BANGKOK – Chinas neue Panzerlieferung an Kambodscha hat in Thailand eine Welle der Wut ausgelöst. Ultranationalistische Kreise sprechen von Verrat, Sicherheitskreise stellen das Bruder-Motto infrage. Während die Grenzen dicht bleiben und die Aufrüstung läuft, stecken beide Länder in einem vermeidbaren Kalten Krieg.
Neue Panzer, alte Wut
Die Lieferung chinesischer T-59D-Kampfpanzer nach Phnom Penh schlug in Thailand ein wie eine Bombe. Es ist die erste Tranche eines Großauftrags über mehr als 100 Einheiten, und viele Thailänder reagierten mit blankem Zorn.
Die bekannte Militärreporterin Wassana Nanuam schrieb, thailändische Sicherheitskräfte seien verärgert über den Schritt Chinas. Diese Beamten würden das jahrzehntealte Motto infrage stellen, wonach Thailänder und Chinesen Geschwister seien.
Chinas kühle Realpolitik
Die chinesische Botschaft in Bangkok ruderte umgehend zurück und stellte klar, dass der Auftrag aus Phnom Penh schon vor den militärischen Zusammenstößen beider Länder im letzten Jahr erteilt worden war. Man habe Thailand nicht hintergangen, das Geschäft sei einfach älter als der Konflikt.
Dennoch zeigt der Fall die harte Realität: Peking konkurriert in der Region mit den USA und will Kambodscha bei Laune halten. China wird Waffen an jeden verkaufen, der zahlt – auch an Thailand, wenn es mehr Panzer oder U-Boote haben will.
Amerika vertraut seinen alten Partner nicht
Während Peking Panzer liefert, verweigern die USA Thailand den Verkauf moderner F-35-Kampfjets. Schon der damalige Junta-Chef Prayut Chan-o-cha hatte versucht, die Jets zu beschaffen, doch Washington blockte ab.
Der Grund ist so einfach wie bitter: Amerika traut dem ältesten asiatischen Verbündeten nicht genug, weil es befürchtet, Spione könnten die Hightech-Flieger in chinesische Hände spielen lassen. Unrealistische Erwartungen an beide Großmächte trüben nur das eigene Urteilsvermögen.
Geschlossene Grenze trifft Japan hart
Die anhaltende Schließung der thailändisch-kambodschanischen Grenze trifft nicht nur die beiden Länder selbst, sondern auch einen wichtigen Partner. Japanische Hersteller leiden unter zerbrochenen Lieferketten, weil Waren nicht mehr ungehindert die Grenze passieren.
Außenminister Sihasak Phuangketkeow überhäufte Japan kürzlich bei einem Besuch mit Lob. Doch die Forderung Tokios nach einer Grenzöffnung ignoriert seine Regierung beharrlich – während selbst Uniqlo-Kleidung aus Kambodscha in Bangkoks Läden liegt.
Händedruck wird zum Politikum
Wie grotesk die Lage ist, zeigt der öffentliche Rechtfertigungszwang des Regierungschefs Anutin für einen simplen Handschlag. Er hatte Kambodschas Premierminister Hun Manet bei einem Treffen in Vietnam die Hand gereicht.
Anutin erklärte den Vorgang danach so: „Wenn kein Händedruck, was sollte es dann sein? Vor einem Treffen der Staats- und Regierungschefs gibt es normalerweise einen Empfangsraum. Wer auch immer hereinkommt, wir müssen ihn mit einem Händedruck begrüßen. Unabhängig von irgendwelchen Problemen müssen wir ihnen als dem Anführer ihres Landes Respekt entgegenbringen.“
Luftwaffe rüstet auf und übt den Ernstfall
Die Royal Thai Air Force hat inzwischen ihre Truppenstationierung am U-Tapao Airport überprüft und angepasst. Man will auf potenzielle Bedrohungen aus dem Osten besser reagieren und die maritimen Interessen Thailands schützen.
Parallel laufen Trainings mit AIM-9-Luft-Luft-Raketen, um die Luftverteidigung zu verbessern. Die Einsatzbereitschaft soll rund um die Uhr gewährleistet sein – ein Zeichen, wie tief das Misstrauen gegenüber dem Nachbarn sitzt.
Mango-Streit als Dauer-Konflikt
Selbst vor dem Nachtisch machen die Streitigkeiten nicht halt: Beide Länder vergeudeten letzte Woche Zeit und Energie mit der Frage, ob Mango mit Klebreis nun ursprünglich thailändisch oder kambodschanisch sei. Solche Kulturkämpfe schüren nur weitere Abneigung.
Es ist nicht das erste und wird nicht das letzte Mal sein, dass man sich gegenseitig die Herkunft von Speisen streitig macht, während andere Nationen ihre Zeit auf Produktives verwenden.
Geisel des Ultranationalismus
Außenminister Sihasak Phuangketkeow betonte bei einer Begegnung, er tue alles, um den Konflikt diplomatisch zu lösen. Doch selbst er und die Anutin-Regierung scheinen gefangen in der Falle des Ultranationalismus, aus der es kaum ein Entkommen gibt. Aus einem kurzen Krieg im letzten Jahr ist ein kalter Krieg geworden, der beide Länder zwingt, immer mehr Steuergelder für Waffen auszugeben, statt in Tourismus und Handel zu investieren. Der Prozess nach dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS) beginnt gerade erst, und ein Ende der Eskalation ist nicht in Sicht.
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Ist ja kein neues Phänomen. Wenn die Nationalisten von den Patrioten und Ultranationalisten rechts überholt werden. Das verhindert Kompromisse und halbwegs vernünftige Lösungen. In der Falle sitzt nun die Regierung Anutin. Selber schuld!
Also was Patriotismus betrifft, den hat Europa bitter nötig! Dieser wird in den meisten europäischen Staaten mit Füßen getreten. In Deutschland wird man beim schwenken der Nationalflagge sogar polizeilich abgeführt. Abartig!