BANGKOK, THAILAND – Thailands amtierender Verteidigungsminister wirft kambodschanischen Soldaten vor, entlang der gemeinsamen Grenze absichtlich Waldbrände gelegt und damit eine gefährliche Eskalation riskiert zu haben. Die Regierung in Bangkok warnt, dass ein Übergreifen der Flammen auf thailändisches Gebiet zu direkten Zusammenstößen der Streitkräfte und zu einer weiteren Verschlechterung der ohnehin angespannten Beziehungen führen könnte.
Scharfe Vorwürfe aus dem Verteidigungsministerium
Der amtierende Verteidigungsminister Gen. Natthaphon Narkphanit bezeichnete das Verhalten der kambodschanischen Truppen als „undiszipliniert und potenziell provokativ“ und stellte klar, dass Thailand solche Aktionen nicht hinnehmen werde.
Er erklärte nach einer hochrangigen Sitzung im Verteidigungsbereich, die Brände an der Grenze seien besonders heikel, da sie parallel zu bereits bestehenden Spannungen wegen verminter Streitgebiete und Zwischenfällen mit Schusswechseln aufträten.
Direkter Draht nach Phnom Penh
Natthaphon berichtete, er habe seinen kambodschanischen Amtskollegen Gen. Tea Seiha direkt kontaktiert, um die Sorgen Thailands über sowohl die Landminen als auch die aktuellen Grenzfeuer deutlich zu machen.
„Wenn Kambodscha wirklich eine friedliche Lösung anstrebt, darf dies nicht das gewählte Mittel sein“, sagte Natthaphon und betonte, solche Maßnahmen untergrüben diplomatische Bemühungen und erhöhten das Eskalationsrisiko.
Konflikthintergrund und jüngste Zwischenfälle
Die neuen Vorwürfe stehen vor dem Hintergrund jahrzehntelanger Grenzstreitigkeiten seit den 1950er Jahren, in deren Mittelpunkt immer wieder umstrittene Gebiete wie der Bereich rund um den antiken Tempel Preah Vihear stehen.
Zuletzt hatte es 2025 eine größere militärische Eskalation mit Gefechten und einem teilweise von den USA vermittelten Waffenstillstand gegeben, während in den vergangenen Monaten Landminenverletzungen thailändischer Soldaten und Schusswechsel an der Grenze für zusätzliche Spannungen sorgten.
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Streit um Anschuldigungen und Propaganda
Natthaphon warf den kambodschanischen Truppen zudem vor, falsche Behauptungen zu verbreiten, darunter der Vorwurf, thailändische Soldaten hätten kambodschanische Kräfte beschossen und verletzt, was nach thailändischer Darstellung durch vorhandene Belege nicht untermauert werde.
Phnom Penh hat bisher nicht öffentlich auf die jüngsten Anschuldigungen reagiert, hatte aber frühere ähnlich gelagerte Vorwürfe aus Bangkok zurückgewiesen und Berichte über eine gezielte Mitverantwortung an Grenzproblemen bestritten.
Pläne für Zäune und Überwachung
Zur besseren Kontrolle der Grenze kündigte der Verteidigungsminister an, Thailand prüfe den Bau fester Zäune an stark frequentierten Übergängen wie Ban Khlong Luek und Thmor Da.
Zusätzlich könnten dort elektronische Sperren und CCTV-Überwachung installiert werden, um unerlaubte Aktivitäten rascher zu erkennen und grenzüberschreitende Vorfälle zu begrenzen.
Rauch, Smog und Gesundheitsgefahren
Neben den sicherheitspolitischen Risiken verschärfen die mutmaßlich absichtlich gelegten Feuer nach Einschätzung thailändischer Stellen die alljährliche Smogkrise, die sich während der Trockenzeit entlang der Grenze regelmäßig aufbaut.
Wald- und Feldbrände in der Region tragen erheblich zur Belastung mit gefährlichem PM2,5-Feinstaub bei, was sich auf große Teile des Landes auswirkt und die Luftqualität in Metropolen wie Bangkok auf bedenkliche Werte drückt.
Satellitendaten und grenzüberschreitender Dunst
Nach Auswertungen von NASA und thailändischen Behörden wurden in Kambodscha zuletzt mehr als 4.462 Brand-Hotspots registriert, der höchste Wert seit Beginn der aktuellen Brennsaison.
Ostwinde transportieren demnach Rauchschwaden nach Thailand, wo sie als grenzüberschreitender Dunst Städte wie Bangkok und Pattaya sowie östliche Provinzen wie Sa Kaeo und Prachin Buri treffen und die Feinstaubwerte bis in den gesundheitsgefährlichen Bereich treiben.
Auswirkungen auf Tourismus und Politik
Die verschlechterte Luftqualität beeinträchtigt nach Regierungsangaben auch den Tourismus, insbesondere in bekannten Küstenorten wie Pattaya und auf Inseln wie Koh Chang, wo sich Smog und eingeschränkte Sicht negativ auf Besucherzahlen auswirken.
Während thailändische Behörden strengere Regeln gegen offenes Abbrennen fordern und Experten auf die Notwendigkeit bilateraler Zusammenarbeit verweisen, führen kambodschanische Stellen die vielen Brandherde vor allem auf das Verbrennen von Reisstoppeln und Abfällen zurück und weisen eine gezielte Belastung Thailands zurück.
Forderung nach Deeskalation
Die Regierung in Bangkok hat Kambodscha aufgefordert, seine Truppen an der Grenze im Griff zu behalten und die Feuer zu stoppen, wobei sie betont, dass eine friedliche Lösung der Konflikte weiter oberste Priorität habe.
Beide Seiten beobachten die Lage entlang der Grenze aufmerksam, während diplomatische Kanäle offen bleiben sollen, um weitere Vorfälle zu vermeiden und die Spannungen nicht in eine offene militärische Auseinandersetzung abgleiten zu lassen.



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