Wer in Thailand lebt und ein Bankkonto führt, kennt das Szenario in 2026 seit Monaten: Die Kasikorn Bank schickt eine Aufforderung per App, die Bangkok Bank will plötzlich die Steuernummer aus der Heimat wissen, und manchmal ist das Konto vorübergehend gesperrt, bevor der Papierkram erledigt ist. Kein Zufall, keine Laune der Filiale — sondern das Ergebnis einer internationalen Transparenzoffensive, die Thailand 2023 gesetzlich verankert hat.
Was genau die Banken verlangen, welche Daten wohin fließen und was Expats mit sauber versteuertem Einkommen wirklich zu befürchten haben — das beantwortet dieser Ratgeber Schritt für Schritt.
Was Thailand 2023 unterschrieben hat
Thailand hat mit dem Königlichen Dekret B.E. 2566 am 31. März 2023 den rechtlichen Rahmen für den Common Reporting Standard (CRS) geschaffen. CRS ist das weltweite System zum automatischen Austausch von Bankdaten zwischen Steuerbehörden — entwickelt von der OECD, mittlerweile von über 100 Ländern umgesetzt, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Der erste tatsächliche Datenaustausch erfolgte im Herbst 2023 — rückwirkend für das Kalenderjahr 2022. Seither läuft das System jährlich. Die Banken in Thailand melden Kontostände, Zinserträge, Dividenden und Wertpapiererlöse an das Revenue Department. Das wiederum leitet diese Informationen automatisch an die Finanzämter der jeweiligen Heimatländer weiter.
Warum die Bank plötzlich die Steuernummer will
Damit der Datenaustausch funktioniert, brauchen die Banken vollständige Kundendaten — vor allem die Steueridentifikationsnummer (TIN) des jeweiligen Heimatlandes. Ohne diese Nummer kann die Bank den Datensatz nicht korrekt an das Revenue Department übermitteln. Wer das Formular ignoriert, riskiert eine temporäre Kontosperre — nicht als Strafe, sondern weil die Bank selbst Bußgelder riskiert, wenn sie unvollständige Meldungen abgibt.
Seit Anfang 2023 gilt die Pflicht zur CRS-Selbstauskunft für alle Neukunden; seit Mitte 2024 holen die Banken bei Bestandskunden nach. Wer eine Aufforderung erhält, sollte reagieren — am besten mit Pass, aktuellem Aufenthaltsdokument und der TIN aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Wer keine TIN hat, weil kein steuerpflichtiges Einkommen vorliegt, kann auf den Formularen die Option „income exempted from taxation“ ankreuzen.
Was CRS tatsächlich meldet — und was nicht
Ein verbreitetes Missverständnis: CRS meldet keine Einzelüberweisungen. Was einmal jährlich übermittelt wird, ist der Kontostand zum Jahresende sowie Gesamterträge wie Zinsen oder Dividenden. Wer im Oktober 5.000 Euro überweist und im Dezember wieder abhebt, taucht im CRS-Bericht mit dem Kontostand zum 31. Dezember auf — nicht mit den Bewegungen dazwischen.
Davon getrennt zu betrachten ist das Anti-Geldwäsche-System: Banken können jederzeit sogenannte Suspicious Transaction Reports an das Anti-Money Laundering Office übermitteln — ohne Mindestbetrag, ohne Kundeninformation. Das ist kein CRS, sondern nationales Bankrecht. Häufige Barabhebungen nach größeren Eingängen oder Überweisungen ohne erkennbaren Verwendungszweck können diesen Mechanismus auslösen.
Sektion 41 und die neue Auslegung seit 2024
Parallel zu CRS hat Thailand seine eigene Steuerauslegung verschärft. Sektion 41 des Revenue Code regelt seit jeher, dass steuerlich ansässige Personen — also alle, die mehr als 180 Tage im Kalenderjahr in Thailand verbringen — auf ins Land gebrachte Auslandseinkünfte Steuer zahlen müssen. Bis Ende 2023 galt: Nur Einkommen, das im selben Jahr überwiesen wird, in dem es entstanden ist, war steuerpflichtig.
Das Revenue Department hat diese Regel per Erlass P.161/2566 ab dem 1. Januar 2024 geändert. Seither gilt: Einkommen, das ab 2024 erzielt wird, ist steuerpflichtig, sobald es nach Thailand überwiesen wird — unabhängig davon, in welchem Jahr die Überweisung erfolgt. Einkommen aus der Zeit vor 2024 bleibt dagegen steuerfrei, egal wann es transferiert wird. Was das konkret beim Geldtransfer bedeutet, hat Wochenblitz hier erklärt.
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Wer als steuerlicher Inländer gilt
Die 180-Tage-Grenze klingt eindeutig — ist sie in der Praxis aber nicht immer. Wer Thailand mehrfach im Jahr verlässt und zurückkehrt, summiert alle Aufenthaltstage. 180 Tage oder mehr im Kalenderjahr machen eine Person zum steuerlichen Inländer, unabhängig von Visatyp oder Nationalität. Das Revenue Department gleicht seit 2025 Einreisedaten der Immigration automatisch mit Kontobewegungen ab.
