2- und 4-Rädern beobachte ich immer mit 180° Blickfeld und möglichst mehrere Fahrzeuge voraus. In Kombination mit technisch tadellosem Gefährt und defensivem Fahrverhalten ist das für mich die maximal mögliche Sicherheit im Strassenverkehr. Der Rest ist Glück.
In 20 Jahren und unzählige km auf Moped, BigBike und Pkw habe ich heil das Land durchkreuzt und ich möchte auf diese Mobilität nicht verzichten. Trotzdem fahre ich ungern, wegen der vielen Rücksichtslosen und Trottel, die es in ihrer Naivität nicht kapieren.
Die Frage ist nicht, warum so viele Todesfälle passieren, sondern warum es in diesem Chaos so wenig sind.
Dieser Zustand ist nur mit drastischen Maßnahmen und konsequenter Durchführung zu ändern. Davon ist das Land aber noch weit entfernt.
wegen diesem chaos in thailand sind wir doch hier–wenn ich gesetzestreu leben will bleib ich in deutschland
@Gundula Gaukeley
Richtig (hatte versehentlich den Speicherknopp gedrückt), dann wurden Maßnahmen durchgeführt, die diese Fälle deutlich reduzierten. 1998 waren es noch 7800 Verkehrstote. Heute sind es 2500.
Durch Tempolimit, Helmpflicht, Anschnallpflicht, Promillegrenze usw.
Das gibt es hier schon lange, wird aber nicht konsequent durchgesetzt. Da liegt der Hase im Pfeffer. Mangelhafte Ausbildung an erster Stelle, Inkonsequenz, fehlende Disziplin und Korruption erzeugen das Resultat.
Ich will die Thailänder nicht kritisieren, sie sind, wie sie sind. Das ist nur meine Sicht eines Zustands, mit dem ich in meiner neuen Heimat täglich konfrontiert werde.
Bei Manchen ist die Strecke vom Auge zum Hirn ein unüberwindlicher Weg.
Das mit der Entwicklung der Verkehrstoten in Deutschland hat mich daran erinnert, wie lange es gedauert hat bis man auf die heutigen sehr viel geringeren Zahlen gekommen ist. Im Jahr 1998 beispielsweise hatte ich in einem Isan-Dorf JWD gelebt. Zu diesem mit seinen vielleicht 300 Einwohnern führte nur ein Sandweg und keine befestigte Straße. In diesem Dorf gab es etliche Mopeds und 3 (in Worten: drei) Pickups inclusive dem meinigen plus einen zum Bus umfunktionierten LKW. Da war die Fahrt in die nächste Provinzhauptstadt schon eine mehrstündige, anstrengende Reise. In der Regenzeit dann über Wochen sogar gar nicht mehr möglich. Im täglichen Leben interessierten da Verkehrsregeln so gut wie überhaupt nicht. PKW oder 4türige Pickups waren absolute Exoten auf den Straßen. Motorräder mit mehr als 100 ccm durften in Thailand gar nicht gebaut werden. Diesel waren LKW’s und Pickups vorbehalten. Highways gab es gerade mal in und um Bangkok herum. Aber bestimmt noch nicht auf dem Land und erst recht nicht im Isan. Alles was sich in Europa über 50, 60, 70 oder 80 Jahren an Straßenverkehr entwickelt hat, hat man hier vergleichsweise im Zeitraffer durchlebt.
Was hierzulande nun noch dazu kommt ist die, was ich „kleine Korruption“ nenne. Dass man beispielsweise ohne Helm, ohne Führerschein oder auch angetrunken weiterfahren darf wenn man erst mal seinen Obolus, zumeist ohne Quittung abgedrückt hat. Das muss zwangsläufig als Abzocke und nicht als Maßnahme zur Verkehrserziehung verstanden werden.
Das alles ist natürlich keine Rechtfertigung oder Entschuldigung jedes Jahr eine Kleinstadt im Straßenverkehr umzubringen. Aber der Versuch zu erklären warum es ist wie es ist. Und vor allem vorsichtiger zu sein mit europäischer Überheblichkeit den Thailändern erklären zu wollen was sie anders zu machen haben.