André ist 46, verwitwet, hat zwei erwachsene Töchter und seit drei Jahren eine Frau in seinem Leben, die in Jomtien wohnt. Er liebt sie, denkt an Auswanderung – und hat acht sehr konkrete Fragen. Wir haben sie gelesen, beantwortet und geben sie jetzt an euch weiter.
Es fing, wie so vieles in Thailand, mit einem Urlaub an. André war mit seinen Kindern auf Phuket, lernte Anong kennen – sie arbeitete damals in einem Hotel in Patong –, und die beiden tauschten Nummern aus. Daraus wurde mehr. Viel mehr. André ist seitdem mehrmals zurückgekehrt, hat Anong und ihren zehnjährigen Sohn kennengelernt, und beschreibt die Beziehung heute so:
„Es fühlt sich für mich schon nach einer Beziehung an, auch wenn wir dies so bis dahin nicht genannt haben.“
Seit Herbst 2025 lebt Anong in Jomtien, gemeinsam mit ihrer Schwester und deren zwei Kindern. Ihre Eltern wohnen in der Provinz Chaiyaphum – beide Schwestern sind nur wegen der besseren Löhne in die Touristengebiete gezogen.
André selbst steht beruflich an einem Wendepunkt. Sein Arbeitgeber baut seit Jahren Personal ab, eine Abfindung wurde ihm bereits angeboten. Er hat Ersparnisse, ein Aktiendepot, eine Eigentumswohnung in Deutschland – und einen Plan. Und er hat uns acht Fragen gestellt, die wir nicht einfach unbeantwortet lassen wollten.
Die acht Fragen – und was wir dazu sagen
1. Würdet ihr an meiner Stelle nach Thailand ziehen?
Das kann niemand für André entscheiden. Aber wir kennen viele Männer in ähnlichen Situationen – und der entscheidende Unterschied liegt meistens nicht im Budget oder im Visum, sondern darin, ob die Beziehung auch dann trägt, wenn der Alltag beginnt.
Zwei Wochen Urlaub und eine Fernbeziehung sind etwas anderes als gemeinsames Leben. Unser Rat: erst für mehrere Monate kommen, bevor endgültige Entscheidungen fallen.
2. Ist ein Budget von rund 10.000 € pro Jahr realistisch – ohne Miete?
Ohne Mietzahlung ist dieses Budget in der Region Pattaya/Jomtien durchaus lebbar – aber mit wenig Spielraum. Für eine einzelne Person reichen etwa 25.000–35.000 Baht pro Monat für ein angenehmes Leben ohne große Extras.
Das entspricht ungefähr 700–1.000 €. 10.000 € im Jahr sind also etwa 830 € pro Monat – das geht, wenn kein Condo abbezahlt werden muss und man nicht täglich in teuren Restaurants isst. Reisen nach Deutschland, Krankenversicherung und ungeplante Ausgaben kommen jedoch dazu. Wir würden eher 15.000-25.000 € als Mindestpuffer ansetzen.
3. Welche Möglichkeiten gibt es, in Thailand Geld zu verdienen?
Als Ausländer legal in Thailand zu arbeiten ist nicht trivial. Eine Arbeitserlaubnis braucht man immer – auch für freiberufliche Tätigkeiten. Beliebt und legal möglich sind: Online-Tätigkeiten für ausländische Auftraggeber (Consulting, IT, Schreiben, Design), sofern das Geld aus dem Ausland kommt und keine lokale Arbeit ausgeführt wird.
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Viele Expats führen auch kleine Beteiligungen oder Investments. Direkter Einstieg in den Thai-Arbeitsmarkt ist für die meisten Berufe aus Sektoren, die Thais vorbehalten sind, nicht möglich. Ein Gespräch mit einem auf Expats spezialisierten Anwalt lohnt sich hier unbedingt.
4. Welches Visum überbrückt die Zeit bis zum Retirement-Visa?
Das Retirement-Visa (Non-Immigrant O-A) setzt 50 Jahre voraus – André ist 46, hat also noch vier Jahre. Möglichkeiten bis dahin:
- Tourist-Visa / Visa-Runs: Kurzfristig, aber auf Dauer aufwendig und zunehmend unter Beobachtung.
- Non-Immigrant O (Basis Beziehung): Wenn André und Anong heiraten, wäre ein Heiratsvisum möglich – aber er möchte nicht heiraten.