Wer weniger als 180 Tage pro Jahr in Thailand verbringt, fällt nicht unter die hiesige Steuerpflicht für Auslandseinkünfte — zahlt aber dennoch CRS-bedingt Rechenschaft gegenüber den Banken. Die Selbstauskunft muss in jedem Fall ausgefüllt werden; die Steuerpflicht ist eine separate Frage.
Die Rolle der Doppelbesteuerungsabkommen
Deutschland, Österreich und die Schweiz haben mit Thailand jeweils Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) geschlossen. Diese regeln verbindlich, welches Land das Besteuerungsrecht für bestimmte Einkommensarten hat. Gesetzliche Renten aus der Deutschen Rentenversicherung etwa fallen unter Artikel 18 des deutsch-thailändischen DBA: Thailand hat das Besteuerungsrecht, Deutschland erhebt keine Quellensteuer.
Wer seine Steuern in der Heimat korrekt abwickelt und das DBA auf seiner Seite hat, zahlt durch CRS keine höheren Abgaben als vorher — er wird nur sichtbarer. Doppelte Steuer entsteht nur dann, wenn keine Klärung über das DBA erfolgt oder wenn Einkommen bisher schlicht nicht deklariert wurde.
Was Expats beim Banktermin mitbringen müssen
Wer eine Aufforderung seiner Bank erhält, sollte folgende Dokumente in ausgedruckter Form mitbringen: gültiger Reisepass, aktuelles Visum-Stempel oder Aufenthaltserlaubnis, Steueridentifikationsnummer aus dem Heimatland sowie nach Möglichkeit ein Wohnsitznachweis der Immigration (Certificate of Residence). Rein digitale Dokumente auf dem Smartphone werden von Sachbearbeitern häufig nicht akzeptiert.
Wer unsicher ist, ob sein konkreter Fall steuerliche Konsequenzen hat — etwa bei Mieteinnahmen aus einer Immobilie in Deutschland oder bei Dividenden aus einem Depot in der Schweiz — sollte das vor dem Banktermin mit einem zertifizierten Steuerberater in Thailand klären. Der Banktermin selbst klärt keine steuerlichen Fragen, er dokumentiert nur den Status.
Was jetzt konkret zu tun ist
Wer noch keine CRS-Selbstauskunft bei seiner Bank eingereicht hat, sollte das nachholen — ohne zu warten, bis eine Sperrung kommt. Wer seine TIN nicht kennt, findet sie auf dem deutschen Steuerbescheid, dem österreichischen Einkommensteuerformular oder — für die Schweiz — beim kantonalen Steueramt. Altvermögen aus der Zeit vor 2024 sollte auf einem separaten Konto geführt werden, damit künftige Transfers klar als steuerfrei belegbar sind.
Wer seine Einkünfte ordentlich deklariert und das passende DBA hinter sich hat, hat durch den Datenaustausch keinen Nachteil — nur mehr Papierkram. Was Banken in Thailand still und ohne Benachrichtigung melden, erklärt dieser Wochenblitz-Artikel.
Redaktionelle Hinweise
Dieser Beitrag ist eine journalistische Information zum Stand Mai 2026. Er ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Steuerpflichten hängen von Aufenthaltstagen, Einkommensart, Herkunftsland und DBA-Regelungen ab. Alle genannten Wechselkurse dienen ausschließlich der Veranschaulichung. Für eine verbindliche Einordnung der persönlichen Steuerpflicht wird empfohlen, einen in Thailand zugelassenen Steuerberater zu konsultieren.



Also im Beispiel meiner Wenigkeit, ich habe mich in der Schweiz abgemeldet vor 19 Jahren, Bankkonto wurde gekündigt, weil als Auslandschweizer ohne gemeldeten Wohnsitz in der Schweiz kriegt man kein Konto mehr. Somit bin ich seit 2024 in Thailand steuerpflichtig weil hier Ansässiger. Schweizer TIN ist also nicht existent.
Und jetzt ?
Die AHV Nummer ist die offizielle Steuer ID in der Schweiz. International wird sie auch als TIN anerkannt.
Artikel nicht gelesen? Da steht es drin. Wer keine TIN hat, weil kein steuerpflichtiges Einkommen vorliegt, kann auf den Formularen die Option „income exempted from taxation“ ankreuzen. Übrigens, Auslandschweizer können sehr wohl ein Konto in der Schweiz haben.
Für meine beiden Konten bei der Kasikorn bin ich bisher noch nicht angeschrieben worden, das ich die Deutsche TIN mitteilen soll. Bis jetzt sind diese Konten auch noch nicht gesperrt…also weiter abwarten. Die melden sich schon wenn sie was wollen.