BANGKOK – Ein bekannter Wahrsager soll eine 32-jährige Geschäftsfrau über Jahre hinweg mit erfundenen Horrorszenarien so unter Druck gesetzt haben, dass sie ihm mehr als 30 Millionen Baht für sinnlose Rituale überwies. Erst ein fast identischer Betrugsfall an einer anderen Frau, der vor einem Monat aufflog, brachte die Geschädigte dazu, sich Hilfe zu suchen.
Erpressung mit der Angst um die Familie
Die Frau, die aus geschäftlichen Gründen anonym bleiben möchte, schilderte den Albtraum, der sich über vier bis fünf Jahre erstreckte. Der Wahrsager forderte für seine angeblichen Rituale horrende Summen zwischen 30.000 und 700.000 Baht pro Sitzung.
Als sie einmal zögerte und eine Zahlung verweigerte, setzte der Mann sie mit brutalen Drohungen unter Druck. Er prophezeite ihr, dass ihrer Familie und ihrem Umfeld Schlimmes zustoßen und ihr komplettes Lebensmittelgeschäft ruiniert werden würde – aus Angst knickte die Frau jedes Mal ein und überwies.
Die ersten Treffer machten ihn glaubwürdig
Der Kontakt zu dem Wahrsager entstand über Facebook, nachdem die Geschäftsfrau auf seine Seite gestoßen war. Die ersten Vorhersagen zu ihrem Geschäft trafen tatsächlich zu und bauten ein Vertrauensverhältnis auf, das der Mann später eiskalt ausnutzte.
Von diesen ersten Erfolgen überzeugt, ließ sich die 32-Jährige auf immer absurdere und teurere Rituale ein. Der finanzielle Schaden summierte sich im Laufe der Jahre auf über 30 Millionen Baht.
Fast identischer Fall mit 40 Millionen Baht Schaden
Die Wende brachte ein anderer Fall, der erst vor einem Monat für Schlagzeilen sorgte. Eine thailändisch-hongkong-chinesische Geschäftsfrau war mit einer fast wortgleichen Geschichte an die Öffentlichkeit gegangen – sie wurde von demselben Wahrsager um über 40 Millionen Baht betrogen.
Als die 32-Jährige diese Nachrichten sah, erkannte sie die Muster sofort wieder. Die beschriebenen Rituale glichen ihren eigenen aufs Haar, und sie wusste: Sie war kein Einzelfall.
Wahrsager windet sich um eine Stellungnahme
Nachdem der Bericht über die andere Geschädigte publik wurde, nahm der Wahrsager Kontakt zu der 32-Jährigen auf. Er versuchte sie zu beschwichtigen und tat die Berichterstattung als unwahr ab.
Ihre klare Forderung, sich doch bitte öffentlich zu den Vorwürfen zu äußern, lehnte er jedoch strikt ab. Diese Weigerung bestärkte die Geschäftsfrau in ihrer Überzeugung, jahrelang Opfer eines durchdachten Betrugssystems gewesen zu sein.
„Hört auf zu zahlen und geht zur Polizei“
Am 2. August suchte die Frau schließlich das Koordinationszentrum der Hilfsorganisation „Saimai Tong Rod“ im Bezirk Saimai auf. Ihr dringender Appell richtet sich an die mutmaßlich Hunderte anderen Schüler des Wahrsagers.
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Sie fordert alle Anhänger auf, zur Besinnung zu kommen und keine weiteren Überweisungen zu tätigen. Sie geht fest davon aus, dass es neben ihr noch viele weitere Geschädigte gibt, die aus Scham oder Angst bisher geschwiegen haben.
Ein lukratives Geschäft mit der Verzweiflung
Ekaphop Lueangprasert, Gründer von „Saimai Tong Rod“, beobachtet einen regelrechten Boom von falschen Wahrsagern und selbsternannten Wundermachern. Er sieht einen klaren Zusammenhang mit der angespannten wirtschaftlichen und sozialen Lage, die viele Menschen in existenzielle Ängste stürzt.
Die Betrüger würden diese Verzweiflung gezielt ausnutzen. Ihr System sei ebenso einfach wie perfide: Ein paar zufällige Treffer genügen, um Menschen in eine emotionale Abhängigkeit zu treiben, die dann über Jahre hinweg finanziell ausgebeutet wird.
Polizei prüft jetzt die Finanzströme
Im Fall der thailändisch-hongkong-chinesischen Geschäftsfrau läuft bereits die polizeiliche Verfolgung des Wahrsagers, nachdem Ekaphop sie persönlich zur Anzeige bei der Polizeistation Prawet begleitet hatte. Der stellvertretende Kommandeur der Polizei zur Bekämpfung von Technologiekriminalität, Pol. Maj. Gen. Chatchapantakarn Klaiklung, ist eingeschaltet.
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Als nächsten Schritt wird Ekaphop auch die 32-jährige Geschäftsfrau zu den Spezialermittlern bringen, um Strafanzeige zu erstatten. Parallel dazu soll eine genaue Prüfung aller Finanzströme des Wahrsagers erfolgen, um Vermögenswerte zu beschlagnahmen und den Opfern ihr Geld zurückzugeben.

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