- Thailand Elite Visa: Kostenpflichtig (ab ca. 30.000 THB/Jahr aufwärts), aber unkompliziert und legal. Für vier Jahre eine ernstzunehmende Option.
- LTR Visa (Long Term Resident): Neu eingeführt, für Vermögende/Rentner mit höherem Einkommensnachweis – prüfen, ob André die Voraussetzungen erfüllt.
- Education Visa: Kurzfristige Lösung über Sprachkurse, aber nicht für dauerhafte Planung geeignet.
Für vier Jahre ist das Elite Visa wahrscheinlich die sauberste Lösung.
5. Welche Wohngegend – und für wen?
Jomtien ist für Expats gut geeignet: ruhiger als Pattaya-City, gute Infrastruktur, viele Farangs, Nähe zum Meer. Pratamnak Hill zwischen Pattaya und Jomtien ist ebenfalls beliebt – etwas gehobener. Wongamat im Norden Pattayas ist ruhiger und familienfreundlicher.
Zur Frage, ob das Condo groß genug für Anong und ihren Sohn sein sollte: Das hängt davon ab, wie die Beziehung sich entwickelt. Ein zu kleines Studio schränkt ein, ein zu großes Condo bindet Kapital. Eine 2-Zimmer-Wohnung (~30–50 qm) wäre ein vernünftiger Mittelweg. Condos im Ausländerquotum (Freehold) sind für André als Nicht-Thai die einzige direkte Kaufoption – das weiß er bereits.
6. Wie realistisch ist eine dauerhafte Beziehung ohne Heirat in Thailand?
Es kommt sehr auf die Frau und ihre Familie an. In städtischen Milieus und unter jüngeren Thais ist eine Lebensgemeinschaft ohne Heiratsschein heute akzeptabler als früher. Bei traditionelleren Familien aus ländlichen Provinzen – und Chaiyaphum ist ländlich – kann die Erwartung zur Heirat durchaus vorhanden sein, auch wenn sie nicht offen ausgesprochen wird.
Andrés Situation ist delikat: Er möchte nicht heiraten, hat dafür nachvollziehbare Gründe (Erbe, Kinder), und Anong akzeptiert das bisher. Ob ihre Eltern das langfristig tun, ist schwer vorherzusagen. Offene Kommunikation – auch mit Anongs Familie – ist hier wichtiger als jede allgemeine Antwort.
7. Ziehen Töchter später aufs Land zurück – oder bleiben sie in Pattaya/Jomtien?
Beides ist möglich, beides kommt vor. Viele Thai-Frauen bleiben in den Touristenzentren, solange der Job und das Einkommen dort besser sind. Wenn Kinder kommen oder die Eltern Unterstützung brauchen, zieht es viele zurück in die Heimatprovinz.
Das ist keine Gesetzmäßigkeit, aber eine gelebte Realität. André sollte das in seine Überlegungen einbeziehen – und offen mit Anong darüber sprechen, was sie sich für die Zukunft vorstellt.
8. Geburtstagsfeier bei den Eltern: Mitgehen? Und was schenken?
Mitgehen – ja, wenn André sich wohl fühlt. Es ist eine große Geste der Zugehörigkeit und Anong wird das bedeuten. Sein Freund kommt mit, was die Situation entspannt. Ein Geschenk für die Eltern: kein Geld überreichen, das wirkt unpassend. Stattdessen: Früchtekorb, hochwertige Kekse oder Süßigkeiten, vielleicht etwas Typisches aus Deutschland (Schokolade, etc.).
Der Wert sollte bei 500–1.000 Baht liegen – genug, um Respekt zu zeigen, ohne als übertrieben zu gelten. Bescheidenheit wird in solchen Situationen sehr geschätzt.
Jetzt seid ihr dran
André plant seinen nächsten Besuch bereits – und denkt ernsthaft darüber nach, seine Abfindung anzunehmen und den Schritt nach Thailand zu wagen. Seine Geschichte ist ehrlich, seine Fragen sind konkret.
Ihr kennt Thailand, kennt solche Beziehungen, habt selbst den Schritt gewagt oder davon Abstand genommen. Was würdet ihr André raten? Schreibt eure Erfahrungen und Einschätzungen in die Kommentare – André liest mit und freut sich über jeden Beitrag.



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