Alkohol-Streit eskaliert: Mehrheit lehnt Lockerung ab

Alkohol-Lockerung in Thailand sorgt für Streit: Experten warnen vor Lücken in den Daten, die Mehrheit lehnt die Testphase ab – und viele Händler sehen kaum Vorteile.

Alkohol-Streit eskaliert: Mehrheit lehnt Lockerung ab
Naewna

THAILAND – Der Streit um die testweise Lockerung des Alkoholverkaufs in Thailand spitzt sich weiter zu. Seit dem 3. Dezember 2025 darf zwischen 14.00 und 17.00 Uhr wieder Alkohol verkauft werden – zunächst für 180 Tage, also bis voraussichtlich Mai oder Juni 2026. Doch genau diese Regelung gerät nun immer stärker unter Druck. Wissenschaftler und Experten schlagen Alarm und warnen vor Folgen, die ihrer Ansicht nach viel zu wenig beachtet werden.

Experten schlagen Alarm

Akademiker wie Pon Nopadol (Super Poll), Sorathep Rotpanyanont, Poltep Wichitkunakorn, Kanitha Thaikla und Udomsak Sae-ngow kritisieren die aktuellen Berichte zur Testfreigabe des Alkoholverkaufs zwischen 14.00 und 17.00 Uhr deutlich. Aus ihrer Sicht sind die vorgelegten Daten fehlerhaft und unvollständig, weil vor allem wirtschaftliche Interessen und einzelne Tourismusgebiete berücksichtigt wurden.

Aus Sicht der Experten werden dabei wichtige Punkte wie Verkehrssicherheit und der Schutz von Jugendlichen viel zu wenig beachtet. Eine Politik, die vor allem der Wirtschaft helfen soll, dürfe nicht auf Kosten von Menschenleben und öffentlicher Sicherheit gehen. Die geplante 180-tägige Nachverfolgungsstudie soll nun zeigen, welche Folgen die Lockerung wirklich hat.

Mehrheit der Bevölkerung bleibt klar dagegen

Eine umfassende Umfrage in zwölf Provinzen durch Super Poll zeigt deutlich: 82,8 Prozent der Befragten wollen die bisherigen Verkaufsbeschränkungen beibehalten.

Auch drei Monate nach der ersten Testphase ist die Stimmung unverändert. Viele Menschen fürchten mehr Gewalt, mehr Unfälle und gesundheitliche Folgen in ihren Gemeinden. Die Ergebnisse werden im Rahmen der 180-tägigen Follow-up-Studie weiter ausgewertet.

Touristen sind offenbar kein Argument

Entgegen der Aussagen von Wirtschaftsvertretern spielt die Verkaufszeit für Urlauber kaum eine Rolle. Fast 70 Prozent der thailändischen und ausländischen Touristen sagten, dass die verlängerte Verkaufszeit keinen Einfluss auf ihre Reise hatte.

Mehr als 80 Prozent der Besucher würden ihre Pläne für Thailand auch ohne diese Lockerung nicht ändern. Viele sehen sogar eher Risiken als Vorteile, weil schwere Verkehrsunfälle zunehmen könnten. Die Provinz Chonburi hat deshalb empfohlen, die Regelung nur in ausgewählten Tourismusgebieten oder zu Festzeiten mit strengen Schutzmaßnahmen zuzulassen.

Für kleine Händler bleibt wenig übrig

Die Hoffnung auf ein kräftiges Umsatzplus für kleine Geschäfte hat sich bislang nicht erfüllt. Laut einer Untersuchung von Super Poll konnten 74 Prozent der Einzelhändler keinen echten Nutzen aus den längeren Verkaufszeiten ziehen.

Statt neuer Einnahmen kam es vor allem zu einer Verschiebung der Käufe vom Abend in den Nachmittag. Für die Basiswirtschaft bringt die neue Regelung also kaum Vorteile, während die sozialen Kosten weiter steigen.

Sicherheitsalarm: Todesfälle steigen deutlich

Besonders alarmierend sind die aktuellen Zahlen zur Sicherheit: Die Todesfälle durch Alkohol stiegen zum Jahreswechsel 2026 im Vergleich zu 2023 um das 4,8-Fache an.

Gleichzeitig gerät die Alkoholindustrie nach Ansicht von Kritikern immer stärker auch an Kinder und Jugendliche. Die gezielte Ansprache von Minderjährigen nahm nach der Lockerung um 11,6 Prozentpunkte zu, vor allem durch Werbung in sozialen Medien am Nachmittag. Die Entwicklung wird im 180-tägigen Follow-up weiter beobachtet.

Schutz der Gesellschaft geht vor

Wissenschaftler fordern die Regierung auf, keine dauerhafte landesweite Freigabe zu beschließen. Stattdessen sollten strenge Kontrollen und der Schutz der Anwohner vor Belästigung und Gewalt im Mittelpunkt stehen. Auch der Vorschlag aus Chonburi, die Lockerung nur in bestimmten Gebieten zu testen, sollte berücksichtigt werden.

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Quelle: Naewna

3 Kommentare zu „Alkohol-Streit eskaliert: Mehrheit lehnt Lockerung ab

  1. Sicher sind 80% der Befragten gegen eine Lockerung. Und die kleinen Geschäfte machen natürlich kein Umsatzplus, weil sie immer schon zwischen 14:00 und 17:00 verkauft haben, eben an die 80%, die gegen die Lockerung sind…logisch. Und Schutz der Anwohner vor Belästigung und Gewalt steht im Mittelpunkt…vor allem in diesen 3 Stunden. Die Zahlen zur Sicherheit sind nicht nur alarmierend, der Vergleich zwischen 2026 und 2566 ist sogar kurios.

  2. Egal ob 2023 oder 2566, aber dieses Argument gehört für meine Begriffe zur Sparte Volksverdummung. Wie wenn „Todesfälle durch Alkohol zum Jahreswechsel“ in irgendeiner Relation zu geänderten Verkaufszeiten an den Nachmittagen stehen würde. Wenn man schon statistisch keine Zunahme von alkoholbedingten Todesfälle durch den Wegfall der nachmittäglichen Sperrzeit nachweisen kann, muss eben ein so ganz schräger Vergleich herhalten. Das einzig nachvollziehbare Argument ist in meinen Augen, dass die kleinen Läden vom Wegfall der 3 Stunden Sperrzeit nicht profitiert hätten. Eher im Gegenteil denn die haben in aller Regel in dieser Sperrzeit gerne Alkohol verkauft, währenddessen 7/11 etc. pp daran gehindert waren.

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